Wie sieht digitaler Unterricht in der Praxis aus? Ein Ortsbesuch in einem Traditionsgymnasium, in dem Tablets für Schüler und Lehrer zum Alltag gehören

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NEUSTRELITZ. Während Bund und Länder über den Digitalpakt streiten – also über Bundesmittel für die IT-Ausstattung der Schulen in Deutschland -, marschieren manche Schulen voran und modernisieren ihren Unterricht. Zu diesen Vorreitern gehört das Traditionsgymnasium Carolinum in Neustrelitz. Wie sieht digitaler Unterricht in der Praxis aus? Ein Ortsbesuch.

Das Carolinum wurde vor mehr als 200 Jahren gegründet. Der Troja-Entdecker Heinrich Schliemann besuchte es 1833 – aber nur kurz. Schon nach wenigen Wochen musste er die Schule verlassen, weil die Familie das Schulgeld nicht aufbringen konnte. Foto: Wikimedia Commons

Für die Smartphones der Schüler gibt es ein kleines Wandregal neben der Tür des Klassenzimmers. Ausgerechnet eine Vorreiterschule in Sachen Digitalisierung lässt die Geräte im Unterricht nicht zu. Die Teenager legen sie in die passgenauen Fächer – und greifen stattdessen zu ihren Tabletcomputern. Englisch-Kurs, 12. Jahrgangsstufe im Carolinum in Neustrelitz, mit rund 1.100 Schülern und 90 Lehrern eines der größten Gymnasien in Mecklenburg-Vorpommern. Während die Politik derzeit darum streitet, auf welchem Weg alle Schüler in Deutschland bald digital unterrichtet werden könnten, gehören im Carolinum digitale Hilfsmittel und WLAN längst zum Alltag.

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Mit ihren Tablets können sich die Jugendlichen interaktiv am Unterricht beteiligen. Englischlehrer Jasin Peña Cabrera (30) geht mit seinem iPad auf und ab. 14 Schüler sitzen an drei großen, runden Tischen. Sie wirken sehr aufmerksam, keiner guckt aus dem Fenster auf den idyllischen See neben der Schule. Die Blicke gehen abwechselnd zum Lehrer und auf die eigenen Bildschirme. Cabrera ruft Bilder und kleine Texte auf, die zeitgleich auf den Geräten der Schüler erscheinen.

«What do you want to choose?», fragt der Lehrer und ruft Bilder von Gerichten zum Essen auf. Pizza, Salat, Hamburger. Was würdet ihr auswählen? «Definitely the pizza», sagt die 18-jährige Henriette. Auf jeden Fall die Pizza. Andere mögen die anderen Sachen lieber, es wird ein bisschen diskutiert. Dann lässt Cabrera plötzlich Bilder von Babys auf den Tablets erscheinen: kleine Mädchen in Rosa, kleine Jungs in Blau. Er fragt, wer später einmal Kinder haben möchte. Die Schülerinnen und Schüler grinsen, manche machen «Ooh» und «Aaah», weil die Babys süß aussehen.

In der nächsten Sekunde ruft der Lehrer Bilder von Baby-Augen, Baby-Haaren und anderem auf. Die Frage dazu: Welche Augen- oder Haarfarbe sich die Schüler für ihr Baby wünschen. Einige antworten spontan, andere werden aufgerufen. Dann die Frage des Lehrers: «Is it possible to do that, to “order” a baby like that?» («Ist es möglich, ein Baby auf diese Weise zu “bestellen”?»). Schon ist der Lehrer beim Thema Genmanipulation und «Designer-Babys». Eine ernste Diskussion setzt ein.

Das Tablet ist am Carolinum so normal wie in anderen Schulen das Schulbuch. Symbolfoto: Shutterstock

Ein Schüler meint, möglicherweise wird so etwas eines Tages tatsächlich möglich sein. Der Lehrer startet dazu eine kleine spontane Umfrage. Die Schüler drücken auf Antwortoptionen auf den Tablets. Die anonyme Auswertung erfolgt sekundenschnell. Dazu erneut Bilder, aber auch kleine Texte und Kernsätze. Die Schüler diskutieren inzwischen über den Skandal um die angeblich ersten genetisch veränderten Babys. Manche machen sich immer wieder handschriftliche Notizen auf Papier. Ein chinesischer Forscher hatte Ende November behauptet, die Genome von Zwillingen manipuliert zu haben.

So oder ähnlich kann das ablaufen, worüber die Politik, aber auch viele Eltern, Lehrer und Schüler derzeit heftig diskutieren: Unterricht mit digitalen Mitteln. «Digitalisierung bringt die Urform der Didaktik wieder nach vorne», sagt der Rektor des Carolinums, Henry Tesch (56). Die Bundesregierung will, dass die Schulen in Deutschland ab Anfang 2019 unter anderem mit fünf Milliarden Euro vom Bund mit digitaler Technik wie WLAN und Tablets ausgestattet werden. Entsprechende Lerninhalte und Weiterbildung von Lehrern sollen den Weg in die digitale Schulzukunft ebnen.

Doch der dazu geplante Digitalpakt von Bund und Ländern liegt vorerst auf Eis. Denn Regierung und Bundestag wollten die Schuldigitalisierung über eine Grundgesetzänderung ermöglichen. Die Länder stellten sich in Sorge um ihre Zuständigkeit für Bildung quer. Nun soll der Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat die Lösung bringen. Der Digitalpakt dürfte deshalb erst – so heißt es bei beteiligten Politikern – im ersten Halbjahr 2019 kommen. Das Geld des Bundes fließt also noch nicht ab Januar an die Schulen.

Wer bezahlt die Tablets?

Rektor Tesch findet den Digitalpakt überfällig. Andere Länder seien schon viel weiter, deshalb müsse es jetzt dringend losgehen. «Dann könnte es Deutschland schaffen, hinten am Zug noch mit dem letzten Wagen anzudocken.» Tesch ist überzeugt. Er hat seine Schule in jahrelangem Engagement und gegen reichlich Widerstände, wie er erzählt, mit digitalisiert. Ein Streitpunkt beim Aufbau des digitalen Lernsystems: Wer bezahlt die Tablets oder Laptops? Geregelt ist das am Carolinum so, dass die Schüler diese selbst mitbringen. Schülern aus sozialschwächeren Elternhäusern wird das Tablet vom Schulträger, dem Landkreis, finanziert, teil mit Unterstützung des Schulvereins.

Tesch kennt den Bildungsbetrieb seit Jahrzehnten. Während der friedlichen Revolution hat er in Leipzig studiert, war bei den Montagsdemos teils auch dabei. 1990 fing er als Lehrer an. Tesch war bereits Schulleiter, als er 2006 für fünf Jahre als CDU-Bildungsminister in die Regierung seines Landes wechselte. Zwischenzeitlich war er Präsident der Kultusministerkonferenz. Dann kehrte er nach Neustrelitz zurück.

Doch wie kommen die digitalen Lehrmethoden an die Schulen? Englischlehrer Cabrera meint, er habe sein Pizza-Designerbaby-Programm selbst zusammengestellt. Doch auch Schulbuchverlage bemühen sich, passende Angebote zu machen. Das Carolinum nutzt ebenso wie 66 andere Schulen in Deutschland die Schul-Cloud des Hasso-Plattner-Instituts (HPI). Dank des vom Bundesministerium für Bildung unterstützten Projekts können Schüler und Lehrer quasi von überall arbeiten. «Alles was es braucht sind Tablets und ein Browser», sagt Matthias Luderich vom HPI in Potsdam.

Im Unterricht aber auch von zu Hause können die Schüler auf Lernmaterialien zugreifen, eine Software zum Zusammenarbeiten und einen Messenger nutzen oder gemeinsam Office-Dokumente bearbeiten. «Und anders als die Angebote amerikanischer Unternehmer ist die HPI-Schul-Cloud datenschutzkonform, sagt Luderich.

Tablet-Klassen werden zunehmend in Deutschland üblich sein. Foto: Brad Flickinger / flickr (CC BY 2.0)
In der Schule gilt das Prinzip “Bring your own device” – heißt: Die Schüler arbeiten mit eigenen Geräten. Symbolfoto: Brad Flickinger / flickr (CC BY 2.0)

Auch er betont, dass das nur ergänzende Methoden sind: «Einen vollständig digitalen Unterricht, in dem ich im schlimmsten Fall keinen Lehrer mehr brauche, sondern eine Software – das ist weder realistisch noch wünschenswert.»

Die Digitalisierung in der Bildung ist nicht unumstritten. «Nachdenken First», warnte Wolfgang Schimpf, Schulleiter eines Göttinger Gymnasiums und Vorsitzender der niedersächsischen Direktorenvereinigung kürzlich in der «Süddeutschen Zeitung». Er wünsche sich «keine Verweigerung, aber auch keine unkritische Übernahme», sondern eine «Digitalisierung mit Augenmaß».

Lehrkräfte würden sich künftig häufiger als Moderator, Anreger und Berater verstehen. «Doch dürfen sie dabei nicht vergessen, dass wir sie vor allem als Helfer für die Persönlichkeitsentwicklung brauchen», so Schimpf. Und: «Das Einmaleins oder neue Lateinvokabeln, Lernen also, das vor allem der Wiederholung bedarf, werden Formen künstlicher Intelligenz in der Tat bald besser vermitteln können. Das anspruchsvolle Gespräch über die Faustlektüre in der Oberstufe aber kann der beste Computer nicht ersetzen.»

Kurvendiskussion – besser nachvollziehbar

Matheunterricht im Carolinum, Raum 304. Lehrer Hans-Herbert Larisch steht mit seinen 65 Jahren kurz vor der Rente. Sorgen, dass seine Schüler nicht mehr eigenständig lernen, hat er nicht. «Ich kann mich noch erinnern, als die Taschenrechner in der DDR in der Schule eingeführt wurde, da hieß es auch, die Kinder können bald nicht mehr rechnen.»

Larisch gibt den Schülern eine Aufgabe mit einer Gleichung. Kurvendiskussion. Kurz danach werden die Ergebnisse besprochen: Ein Schüler zeigt auf einem riesigen Flachbildschirm vorne rechts im Raum, was er erarbeitet hat. Hier sieht man eine Kurve in einem Koordinatensystem, die durch die Gleichung beschrieben wird – je nach Änderung von Zahlen in der Gleichung ändert sich die Form der Kurve. «Das kann man viel leichter nachvollziehen, als wenn das alle erst mal in ihr Heft zeichnen», sagt Larisch.

Nervt es die Schüler nicht, ständig einen Bildschirm vor der Nase zu haben und digital sein zu müssen? Jakob (17) aus der Matheklasse meint: Nein. «Diese Technik ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken.» Neben dem iPad hat er daheim eine Spielkonsole, einen Laptop – sowie ein Smarthome-System, mit dem man beispielsweise die Beleuchtung steuern kann.

Doch sind die Schüler von ihren Tablets nicht auch abgelenkt? Internetzugang haben die Geräte während Klassenarbeiten oder Abitur nicht. Im regulären Unterricht in der Regel schon. Dass die Schüler zwischendurch nicht mal auf dem iPad daddeln, kann der Rektor nicht ausschließen. «Wir haben ja früher auch mal Schiffe versenken gespielt, wenn es langweilig war», sagt Tesch. Er meint: «Wir müssen die Technik, wenn sie da ist, nutzen und nicht verteufeln.»

Und er möchte nicht ständig betonen müssen, dass er, die Lehrer und nach Möglichkeit auch die Schüler auch Bücher lesen. Das sei doch selbstverständlich, sagt Tesch. «Natürlich muss der Mensch schlafen», meint er weiter. Dass die Handys abends oder auch in der Schulmensa weggelegt werden, betrachtet er als Ausdruck von «kulturellem Anstand».

Auch Lehrer andere Schulen kommen zur Weiterbildung ans Carolinum nach Neustrelitz. Ihnen rät Rektor Tesch zu Mut und Tempo: «Fangt einfach an, denn die Digitalisierung ist morgen nicht zu Ende.» Von Jenny Tobien und Basil Wegener

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

 

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9 KOMMENTARE

  1. Babybilder, Haarfarbe wählen,Thema eingeführt. Imerr öfter begegnet mir die Digitalisierung als Motivationsmethode. Spielt sie bei der ethischen Erörterung auch noch eine Rolle? Nicht auszudenken, wenn der Text über ein Digitalisierungsbeispiel schlecht ausgefallen wäre. Bei dem ganzen Geld….

  2. Dieser Beitrag zeigt eben wie es nicht gehen soll. Jetzt fassen wir erstmal zusammen für was Kosten entstehen:

    1. W-Lan
    2. Beamer/Smartboard/Fernseher
    3. iPads
    4. diverse Software
    5. Lernmittel
    6. Wartung

    Was wird damit gemacht?

    1. Bilder und Texte eingeblendet
    2. Eine Umfrage gemacht
    3. Ergebnisse präsentiert

    Materialien müssen dann noch mühselig von Lehrern zusammengesucht oder sogar selbst erstellt werden!

    Wer kann mir erklären, inwiefern das einen wesentlichen Mehrwert durch Digitalisierung darstellt? Statt in ein Buch oder auf ein Arbeitsblatt schaut man stattdessen auf einen Bildschirm. Der Unterricht selbst, wie oben beschrieben, erinnert immer noch an den stark lehrerzentrierten Unterricht und bietet im Lernprozess kaum Mehrwert.

    Sicherlich gibt es nette Tools. Da nimmt man zur besseren Darstellung in Mathe, je nach Thema, GeoGebra. Dann kann man ein Tool für eine Umfrage nehmen oder ein Tool zum kollaborativen Arbeiten einsetzen, usw. Natürlich gibt es da Möglichkeiten, aber zu welchem Preis? Der Unterricht verändert sich dadurch nicht und damit auch nicht der Lernprozess.

    Man muss sich eine ganz andere Frage zunächst stellen. Wie soll der Unterricht von morgen (respektive heute) aussehen? Dann stellt man fest, dass digitale Medien sinnvoll sein können, aber in der Schule selbst nur eine Randerscheinung sein sollten.

    Schule funktioniert doch so: Man geht in den Unterricht und erfährt neues Wissen. Zuhause übt man dann das Neugelernte. Jetzt kommt die Digitalisierung und sagt: ja machen wir so, nur statt ins Buch schauen wir jetzt auf einen Bildschirm… Aber eigentlich wollen wir etwas anderes. Ich muss nicht mehr in die Schule, um Wissen zu erfahren. Das kann ich zuhause. Ich möchte in die Schule, um im Lernprozess Unterstützung zu bekommen!

    Genau das wird doch so oft von Schülern kritisiert. Man sitzt im Unterricht, erarbeitet sich in einem einheitlichen Lerntempo ein Thema und am Ende schreibt der Lehrer nochmal das was 1:1 so im Buch und im Internet steht an die Tafel zum Abschreiben an. Dann gibt es eine Hausaufgabe, mit der man dann zuhause alleine gelassen wird. JETZT könnte man durch die Technik diesen Prozess umkehren (Flipped Clasroom). Das Wissen eigne ich mir zu Hause an. Dazu kann ich ein interaktives Arbeitsblatt, ein Lernvideo, interaktive Aufgaben, etc. verwenden. Von mir aus kann man die ganzen kollaborativen Tools, Messengers, etc. nutzen um auch schon zuhause Hilfe von Mitschülern zu bekommen. In die Schule gehe ich dann zum gemeinsamen üben und zum Vertiefen des Wissens.

    Zwei weitere Punkte erscheinen wesentliche sinnvoller als einfach die Schule mit Technik zuzumüllen. Im Sillicon Valley schicken die IT-Experten ihre Kinder auf Schulen, die ein sehr gutes Schüler-Lehrer-Verhältnis haben, von 1:10 bis 1:15, und wo statt Technik auf analoges und projektorientiertes Lernen gesetzt wird. Aber das lässt sich natürlich nicht so gut verkaufen anstatt einfach von den tollen iPads zu schwärmen und sich damit dann zu profilieren.

    • Flipped Classtoom sehe ich bei der derzeitigen Gesetzeslage und Mentalität kritisch, weil in Ganztagsschulen die ohnehin von den normalen und schwachen Schülern viel zu selten gemachten Hausaufgaben nicht mehr aufgegeben werden dürfen. Außerdem weiß ich aus eigener Unterrichtserfahrung, dass komplexerer Stoff im Sinne von Anforderungsbereich II und höher in Eigenarbeit nicht funktioniert. Den/Die/Das Ehrgeiz, Geduld, Durchhaltevermögen und Selbstständigkeit haben nur die wenigsten Schüler.

      • Das Problem mit Ganztagsschulen, und den Verbot Hausaufgaben aufgeben zu dürfen, ist insbesondere jetzt ein Problem, weil nun mal die meiste aktive Lernzeit auf die Hausaufgaben gelegt wird. Darauf beruht nun mal das Schulsystem. Früher hatte man bis Mittags Schule und hat Nachmittags Hausaufgaben gemacht. Nun haben die SuS bis Nachmittags Schule und dürfen entweder nur kleine oder gar keine Hausaufgaben machen. Die Lehrkraft muss dann schauen wie man alles innerhalb der Unterrichtszeit unterbringt, was erfahrungsgemäß nicht gut klappt.

        Deswegen sehe ich den Ansatz mit Flipped Classroom als sehr nützlich an. Wenn SuS zuhause üben, z.B. in Mathe, reichen eben dafür 15 Minuten nicht ansatzweise aus. Ich kann mich aber in 15 Minuten in ein neues Thema einlesen und genau darum geht es ja beim Flipped Classroom. Es geht darum sich einzulesen und nicht darum alles direkt zu verstehen. Das merkt man ja, in Mathe besonders, erst beim Üben. Insofern ist die Arbeit zu Hause auf einem sehr niedrigen Anforderungsniveau. Man liest sich einen Text durch, schaut sich ein Erklärvideo an, bearbeitet ein paar interaktive Aufgaben und macht dann ein einfaches Einstiegsbeispiel zu dem man auch Hinweise und Lösungen hat.

        Dadurch spart man im Unterricht eben die Einführung in neue Themen und kann den Unterricht zu 100% für die Übung verwenden. Es gibt natürlich auch kritische Stimmen, die dadurch das entdeckende Lernen gefährdet sehen. Dem muss ich definitiv zustimmen. Ich glaube aber gerade da könnten digitale Medien einiges auffangen. Jeder analoge Prozess kann schließlich digitalisiert werden. Zudem halte ich das entdeckende Lernen auch eher für eine leere Floskel. Beim Flipped Classroom kann jeder in seinem eigenen Tempo lernen und verstehen. Beim entdeckenden Lernen sind es die leistungsstarken SuS, die das Tempo vorgeben.

          • Es wäre wünschenswert, wenn man nicht auf YouTube-Videos zurückgreifen muss. Da gebe ich ihnen Recht, dass die Ablenkung durch andere, unterhaltsamere Videos und auch durch Werbung einfach sehr groß ist. Das kann man natürlich nur dadurch ein bisschen abfangen, indem man die Lernvideos in eine andere Lernumgebung (z.B. GeoGebra-Arbeitsblätter) einbettet und eine kleine Hausaufgabe hat, die bedingt das Video gesehen oder den Text gelesen zu haben. Eine Überprüfung muss natürlich immer stattfinden.

            Zum Thema Materialien und somit auch Lernvideos. Ein Wunsch wäre natürlich, wenn die Länder gemeinsam eine Plattform entwickeln, auf Basis von OER, wodurch man viele gute Materialien, (interaktive) Arbeitsblätter, Lernvideos erstellen, sammeln und teilen kann. An der Entwicklung von professionellen Materialien könnten die Länder sich finanziell beteiligen und der Rest entsteht dadurch, dass Lehrkräfte ihre eigenen Materialien dort zur Verfügung stellen. Das ist aber natürlich keine Option. Damit würde man ja noch Geld und Arbeitsaufwand bei Lehrern sparen…

  3. Man muss auch sehen: Da wird etwas über eine Vorzeigeschule erzählt, deren Schulleiter vorher 5 Jahre lang Kultusminister war und auch langjähriger Bürgermeister seines Wohnortes, der von daher viele Beziehungen hat, die andere nicht haben. Seit 1811 gibt es das “Gymnasium Carolinum”, da ist dann vermutlich manches anders als in einer Sekundarschule in Berlin oder einer Stadtteilschule in Hamburg.

  4. Ich kann mich den obigen Kommentaren nur anschließen. Die Kosten, um die Bilder erscheinen zu lassen, stehen in einem sehr ungünstigen Verhältnis zum Nutzen: Kurze Einstiegsmotivation von wenigen Minuten, dafür gute Gewinne für Apple und ein Lehrer, der “freiwillige” Überstunden bei der IT- Betreuung macht (oder ein SL der bei den Antrechnungsstunden trickst).
    Anstatt ein Satz Kopien oder eine OH-Folie wie seit 50 Jahren, und die Umfrage an der Tafel.
    Ein Schwerpunkt des Fremdsprachenunterrichts, nämlich Sprechanlässe zu schaffen und Raum zum Reden zu geben, wird von den Wischgeräten eher behindert, wie man auf jeder Familienfeier altersgeschichtet beobachten kann: “Ich will zurück zu den schönen Bildern, anstatt mich mit etwas Anstrengung in der Fremdsprache auszudrücken…”
    Ist aber alles auch unter den Vorzeichen zu sehen, dass wir die Studienberechtigtenquote von 22% (1980) auf 53% (2015) erhöht haben, so dass solche Inhalte für Teile der Schülerschaft nur noch in einem als-ob-Verfahren unterrichtet werden können.
    Kann man so machen, bringt Arbeitsplätze bei Apple, und schöne Überschriften für Digitalisierungartikel.

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