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Studie zur Lehrergesundheit zeigt “katastrophale Entwicklung” auf – Aggressive Schüler und Lärm setzen Kollegien zu

BREMEN. „Die Situation an den Schulen ist dramatisch schlecht“, so heißt es in einem jetzt bekannt gewordenen Gutachten zur Gesundheit von Lehrern an Grundschulen, „die Belastung liegt im roten Bereich“. Forscher des Instituts für interdisziplinäre Schulforschung (ISF) haben die Kollegien von sechs Grundschulen in Bremen intensiv befragt – und alarmierende Antworten erhalten. Die Aussagen seien eindeutig und zweifellos auf andere Schulen übertragba, heißt es. Daraus gehe hervor, dass der unlängst durch verschiedene Studien wie IGLU oder den IQB-Vergleich belegte Leistungsverlust unter Viertklässlern auch mit „widersprüchliche Zielsetzungen,  unklaren und widersprüchlichen Organisationsabläufe zwischen Schule, Behörden und unterstützenden Systemen, einer nicht zu erfüllenden Aufgabenflut sowie einer erheblich defizitäre materiellen Ausstattung“ erklärt werden könne.

Macht der Schuldienst krank? Immer mehr Lehrer sehen sich an der Belastungsgrenze – oder darüber. Foto: Shutterstock

Die Wortwahl ist drastisch: Von einer „katastrophalen Entwicklung“ ist in der Studie, die das ISF in Kooperation mit dem Grundschulverband durchgeführt hat, die Rede. Schülern würden Lebenschancen vorenthalten. „Außerdem wird eine gerade in den Dienst eingestiegene Lehrergeneration innerhalb kürzester Zeit verheizt sein“, so sagen die Autoren voraus.

Als wichtigste Belastungsfaktoren werden geschildert:

Angesichts dieser Schilderungen überrascht die – immer noch – positive Grundhaltung, die sich die Lehrer bewahrt haben. „Die Kooperation in den Kollegien nimmt die Lehrkräfte zeitlich sehr in Anspruch, belastet sie aber psychisch kaum. Das Klima in den befragten Kollegien ist durchweg kooperativ geprägt und den Schülern sehr zugewandt. Es besteht eine hohe Motivation für die Ausübung des Berufs“, so heißt es in dem Bericht.

Streitfall Dienstunfähigkeit

Durch die extremen Belastungen im Beruf werden jedes Jahr Tausende von Lehrerinnen und Lehrer frühzeitig pensioniert. Das komplizierte Verfahren wirft viele Fragen auf. News4teachers hat deshalb jetzt einen 36-seitigen Ratgeber herausgegeben, der Antworten liefert und Lösungen für mögliche Probleme aufzeigt, die Betroffenen drohen können – verfasst vom Fachanwalt Michael Else.

Hier lässt sich das Dossier herunterladen (kostenpflichtig).

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Die Autoren zeigen sich aber sicher, dass das nicht so bleibt – wenn die Belastungen nicht umgehend zurückgefahren werden. Denn:. „Widersprüchliche grundlegende Zielsetzungen und häufige Paradigmenwechsel führen zu einer grundlegenden Verunsicherung der Lehrkräfte, weil alle postulierten Ziele so nicht erreicht werden können. Auf der einen Seite sollen die Schulen in einem auf frühzeitige Auslese ausgerichteten System möglichst viele der zentral definierten weitgehend kognitiven Leistungsansprüche erfüllen, auf der anderen Seite sollen sie die durch affektive Lernziele erweiterten höchst anspruchsvollen Inklusionsziele realisieren.“

Was ließe sich unternehmen, um zu einer spürbaren Verbesserung der Situation zu kommen? Die Autoren listen einen Empfehlungskatalog auf. Darin enthalten: Arbeitsschutz verbessern („dauerhafte Überlastung der Kollegien führt absehbar in eine personalwirtschaftliche und somit auch pädagogische Katastrophe“), Wertschätzung der vorgesetzten Behörden gegenüber den Lehrkräften, sowie eine Aufgabenkritik – „Maßnahmen dürfen nur umgesetzt werden, wenn sie auch materiell abgesichert sind. Ihre Wirksamkeit muss nach einer jeweils definierten Laufzeit evaluiert werden“. Und: Lärmschutz. bibo / Agentur für Bildungsjournalismus

Immer weniger Lehrer gehen wegen Dienstunfähigkeit in den Ruhestand – immer mehr scheiden dafür freiwillig früher aus