Kulturkampf um „Lesen durch Schreiben“: Grundschul-Praktiker plädieren für einen kühlen Kopf im Methodenstreit (und setzen auf einen Mix)

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BERLIN. Um das Schreibenlehren tobt ein Kulturkampf, der zuletzt durch Wissenschaftler der Uni Bonn angefacht wurde. Die wollen herausgefunden haben, dass klassischer „Fibel“-Unterricht die besten Ergebnisse hervorbringt. Kaum zwei Wochen später verbot das Brandenburger Bildungsministerium seinen Grundschulen alle anderen Methoden, darunter das umstrittene „Lesen durch Schreiben“. Bei Lehrern und Wissenschaftlern sorgten die Studie und die Reaktionen darauf für Irritationen – wird doch in der Praxis, so hieß es, das Schreiben methodisch kaum in Reinform unterrichtet. Gespräche mit Praktikern bestätigen das (und legen eine weniger aufgeregte Debatte um das Thema nahe). N4t

Kindern erkunden das Schreiben zunächst spielerisch – Problem oder Chance? Foto: Shutterstock

Britta Seepe-Smit steckt in einem Dilemma. Lange Zeit ließ die Grundschullehrerin und Fachleiterin für Deutsch am Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung der Bezirksregierung Münster ihre Schülerinnen und Schüler „Lesen durch Schreiben“ lernen. Auch ihr Sohn Leonard wurde so unterrichtet. Im Zentrum des Lernens stand eine Anlauttabelle, vor allem aber die Überzeugung, die Kinder sollten möglichst viele Texte selbst produzieren, ohne dabei auf die Rechtschreibung zu achten, und so schließlich auch das Lesen mitlernen. Jeder möglichst in seinem Tempo, falsch geschriebene Wörter werden anfangs noch geduldet. Die Schreibmotivation soll schließlich nicht sinken.

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Doch schon bald musste Britta Seepe-Smit erkennen, der Weg war für ihren Filius der Falsche. „Leonard wollte nicht im eigenen Tempo lernen. Er hätte einen strukturierteren Unterricht benötigt. Den ermöglicht die Fibel“, sagt die Mutter. Der so genannte „Systematische Fibelansatz“ führt schrittweise einzelne Laute und Buchstaben und Buchstabenverbindungen ein. Dabei werden gesprochene Wörter unter Anleitung möglichst exakt in Einzellaute zerlegt (analytisches Verfahren) und diese Laute danach im gelenkten Leseprozess zu einem Wort verschliffen (Syntheseverfahren). Die Kinder erlernen die Schriftsprache in einem fest vorgegebenen, strukturierten Ablauf vom Einfachen zum Komplexen. Korrekturen durch die Lehrkraft sind selbstverständlich. Fibeln werden schwerpunktmäßig in Bayern und in den östlichen Bundesländern eingesetzt, Länder, in denen Vergleichstests zur Rechtschreibung tendenziell besser abschneiden.

Tatsächlich also ein Plädoyer für die Fibel? Britta Seepe-Smit verneint. „Die Wahrheit liegt wie so oft in der Mitte.“ Will heißen: Manche Kinder lernen leichter und besser mit der Anlauttabelle, indem sie Texte produzieren und dabei „nach Gehör schreiben“, andere mit der Fibel. Und die meisten durch eine Mischung der unterschiedlichen Methoden. Denn längst liegen den Fibeln zumeist auch Anlauttabellen bei und umgekehrt vermitteln Lehrwerkskonzepte auf der Basis der Anlauttabelle von Anfang an auch Rechtschreibstrategien. „Schreiben nach Gehör ist übrigens nicht so verwerflich, wie es in der Öffentlichkeit oftmals dargestellt wird”, so Michael Schlienz, Leiter des Klett Grundschulverlags. „In der sogenannten alphabetischen Phase schreiben alle Kinder nach Gehör. Wichtig ist nur, den Übergang hin zum rechtschriftlich, richtigen Schreiben früh zu schaffen und zu gestalten.“

Barbara Bößmann kann die aufgeregte Debatte, die nach Bekanntwerden der Bonner Studie – die noch immer nicht vollständig veröffentlicht ist – entbrannte, nicht nachvollziehen (News4teachers berichtete). Durchaus mit einer Portion Galgenhumor beobachtet die Leiterin der Bonner Elsa-Brändström-Grundschule ebenso wie eine bayerische Kollegin, die nicht genannt werden möchte, die reflexartigen Reaktionen von Schulministerinnen und -ministern, wenn Bildungsstudien und Vergleichsarbeiten Schülerinnen und Schülern Defizite bei der Rechtschreibung attestieren. „Ist gerade Methode X populär und die Kinder schneiden beim Test schlecht ab,  rufen alle nach Methode Y. Und umgekehrt“, sagt die Pädagogin aus dem Süden Deutschlands.

Barbara Bößmann sucht mit ihrem Kollegium stets die individuelle Lösung, basierend auf der Überzeugung, dass die Fibel und die dort benutzten Wörter ihre „Klientel“ überfordert. Bei der hohen Anzahl Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund und einer Vielzahl von Muttersprachen in ihren Klassen verständlich. „Wir haben Kinder, die können schon alle Buchstaben. Ihnen müssen wir mehr Futter, sprich Wörter und Bilder an die Hand geben. Andere tun sich schon im Umgang mit der Anlauttabelle schwer“, berichtet sie. Die Ursache dafür liegt zumeist in der Muttersprache. Sowohl die türkische als auch die arabische Sprache beinhalten mehr Laute als die deutsche. Eine besondere Herausforderung für die Kinder, die feinen Unterschiede herauszufinden.

“Früh und ungehemmt. Und falsch”

Bößmann ist von einem fest überzeugt: „Viele unserer Kinder schreiben früh und ungehemmt. Und anfangs auch falsch. Doch spätestens, wenn wir den Kindern erklären, dass man bei den meisten Wörtern, bei denen man am Ende ein –a hört, ein –er schreibt, z.B. bei Fenster, Roller, sollten sie danach diese Regel auch befolgen. Natürlich führen wir diesen Sachverhalt nicht ein, ohne die Kinder auch auf die wenigen Ausnahmewörter aufmerksam zu machen, wie Oma, Mama, Lama.

Dass es den Kindern schwerfalle, die falsche Schreibweise aus dem Gedächtnis zu streichen, glaubt sie nicht: „So schnell bleibt das Falsche nicht haften.“ Verfechter der Rechtschreibung von Anfang an sehen dies genau umgekehrt, wobei hier auch umgekehrt gilt: Oft bleibt die richtige Schreibung bei Kindern genauso wenig gleich haften, also es kann auch bei Wörtern, die schon mehrmals richtig geschrieben wurden, wieder zu Fehlern kommen.

Der These, dass der Königsweg offensichtlich in einem bewussten Mix der Methoden liegt, kann sich auch Britta Seepe-Smit anschließen. „Eine sichere Herangehensweise ist meines Erachtens, die Fibel als strukturierte Grundlage zu nehmen und trotzdem lautgetreue Schreibübungen parallel anzubieten“, betont sie. Sie hat ein Übel an anderer Stelle ausgemacht: die Lehreraus- und -fortbildung. Als Beispiel führt sie Nordrhein-Westfalen an. Dort können Lehramtsanwärter wählen, ob sie in Deutsch oder Mathematik fachdidaktisch auf den Schulalltag vorbereitet werden. Die Folge: „Wer nur in einem Fach didaktisch ausgebildet wird, kennt die Stärken und Schwächen der unterschiedlichen Methoden im anderen Fach nicht.“ Folglich übernehmen Lehramtsanwärter, was an der Schule Tradition hat. Die Vertreter der einzelnen Lernmethoden sind sich sicher: Alle Methoden funktionieren und führen zu zufriedenstellenden Ergebnissen, wenn die Lehrkräfte sie nur wirklich durchdrungen haben und entsprechend vermitteln können. Also doch eine Frage der Ausbildung?

„Stimmt irgendwie schon“, bestätigt Sonderpädagogin Verena Salem. Auf die Vermittlung des Schreibenlernens sei sie theoretisch während der Ausbildung vorbereitet worden, praktisch aber nicht. „Das erlernt man erst in der Praxis“, sagt sie. Und diese lehrte sie: „Wir dürfen nicht alle Kinder über einen Kamm scheren.“ Ein Satz, der die Arbeit der Lehrkräfte nicht leichter macht, da die Lehrkräfte für die verschiedenen Kinder ein unterschiedliches Repertoire an Methoden benötigen. Ein Satz aber auch, der zeigt, dass es immer Kinder geben wird, die auf dem einen oder anderen Weg zum Erfolg kommen, ob mit „Schreiben nach Gehör“ oder einem analytisch-synthetischem Buchstabenerwerb in einer Fibel. Klett Themendienst

Hintergrund

Der Problematik, dass ihre Studie zu derartigen Reaktionen führen könnte, sind sich die Urheber an der Universität Bonn nach eigenen Angaben bewusst. Prof. Dr. Una Röhr-Sendlmeier von der Abteilung Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie hat sie gemeinsam mit Doktorand Tobias Kuhl durchgeführt und jüngst präsentiert. Ihr klares Ziel habe gelautet, einen wissenschaftlichen Beitrag zur Diskussion zu leisten und diese zu versachlichen. Darum ist der Professorin der Hinweis besonders wichtig, dass die Studie völlig ohne Drittmittel und ohne die Verflechtung mit irgendwelchen Interessengruppen durchgeführt und ausgewertet wurde.

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

“Schwarzer Peter” heißt das Spiel: Die Debatte um “Lesen durch Schreiben” nimmt hysterische Züge an – zum Schaden der Schulen

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63 KOMMENTARE

  1. Zitat: “Der Ministerpräsident befürwortet jedenfalls die grundsätzliche Rückkehr zur klassischen Lehrmethode. ‘Ich begrüße das sehr’, sagt Stephan Weil (SPD) unserer Redaktion. In der Koalitionsvereinbarung sei es als Ziel festgelegt, den Trend zum Schreiben nach Gehör zu stoppen – so richtig verstanden habe er diesen auch nie, sagte Weil.”
    https://www.noz.de/deutschland-welt/niedersachsen/artikel/1605403/schreiben-nach-gehoer-grundschule

  2. So, so, sie glaubt also nicht, dass sich falsche Schreibstrategien nachhaltig bei den Schreibnovizen einprägen. Um Glauben und Meinung geht es hier aber schon lange nicht mehr.
    Diese Denkweise entspricht einer eigenen Ideologie, die jeder wissenschaftlichen Grundlagen entbehrt.
    Wer glauben will, der gehe in eine Kirche oder einen anderen Ort der Besinnung.
    Es ist aber wissenschaftlich bewiesen, siehe Prof. Manfred Spitzer und Prof. Onur Güntürkün, dass falsche Schreibstrategien synaptisch fixiert werden, und diese synaptischen Verbindungen beim wiederkehrenden Gebrauch dieser Schreibstrategien durch einen synaptischen Umbau weiter verfestigt werden und sich diese Verbindungen als stark resistent gegen spätere Veränderungen im Sinne eines Umlernens erweisen.
    Und gerade für die Risikogruppen sind LDS und freies Schreiben mit Anlauttabellen im offenen Unterricht nachhaltig schädigend, während Kinder aus einem der deutschen Sprache zugewandten häuslichen Umfeld durch den Einfluss der Eltern besser mit diesen unstrukturierten Methoden zurechtkommen.

  3. Zitat:
    “Der so genannte „Systematische Fibelansatz“ führt schrittweise einzelne Laute und Buchstaben und Buchstabenverbindungen ein. Dabei werden gesprochene Wörter unter Anleitung möglichst exakt in Einzellaute zerlegt (analytisches Verfahren) und diese Laute danach im gelenkten Leseprozess zu einem Wort verschliffen (Syntheseverfahren). Die Kinder erlernen die Schriftsprache in einem fest vorgegebenen, strukturierten Ablauf vom Einfachen zum Komplexen. Korrekturen durch die Lehrkraft sind selbstverständlich. Fibeln werden schwerpunktmäßig in Bayern und in den östlichen Bundesländern eingesetzt, Länder, in denen Vergleichstests zur Rechtschreibung tendenziell besser abschneiden.”

    Klingt einleuchtend.

  4. Wenn man sich einigen könnte, dass die Kinder von Anfang an die richtigen Schreibweisen lernen und entsprechend korrigiert werden, sollte Frieden im “Kulturkampf” einkehren. Ist es nicht kurios, dass die hier Schreibenden erst ab dem Moment von “Kulturkampf” sprachen, als wissenschaftliche Untersuchung die an den Hochschulen gelehrten “modernen” Schreibenlernmethoden als nachteilig erwies. Was aber herrschte die 10-20 Jahre zuvor, wo ältere Lehrerinnen und engagierte Eltern gegen die “freien” Unterrichtsformen allein standen und ihren Kindern das Gleichrichtigschreiben gegen den Widerstand der Lehrkräfte beibringen mussten? War das kein Kulturkampf?

    • Eben, wer heute über Kritik an heutigen Zuständen jammert, vergisst offensichtlich gerne, dass die heutigen Zustände aus der Kritik an den vorherigen hervorgegangen sind. Die mussten sich Lehrer und Lehrerinnen damals auch gefallen lassen.

  5. Seit Beginn des Schuljahres wundere ich mich, wie langsam meine 9. Klasse beim Abschreiben von der Tafel ist. Nun fiel mir erst auf, dass nur ca. 1/3 der Schüler Schreibschrift schreibt, die meisten drucken oder haben eine selbstgebastelte teilverbundene Schrift. Da könnte ein Zusammenhang bestehen.

    • Dem kann ich nur zustimmen.

      Und hinzufügen möchte ich, dass eine Lehrerin an der Grundschule meiner Tochter der Meinung war, man solle darauf verzichten (in der Grundschule), den Kindern die Schreibschrift beizubringen, weil es für viele schwer sei.

      Naja, wenn wir dann also immer darauf verzichten beizubringen, was (anfangs) schwer ist …

    • @Pälzer: Die Kinder lernen in der GS alle eine verbundene Schrift, sie fangen aber, wenn sie älter sind, meistens in den weiterführenden Schulen, wieder an zu drucken oder eine Mischform zu schreiben, weil sie das nicht so kindisch finden. Haben wir auch gemacht, mache ich heute noch. Und es geht schneller. Ich kenne kaum einen Erwachsenen, höchstens Grundschullehrer, der im Alltag normgetreu in der Lateinischen Ausgangsschrift schreibt. Im Bildungsplan steht ja auch, “zu einer individuellen gut lesbaren Schrift finden” (natürlich erst am Ende der GS und nach dem Erlernen einer Schreibschrift).

      • Das ist etwas anderes, als wenn man nur die Druckschrift gelernt hat und nur die Druckschrift verwendet. Diese Kinder sind meist sehr langsam beim Schreiben, hinken also beim Abschreiben eines Tafelbildes elendig hinterher (wo nicht mehr nur in Arbeitsheften und mit Arbeitsbögen gearbeitet wird) und im Schriftbild kann man oft nicht sicher erkennen, ob ein Buchstabe groß oder klein und ob Wortgrenzen eingehalten werden oder nicht.

        Dass sich im Laufe der Zeit eine individuelle Handschrift ausbildet, die mehr oder weniger auf Formen der Druckschrift und verschiedene Schreibschriftvarianten und eigene “Ideen” zurückgreift, ist eine ganz andere Frage.

        “Obige Kinder” kennen nur die Druckschrift.

      • @mississippi
        Das gilt definitiv nicht für jedes Bundesland und jede Schule, und bezogen auf die große Anhängerschar des Grundschulverbandes trifft es auch nicht zu, da diese versuchen die Schüler dazu zu bringen suchen , über eine modifizierte Druckschrift im Anfangsunterricht selbst eine eigene Schreibschrift entwickeln zu lassen, alles ohne groß angelegte Feldversuche im Vorfeld des neuen Experimentes, einzig aus der Idee ersonnen, Schüler würden eine eigene verbundene Handschrift aus dieser abgewandelten Druckschrift entwickeln können. Das gelingt aber, wenn überhaupt, dann nur segmentweise.
        Das Professoren-Duo Brügelmann/ Brinkmann hat anscheinend immer noch eine große Zugkraft, wenn es darum geht, Neues zu ersinnen und einzuführen, nachdem die Schreibleistungen der Schüler nachweisbar nachließen.
        Man weigert sich schlicht direkt instruierend mit den Schülern zu arbeiten und träumt weiter von der Idee eines eigen initiativen Schriftspracherwerbs.

        • Eine Schreibschrift zu erlernen oder das Schreiben an sich zu erlernen als Erstschrift sind 2 Paar Schuhe. Von der Vorgabe, mit Schreibschrift zu beginnen, hat man schon sehr lange Abstand genommen.

          Dass man die Kinder sich selbst überlassen würde, ist Ihre Unterstellung oder Ihr Unwissen.
          Es geht darum, den Kindern eine gut lesbare Handschrift zu vermitteln, die sie in der Schule und im Alltag nutzen.
          Auch hier muss man weit stärker differenzieren, als Sie es tun: das Erlernen einer formgetreuen Ausgangsschrift als erste oder zweite Schrift macht noch keine schöne Handschrift.

          Dass in Klasse 9 die SuS eine Ausgangsschrift nutzen, ist mir unbekannt. Dass Lehrer sie in Klasse 9 im Alltag an der Tafel nutzen, auch, aber da lasse ich mich gerne überzeugen.

          • Ich weiß wovon ich spreche und was ich selbst erlebt und erfahren habe. Eine verbundene Schreibschrift erlernen die meisten Schüler erst unter einer anleitendend, motivierenden und unterstützenden Hilfestellung durch die Lehrerin, was in NRW leider nicht immer der Fall ist und durch die “Fachdidaktischen Hinweise” aus dem Kultusministerium und dem Jahre 2004 noch in falscher Richtung unterstützt wird.

      • Mich bringen meine Erfahrungen heute eben gerade ins Zweifeln an dem, was im Bildungsplan und in unseren Lehrplänen steht. Ich bin ja auch in der Zeit groß geworden, wo Individualität der höchste Wert wurde. Aber man muss die Wirklichkeit betrachten. Haben die Grundschul-Professoren getestet, wie sich die Schreibgeschwindigkeit entwickelt? Wäre eine klug und ergonomisch entwickelte, fest eintrainierte Schrift schneller, flüssiger, mit weniger Mühe zu schreiben? Schöner ist sie allemal. Meine Tante kann mit 85, inzwischen blind, immer noch schön schreiben. Solchen Fragen muss man sich doch mal stellen.

        • Das bestätigt Beobachtungen, dass Menschen, die eine verbundenen Schreibschrift mit der Aufhängung an der Grundlinie in Verbindung mit den geeigneten Hilfslinien beim Schreiberwerb im Dunkeln leserlich schreiben können, da sie sich die Bewegungsabläufe einprägten. Dabei bleiben die Schreibergebnisse relativ stabil in einer Linie.
          Derartiges gelingt mit einer Druckschrift nicht !

    • Mir leuchtet das nicht ein, dass eine Druckschrift von Hand schneller geschrieben werden kann als eine verbundene Schreibschrift. Im Gegenteil: Je schneller man schreibt oder schreiben muss, desto mehr verschleifen sich Buchstaben, werden unterdrückt, abgekürzt oder ausgedünnt, die Punkte über dem i oder über Umlauten werden mit einbezogen, bis man es kaum noch lesen kann. Je schneller man schreibt, desto weniger will man absetzen, weil das eine Unterbrechung zur Folge hat. Jedenfalls geht mir das so.
      Nicht vergessen: Steno ist eine sehr verbundene Schriftart, abgesetzt wird nur für neue Wörter. Und die soll schnell sein. Kann jemand dieses Paradox erklären?

      • Brügelmann hat zu den entsprechenden Untersuchungen zu den entsprechenden Vergleichsstudien die falschen Interpretationen geliefert und wissentlich falsche Ergebnisse kolportiert. Diese Deutungen und Interpretationen musste er anschließend wieder zurücknehmen.

    • Im Rahmenplan der Grundschule Rheinland-Pfalz steht tatsächlich…”gut lesbare Handschrift flüssig schreiben…” also nichts von verbundener Schrift. Und wie lange kämpfen bei uns manche SuS mit der Schreibschrift!! Sie lernen zuerst die Druckschrift (mit dem Lesenlernen) und dann die Schreibschrift. Aber auch nicht sooo optimal, wie ich finde. Ich selber habe gleich in Schreibschrift schreiben gelernt.

      • Es fehlt aber der Wille, mit Ausnahme der anthroposophischen Schulen, die Schreibschrift als erstes Medium der Mitteilung einsetzen zu wollen, weil die Vermittlung des eigenständigen Schreiben- und Lesenlernens mit der Druckschrift einfacher erscheint, da der Schüler weniger angeleitet werden muss.
        Allerdings entfällt auch ein Training der Feinmotorik, schreibende Bewegungsabläufe werden in der Verbindung nicht eintrainiert, die favorisierte Druckschrift verhindert die Vermittlung von graphomotorischen Bewegungsabläufen, welche im motorischen Cortex abgespeichert werden.

        • Der Sinn, als erstes die Druckschrift zu wählen, hat sicherlich auch damit zu tun, dass sie dadurch auch gleich gelesen werden kann und man ein System mit über 50 Zeichen erlernt, statt über 100 Zeichen mit wechselnden Verbindungen an den Beginn des Lesens stellt.
          Der Wechsel von Schreibschrift auf Druckschrift erfolgte schon in den 70ern. Auch Kinderbücher in Schreibschrift waren Eintagsfliegen.

          • Nun, die Schriftzeichen der Druckschrift und der Lateinischen Schrift, wie auch der Schulausgangsschrift stimmen in ihrer Form sehr weit überein, allerdings gelingt die fließende Verbindung der Buchstaben zu einem Wort fast ohne ein Absetzen nur bei den benannten verbundenen Schrifttypen. Außerdem wird die feinmotorische Graphomotorik der Schüler besser trainiert.
            Es macht halt mehr Spaß eine schöne Handschrift zu pflegen.
            Später wird es dann schwieriger sich eine derartige Fähigkeit anzueignen und schnell und ausdauernd längere Texte zu schreiben.

      • Mississippi: Können Sie Druckschrift wirklich “flüssig” und “gut lesbar” schreiben? Was passiert, wenn Sie sich beeilen müssen? Ich nehme an, dann werden sich gewisse verbundene Schleifen oder so einschleichen, ob Sie das wollen oder nicht (Beispiele: ch, ck, nn, mm, el, le, un, nu, tr, fr, …). Am Ende wird eine selbstgestrickte verbundene Schrift herauskommen.

        • Cavalieri: Können Sie Schreibschrift wirklich “flüssig” und “gut lesbar” schreiben? Was passiert, wenn Sie sich beeilen müssen?
          Wechseln Sie Ihre Schriftart je nach Verwendung? Wechseln Sie Ihre Buchstaben?
          Schleichen sich bei Ihnen Druckbuchstaben ein? Verbinden Sie wirklich konsequent jeden Buchstaben und schreiben vom ersten bis zu letzten Buchstaben eines Wortes, ohne das Schreibgerät vom Papier zu heben?

          Am Ende wird eine selbstgestrickte, teil-verbundene Schrift herauskommen. Vermutlich ist es das, was man unter einen individuellen, lesbaren Handschrift versteht.

          • Ja, so habe ich es auch erlebt. Nach einem guten Schreibschriftunterricht habe ich mir Ende des Gymnasiums nach meinen ästhetischen Vorstellungen eine Schrift “gewählt” und eingeübt. Bei Bedarf konnte ich auch richtige Schreibschrift schreiben. Und genau das sollten die heutigen Kinder auch können. Aber zu viele können es nicht mehr. Ich vermute: weil Lesen und Schreiben zu lernen den Bildungspolitikern nicht mehr genug ist für die Grundschule. Die Kinder sollen sich auch eine Meinung über den Klimawandel bilden, Mediane berechnen und im Internet recherchieren. Da ist keine Zeit mehr, gut Schreiben zu lernen.

          • Palim: Meine heutige Schreibschrift ist flüssig (schnell) und großenteils verbunden, aber sehr individuell und leider gar nicht gut lesbar. Das liegt an dem Tempo, das ich mir in der Studentenzeit angewöhnt habe (“Sauklaue”). Mit der Druckschrift hat sie nichts zu tun. Druckschrift verwendet man in der Mathematik für Formeln und Ziffern.
            Aber hier geht es nicht primär um die Schrift der Erwachsenen. Ich habe noch ein altes Schulheft aus der 5. Klasse, als ich 10 Jahre alt war. Das ist sehr gut lesbar, sieht flüssig aus, fast schulmäßig und ist extrem verbunden. Die meisten Wörter wurden in einem Zug geschrieben, die i-Punkte usw. hinterher draufgesetzt.
            Seit 120 Jahren lernen in Deutschland alle Kinder (auch aus einfachen Verhältnissen) in der Volksschule (Grundschule) das Schreiben, früher mit komplizierteren Buchstaben als heute, aber immer mit einer Schreibschrift. Mir leuchtet nicht ein, wieso das plötzlich zu schwierig sein soll. Man muss nur wollen und etwas üben.

          • @cavalieri
            Wenn Ihre eigene Schrift nicht gut lesbar ist, wo ist dann die Fehlentwicklung?
            Kreiden Sie es Ihrem Unterricht in Klasse 1+2 an, in dem Sie eine verbundene Schrift erlernt haben, dass sie heute nicht leserlich schreiben können?
            Kann man das auf alle anderen übertragen, die ebenfalls nicht leserlich schreiben?
            In Klasse 5 schreiben viele SuS das, was sie in der GS gelernt haben. Da es vorgegeben war, erfolgt die persönliche Ausprägung der Schrift erst danach.

            Zur Schulpflicht für alle Kinder in ganz Deutschland finde ich, dass sie gerade einmal 100 Jahre alt ist,
            zu unterschiedlichen Ansätzen, auch mit einer Druckschrift, die in Schreibschrift gewandelt wird, verweise ich auf
            http://www.linse.uni-due.de/linse/esel/pdf/schreiblehrmethoden.pdf

          • “wo ist dann die Fehlentwicklung?”
            Das habe ich doch gesagt: Ich versuchte später, schneller zu schreiben als ich kann (eine Art “Steno selbstgestrickt”). Mit der verbundenen Schrift in der GS hat das nichts zu tun. Mit der Druckschrift wäre es nur schlimmer geworden, weil die langsamer ist. Die verbundene Schreibschrift ist doch okay, was soll das Problem sein? Als Kind konnte ich damit flüssig, lesbar und sauber schreiben.Was die individuelle Ausprägung später damit macht, steht auf einem ganz anderen Blatt.
            Übrigens: Wenn ich mir Mühe gebe, kann ich auch lesbar schreiben. An der Tafel wird man ja sowieso ausgebremst von der Kreide, da ist es dann lesbar.

          • Warum hat Ihre Schreibentwicklung und Ihre schlecht lesbare persönliche Handschrift nichts mit der verbundenen Schrift in der GS zu tun, während man bei den Schülern diesen Zusammenhang durchaus sehen will?

            Die Schüler lernen zu Beginn der Schreibentwicklung eine Druckschrift. Sie bleiben dabei nicht stehen, es ist der Anfang. Danach folgen andere Übungen, die sie befähigen, auf die eine oder andere Weise verbunden zu schreiben. Auch die persönliche Handschrift entwickelt sich allmählich und kann sich im Laufe des Lebens aus unterschiedlichen Gründen verändern, verbunden bleiben oder sich wieder zu einer Art Druckschrift oder gemischten Schrift entwickeln.

          • Palim, Sie hatten mich gefragt: “Können Sie Schreibschrift wirklich “flüssig” und “gut lesbar” schreiben? Was passiert, wenn Sie sich beeilen müssen?”
            Die Antwort ist “ja, natürlich”, aber je schneller man schreibt, desto flüchtiger und desto schlechter lesbar. Das dürfte doch jedem so gehen.Was passiert denn bei schnell geschriebener Druckschrift? Die ist generell langsamer und dann vermutlich noch schlechter lesbar, weil noch mehr abweichend von der Norm. Die Druckschrift habe ich in der GS auch irgendwie gelernt (die findet sich bei Abbildungen auch in meinem Heft aus Klasse 5), später sogar Fraktur- und gotische Buchstaben.
            Die Frage ist, worin der Vorteil eines Primats der Druckschrift bestehen soll. Dazu höre ich hier wenig.

          • Drucktechnisch ist Druckschrift auf jeden Fall einfacher als eine verbundene Schrift, gerade wenn sie viel zusätzliche Handarbeit erfordert.

          • Es ging aber um die Schreibgeschwindigkeit und die Lesbarkeit bei einer schnellen Umsetzung der Schrift bei Leistungen wie dem Abschreiben langer Texte, dem Notieren von akustisch erfassten Inhalten. Da gerät man mit der Druckschrift ins Hintertreffen, wenn man nicht am Computer eintippt, aber selbst die Druckbuchstaben schreibt.

          • Ich wiederhole die Frage, wer denn Druckschrift wirklich flüssig (und schnell) schreiben kann oder wer begründet, dass das geht. Pälzer schrieb oben: “Seit Beginn des Schuljahres wundere ich mich, wie langsam meine 9. Klasse beim Abschreiben von der Tafel ist. Nun fiel mir erst auf, dass nur ca. 1/3 der Schüler Schreibschrift schreibt, …”
            Worauf deutet das wohl hin?

        • Ich muss sagen, dass meine SuS in Schreibschrift viel schöner schreiben, als in Druckschrift, aber sie haben ja jetzt auch schon mehr Übung, da sie bereits in der 2. Klasse sind. Wir haben in meiner Schule von der Vereinfachten Ausgangsschrift nach 20 Jahren wieder auf die Lateinische gewechselt und sind alle sehr zufrieden damit. Die Vereinfachte fanden wir nicht einfacher und vor allem nicht so schön….

          • Danke für den Kommentar, denn der Grund des besseren Schriftbildes und der einfacheren Erlernbarkeit der Lateinischen Ausgangsschrift gegenüber der VA liegt in der Aufhängung der Buchstaben an der Grundlinie begründet, während die VA an der Mittellinie aufgehängt ist, die später nicht mehr als Linie vorgegeben ist. Die Buchstaben setzen aber in der jeweils zugehörigen Linie an. Hinzu kommen sehr hakelige Verbindungen zwischen den Buchstaben bei der VA.
            Auch die Bewegungsabläufe der Buchstaben verlaufen bei der Schulausgangsschrift und der Lateinischen Schrift gleichmäßiger.

      • Ja, die Rheinland-Pfälzer Bildungschefs (derzeitige Ministerin hat weder Kinder noch Schulerfahrung) haben am liebsten die große Freiheit: jede Schule wie sie will. Da gibt’s keinen Ärger. und keine echte Verantwortung.

  6. Meine These bzw. meine Beobachtung:
    Wenn ein Wort häufig nach Willkür geschrieben wird, prägt sich kaum ein Gefühl für die Rechtschreibung ein. Inzwischen bezweifle ich die obige These, dass man alles gerade biegen kann, je nachdem, in welcher rechtschriftlichen Entwicklungsstufe sich jemand befindet.
    Wer im 3. Schuljahr ankommt und kreuz und quer chaotisch durch die Rechtschreibung schreibt, bei dem gelingt es sehr schwer oder auch kaum, diesen trotz Regelwiederholung, -vertiefung, – erweiterung und Lernwörtern und viele Verbesserungsarbeiten zur adäquaten Rechtschreibung zu bringen.
    Wer aber ein Gefühl für die Rechtschreibung aus den ersten beiden Schuljahren mitbringt und die dort üblichen weitgehend Wörter richtig schreiben kann, aber noch nicht mit Regelwissen und Lernwörtern, die man so im 3. und 4. Schuljahr macht, umgehen kann, der kann sein Rechtschreibwissen, was noch fehlt, gut erweitern.
    Alles, was man wörtertechnisch macht, kann man als Übung zur Rechtschreibung sehen:
    richtiges Abschreiben und Lesen gehören auch dazu. Außerdem sollte es zum Unterrichtsprinzip gehören, dass man ständig – nicht nur in Deutsch und auch nicht nur in den Rechtschreibübungen – die richtige Schreibweise erwartet.

    • Viele Schüler der Mittelstufe haben die Erwartung, dass (außer in Diktaten) die Rechtschreibung egal sein müsse. Sie finden “wenn es dann wichtig ist, strenge ich mich an und schreibe richtig.” … aber nicht im normalen Leben.

  7. Die Beobachtung, die ysnp beschreibt, bezieht sich vermutlich auf Schüler, die gar nicht nach LdS unterrichtet werden. SuS, die trotz fibelgeleitetem Unterricht kein Rechtschreibgespür entwickeln, gibt es eben auch, immer noch und immer wieder. Erklärt man deshalb den fibelgeleiteten Unterricht selbst als generell fehlgeleitet? Oder welche Schlüsse zieht man daraus?

    Die Fragen sind doch viel eher:
    Warum erlernen es in ein und demselben Unterricht die einen, die anderen aber nicht?
    Warum können manche Kinder nach wenigen Wochen Schrift abbilden und selbst Wörter mit Doppelkonsonanten ohne Vorbild richtig schreiben, andere aber nicht?
    Warum benötigen manche Kinder viele Übungen, Hilfen über Strategien und Regeln, die manchmal auch sehr kompliziert und mit vielen Ausnahmen versehen sind, während andere ohne dem auskommen und eine gute Rechtschreibung haben?
    Warum können manche Kinder vor der Einschulung bis 100 und darüber hinaus zählen, den Zahlbegriff verstehen und ohne Mühe zuvor oder bald bis 100 rechnen, während es andere nach 3 Jahren noch nicht beherrschen, obwohl sie alle das gleiche Lehrwerk, den gleichen Unterricht und die gleichen Hilfen erhalten?
    Warum steigen manche auf das Einrad und radeln los, während andere sich immer wieder auf die Nase legen?
    Ja, die Vergleiche hinken alle. Laufen ist nicht Schreiben ist nicht Rechnen ist nicht Radfahren. Aber allen gemein ist, dass Menschen nicht die gleichen Voraussetzungen haben, dass sie nicht auf dem gleichen Weg zur gleichen Zeit lernen können und dass Unterricht das berücksichtigen muss. Das gilt für jeglichen Unterricht, AUCH für den mit der Fibel, AUCH für den ohne Fibel, die Differenzierung braucht es immer und Bedingungen, die diese ermöglichen.

    Wenn man dann in Klasse 3, da sind die Kinder etwa 9 Jahre alt, schon deutliche Schwächen erkennen kann, braucht es zusätzlich viel Hilfe. Die Alternative ist, das Kind sich selbst zu überlassen und zu erklären, dass es das eben nicht kann – nicht Lesen, nicht Schreiben, nicht Rechnen, nicht Radfahren.

    • “Aber allen gemein ist, dass Menschen nicht die gleichen Voraussetzungen haben, dass sie nicht auf dem gleichen Weg zur gleichen Zeit lernen können …”
      Da werden Sie wohl recht haben. Aber wie ist das vereinbar mit der stereotyp erhobenen Forderung nach der “einen Schule für alle”? Warum soll das berüchtigte “Sortieren” so ungemein schlecht sein, wenn es doch nur die von Ihnen oben beschriebene Realität der Ungleichheit abbildet? Radfahren ist übrigens nicht lebensnotwendig. Es gibt auch gebildete Erwachsene, die das nicht können. Einen besonderen Nachteil werden die davon kaum verspüren. Die meisten können Autofahren, aber Motorradfahren können auch nur wenige richtig, ich z.B. nicht. Das kann man nicht mit Lesen, Schreiben, Rechnen vergleichen.

      • Man kann so manches nicht vergleichen, darum ging es auch gar nicht.
        Es ging auch nicht um ein Statement für oder gegen “eine Schule für alle”, das bringen Sie mit in die Debatte, sondern darum, dass SuS verschiedene Inhalte und Fähigkeiten unterschiedlich lernen.
        Den Nürnberger Trichter kann man vorgaukeln, den gibt es aber nicht. Nicht beim Rechtschreiben, nicht bei der Handschrift und offenbar ja auch nicht beim Radfahren.
        Alles hat etwas mit Kultur zu tun.
        Kann jemand in meiner Region nicht Radfahren, ist er von vielem ausgeschlossen und nur schwer zu integrieren. Es nicht zu können, ist für viele gar nicht vorstellbar, während man sich durchaus vorstellen kann, dass Menschen nicht leicht Rechtschreiben lernen oder Schwierigkeiten beim Kopfrechnen haben.

        • Sie lenken ab von der Frage, was an dem “Sortieren” so schlecht sein soll, wo doch die Lerngeschwindigkeiten so unterschiedlich sind, und sei es auch beim Radfahren. Das hört man doch jetzt überall: “sortieren” ist ganz generell des Teufels.
          Wenn nun jemand in Ihrer Region nur Moped fährt und nicht Fahrrad, dann ist er nur ein halber Mensch? Ich selbst kann Radfahren, habe es aber nur als Teenager praktiziert. Ausgeschlossen war ich deshalb nicht, niemand hat es von mir verlangt. Aber Lesen und Schreiben, das wurde permanent von mir verlangt.

          • Ich lenke nicht von der Frage ab, sondern bleibe beim Thema.
            Die Frage nach dem “Sortieren” haben Sie doch gestellt, nicht ich, und auch in diesem Beitrag versuchen Sie wieder, das “Sortieren” in den Fokus zu rücken. Dabei ging es hier gar nicht um “eine Schule für alle” oder “Sortieren”, sondern um eine Form des Unterrichts im 1. Schuljahr.

            Vielleicht denken Sie erst einmal über notwendige und mögliche Ansätze des Ersunterrichts nach, bevor Sie irgendjemanden aussortieren wollen. Erstklässler lernen in meiner Region in Klasse 1 lesen und schreiben, die meisten von ihnen schaffen es im Verlauf eines Jahres. Radfahren können die Kinder in der Regel dann schon. Das Mofa ist in der 1. Klasse nicht von Belang.

          • @Palim
            Sie schreiben, dass die meisten Ihrer Schüler es bereits im ersten Schuljahr schaffen, Lesen und Schreiben zu lernen.
            Bei dieser Auskunft möchte ich nachfragen, was Sie unter Lesen- und Schreibenkönnen verstehen. Wenn Sie darunter nur das reine Zusammenziehen von Buchstaben bzw. Lauten bei einfachen Wörtern und Sätzen verstehen (möglichst noch mit der Erinnerungshilfe einer Anlauttabelle), dann verstehe ich Ihre Aussage. Für dieses Niveau sollte 1 Jahr dicke ausreichen.

          • “Ich lenke nicht von der Frage ab …”
            Doch, Sie lenken genau von jener Frage ab, die Sie selbst oben gestellt haben: “Warum können manche Kinder vor der Einschulung bis 100 und darüber hinaus zählen, den Zahlbegriff verstehen und ohne Mühe zuvor oder bald bis 100 rechnen, während es andere nach 3 Jahren noch nicht beherrschen … ?”
            Das betrifft ja nicht nur den Erstunterricht, sondern auch alles weitere. Die Frage stellt sich doch, wieso die alle — nur wegen schulpolitischer Ziele — direkt nebeneinander auf der Schulbank sitzen sollen. Die einen werden ausgebremst und die anderen sind frustriert.trotz des Förderns. Da fühlt sich doch keiner mehr richtig wohl. Beim Sport ist es genauso: Schwache Sportler sind frustriert, wenn sie sehen, dass andere alles besser können.
            Vom “Sortieren” habe ich doch nur deswegen gesprochen, weil es ein Tabuthema zu sein scheint. Uns fehlt eine Unbefangenheit dabei. Ich fürchte, die Kinder werden zu Opfern der Politik.

          • Ihre Vorstellung von Gleichschritt ist für mich kaum denkbar.

            Wie stellen Sie es sich denn vor? Wie sieht die Alternative aus?
            Auf welche Weise wollen sie Persönlichkeit und Leistungsfähigkeit im Alter von 4 oder 5 Jahren ermitteln?
            Welche Kinder dürfen gemeinsam in eine Lerngruppe?
            Wie erreichen Sie eine entsprechende Differenzierung hinsichtlich der Rechtschreibung, der Schrift, des Lesens, des Rechnens, der Sportlichkeit, der Musikalität, der Kreativität, der Auffassungsgabe, der Anstrengungsbereitschaft, (…), sodass niemand “frustriert” werden kann, weil bei einer Teilleistung ein anderes Kind mehr oder weniger Können zeigt?
            Was passiert, wenn ein Kind falsch eingeschätzt wurde oder innerhalb der Entwicklung nicht länger zur zugteilten Gruppe passt?
            Und denken Sie tatsächlich, dass sich Menschen in einer solchen Umgebung dann wohl fühlen?

          • Palim: Sie haben mich missverstanden. Ich will nicht die 5-Jährigen “sortieren”, aber alle Welt schreit doch laut auf, wenn die 10-Jährigen nach ihrem Leistungssand irgendwie “sortiert” werden. Man hält das schon für ein Verbrechen gegen die Menschenrechte. Und das leuchtet mir nicht ein. Die Unterschiede werden mit fortschreitenden Jahren immer nur größer, das zeigen doch alle Erfahrungen. Und die Effekte sind sehr gemischt. Sogar hier
            https://www.news4teachers.de/2018/10/studie-eine-gute-schule-foerdert-die-karriere-eine-gute-klasse-schadet-eher/
            steht: “Ein höheres Leistungsniveau der Mitschüler birgt demnach die Gefahr, dass einzelne Schüler hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben. Als Grund für diesen negativen Effekt vermuten die Wissenschaftler nachteilige Vergleiche mit besseren Klassenkameraden.”
            Zusatz: Ich kann mich nur wundern, dass wir zwar im Bereich der Sek I Riesenschulen mit 5-6 Zügen haben wollen, aber niemand auf die Idee kommt, diese Züge wenigstens ganz grob nach Leistungsfähigkeit einzuteilen. Man scheint eine irrationale Angst davor zu haben.

          • Es ging die ganze Zeit um Erstunterricht, um das Erlernen des Lesens und des Schreibens zu Beginn der Schulzeit.
            Darauf bezogen sich die Anmerkungen, dass Kinder zu Beginn der Schulzeit mit unterschiedlichen Fähigkeiten kommen, schon früher hieß es, die Unterschiede entsprächen in der Entwicklung ca. 3 Jahre, heute würde ich sie größer sehen, da frühere Einschulung und Inklusion hinzu gekommen sind.

            Zu dem verlinkten Artikel: Ich wüsste gerne, auf welche Weise in den Klassen, in denen Daten erhoben wurden, unterrichtet wurde und welche Lernkultur dort vorherrscht. Sollen alle zur gleichen Zeit das Gleiche machen, werden Kinder miteinander verglichen. Das verführt zur sozialen Bezugsnorm. Diese kann man forcieren oder man kann das auch sein lassen.

            Ist es andererseits so, dass Kinder an Kriterien orientiert beurteilt werden und diese Beurteilung transparent ist, können sich die Kinder an ihrer Entwicklung orientieren. Ist es so, dass sie individuell entsprechend der Stärken und Schwächen lernen können und Förderung und Forderung erhalten (würden), verschwindet die soziale Bezugsnorm. Eine andere Lernkultur tritt hervor und SuS verstehen weit schneller als Erwachsene, dass Kinder mit unterschiedlichen Stärken unterschiedliches schaffen können. Wenn der Bundesliga-Spieler irgendeine Kindermannschaft auf dem Land besucht, sind doch die Kinder begeistert und nicht frustriert. Und der Bundesliga-Spieler ist hoffentlich auch begeistert, ohne die Kinder an seinen eigenen Leistungen zu messen.

          • “.. schon früher hieß es, die Unterschiede entsprächen in der Entwicklung ca. 3 Jahre, heute würde ich sie größer sehen,…”
            Ja, das sagen inzwischen praktisch alle, aber die Unterschiede wachsen mit den Jahren doch nur weiter an. das kann man doch nicht immer hinter der pädagogischen W’underwaffe “neue Lernkultur” verstecken, die eine unverbindliche Floskel geworden ist. Woher kommt denn das viele Mobbing angesichts der “neuen Lernkultur”?
            Die verlinkte Studie verstehe ich so, dass die Kinder untereinander selbst dann Vergleiche anstellen, wenn die Lehrer das nicht offen tun und sagen. Für Frust reicht es allemal. Bei uns in Deutschland kommt dann noch der Strebervorwurf hinzu, den es in USA offenbar so nicht gibt.

          • Erstaunlicherweise können Kinder im Alter von 6-10 Jahren durchaus begreifen, dass manche Kinder nicht so gut lernen können, nicht so gut hören können, nicht so gut … können und dass dies ihre Leistungen im Unterricht beeinflusst, dass es aber dennoch zu erleben und anzuerkennen ist, wenn diese Kinder Fortschritte machen.
            Es hat etwas mit der Lernkultur zu tun, damit, was man wertschätzt und das kann man tatsächlich lernen.
            Frust schieben die SuS, wenn sie nicht verstanden werden, wenn man ihnen unterstellt, sie würden nichts können. Das ist aber in einer Lernsituation, in der viele verschiedene Kinder gemeinsam unterrichtet werden, nicht so vorrangig, wie in Klassen mit sozialer Bezugsnorm, Gleichschritt und Rangordnung, die sich im übrigen auch in der SekI nach der Aufteilung sofort wieder einstellen kann.

            Die Lernkultur ist keine pädagogische Wunderwaffe, aber eben auch keine Floskel, sie beeinflusst das Lernen erheblich. Statt eines Strebervorwurfes die Leistung einzelner, auch ausgesprochen guter, Schüler anzuerkennen und zu würdigen, gehört auch dazu.

          • Die Lernkultur scheint auch etwas mit Idealvorstellungen zu tun zu haben, nach denen die SuS einer Klasse einander irgendwie mögen. Schön wär’s ja. Das ist aber nicht annähernd immer der Fall:
            “Von Klaus Ulich (2001) stammt die Formulierung, bei einer Schulklasse handle es sich um eine »Zwangsgruppierung«, weil wichtige Merkmale nicht auf sie zutreffen, die üblicherweise zur Charakterisierung von Gruppen herangezogen werden: So sind es nicht die Bedürfnisse und Interessen der Mitglieder, die die Gruppenbildung antreiben, stattdessen erfolgt eine institutionalisierte Zuordnung; es wird kein kooperatives, sondern kompetitives Verhalten nahegelegt und die Mitgliedschaft ist nicht freiwillig. Die soziale Integration und die Befriedigung sozial-emotionaler Bedürfnisse geschieht hier – ähnlich wie in Arbeitsgruppen im Betrieb und anders als in Freundschaftsgruppen – unter den Bedingungen äußerer institutioneller Zwänge.”
            Quelle (Seite 18): https://bilder.buecher.de/zusatz/35/35477/35477857_lese_1.pdf

    • “Fibel” soll wohl synonym für einen systematisch angeleiteten Schriftspracherwerb stehen. Man kann einen solchen Unterricht auch ganz ohne Fibel in einem eigens entwickelten Kurs machen.
      Außerdem kann man differenzieren zwischen mehr und weniger angeleitet und erweiterten Aufgaben zum Thema für Schüler, die schon lesen können. Das leistet z.B. die von uns an der Schule verwendete Fibel.
      Ich glaube dennoch, dass ein Schriftspracherwerb, der angeleitet ist und so konzipiert ist, dass er die Rechtschreibung aufbauend berücksichtigt (einfache Wörter, Silbenprinzip), die große Chance hat, möglichst vielen Kindern ein Rechtschreibgespür zu vermitteln.
      Warum müssen die Kinder so früh Geschichten schreiben? Man könnte das z.B. mit Rollenspielen und mündlichen Erzählungen überbrücken. Im 2. Schuljahr, wenn alle Buchstaben systematisch erarbeitet wurden, könnte man ja mit dem Schreiben von Texten anfangen.
      Viele Kinder haben noch beim mündlichen Erzählen und manche beim Formulieren von einfachen Sätzen am Anfang des 3. Schuljahres schwer. Außerdem verarmt der aktive und passive Wortschatz von Jahr zu Jahr mehr.

      • “Warum müssen die Kinder so früh Geschichten schreiben? ”
        Weil es Kinder gibt, die genau darüber den Zugang zum Schreiben und zur Schrift finden. Sie versauern im Schreiblehrgang, sind gelangweilt, haben manchmal auch große motorische Probleme, in der Regel Schwierigkeiten, sich für die Wiederholung immer gleicher Buchstaben und immer gleicher Wörter zu motivieren, sodass es letztlich zu eher schwachen Leistungen kommt und das Schreiben nicht mehr als unbedingt notwendig, weil klar eingefordert, geübt wird.
        Gibt man diesen Kindern, die das System der Schrift verstanden haben, die Möglichkeit, sich in eigenen Sätzen und Geschichten auszudrücken, entwickeln sie einen regelrechten Schreib-Drang und füllen viele Seiten ohne Mühe, entwickeln sich zu Vielschreibern, überwinden das Motivationstief, schreiben gerne und von sich aus, trainieren ganz nebenbei Motorik und tatsächlich auch ihre Rechtschreibung.
        Dabei schließt das eine das andere nicht aus, ich finde eher, dass es sich gegenseitig beflügelt.

        Warum sind Kinder in der Freien Arbeit motiviert, Aufgaben zu erledigen, die noch gar nicht im Lehrplan dieser Klassenstufe stehen?
        Warum wählen Kinder in verschiedenen Fächern und auch in Sport nicht immer den leichteren Weg, sondern auch die Herausforderungen?
        Erfolg stellt sich nicht allein durch Training ein, sondern eben auch durch Begeisterung, Motivation und Anstrengungsbereitschaft, die Kinder beflügeln können. Ebenso belebend kann Kreativtät sein oder die Möglichkeit, sich mitzuteilen, etwas zu schaffen und anderen präsentieren zu dürfen.

        Hilfreich habe ich Freies oder Kreatives Schreiben erlebt bei den Kindern, die zu Beginn des 1. Schuljahres eine gute phonologische Bewusstheit mitbringen, an Erzählungen interessiert sind, kreativ sind.
        Tatsächlich gibt es das auch bei Flüchtlingskindern, die in der Alphabetisierung sind, obwohl das Erzählen in einer fremden Sprache erfolgt.

        Eingesetzt habe ich es auch schon bei Kindern, die in Klasse 3 oder 4 mit absoluter Schreibblockade aus anderen Schulen in eine meiner Klassen kamen und nicht mehr bereit waren, überhaupt ein Wort aufs Papier zu setzen, nicht einmal beim Abschreiben, die sich wirklich verweigert haben. Da braucht es manchmal auch andere Ideen und Ansätze, um den Sinn des Schreibens erfahrbar werden zu lassen und das Kind überhaupt zu motivieren. Man kann nämlich nicht an der Rechtschreibung arbeiten, wenn das Kind überhaupt nicht schreibt oder überhaupt nicht gewillt ist, sich darauf einzulassen.

  8. “Fibeln werden schwerpunktmäßig in Bayern und in den östlichen Bundesländern eingesetzt, Länder, in denen Vergleichstests zur Rechtschreibung tendenziell besser abschneiden.”

    Woher nehmen die Autoren des Beitrags diese Erkenntnis? Aus den Klett-Verkaufszahlen?
    Im Allgemeinen wird von 90% Einsatz der Fibel gesprochen.
    In Nds. wurden die Schulen im vergangenen Jahr noch einmal per Mail befragt, auch in anderen Ländern wurden Zahlen erhoben.
    Geht es dabei um 88% oder 92% Verbreitung des Unterrichts mit der Fibel? Was zählt als “Fibel”, als “Material” und was nicht?
    An welcher Stelle wird erhoben, ob die Fibel in der Ecke liegt, im Unterricht aber mit der Anlauttabelle der Fibel gearbeitet wird, oder ob LdS zwar Grundprinzip ist, aber mit viel Material ergänzt und der Unterricht strukturiert gestaltet wird?

    Eine solche Aussage ist schnell irreführend!

  9. Palim behauptete: “Im Allgemeinen wird von 90% Einsatz der Fibel gesprochen.”

    Frau Prof. Schründer-Lenzen erlebt es nach wie vor anders und äußerte sich noch im Februar 2018 folgendermaßen.

    Frage: “Aber ist die Methode [Lesen durch Schreiben] in dieser extremen Form noch im Einsatz? Lehrerverbände bestreiten das.”

    Antwort Prof. Schründer-Lenzen: “Meine Erfahrung ist eine andere.”
    https://www.swp.de/suedwesten/landespolitik/kritik-an-_schreiben-nach-gehoer_-in-reinform-24832864.html

    • Zitieren wir doch noch ein paar mehr Schnipsel aus dem verlinkten Beitrag:

      “[Frage] Ist ein Verbot der richtige Weg?

      Agi Schründer: Ein Verbot ändert zunächst wenig und löst eher Abwehr aus. Ich verstehe den Aufschrei der Lehrer, die Politik solle sich nicht in ihre Unterrichtsmethode einmischen. Das Thema ist dafür auch zu komplex.”

      “[Frage] Viele Eltern sehen die Methode kritisch. Lehrer entgegnen, sie gehöre zum ganz normalen Methoden-Mix.
      [Antwort] Die Grundidee ist durchaus richtig und hat ihren festen Platz im Anfangsunterricht der 1. Klasse: Sie gibt den Kindern ein Bewusstsein für den Zusammenhang zwischen Sprechen und Schreiben. “

      • Und? Was ändert das an Frau Schründers Feststellung, dass nach ihrer Beobachtung “Lesen durch Schreiben” auch im Jahr 2018 immer noch fleißig in ihrer Reinform praktiziert wird? Genau: Absolut garnichts!

        • So deutlich, wie Sie meinen, sagt Frau Schründer-Lenzen das nicht.
          Sie schreibt, dass es Schulbücher gibt, die sich an LdS orientieren. Was bedeutet das?

          Was verstehen Sie denn unter “Reichen in Reinform”?
          Und wie schätzt Frau Schründer-Lenzen das ein, die ja dem Ansatz in Klasse 1 durchaus etwas abgewinnen kann?
          Eine Fibel, die Elemente von LdS einsetzt, ist das eine, die “Reichen in Reinform” durchsetzt?

          Und in welchem Gegensatz steht das zur Aussage, dass 90% des Erstunterricht fibelgeleitet erfolgt?

          • 1. Bereits der Einleitungssatz des Interviews stellt heraus, dass Frau Schründer die Methode LDS kritisch sieht.
            2. Frau Schründer kritisiert konkret, dass LDS – anders, als interessierte Kreise immer wieder behaupten – nach wie vor in ihrer “extremen Form” zum Einsatz kommt (und eben nicht, wie immer wieder von denselben interessierten Kreisen behauptet, im Rahmen eines Methodenmixes).
            3. Den Grund für die immer wieder durch interessierte Kreise kolportierte Behauptung, LDS käme in Reinform gar nicht (mehr) vor, nennt Frau Schründer in diesem Interview auch: Aus ihrer Sicht wird in der gegenwärtigen Situation (massive Kritik an LDS von vielen Seiten) keine Grundschulkollegin zugeben, dass sie die Methode immer noch in Reinform praktiziert.

  10. Besagte Studie von Tobias Kuhl (Univ. Bonn, Psychologie) ist eine Dissertation, die erst im zweiten Quartal 2019 veröffentlicht wird. Es werden rund 300 Schüler und Schülerinnen im Längsschnitt (! und rd. 3.000 im Querschnitt) auf ihre Rechtschreibleistungen (die Fibel ist eigentlich in den Klassen eins und zwei für den Leseerwerb gedacht) hin untersucht. Ich bin auch schon gespannt auf die Veröffentlichung. Erstaunlich finde ich die große Aufmerksamkeit in der Presse. Es gibt insgesamt einfach zu wenig Forschung in diesem wichtigen Bereich!!!

    • Den Kulturkampf um die Art der Vermittlung des Erwerbs des Schreibens und Lesens haben die Leute um Brügelmann begonnen, unterstützt von Ministerialbeamten in den Kultusministerien, die fleißig die Lehrpläne veränderten , deren Leistungsniveau herunterschraubten, glaubten durch scheinbare Erleichterungen das Lernen zu erleichtern, die favorisierten Methoden abänderten, um Neues zu schaffen, neue Schriftsysteme implementierten, alles ohne valide angelegte, größere Feldstudien, mit jetzt dürftigen Erfolgen im Schriftspracherwerb und der Lesefähigkeit der Schüler.
      Hinzu kommen zweifelsohne auch negative Einwirkungen von Außen durch einen erhöhten Medienkonsum der Heranwachsenden in Form von Videospielen, Handy- und Internetaktivitäten etc. mit relativ geringer Tiefenwirkung in der Wissensvermittlung und schnellen Erfolgsergebnissen im Feedback der Lerninhalte, ohne große intellektuelle Aktivitäten freizusetzen, welches ein nachhaltiges Lernen nicht ermöglicht.
      Inzwischen gleichen sich sogar auch schon die Lesebücher in ihrer Aufmachung mit zahlreichen eingestreuten Bildern im Text dieser Art der kurzlebigen Unterhaltung an.
      Man vergleiche einmal den “Räuber Hotzenplotz” von Otfried Preußler mit Ausgaben von “Gregs Tagebuch” und ähnlich aufgemachten Büchern, denn da wird der Unterschied im Tiefgang der Lesevermittlung deutlich.
      Es geht immer mehr in Richtung einer kurzlebigen Unterhaltung, die keine tiefgründige Wissensvermittlung initiiert, die Ausbildung einer selbst gewählten, tiefgründigen Wissensvermittlung fördert, Dinge verstehen zu wollen, verstehen zu lernen, selbst zu erforschen um es zu verstehen.

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