Wie tolerant muss eine (Privat-)Schule sein? Waldorfschule lehnt Kind von AfD-Politiker ab und sieht sich Empörungswelle gegenüber

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BERLIN. Eine Berliner Waldorfschule hat es abgelehnt, das Kind eines AfD-Abgeordneten aufzunehmen – jetzt schlägt die Empörung darüber hohe Wellen. Von “Gesinnungspolizei” ist die Rede (so zitiert die “Bild”-Zeitung den Präsidenten des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger), und die Rechtsaußen-Partei sieht sich mal wieder in ihrer angeblichen Opferrolle bestätigt. Aber warum eigentlich? Fakt ist: Die Waldorf-Pädagogik und die Forderungen der Berliner AfD in der Bildungspolitik passen kaum zusammen.

Eurythmie-Vorführung einer Waldorf Schule. Eurythmie ist eine anthroposophische Bewegungskunst, die von Rudolf Steiner entwickelt wurde. Foto. Theresa S Muller / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)
Eurythmie-Vorführung einer Waldorf Schule. Eurythmie ist eine anthroposophische Bewegungskunst, die von Rudolf Steiner entwickelt wurde. Foto. Theresa S Muller / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Eine Berliner Waldorfschule verweigert die Aufnahme eines Kind eines AfD-Abgeordneten – und löst damit eine heftige Debatte über Toleranz, Kindeswohl und Diskriminierung aus. Am Montag schaltete sich Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) ein. Die Juristen von der Schulaufsicht in ihrem Haus würden den Schulträger noch am gleichen Tag um eine Stellungnahme zu dem Fall bitten, kündigte eine Sprecherin an. Senatorin Scheeres sehe es «sehr kritisch», falls die Schule die Ablehnung des Kindes nach der politischen Gesinnung der Eltern entschieden habe.

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Nach einem Bericht der «Berliner Zeitung» soll es schon seit Monaten Streit und heftige Diskussionen bei Eltern und Lehrern gegeben haben. Viele stellten sich gegen die Aufnahme des Kindes, das zusammen mit einem Geschwisterkind den dazugehörigen Waldorf-Kindergarten besucht.

Vergangene Woche fiel die Entscheidung. Zur Begründung wird das Kindeswohl angeführt. Der Geschäftsführer des Trägervereins der Waldorfschule teilt der «Berliner Zeitung» mit: “Um eine einvernehmliche Lösung des Konfliktes wurde gerungen – sie konnte aber nicht erreicht werden.” Weiter heißt es: “Angesichts dieses Konfliktes sieht die Schule keine Möglichkeit, das Kind mit der nötigen Unvoreingenommenheit und Unbefangenheit aufzunehmen – beides sind Grundvoraussetzungen, um die Entwicklung des Kindes angemessen zu fördern.”

Gegen das Gesetz?

Die Sprecherin der Senatsschulverwaltung sagt: «Private Schulen können natürlich selbst entscheiden, ob sie Schüler aufnehmen oder nicht.» Das stimmt – einerseits. Bei kirchlichen Schulen spielt die Nähe der Familien zur Religion durchaus eine Rolle. Private Gymnasien legen Wert auf sehr gute Noten der Bewerber. Anderseits sagt die Sprecherin: «Es stellt sich natürlich die Frage, widerspricht die Entscheidung dem Anti-Diskriminierungsgesetz?» Sie meint das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) des Bundes.

Dort steht im Paragraf 1: «Ziel des Gesetzes ist, Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen.» In Paragraf 2 heißt es, Benachteiligungen aus den genannten Gründen seien unter anderem unzulässig in Bezug auf Bildung. Bedeutet das aber auch, dass eine Privatschule Eltern mit jedweder politischer Einstellung akzepieren muss?

In einer «Stuttgarter Erklärung» des Bundes der Freien Waldorfschulen gegen Diskriminierung  heißt es, die Schulen würden alle Menschen als gleich an Würde und Rechten ansehen, «unabhängig von ethnischer Zugehörigkeit, nationaler oder sozialer Herkunft, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Überzeugung». Der Sprecher des Bundes, Henning Kullak-Ublick, erklärt: «Generell gilt, dass unsere Schule für alle Kinder offen sind.» Zwar agierten die Schulen eigenständig. «Wir wünschen uns aber, dass die Entscheidung noch mal reflektiert wird.» Die Debatte könne Anstoß sein für einen Lernprozess beim Thema Toleranz.

In einer Broschüre des Bundes zu “Eltern an der Waldorfschule” heißt es aber auch: “Im Hinblick auf das Kind bedeutet eine vertrauensvolle Zusammenarbeit von Schule und Elternhaus, sich der gemeinsamen Erziehungsziele bewusst zu sein und sich
gegenseitig in deren Umsetzung zu unterstützen.”

Tatsächlich erwarten Waldorfschulen ein Engagement von Vätern und Müttern im schulischen Alltag, das über das von Eltern an staatlichen Schulen hinausgeht. “Waldorf-/Rudolf-Steiner-Schulen sind selbstverwaltete (d. h. nicht staatlich verwaltete) Organisationen. Lehrer und Eltern leiten die Schule und schaffen geeignete Organe”, so heißt es. Und: “Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, sich in seiner Schule einzubringen und Verantwortung zu übernehmen. Typische Arbeitskreise, Gremien und Organe an Waldorfschulen sind: Basarkreis, Haus- oder Geländekreis, Baukreis, Wirtschafts- und Finanzkreis, Vertrauenskreis, Personalkreis, Schulführung, Vorstand, Öffentlichkeitsarbeit, Schulforum oder Schulparlament, Eltern-Lehrer*innen-Kreis und andere. Hier arbeiten alle Beteiligten eng zusammen, es entsteht eine Begegnungskultur und eine gelebte gemeinsame Trägerschaft.” Setzt eine “gelebte gemeinsame Trägerschaft” aber nicht eine vereinbare Weltanschauung voraus?

„Schule muss vermitteln, dass einfache Botschaften nicht tragen", sagt Philologen-Chef Meidinger. Foto: Oxfordian Kissuth / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)
AfD-Wahlplakat zur Bundestagswahl Foto: Oxfordian Kissuth / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Das könnte in der Tat schwierig werden. Die Berliner AfD-Fraktion hatte im September ihr bildungspolitisches Programm (“Blau macht schlau”) vorgestellt. Kernpunkt: „Wir müssen die Disziplin in das Bildungssystem zurückbringen“, wie der bildungspolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Franz Kerke, betonte. Die Schüler bräuchten klare Strukturen, Lehrer müssten wieder Respektspersonen sein. Nötig seien Regeln für alle, die auch eingehalten werden müssten. Fraktionschef Georg Pazderski forderte gar einen „Paradigmenwechsel“. „Die Schulen dürfen kein sozialpolitischer Reparaturbetrieb mehr sein.“ Sie müssten sich vielmehr auf die Vermittlung von Bildungsinhalten konzentrieren. „Wir brauchen auch eine Elitenbildung“, so Pazderski.

  • Weiter heißt es in dem AfD-Programm: “Eine gängige Grundannahme der pädagogischen Konzepte der Gegenwart ist die idealistische These, jedes Kind wolle lernen, man dürfe ihm nur nicht diesen natürlichen Lernwillen austreiben. Die AfD-Fraktion Berlin vertritt dagegen ein realistisches Menschenbild.”
  • Oder: “Das spielerische Lernen ist die altersangemessene Methode für den Elementarbereich (Kita). Mit zunehmenden Alter der Kinder stößt die Methode des freien Lernens an ihre Grenzen. Vom Spielen müssen Kinder zum systematischen Lernen geführt werden. Schulisches Lernen verlangt nach wie vor wiederholtes Üben, Fleiß und Selbstdisziplin. Jede andere Auffassung führt zu einer infantilisierenden Unterforderung.”
  • “Individualisiertes Lernen, offener Unterricht, Binnendifferenzierung und freies Lernen erweisen sich in der Praxis als wenig effektiv.”

Wie soll diese Einstellung mit Waldorf-Pädagogik zusammenpassen? Deren Grundsätze gehen auf den Anthroposophen Rudolf Steiner zurück und betonen die freie Entfaltung der Schüler, künstlerische Bildung und den Verzicht auf Noten und Sitzenbleiben. Steiners Schriften enthalten allerdings nicht nur viel Esoterik, sondern auch rassistische und antisemitische Klischees, wie heute kritisiert wird. In der “Stuttgarter Erklärung” heißt es dazu: “Die Anthroposophie als Grundlage der Waldorfpädagogik richtet sich gegen jede Form von Rassismus und Nationalismus. Die Freien Waldorfschulen sind sich bewusst, dass vereinzelte Formulierungen im Gesamtwerk Rudolf Steiners nach dem heutigen Verständnis nicht dieser Grundrichtung entsprechen und diskriminierend wirken.”

AfD-Fraktionschef Pazderski sprach am Montag von “Ausgrenzung und Sippenhaft”. Zur Erinnerung: “Sippenhaft” wurde in der Zeit des Nationalsozialismus als Terrormaßnahme gegen politische Gegner angewandt – sie bedeutete in der Regel Einweisung von Familienangehörigen in ein Konzentrationslager.

Glaubwürdigkeit?

Der betroffene AfD-Abgeordnete will sich zu seiner Auseinandersetzung mit der Schule nicht äußern und mit seinem Namen nicht erwähnt werden, auch um die Kinder zu schützen. Für ihn sei der Schulbesuch seiner Kinder ein privates und kein politisches Thema, hieß es. So kann man ihn auch nicht dazu befragen, wie es um seine Glaubwürdigkeit als Mandatsträger bestellt ist – wenn die von ihm vertretenen bildungspolitischen Forderungen und seine “private” Schulwahl offensichtlich gar nicht zusammenpassen. News4teachers / mit Material der dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers heiß diskutiert.

AfD-Chef Gauland fordert ein neues Geschichtsbild für Deutschland – „Wir haben das Recht, stolz zu sein auf die Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen“

 

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44 KOMMENTARE

  1. Einerseits passen die in Bildungsfragen sehr konservative AfD und die Waldorfschule in der Tat kaum zusammen.

    Andererseits müsste man AfD-Politiker mal durch Moslem, Jude, schwules Paar o. ä. ersetzen, die Ablehnung aber beibehalten. Der Shitstorm wäre kaum auszudenken.

    • Ein politisches Mandat ist doch nicht gleichzusetzen mit Religion oder sexueller Orientierung – der Mann ist AfD-Abgeordneter aus völlig freien Stücken, nicht qua Geburt oder kultureller Herkunft.

      • Exakt. Deshalb auch mein Kommentar und deshalb auch Ihre Reaktion darauf. Asymmetrische Betrachtungsweise, asymmetrische Berichterstattung.

        Woher wissen Sie eigentlich, dass der Abgeordnete auch in der Schule seine Politik einbringt? Woher wissen Sie, dass das ein SPD-Abgeordneter nicht tun würde? Erneut asymmetrische Betrachtungsweise.

        Übrigens ist ein schwuler Mann auch aus freien Stücken schwul und darf das zumindest in der westlichen Kultur in aller Regel auch ausleben. In muslimischen Kulturen ist das nicht möglich.

          • Das tut nichts zur Sache, vorausgesetzt Sie finden die heterosexuelle Norm nicht homophob, rassistisch oder rechtsextrem.

          • Lieber Bernd, inwiefern wird man zum eigenen Glauben gezwungen? Geschieht das nicht auch aus freien Stücken? Müssen wir nun eine Liste von Berufen erstellen, die eine potentielle Gefahr darstellen und somit eine Ablehnung derer Kinder begründen?

            Ich bin doch sehr erschrocken von solcher Intoleranz von angeblich sehr toleranter Menschen. Bei Ihnen muss ich sagen, wundert es mich jedoch nicht. Sie scheinen doch eine sehr radikale Einstellung zu gewissen Dingen zu haben.

          • Lieber Felixa,

            haben Sie nicht unlängst einer Mutter, die nur gleiche Rechte für ihr behindertes Kind gefordert hat, vorgeworfen, “unverschämt” zu sein?

            Ihre Empathie mit AfD-Politikern scheint besser entwickelt zu sein, was mich zu der Frage führt: Wer ist hier radikal?

        • Bernd woher kommen Sie immer mit diesen abstrusen Gedanken? Gerne können Sie mir erläutern wo ich das getan haben sollte. Inklusion ist ein streitbares Thema, da habe ich meine Erfahrungen und Position auf dieser Webseite schon klar hervorgehoben. Ich habe aber niemanden als “unverschämt” bezeichnet. Im Gegenteil, es sollte doch jedem daran liegen die beste Bildung für behinderte Kinder zu ermöglichen. Auf einer Regelschule sehe ich das eben unter jetzigen Bedingungen nicht für möglich an.

          Im Übrigen finde ich es doch amüsant wie sie bei jeder Diskussion, die wir führen, mir einen Partei-Stempel aufdrücken wollen. Ich bin, vermutlich wie die meisten Anderen hier, parteilos, ich engagiere mich in keiner Partei und ich sympathisiere auch nicht für eine bestimmte Partei. Ich sehe einfach zunächst den Menschen und wenn dieser Vater, so wie jeder andere auch, seinen Beruf und sein Privates trennen kann, kann ich die Reaktion dieser Schule und ihre Reaktion eben nicht verstehen.

          Gerne dürfen Sie meine obigen Fragen aber auch noch beantworten. Ich verstehe, dass das nicht leicht ist. Man müsste sonst einsehen, dass die Reaktion von der Schule, zumindest grenzwertig ist.

          • So, so … abstruser Gedanke.

            Ich zitiere Sie mal:

            “Ich muss das jetzt mal in aller Deutlichkeit sagen: Sie sind absolut unverschämt und weit über das Ziel hinausgeschossen. Sie unterstellen also denjenigen, die tagtäglich ihr bestes geben, um den Kindern auf der Förderschule die bestmögliche Entwicklung zu bieten, dass diese die Kinder einfach wegsperren und somit verkommen lassen… Ich glaube ihr Problem ist, dass sie nicht anerkennen können, dass auf Förderschulen auch gute Arbeit geleistet wird. Es ist mittlerweile modern und schick zu sagen, alles außer Gymnasium ist schlecht, asozial, etc. Wer kein Abitur macht und studiert aus dem wird nichts. Inklusion trägt ihren Teil dazu bei.”

            Wie gesagt, die Mutter hatte nur gleiche Rechte für behinderte Kinder gefordert wie für alle anderen …

          • Lieber Bernd,

            bitte lesen Sie sich die Beiträge vollständig durch und zitieren Sie nicht im Stile einer Klatschzeitung, indem Sie Teile der Aussage einfach weglassen. Moment mal… sind das nicht eigentlich Methoden von AfD-Sympathisanten, Aussagen zu verdrehen? (Vorsicht: Ironie!)

            Den vorausgehenden Satz haben Sie nämlich bewusst weggelassen. “Also was haben Sie bitte für Vorstellungen von Förderschulen? Weggesperrt.” Ich bezog mich damit auf diese Aussage von der lieben @Anna, die Förderschulen wie folgt beschreibt:

            “Jeder hat aber den Anspruch darauf, eine Chance zu bekommen und nicht weggesperrt zu werden – also auch Kinder mit Behinderungen.”

            1. Ich weiß nicht wo da eine Mutter gesprochen haben soll. In dem Gespräch mit der lieben @Anna hieß es an keiner Stelle, dass Sie Mutter eines behinderten Kindes sei, was jedoch sowieso unerheblich wäre.
            2. Wer davon spricht, dass die engagierte Arbeit von Kolleginnen und Kollegen an den Förderschulen mit einem Wegsperren von Kindern gleichzusetzen ist, ist weit mehr als unverschämt. Das ist respektlos und wenn Sie das nicht so sehen, fehlen mir so langsam einfach nur die Worte.

          • Heißt dann also: Eltern behinderter Kinder sollen sich gefälligst mit der Förderschule zufrieden geben (auch wenn Sie ein gesetzliches Recht auf den Besuch einer Regelschule haben). Wer sich dagegen wehrt, ist “unverschämt”.

            Ein AfD-Politiker, der “beruflich” gegen Reformschulen hetzt, hat hingegen einen Anopruch darauf, dass sein Kind auf einer Waldorfschule unterkommt. (Ist ja nur “beruflich”)

            Habe ich Ihre Meinungen so richtig zusammengefasst?

          • Wollen oder können Sie es nicht verstehen? Die Bezeichnung “unverschämt” bezog sich auf den Beitrag von ebenjener @Anna, die die Arbeit auf Förderschulen mit einem Wegsperren von Kindern vergleicht (siehe Zitat). Finden Sie, dass das eine angemessene Beschreibung ist? Ich habe meinen Standpunkt zur Inklusion bereits ausführlich erläutert und bedarf keiner weiteren Ausführung. Verzichten Sie in Zukunft bitte auf falsche Anschuldigungen und Verleumdungen. So viel Anstand sollten auch Sie besitzen.

            Sie sollten übrigens mit ihrer Wortwahl vorsichtig sein. Kennen Sie diese Person oder die Arbeit dieser Person? An welcher Stelle hat diese Person gegen Reformschulen “gehetzt” (starkes Wort!).

            Ich fasse gerne nochmal meine Meinung zu diesem Thema zusammen. So schwer ist das ja nicht, auch wenn Sie sich gerade nicht sonderlich aufmerksam geben:

            Ich differenziere zwischen der Person im Privaten und der Person im Beruf. Solange diese zwei Ebenen im schulischen Alltag getrennt bleiben, gibt es keinerlei Gründe jemanden aufgrund seiner Berufswahl abzulehnen. Ich nehme eben nicht an, dass diese Person in irgendeiner Funktion als AfD-Politiker im schulischen Geschehen auftreten muss. Warum diese Person sein Kind auf diese Schulform schicken möchte, erschließt sich mir auch nicht. Das ist jedoch nicht der entscheidende Punkt.

            Mich würde mal Interessieren welche Fächer Sie unterrichten. Mir ist kein Fach bekannt, indem man SuS beibringt Aussagen zu verdrehen. Das scheint jedoch ihre Expertise zu sein.

          • Ist das kein Wegsperren, wenn man einem Kind nur eine Schule außerhalb des Regelssystems erlaubt? Was ist das denn dann?

          • Ich halte es eher für eine Art von Wegsperren, wenn man einem Kind nur eine komplett ungeeignete Schulform anbieten kann, weil die Alternative aus Kostengründen geschlossen wurde.

      • Wird man nur nach der Geburt zwangsweise Moslem und welche kulturelle Herkunft hat man als Moslem.

        Ich kenne deutsche Muslime ohne jeden Migrationshintergrund die als Erwachsene freiwillig zum Islam konvertiert sind. Einer der bekanntesten ist wohl Pierre Vogel.

      • Was hat es denn mit Radikalität zu tun, wenn man der Meinung ist, dass politische Einstellungen natürlich auch private Konsequenzen haben. Als Veganer kann ich schlecht als Metzger arbeiten, als Linken-Politiker nicht Lehrer an einer Katholischen Schule sein, als Neonazi bin ich denkbar ungeeignet, um als Sozialarbeiter in einer Flüchtlingunterkunft zu arbeiten – und als Funktionär einer Partei, die gegen jede Form von Reformpädagogik aggressiv zu Felde zieht, passe ich als Elternverteter eben nicht an eine Waldorf-Schule. Und das alles hat mit Diskrimienierung nichts zu tun.

        • damit haben Sie völlig Recht. Es stört aber nach wie vor Ihre strikte zweiwertige Logik, nach der man Ihrer radikalen Haltung in gewissen Punkten entweder bedingungslos zustimmt (und damit ein guter Mensch ist) oder als Nazi gebrandmarkt wird. Toleranz zeigen Sie nur gegenüber nach Ihrer Definition guten Menschen und den in Ihrer Filterblase als gut geltenden Menschen. Letztere dürfen dann auch tun und lasen, was sie wollen.

          • Dann erwähnen Sie doch der Vollständigkeit halber, wofür ich Sie einen Rassisten genannt habe: für Ihre Behauptung, nach der Menschen aus arabischen Ländern genetisch bedingt dümmer seien als deutschstämmige.

            Sich gegen Ihre braune Rassenlehre zu stellen soll radikal sein? Dann bin ich gerne radikal. Tolerant, da haben Sie Recht, bin ich nicht gegenüber den Feinden unseres demokratischen Rechtsstaats und unserer offenen Gesellschaft. Ich bin liberal – nicht bescheuert.

          • Bernd, das habe ich nie behauptet. Ich habe mich damals nur auf den geringen Abiturientenanteil bei Menschen arabischer Herkunft bzw. muslimischen Glaubens bezogen und das — zumindest nach dem unten von der Redaktion verlinkten Artikel — fälschlicherweise mit Begabung in der jeweiligen sozialen Gruppe begründet. Mein Fehler, dumm gelaufen.

            Das hielt ich für plausibel, weil ich bei jeder Familie davon ausging, dass sie ihre Kinder gemessen an der Begabung auf die höchst mögliche Schulform schickt mit dem Ziel eines höchst möglichen Abschlusses. So gesehen habe ich diesen Familien offensichtlich fälschlicherweise eine starke Bildungsnähe unterstellt, viele Bildungspolitiker aber im Gegensatz dazu eine Bildungsferne.

            Weshalb ich jetzt der Rassist bin, kann ich mir nicht mehr erklären.

            Ach ja: Wenn Intelligenz oder Begabung tatsächlich nicht genetisch bedingt ist, dann machen insbesondere die so genannten bildungsfernen Schichten bewusst eine Menge falsch und nicht unbewusst, weil es ihre Gene so vorgaben. Ihre Position, Bernd, wird dadurch immer schlechter.

          • werten wir es als ein unwissentlich über das ziel hinausgeschossen. die Tatsache, dass türkisch-arabisch-islamische Migranten einen signifikant höheren Anteil an der so genannten bildungsfernen Schicht haben, bleibt aber bestehen. Mit Rassismus oder Islamophobie hat das nichts zu tun.

            Wenn überhaupt habe ich im übrigen der bildungsfernen Schicht unabhängig von der Herkunft mit ihren niedrigeren Abschlüssen geringere kognitive Leistungsfähigkeit oder zumindest Leistungsbereitschaft unterstellt.

        • Sehr geehrte Leser,

          wir lassen hier keine Debatten darüber zu, ob an der Rassenlehre nicht vielleicht doch etwas dran sein könnte – sparen Sie sich entsprechende Kommentare. Wir löschen.

          Wer sich seriös mit dem Thema “Vererbung von Intelligenz” beschäftigen möchte, dem empfehlen wir folgenden aktuellen Beitrag des Psychologen Prof. Chirstof Kuhnandner in der “Süddeutschen Zeitung”: “Intelligenz ist nicht angeboren”.

          https://www.sueddeutsche.de/bildung/paedagogik-intelligenz-ist-nicht-angeboren-1.4245200

          Die Redaktion

        • “… Funktionär einer Partei, die gegen jede Form von Reformpädagogik aggressiv zu Felde zieht …”
          AfD und Waldorf, das klingt sicher ungewöhnlich. Aber wo steht das eigentlich, gegen JEDE FORM von Reformpädagogik, und dann noch aggressiv? Im Wahlprogramm habe ich es nicht gelesen. Man wendet sich gegen bestimmte Formen, denn Reform ist nicht gleich Reform. Eigentlich sind Waldorfschulen ziemlich konservativ oder gar verzopft: Fernsehen und sogar Fußball waren bis vor kurzem verboten, auch die Digitalisierung kommt mit starker Verzögerung an, die Eurythmie ist eher ein 100 Jahre alter Zopf, den man sich nicht abzuschneiden traut usw.
          Die Motivation von progressiven linken Eltern, ihre Kinder in Waldorfschulen zu schicken, schlage ich mal zur näheren Untersuchung vor. Kennt jemand was dazu?

    • Pragmatisch passt die Waldorfschule gut für die AfD-Eltern, da die Schulgelder den Migrantenanteil niedrig halten.
      Pragmatisch hat auch Frau Schwesig von der SPD damals eine Privatschule gewählt, als Grund gab sie den kürzeren Schulweg an 😉
      https://www.news4teachers.de/2017/09/privatschulverband-befremdet-ueber-schwesig-debatte/
      Daneben gibt es weitere Vorteile an einer gut geführten Privatschule: “Unbestreitbar ist wohl, dass die hohen Schulgeldzahlungen zeigen, dass die derzeitigen Privatschulklientel sehr wohl in der Lage ist, nicht nur die für einen “normalen gleichwertigen” Schulbetrieb erforderlichen Kosten allein zu tragen, sondern auch noch darüber hinausgehende Kosten für Zusatzangebote oder schönere Schulräume, kleine Lerngruppen etc.” (Aus einem damaligen Kommentar).
      Noch schöner: Als Frau Hohlmeier, die ehemalige bayerische Kultusmnisterin seinerzeit in der Kritik stand, weil sie ihre Kinder auf eine Waldorfschule schickte und nicht in eine staatliche Schule, nahm dies damals die bayerische SPD zum Anlass, ihr vorzuwerfen, sie fliehe persönlich mit ihren Kindern aus dem verkrusteten staatlichen Schulsystem. Stoiber nahm sie damals in Schutz mit der m.E. richtigen Aussage, das die Schulentscheidung ein privates Thema sei.

  2. “Zur Erinnerung: “Sippenhaft” wurde in der Zeit des Nationalsozialismus als Terrormaßnahme gegen politische Gegner angewandt.” So steht es oben im Artikel.
    Zur Erinnerung: In der DDR durften Kinder von politisch Oppositionellen nicht studieren, Leute mit Verwandtschaft im Westen durften bestimmte Posten nicht übernehmen, wer “ideologisch verdächtig” war, bestimmte die Stasi usw. usw. Auch das gilt nach meiner Kenntnis als “Sippenhaft” im weiteren Sinne, auch ohne dass die betreffenden wirklich inhaftiert wurden. Und wie ist das mit der Inhaftierung von Gülen-Anhängern in der Türkei oder deren Ausspionierung in Deutschland?
    Also Kinder von AfD-Leuten darf man ohne Gewissensbisse benachteiligen. Wie stünde das denn bei Kindern von Hasspredigern oder Salafisten? Nein, die dürfen doch nicht benachteiligt werden, oder ??? Da würde sofort das Grundgesetz zitiert.

  3. Zum ersten Mal bin ich über einen Meinungsartikel des Herausgebers von n4t wirklich entsetzt. Dass hier n4t den Rechtfertigungsversuch dafür übernimmt, dass eine Schule einem Kind wegen seiner Herkunft (Vater bei der AFD) die Aufnahme verweigert, zeigt, dass in unserem Lande nicht einmal bei den basalsten demokratischen Axiomen, der Achtung der Menschenwürde eines Menschen, auch eines Kindes, unabhängig von Herkunft, Rasse, Religion, sexueller Orientierung, Geschlecht und politischer Gesinnung, ein Grundkonsens vorhanden ist.

    Übrigens haben sich die Waldorf-Schulen in einer Erklärung verpflichtet, Diskriminierung abzulehnen und zu bekämpfen. Diese Erklärung war übrigens als “Wiedergutmachung” dafür gedacht, dass sich der Gründer der Waldorfpädagogik, Rudolf Steiner, seinerzeit selbst durch ganz üble rassistische Äußerungen diskreditiert hat.

    Mich beruhigt nur, dass auch viele linksliberale Zeitungen wie die Zeit, der Tagesspiegel und selbst die taz das ganz anders als News4teachers sehen:

    https://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2018-12/diskriminierung-schulen-afd-politische-orientierung-eltern-ausschluss-kinder

    http://www.taz.de/!5556901/

    https://www.tagesspiegel.de/politik/streit-um-afd-politikerkind-eine-waldorfschule-braucht-nachhilfe-in-demokratie/23765516.html

    • Sehr geehrter Herr Bergmann,

      es handelt sich zwar oben nicht um einen “Meinungsbeitrag des Herausgebers von News4teachers” – ich habe den Text weder verfasst noch ist er ein Kommentar, sondern eine Analyse, die Positionen gegenüberstellt.

      Meine Meinung dazu können Sie aber gerne haben. Um mal Wikipedia zu zitieren: “Das Diskriminierungsverbot, auch Benachteiligungsverbot, untersagt, Menschen wegen bestimmter Merkmale ungleich zu behandeln, wenn dies zu einer Diskriminierung, also einer Benachteiligung oder Herabwürdigung einzelner führt, ohne dass es dafür eine sachliche Rechtfertigung gibt. Insbesondere dürfen weder Geschlecht, Rasse, Hautfarbe, Sprache, Religion, politische oder sonstige Anschauung, nationale oder soziale Herkunft, Zugehörigkeit zu einer nationalen Minderheit, Vermögen, Geburt noch der sonstige Status als Unterscheidungsmerkmale herangezogen werden.”

      Wichtig ist dabei der Halbsatz: “ohne dass es dafür eine sachliche Rechtfertigung gibt”. Einen Politiker, dessen Partei vehement gegen jede Form von Reformpädagogik auftritt, nicht als Mitglied in die Trägerschaft einer reformpädagogischen Privatschule aufnehmen zu wollen – denn die Eltern bei Waldorf gehören zur Trägerschaft -, halte ich durchaus für “sachlich gerechtfertigt”.

      Ich sehe auch nicht, dass überhaupt jemand einen Anspruch darauf hätte, einen Platz an einer privaten Waldorf-Schule zu bekommen. Wieso sollte also ein AfD-Funktionär einen solchen Anspruch haben? Insofern kann ich die Empörung über die Ablehnung nicht teilen.

      Mit freundlichem Gruß
      Andrej Priboschek

      Herausgeber News4teachers

      • Die Frage ist doch nicht, ob der Vater einen Anspruch hat, sondern weswegen sein Kind abgelehnt worden ist.
        Ich bin mir auch sicher, dass es sich nicht mit der 80-prozentigen Finanzierung von privaten Schulen durch den Staat verträgt, dass eine so finanzierte Schule Kinder deshalb ablehnt, weil deren Vater in einer im Bundestag vertretenen, also nicht verbotenen Partei Mitglied oder Funktionär ist. Dies sieht ja offensichtlich auch die SPD-Bildungssenatorin ähnlich. Eine katholische Schule darf auch kein Kind deshalb ablehnen, weil die Mutter bekennende Atheistin ist.
        Und warum durfte der Vater zwar zur Waldorf-Familie gehören, als sein Kind die Waldorf-Kita besuchte, aber jetzt nicht mehr an der Schule. Was bedeutet es für ein Kind, wenn ihm gesagt wird, du darfst nicht wie die meisten anderen deiner Freunde aus dem Kindergarten in die angeschlossene Schule wechseln, weil dein Vater die falsche politische Gesinnung hat.

        Das ist leider tatsächlich pure Sippenhaftung, welche im obigen Beitrag fälschlicherweise allein dem Nationalsozialismus und der Einweisung in Konzentrationslager zugerechnet wird (ein schönes Totschlagargument!).
        Sippenhaft gab es im Mittelalter, Sippenhaft war weit verbreitet im asiatischen Raum (Japan des 18. und 19. Jahrhunderts), Sippenhaft gab es in der DDR (nachzulesen in einem interessanten Interview in der Zeit mit dem Schriftsteller Martin Ahrends: Ahrends: “Es gab Sippenhaft in der DDR. Jedes SED-Mitglied und jeder IM wusste, dass ihm die eigenen Kinder und Freunde schaden können. Ich kenne den Fall eines Diplomaten, dessen Tochter einen Ausreiseantrag stellte: Weinend bat er sie, den Antrag zurückzuziehen. “Ich werde zum Pförtner degradiert, wenn du das Land verlässt”, sagte er ihr. Die Tochter ging tatsächlich, der Vater verlor seinen Posten.”) und Sippenhaft gibt es heute u.a. tagtäglich in Nordkorea.

      • Haben eigentlich Kinder von Grünen-Funktionären oder Linkspartei-Funktionären (beide Parteien wollen die “eine Schule für alle”) einen Anspruch auf einen Platz an einem ehrwürdigen grundständigen Gymnasium? Oder an einer Elite-Schule irgendwelcher Art, ggfs. auch einer Privat-Schule? Wenn ja, sollte doch klar sein, dass einzelne Parteileute privat nicht unbedingt das realisieren müssen, was ihre Partei anstrebt. CDU-Politiker können Atheisten sein und ihre Kinder vom Religionsunterricht abmelden, SPD-Politiker können Wirtschaftsbosse und Millionäre sein, Grünen-Politiker können umweltschädliche Autos fahren usw.
        Wieso also wird überhaupt die Erwartung formuliert, AfD-Politiker müssten privat 100-prozentig das realisieren, was ihre Partei (angeblich) vertritt? Ich fände es stattdessen wichtig, dass diese Leute sich anständig benehmen und die Parteipolitik aus der Schule raushalten. Keine Parteipropaganda in Schulen.

  4. @Bernd: Sie schreiben:”Heißt dann also: Eltern behinderter Kinder sollen sich gefälligst mit der Förderschule zufrieden geben…..” Heißt das also, dass Förderschulen schlecht arbeiten oder dass die Kinder/Lehrer/wer auch immer dort schlecht sind? In den Förderschulen werden die Kinder GEFÖRDERT, in den Regelschulen, so wie sie derzeit arbeiten, kommen sie da meist schlechter weg und machen auch nicht immer nur gute Erfahrungen im sozialen Bereich. Sind Sie eigentlich Lehrer oder woher kommt Ihre Haltung?

    • Ist das denn für manche Lehrer so schwer zu verstehen, dass Eltern sich nicht vorschreiben lassen wollen, dass sie ihre Kinder gefälligst auf eine Schule zu schicken haben, auf der es praktisch keinen Abschluss gibt – und von wo der Weg ungebremst in die Arbeitslosigkeit und in die Hartz-IV-Karriere führt?

      Sorry, aber ich kann das verstehen.

      • Interessant ist ja, dass derzeit deutlich mehr enttäuschte Eltern ihre Kinder aus den Regelschulen wieder zurück in die Obhut der Förderschulen geben (sofern die im jeweiligen Bundesland nicht dicht gemacht wurden) als umgekehrt Eltern aus Förderschulen ihre Kinder an den Förderschulen abmelden und in Regelschulen schicken obwohl sie die Möglichkeit dazu hätten. Die Eltern von behinderten Kindern wissen im Gegensatz zu Bernd übrigens ganz genau, warum sie das tun!

      • Machen diese Kinder denn in einer Regelschule einen Abschluss? Schaffen sie den? Die Förderschule Lernen in meinem Wohnort dagegen garantiert praktisch jedem S einen Ausbildungsplatz/Arbeitsplatz, d.h. die Schule selbst kümmert sich darum, dass ihre Abgänger unterkommen. Ein Grund warum bei uns viele Eltern ihr Kind lieber dahin schicken, als es in einer Hauptschule zu lassen, in der es schlecht mitkommt, evtl. keinen Abschluss schafft und auch von den eher schwierigen Mitschülern nicht unbedingt inkludiert wird.

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