Mit dem Schülerboom und G9 kommt jetzt die Raumnot an die Schulen zurück – sogar Samstagsunterricht ist im Gespräch

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KÖLN. Kommt durch den Schülerboom und G9 der Samstagsunterricht zurück? Das jedenfalls hat die Kölner Regierungspräsidentin Gisela Walsken (SPD) als Möglichkeit in Aussicht gestellt, um die durch steigende Schülerzahlen und den zusätzlichen Jahrgang am Gymnasium entstehende Raumnot an den Schulen einzudämmen. Das nordrhein-westfälische Schulministerium beeilte sich zwar klarzustellen, dass es nicht daran denke, den Samstag zum regulären Arbeitstag für Lehrkräfte zu erklären. Eine Ansage allerdings mit Einschränkung: Dies habe ohnehin nicht das Ministerium zu entscheiden, hieß es, sondern die Schulkonferenzen und die Schulträger vor Ort.

Müssen bald die Schulbus-Fahrpläne geändert werden? Illu: Shutterstock
Müssen bald die Schulbus-Fahrpläne geändert werden? Illu: Shutterstock

Das Problem besteht nahezu bundesweit: Innerhalb der vergangenen 15 Jahre setzten die meisten Länder auf G8, strichen also die gymnasiale Jahrgangsstufe 13 – mit der Folge, dass in den früher oft überfüllten Schulgebäuden auf einen Schlag Platz frei wurde. Die Leerstände wuchsen, weil in der Zeit die Schülerzahlen auch aufgrund niedriger Geburtenraten heruntergingen. In vielen Kommunen wurden deshalb die Kapazitäten verkleinert. Schulgebäude wurden umgewidmet, umgebaut, allzu marode Häuser auch mal abgerissen. Jetzt heißt es plötzlich: Kommando zurück – G9 wird wieder eingeführt. Und zeitgleich gibt’s auch noch einen Baby-Boom, der den baulichen Engpass in den nächsten Jahren nochmal dramatisch zuspitzen wird.

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Großstadtschulen bekommen den Zuwachs schon jetzt zu spüren – neuzugezogene Migrantenkinder und der Trend zur Landflucht bringen schon jetzt die Kapazitäten an den Rand. In Köln beispielsweise gab es unlängst viel Ärger, weil fast 1000 Familien nicht den gewünschten Platz für ihr Kind an einer Gesamtschule bekommen haben. Das Schulentwicklungsamt räumte gegenüber dem „Kölner Stadtanzeiger“ ein, dass in den kommenden fünf bis acht Jahren knapp 50 Schulen gebaut werden müssten, darunter fünf bis acht Gymnasien, aber nur 15 konkret in der Planung stünden. Heißt: Die Not ist groß, und gute Ideen sind jetzt gefragt.

Auch Grundschulen betroffen

Auch in Niedersachsen und Schleswig-Holstein kocht die Debatte hoch. “Rückkehr zu G9: An den Gymnasien wird es zu eng”, so titelte beispielsweise unlängst die “Osnabrücker Zeitung”. Die “Lübecker Nachrichten” berichteten, die Gymnasien im Stadtgebiet bräuchten 20 neue Räume. Dass Raumnot nicht nur an den weiterführenden Schulen herrscht, wird in Elmshorn deutlich: Dort klagen insbesondere die Grundschulen über fehlende räumliche Kapazitäten, die für den Ausbau des Ganztags dringend erforderlich wären.

Die Kölner Situation war der Anlass für die dortige Regierungspräsidentin Walsken, der unter anderem die Schulaufsicht untersteht, öffentlich vernehmbar darüber nachzudenken, ob nicht der Samstag künftig wieder für den Unterricht genutzt werden müsse, um die vorhandenen Räume besser auszulasten. Auch die Gründung von Oberstufenzentren für mehrere Schulen in benachbarten Bürogebäuden sei eine Möglichkeit. Sogar einen „Zweischichtbetrieb“ für ältere Schüler (und dann natürlich auch für deren Lehrerinnen und Lehrer) mochte Walsken nicht ausschließen.

Samstags unterrichten? Der Philologen-Verband kritisierte den Vorschlag laut “Stadt-Anzeiger” als „aus der Zeit gefallen“. Für eine Ausdehnung der Schulzeit gebe es keine pädagogischen Gründe. Die hausgemachte Misere dürfe nicht auf dem Rücken von Schülern und Eltern abgeladen werden. Tatsächlich ist der Samstagsunterricht noch gar nicht so lange her: Er wurde in Westdeutschland schrittweise in den 1980-er Jahren abgeschafft, in der DDR kurz nach der Wende 1990. bibo / Agentur für Bildungsjournalismus

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6 KOMMENTARE

  1. Bitte nicht wieder Samstags, weder aus pädagogischen Gründen noch aus diesen niederen Gründen wegen fehlender Räume. Das Zweischichtsystem aber bitte genauso wenig. Wie das im Übrigen genau funktionieren soll, weiß ich auch nicht, selbst wenn man es auf die Oberstufe beschränken würde.

    Hinweis für die Redaktion: Ich hatte bis ungefähr 1992 Samstags Unterricht alle zwei Wochen in zwei Doppelstunden (NRW). Inhaltlich lief nicht viel und wirklich alle machten 2345 Kreuze, als der endlich abgeschafft wurde.

      • Für mich war der Samstagsunterricht eines der größten Gründe gegen den Lehrerberuf.

        Fiel dann jedoch rechtzeitig weg.

    • Kürzung der Stundentafel und gut ist.

      164 WS in 6 Jahren sowie 28 mal 3 für die GOSt reichen doch, um eine Hochschulzugangsberechtigung abzusitzen. Das sind immerhin 27 WS in der SekI. Werden die im Ganztag (9 Stunden je Tag) verortet, gibt das eine nette drei-Tage-Woche. Wer das nicht möchte, muss eben an 4 TAgen / Stunden absitzen.

  2. Man bedenke mal, wie viele Schulen gerade in Ostdeutschland seit 1990 geschlossen wurden.

    Und jetzt muss überall neu gebaut werden ?!? Ok, das konnte man nicht ahnen (Zuwanderung), aber man hätte damals die Kapazitäten nutzen können, z.B. für kleinere Klassen. Dann müssten sie jetzt – zumindest vorübergehend – nur etwas aufgestockt werden und das Problem wäre schon behoben?

    Aber Politiker denken ja nur von Wahl zu Wahl. 🙁

    • Ein wirtschaftlich genutztes Gebäude muss nach 15 Jahren abgeschrieben sein bzw. “ertüchtigt” werden. Wir schreiben übrigens 2018. Es wurden 1990 im Osten nicht nur Schulen geschlossen, das ZK und der Staatsrat ebenfalls.

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