Mehr Zecken und Borreliose-Fälle in Sachsen – Experten: Kein Grund zur Panik

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DRESDEN. Zecken lauern im Wald und auch in der Stadt. Die Zahl der Borreliose-Erkrankungen ist gestiegen – laut Experten ist das Infektionsrisiko trotzdem gering.

In den ersten sechs Monaten 2018 sind in Sachsen mehr Erkrankungen an der von Zecken übertragenen Lyme-Borreliose registriert worden als im Vorjahreszeitraum. Nach einer Statistik des Gesundheitsministeriums gab es 593 Fälle und damit 145 mehr als in den beiden ersten Quartalen 2017. «Die tatsächliche Anzahl dürfte höher sein, da nicht jede Infektion festgestellt oder gemeldet wird», sagte ein Sprecher. Für den Parasitologen Franz-Rainer Matuschka von der Universität Potsdam sind das normale Schwankungen. «Und jeder kann sich selbst dagegen schützen.»

Trockenes und windiges Wetter ist katastrophal für Zecken. Derzeit bestehe also kein Grund zur Panik, meint Parasitologe Franz-Rainer Matuschka. Foto: JerzyGorecki / Pixabay (CC0)
Trockenes und windiges Wetter ist katastrophal für Zecken. Derzeit bestehe also kein Grund zur Panik, meint Parasitologe Franz-Rainer Matuschka. Foto: JerzyGorecki / Pixabay (CC0)
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Allerdings habe es nach dem anfangs nassen Frühjahr die Menschen vermehrt ins Freie gezogen. «Jetzt ist es trocken und windig und damit katastrophal für Zecken», sagt Matuschka. «Zur Panik besteht also gar kein Anlass.» Das Risiko sei verglichen mit den Gefahren im Straßenverkehr gering und die Erkrankung zudem gut therapierbar. Nach Angaben des Epidemiologen Martin Pfeffer von der Universität Leipzig ist nur jede vierte bis fünfte Zecke überhaupt infiziert.

Die meisten Infektionen gab es zwischen Jahresbeginn und Ende Juni im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und in Dresden, die wenigsten im Landkreis Nordsachsen und in Leipzig. Für das vergangene Jahr insgesamt stehen 1882 gemeldete Fälle zu Buche. Der Wert für das erste Halbjahr 2018 ist der höchste seit 2013 und liegt auch über dem fünfjährigen Mittelwert. Es komme darauf an, wie viele der Zecken infiziert sind und wie viele von ihnen Menschen stechen, erklärte Pfeffer.

Zecken lieben Temperaturen über sieben Grad und mehr als 80 Prozent Luftfeuchtigkeit und lauern in hohem Gras, in Kräutern und Sträuchern, manchmal auch in Kleingärten und Parks. «Auf dem Rasen überleben sie aber nicht langfristig», sagt Pfeffer. Das Gesundheitsministerium empfiehlt bei Aufenthalten in der Natur, langärmelige Kleidung in hellen Farben. «Das erleichtert das Absuchen nach Zecken», sagte der Sprecher. Vor allem bei Kindern sollte das jeden Abend passieren.

Obwohl 2018 ein Zeckenjahr ist, besteht kein Grund zur Panik, sagte Pfeffer. «Borrelien brauchen etwa einen Tag zur Übertragung, ein Mal Duschen am Tag reicht also.» Wenn die Tierchen innerhalb von 24 Stunden herausgezogen werden, mit Pinzette, eng an der Haut und ohne Drehen, sei meist noch nichts passiert. Bei einer runden Rötung des Stiches und grippeähnlichen Symptomen sollte man allerdings sofort zum Arzt, mahnte der Ministeriumssprecher. Denn bei unbehandelter Borreliose drohten chronische Entzündungen von Gelenken, Rückenmark und Gehirn, Lähmungen – und im schlimmsten Fall der Tod. (dpa)

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