OECD: Keine ausreichenden Bildungschancen in der EU für Kinder von Einwanderern

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BRÜSSEL. Die Zahl der Kinder, deren Eltern außerhalb Europas geboren wurden, nimmt in der EU kontinuierlich zu. Bei ihren Bildungschancen gibt es noch Nachholbedarf, wie eine internationale Studie zeigt.

Bildungsgerechtigkeit? Fehlanzeige.                                                                              Foto: rykerstribe / flickr / CC BY 2.0

Kinder von Einwanderern aus Ländern außerhalb Europas sind einer OCED-Studie zufolge in der Europäischen Union im Bildungssystem und auf dem Arbeitsmarkt im Nachteil. Im Vergleich zu ihrer Elterngeneration haben sich ihre Chancen jedoch etwas verbessert, hieß es in einer jetzt in Brüssel vorgestellten Untersuchung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

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Die Zahl der Kinder, deren Eltern in anderen Ländern geboren wurden, nimmt nach Angaben der 35 Staaten umfassenden OECD praktisch überall zu. Bei den unter 15-Jährigen in der Europäischen Union beträgt der Anteil derer, deren Eltern aus Ländern außerhalb der EU stammen, derzeit elf Prozent. Bei den 15- bis 34-Jährigen sind es neun Prozent. Angesichts dessen sei es eine zunehmend wichtige Aufgabe, gleich Chancen für sie zu sichern.

In Europa sind Migrantenkinder jedoch nach wie vor im Hintertreffen, hieß es in der in Zusammenarbeit mit der EU-Kommission erstellten Studie. In vielen EU-Staaten hätten Kinder, die in der EU geboren wurden, deren Eltern aber aus Drittstaaten stammen, eine geringere Chance, eine weiterführende Schule abzuschließen. Zudem würden sie seltener studieren als Gleichaltrige, deren Eltern ein ähnliches Bildungsniveau aufweisen, jedoch im selben Land geboren wurden.

Erwachsene Kinder von Eltern, die außerhalb der EU geboren wurden, weisen zudem geringere Beschäftigungszahlen im Vergleich zu denen auf, deren Eltern innerhalb der Staatengemeinschaft zur Welt kamen.

In Deutschland nahmen die Studienautoren vor allem die Kinder von Einwanderern aus der Türkei sowie dem ehemaligen Jugoslawien in den Blick. Demnach hat sich deren Bildungsniveau im Vergleich zu ihren Eltern deutlich erhöht. Während 50 Prozent der weiblichen und 30 Prozent der männlichen Einwanderer aus der Türkei etwa keinen formalen Schulabschluss besaßen, lag der Anteil bei ihren in Deutschland geborenen Kindern im Jahr 2012 lediglich bei 10 Prozent. Beinahe jedes vierte Kind ex-jugoslawischer und jedes fünfte Kind türkischer Einwanderer schaffte demnach das Abitur.

Das zeige, das es über die Generationen Fortschritte gebe, hieß es von den Studienautoren. Allerdings reichten diese noch nicht aus. dpa

Gastkommentar: Gegen das Dogma von der Bildungsgerechtigkeit – Programme, mit denen wir aus jedem Kind einen Vollakademiker machen, kann es nicht geben

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8 KOMMENTARE

  1. Braucht es für diesen selbstverständlichen Befund eine Studie? Er liegt doch für jeden, der über ein bisschen Vernunft und Verstand verfügt, auf der Hand.
    Bei immer mehr Studien habe ich den Eindruck, dass es nur um ein Arbeitsbeschaffungsprogramm geht oder um erneute Schlagzeilen für ein Thema, das bestimmte Kreise nicht warm genug halten können, weil sie weitere Lösungsvorschläge in der Pipeline haben, die zur Akzeptanz ein angefeuertes Problembewusstsein der Öffentlichkeit brauchen.

    • Ich stimme zu. Das Hauptergebnis der Studie ist für mich der folgende Satz:

      “Während 50 Prozent der weiblichen und 30 Prozent der männlichen Einwanderer aus der Türkei etwa keinen formalen Schulabschluss besaßen, lag der Anteil bei ihren in Deutschland geborenen Kindern im Jahr 2012 lediglich bei 10 Prozent.”

      Man kann den auch wie folgt schreiben: “Schulpflicht verringert den Anteil Menschen ohne formalen Schulabschluss.”

      Inhaltlichen Tiefgang hat die OECD ersetzt durch ideologisches Gejammere. Leider hören die Bildungspolitiker darauf.

  2. Die Überschrift klingt so, als sei die EU schuld, dass die Einwandererkinder keine Schulabschlüsse kriegen …
    Aber – ist es nicht erstaunlich, dass Menschen in einem fremden Land weniger gut vorankommen als in ihrem eigenen?!

  3. Verstehe ich nicht. Jeder, der sich anstrengt, kann doch einen guten Schulabschluss machen. Ich erinnere mich an den kleinen Pakistani. Er konnte kein Wort Deutsch, als er in unsere VKL kam. Drei Jahre später schrieb er in der Mathe – Realschulabschlussprüfung 1,6. Wo genau die fehlenden Chancen sein sollen, erschließt sich mir nicht

    • Mir erschließt sich das auch nicht, aber das ewig gleiche und als falsch wahrgenommene Lied scheint einen ungenannten Zweck zu haben, dem auch gut informierte Bürger nicht auf die Spur kommen. Vielleicht gibt es hier ja jemanden, der eine plausible Erklärung hat. Die würde mich brennend interessieren.

      • Wie sehen oder sahen denn die Bildungschancen der Schüler zum Vergleich in deren Heimatländern Syrien, der Türkei, Afghanistan, Libyen, dem Irak, Marokko oder sonst wo aus, Länder, die ganz andere Bildungswesen haben als diese in der E.U. vorhanden sind.
        Selbstverständlich bedeutet die Sprache eine Barriere, die aber bei Kindern , deren Eltern einen höheren Bildungsabschluss in den Heimatländern haben, nicht so stark ins Gesicht fällt, wie bei Eltern mit einem niedrigen oder nicht vorhandenen Bildungsabschluss.
        Es wurde wieder Geld für eine Studie requiriert, deren Ergebnis schon vorher feststand. Toll.

  4. Es kommt doch auch auf die Einstellung zur Schule an. Hat man einmal russische und polnische Einwanderer unter die Lupe genommen? Da wird man vermutlich wesentlich weniger Rückstände feststellen, obwohl diese eine andere Schrift haben.
    Es freut mich allerdings zu hören, dass die Türken aufgewacht sind. Das merke ich selbst, dass die jetzige Generation mehr Lernwillen und Eltern mehr Schulbezug zeigen wie die vor 25 Jahren.
    Außerdem schließe ich mich den Meinungen aller Vorschreiber an.

  5. Vor Jahren bekam ich in meine 1. Klasse 4 Kinder, die kein Wort Deutsch sprachen. Es war Anfang der 90er Jahre und das Wort Integration nicht im Sprachgebrauch. Nach 1 Schuljahr konnten die russischen Kinder sehr gut deutsch und waren im Lesen bei den besten. Die anderen beiden Kinder kamen aus Tschechien. Weder das Lesenlernen noch das Erlernen der deutschen Sprache funktionierte.

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