Ramadan: Giffey und Meidinger gegen strikte Auslegung des Fastens in Schulen

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KÖLN/KAIRO. Tagsüber kein Wasser und kein Essen: Hunderte Millionen Muslime starten in diesen Tagen in den Fastenmonat Ramadan. In Deutschland befürchten Lehrer Probleme im Unterricht.

Ramadan – eine sehr wichtige Zeit für Muslime.                                          Foto: Ding Digital Photography / flickr / CC BY 2.0

Für Millionen Muslime hat der Fastenmonat Ramadan begonnen. Die Islamverbände laden wieder allabendlich in die Moscheegemeinden ein. Allein in der Zentralmoschee in Köln könnten täglich rund 1.000 Besucher zum gemeinsamen Fastenbrechen Iftar kommen, wie die Ditib als größte Islam-Organisation in Deutschland mitteilte.

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Der Ramadan dauert diesmal bis Mitte Juni. Gläubige Muslime verzichten von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang auf Essen, Trinken, Rauchen und Sex. Der Ramadan ist für viele der geschätzt fünf Millionen Muslime in Deutschland ein wichtiger Pfeiler ihres Glaubens. Vom Fastengebot sind Kinder, Schwangere, alte und schwer körperlich arbeitende Menschen ausgenommen.

Für Hunderte Millionen Muslime weltweit beginnt die Zeit der Enthaltsamkeit etwas später, wie religiöse Instanzen in Saudi-Arabien, Ägypten, Jordanien und den Vereinigten Arabischen Emiraten mitteilten. Der Ramadan beginnt traditionell am Tag nach der Sichtung der Mondsichel nach dem Neumond. Dies kann von Land zu Land leicht variieren.

Weltweit sind 1,6 Milliarden Muslime zum Fasten aufgerufen. Auch dieses Jahr fällt der Fastenmonat in die Zeit hoher Temperaturen. Hunderte Millionen Muslime im Nahen und Mittleren Osten verzichten tagsüber bei teilweise weit über 40 Grad sogar auf Flüssigkeit. In Kairo beträgt die Zeitspanne zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang dabei fast 14 Stunden.

Gesundheit und Schule gehen vor

Nach Beobachtung des Deutschen Lehrerverbands nehmen viele muslimische Schüler das Fasten «inzwischen sehr ernst». Dies könne an Schulen, die über eine nennenswerte Schülerschaft mit Migrationshintergrund verfügten, zu Problemen im Schulalltag führen, beklagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger gegenüber «Welt Online».

Schwierig werde es dann, wenn die religiösen Belange einzelner Schüler alle einschränkten. Dies sei etwa der Fall, wenn Eltern Druck auf die Schulleitungen ausübten, während des Fastens keine Prüfungen oder Exkursionen anzusetzen und sich deshalb die Prüfungen für alle Schüler auf einen bestimmten Zeitraum konzentrierten. «Das geht nicht», kritisierte Meidinger.

Auch Bundesfamilienministerin Franziska Giffey warnte vor der strikten Auslegung des Fastens in der Schule. Bei der Diskussion müssten die Gesundheit und das Wohl der Kinder im Mittelpunkt stehen, sagte die SPD-Politikerin dem Nachrichtenmagazin «Der Spiegel». «Kinder müssen regelmäßig trinken und essen, sonst können sie nicht mehr aufmerksam dem Unterricht folgen und manche klappen sogar im Sportunterricht zusammen», sagte Giffey. Auf die Frage, was wichtiger sei, Schule oder Religion, sagte die Ministerin: «Gesundheit und Schule gehen vor.»

Der Zentralrat der Muslime betonte, in der Zeit des Verzichts solle man sich besonders für ein friedliches Miteinander einsetzen, gegen Rassismus, Ausgrenzung und Hass in der Gesellschaft eintreten. Erst nach Sonnenuntergang ist Essen und Trinken erlaubt, dann kommen viele zum Iftar oder Nachtgebet zusammen, was in vielen Moscheegemeinden allen Interessierten offensteht. dpa

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10 KOMMENTARE

  1. Vom Zentralrat kommt natürlich nur das übliche Gesäusel von Funktionären, das auf das eigentliche Problem (Ramadan vs. (Ganztags-)Schule) überhaupt nicht eingeht. Religionsfunktionäre sind im Allgemeinen Betonköpfe, die nichts anderes im Sinne haben, als ihre Religion für wichtig zu erklären. Schule ist denen egal, aber wehe, man erkennt irgendwelche Benachteiligungen beim Schulerfolg (dann sind wir Schuld). Dabei darf in unserem Staat jeder das halten wie er will. Es gibt einfach keinen Zwang zu religiösen Vorschriften. Könnte man das nicht mal etwas mehr publik machen? Ein ziviler Ungehorsam des Volkes gegen die reaktionären Religionsfunktionäre?
    Dass Leute wie Giffey, Meidinger und kürzlich auch Beckmann sich so dezidiert äußern, nehme ich als Zeichen dafür, dass es massive Probleme geben muss, vermutlich doch wie bei dem sprichwörtlichen Eisberg, von dem man nicht viel sieht.

  2. Der Ramadan ist ein alter deutscher Brauch der älter und weiter verbreitet ist als das Oktoberfest.
    Und trotzdem gibt es immer noch besorgte Mitbürger wie Giffey und Meidinger die ihn als Anlass für Hatespeech verwenden.
    Sinnvoller wäre es die Lehrer darauf hinzuweisen das gläubige Muslime in der Schule nicht von Mitschülern deswegen gemobbt werden – etwa in dem diese demonstrativ vor dem Fastenden Nahrungsmittel und Getränke konsumieren.

    • “Der Ramadan ist ein alter deutscher Brauch der älter und weiter verbreitet ist als das Oktoberfest.”
      Bitte mal mit einer Quelle belegen. Also nicht die christliche Fastenzeit, da ist Wasser-Trinken nicht verboten. Beim Essen ist nur Fleisch verboten (außer an Sonntagen).

        • Was da unter einer ironischen Überschrift steht, ist nichts als Propaganda. Das Oktoberfest wird in München seit 1810 gefeiert, in anderen Städten natürlich erst seit kurzem und in manchen auch gar nicht. Und vor der Zuwanderung der ersten türkischen Gastarbeiter vor 50 Jahren kannte in Deutschland fast niemand das Wort “Ramadan”.
          In dem Artikel ist wieder mal nur vom wunderbaren gemeinsamen Fastenbrechen die Rede (wenn die Nicht-Moslems nicht fasten, können sie eigentlich gar nicht fastenbrechen), aber eben nicht davon, dass Schulkinder von 5:30 bis 21:30 nichts trinken, in der Schule aber am rhythmisierten Ganztagsunterricht teilnehmen sollen, aufpassen, Referate halten, Klausuren schreiben usw. Wird nicht immer geklagt, die türkischen Schulkinder hätten im Vergleich geringe Leistungen aufzuweisen? Steht sogar bei PISA.
          Die Frage ist einfach: Was ist wichtiger für die Migrantenkinder und -jugendlichen im Hinblick auf deren weitere Zukunft: Schule oder Fasten? Im aufgeklärten Abendland kann es darauf nur eine Antwort geben. Nicht unsere Schule muss sich beugen, sondern die Berufs-Moslems. Genau das sagen auch Giffey, Meidinger und Beckmann.
          Sex in die Zeit der Dunkelheit zu verlegen, das dürfte ja wohl nicht allzu schwer sein. Dagegen kann man kaum Einwände haben.

        • Zum Thema “Der Ramadan , eine deutsche Tradition”, eine Antwort
          an den neudeutsch deutenden Journalisten.

          Das Schreiben, das Schreiben,
          manch einer sollte es besser vermeiden.
          Was da so in der Luft verpufft,
          verbreitet dann gar dicke Luft,
          und diese bildet eine große Kluft,
          die erinnert an Stimmung in der Gruft.
          Allein um die Geschichte zu verdrehen,
          ohne diese selbst zu verstehen,
          wird falsches gut und gutes schlecht,
          so wird´s dann selbstgerecht,
          der Mist dann auch noch abgedruckt,
          auf das manch einer darauf innerlich zuckt.
          Wer sich die Welt nach seiner Meinung dreht,
          meist wenig von dieser was versteht.
          Was sind das für Geschichten,
          die sich solche Schreiber sich erdichten.
          Der Ramadan zum deutschen erdacht,
          hat mich zum lachen schon gebracht.
          Ach sollen sie schreiben was sie wollen,
          wir werden uns verschwiegen trollen.
          Es macht keinen Sinn zu streiten,
          es würde ihnen nur Freude bereiten,
          wenn wir noch fielen übereinander her,
          es fehlt der Sinn darin schon sehr.

    • Laut dem Koran gilt das Fastengebot u.a. für Minderjährige nicht. Nur erzählen die Ideologen in den Moscheen den leichtgläubigen Moslems etwas anderes.

      • Hier noch mal die Details, ab 7 Jahren wird’s empfohlen, ab der Pubertät ist’s (angeblich) Pflicht:
        http://library.islamweb.net/grn/index.php?page=articles&id=169773
        Was “minderjährig” heißt, wird dort ganz anders ausgelegt als bei uns. Mädchen können schon mit 9 – 10 Jahren als “mündig” erklärt werden, Jungs etwas später. Das heißt natürlich nicht, dass sie dann irgendwas selber entscheiden dürften 🙂 Vielmehr heißt es, dass sie sich dann den Vorschriften des Islam zu unterwerfen hätten.

    • @Alreech
      Sie wollen unbedingt provozieren, oder warum bezeichnen Sie den Ramadan als “alten deutschen Brauch”?
      Und natürlich sind Kinder unter 14 Jahren, Kranke, körperlich schwer arbeitende und alte Menschen von diesem an den Islam gebundenen Brauch ausgenommen.

      • Provozierend erscheint es mir schon eher, wenn zum abschließenden Opferfest rituelle Schlachtungen in irgend welchen Hinterhöfen an Hammeln betrieben werden, die schon gegen unsere gesetzlichen Regeln verstoßen, aber geduldet werden, da diese Leute so gut integriert sind.

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