Schleicher im Interview: “Eine Technologie des 21. Jahrhunderts passt nicht mit einer Pädagogik aus dem 20. Jahrhundert zusammen”

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KÖLN. Der Digitalpakt ist seit dieser Woche in trockenen Tüchern – der Startschuss für die Digitalisierung der Bildung in Deutschland ist damit gefallen. Klar ist: Das wird die Schulen in Deutschland nachhaltig verändern. Die Frage allerdings lautet dabei: Wie lässt sich sicherstellen, dass dies auch zum Nutzen von Lehrern und Schülern geschieht? Gestern trat jemand im Rahmen der didacta in Köln auf, der innovative – und in Sachen Digitalisierung fortgeschrittene – Bildungssysteme kennt und wohl kompetent wie kein Zweiter darüber Auskunft geben kann, wohin die Entwicklung gehen sollte: PISA-Chef Andreas Schleicher. News4teachers-Herausgeber Andrej Priboschek sprach mit ihm.

Hier geht es zu Teil 2 des Interviews.

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“Die Rolle der Lehrkraft verschiebt sich – weg vom reinen Wissensvermittler, hin zum Mentor, der Lernprozesse ermöglicht und steuert”: OECD-Direktor Andreas Schleicher. Foto: SPÖ / Mag. Gisela Ortner / flickr (CC BY-SA 2.0)

In Deutschland, so scheint es, ist die Debatte um die Digitalisierung der Schulen extrem polarisiert – die einen sehen in ihr die Lösung für alle Bildungsprobleme, für andere ist Digitalisierung im Unterricht die „totale Verblödung“.  Was bedeutet Digitalisierung wirklich für die Bildung?

Andreas Schleicher: Die Digitalisierung birgt ein enormes Potenzial. Sie ermöglicht den Schülerinnen und Schülern den Zugriff auf die geeignetsten Medien und Informationsquellen. Auch die Art des Lernens wird innovativer. Denken wir nur einmal an virtuelle Laboratorien. Schüler können dort selbst Experimente durchführen, die sonst kaum möglich wären. Interaktive Inhalte, Lernen im Team –  all das sind zusätzliche Möglichkeiten auf Seiten der Lernenden, die es dank der Digitalisierung gibt. Ich sehe auch ein großes Potenzial auf Seiten der Lehrenden, ihren Unterricht zu verbessern. In Shanghai beispielsweise gibt es eine Plattform, auf der Lehrkräfte ihre Unterrichtskonzepte und Unterrichtseinheiten einstellen können. Je mehr Reaktionen es gibt, je mehr andere Lehrkräfte ein Unterrichtskonzept nutzen, verbessern oder diskutieren, desto höher steigt der Status. Das ist ein schöner Anreiz. Denn am Ende des Schuljahres fragt der Schulleiter seine Lehrkräfte nicht nur: Wie gut haben Sie ihre eigenen Schüler unterrichtet? Sondern auch: Was haben Sie selber beigetragen zum Bildungssystem? Wie werden Sie von ihren Kollegen gesehen?

In der Vernetzung von Lehrkräften liegt das Geheimnis, aus dem Lehrerberuf eine echte Profession zu machen. Das große Problem ist doch oft die Vereinzelung im Lehrberuf, die die traditionellen industriellen Lehrmethoden geschaffen haben. Wo der Lehrer als Einzelkämpfer im Klassenzimmer steht, dort schafft die Digitalisierung ganz neue Perspektiven. Darüber hinaus kann die Digitalisierung die Grenze zwischen Schule und außerschulischem Lernen verwischen. Wenn‘s gut gemacht wird, dann bedeutet das, dass Schüler auch außerhalb der Schule auf Unterrichtsmaterial zugreifen können, dass sie ihre Hausaufgaben interaktiv durchführen, dass sie mit den Lehrkräften noch nach Unterrichtsschluss kommunizieren können.

In Deutschland sieht die Praxis allerdings anders aus…

Andreas Schleicher: Ja, das ist in Deutschland leider noch lange nicht Realität. Die sieht leider oft noch ganz anders aus – und zwar so, dass die Technologie unreflektiert eingesetzt wird und deshalb sogar mehr Schaden anrichtet, als dass sie Nutzen bringt. Das zeigen die PISA-Resultate deutlich. Die Korrelation zwischen Technologieintensität und Lernergebnissen ist in den meisten Ländern negativ.  Eine Technologie des 21. Jahrhunderts passt nicht mit einer Pädagogik aus dem 20. Jahrhundert und einer Schularchitektur aus dem 19. Jahrhundert zusammen. Das führt zu negativen Effekten. Das sollte uns aber nicht davon abschrecken, nach guten Lösungen zu suchen.

Das fängt an bei der Diagnostik. Mithilfe der Technologie haben wir neue Möglichkeiten zu erkennen, wie einzelne Schüler unterschiedlich lernen. Und auf dieses individuelle Lernverhalten können wir unsere Lehrmethoden anpassen. Wenn ich aber als Lehrer digitale Medien genauso einsetze wie ein traditioneller Pädagoge seine Schulbücher – wenn ich also alle Schüler mit denselben Inhalten beschäftige und mit denselben Methoden unterrichte –, dann sitzen die Schüler halt im Klassenzimmer und kopieren Texte aus Google. Natürlich bekomme ich dann schlechtere Ergebnisse als mit den traditionellen Methoden.

Hat die Digitalisierung Einfluss auf die Unterrichtsmethodik? Anders gefragt: Wie verändert sich die Lehrerrolle?

Andreas Schleicher: Die Rolle der Lehrkraft verschiebt sich – weg vom reinen Wissensvermittler, hin zum Mentor, der Lernprozesse ermöglicht und steuert. Lernen ist immer ein sozialer Prozess. Und Technologie kann diesen sozialen Prozess verstärken. Aber sie kann diesen nicht ersetzen. Insofern werden Lehrkräfte sogar noch sehr viel wichtiger, als sie es heute schon sind. Das Positive daran ist in meinen Augen: Sie können sich dadurch mehr auf ihre Kernaufgabe konzentrieren. Man wird doch vor allem deshalb Lehrer, um junge Menschen zu begleiten, um ihnen zu helfen, ihren eigenen Weg zu finden. Und die Technologie bietet uns die Möglichkeit, die Routinearbeit – die Vermittlung von Fachwissen – zu vereinfachen. Dadurch bekommen wir Raum für das Wesentliche. Und das Wesentliche ist nun mal das Lernen. In der Vergangenheit haben wir für die Arbeit gelernt. Heute ist das Lernen, das lebenslange Lernen, die eigentliche Aufgabe. Das ist der große Paradigmenwechsel. Und dabei können die Lehrkräfte durch eine neue Pädagogik eine herausragende Rolle spielen.

Die Digitalisierung verändert ja nicht nur die Schule, sondern auch Wirtschaft und Gesellschaft drumherum. Was müssen Schülerinnen und Schüler heute lernen, um künftig gut auf die digitale Welt vorbereitet zu sein?

Andreas Schleicher: Das Wissen wird weiterhin von Bedeutung bleiben. Aber auch hier sehen wir eine Verschiebung. Die Reproduktion von Fachwissen verliert ganz klar an Bedeutung. Das kann Google besser und schneller. Wichtiger wird ein epistemisches Verständnis: Kann ich denken wie ein Mathematiker? Kann ich denken wie ein Naturwissenschaftler? Kann ich denken wie ein Historiker? Wenn wir zum Beispiel an die Geschichte denken: Im Zeitalter der Digitalisierung macht es wenig Sinn, sich Namen oder Plätze zu merken. Denn das ist im Grunde totes Wissen. Wichtiger ist: Kann ich erkennen, wie sich das Narrativ der Gesellschaft entwickelt hat? Warum hat es sich so entwickelt? Kann ich die historischen Prozesse verstehen? Übertragen auf die Naturwissenschaften heißt das: Kann  ich ein Experiment konzipieren? Oder Grundsätzlicher: Kann ich unterscheiden zwischen Erkenntnissen, die man wissenschaftlich verstehen kann und Behauptungen, an die man glauben muss. Ich denke, dass ist das Entscheidende. Nicht das Anhäufen von Fachwissen, sondern die Kenntnis der Strukturen. Wenn wir dieses Strukturwissen nicht haben, dann werden wir auch nicht sinnvoll bei Google suchen können. Man muss lernen, die geeigneten Fragen zu stellen.

Es kann nicht mehr darum gehen, unser Wissen an die nächste Generation zu vermitteln, sondern sie zu befähigen, unser Wissen infrage zu stellen zu können. Und neues Wissen zu schaffen. Dazu braucht man ein sehr grundlegendes Verständnis: Was ist eigentlich Mathematik – oder Geschichte? Was sind die Paradigmen, die dort herrschen? Was sind die Sichtweisen der verschiedenen Disziplinen? Dieses epistemische Wissen wird in meinen Augen an Bedeutung gewinnen.

Heute ist es wichtig, nicht irgendetwas zu lernen – sondern einen eigenen Kompass zu entwickeln. Dinge verstehen, vergleichen, bewerten zu können, Verantwortung zu übernehmen.

Selbst im Sport geht es nicht mehr nur darum, irgendwie athletisch zu werden. Auch dort rücken andere Fragen in den Fokus: Wie können wir unseren Charakter entwickeln? Wie können wir Verantwortung für uns selber übernehmen? Wie können wir Verantwortung für andere übernehmen? Wie können wir Führungskompetenzen entwickeln? All das sind in meinen Augen Kompetenzen, die im Zeitalter der Digitalisierung wichtiger werden. Die künstliche Intelligenz sollte uns dazu bringen, mehr darüber nachzudenken, was uns eigentlich menschlich macht – was die wirklich menschlichen Fähigkeiten sind. Das ist: Neues zu schaffen. Punkte zu verbinden, um zu einer richtig großen Idee zu gelangen. Wissen infrage zu stellen. Sozial kompetent zu sein. Aus diesen Faktoren entsteht die Innovation.

Fördert die Digitalisierung nicht auch die Vereinzelung?

Andreas Schleicher: Die Digitalisierung bewirkt oft auch das Gegenteil, ja. Viele Menschen bewegen sich in Blasen, in denen sie nur noch Kontakte mit Leuten haben, die genauso denken wie sie, in denen sie nur noch Nachrichten bekommen, die in ihr Weltbild passen. Deshalb ist die Schule so wichtig: Dort müssen junge Menschen lernen, sich aus solchen Boxen herauszubewegen und mit anderen Menschen und anderen Sichtweisen umzugehen. Und das gewinnt an Bedeutung. In der Vergangenheit war es normal, mit Menschen anderer Gesinnung, anderer Einstellung zusammenzutreffen. Das wird durch die digitale Welt eingeschränkt. Wir verbringen mehr Zeit in der virtuellen Welt als in der realen Welt. Da muss die Schule ansetzen: Kreativität zu entwickeln, soziale und emotionale Kompetenzen zu fördern – auch Selbstdisziplin. Wer im Internet surft, weiß, wie schnell man sich dabei  verlieren kann. Auch die intellektuelle und moralische Entwicklung ist wichtig. Wie kann ich ethische Entscheidungen treffen? Google weiß alles – versteht aber nichts und kann auch nichts bewerten. Das ist unsere Aufgabe: Dieses Wissen, das Google ausspuckt, einzuordnen.

Den moralischen Kompass haben wir von unseren Eltern mitbekommen, später von einer Außenwelt, die uns Orientierung gegeben hat. Die digitale Welt gibt uns keinerlei Orientierung mehr. Die verlangt sie von uns. Werte muss man nicht am Computer vermitteln. Aber ich glaube, auch bei deren Vermittlung kann die Digitalisierung genutzt werden. Gute Lehrkräfte können Schülern zeigen, wie man ethische Entscheidungen trifft – auch in der digitalen Welt.

Klar ist, das macht die Arbeit für Lehrkräfte um ein Vielfaches schwerer. In der Vergangenheit hat man Lehrer daran gemessen, wie gut sie sich in Ihrem Fach auskennen. Heute werden sie daran gemessen, wer sie als Person sind, welches Beispiel sie geben, wie sie im Grunde diese Charaktereigenschaften, um die es wirklich geht, dann auch vorleben. Das ist ein sehr viel höherer Anspruch.

Hier geht es zu Teil 2 des Interviews.: “Wir sollten die guten Ideen aus den Klassenzimmern ins System holen – das ist das Entscheidende”

Hintergrund: Zur Person
Lobt die deutschen Schulen dafür, die Gruppe der Leistungsschwachen verkleinert zu haben, aber ... : Andreas Schleicher. Foto: re:publica / flickr (CC BY-SA 2.0)
Lobt die deutschen Schulen dafür, die Gruppe der Leistungsschwachen verkleinert zu haben, aber … : Andreas Schleicher. Foto: re:publica / flickr (CC BY-SA 2.0)

Andreas Schleicher (54), ein in Hamburg geborener Bildungsforscher bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris, ist für viele “der PISA-Papst”. Als Internationaler Koordinator leitet er das Programme for International Student Assessment (PISA). Schleicher – der später sein Abitur mit der Traum-Durchschnittsnote 1,0 ablegen sollte – war von seiner Grundschule als ungeeignet fürs Gymnasium eingeschätzt worden; seine Eltern widersetzten sich damals der Empfehlung. Schleicher gilt als Kritiker des deutschen gegliederten Schulsystems.

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

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70 KOMMENTARE

    • Stimmt! Nichts Neues, die Aussagen und die damit verbundene schulische Realitätsferne kennen wir alle…
      Bei Schleicher ist überhaupt nichts von der Kritik, die von Praktikern über seine Aussagen gemacht worden sind, angekommen. Es hat den Anschein, dass er nicht einmal darüber nachdenkt.

      Dass jetzt die Kompetenz wichtig ist und nicht das Wissen, habe ich schon vor gefühlt 20 Jahren gehört. Die Idee des Lehrers als Lernbegleiter ist fast schon ein alter Hut.

      Allerdings wurde oft genug eingewendet, dass man ohne Grundlagenwissen nichts einordnen kann, geschweige denn die Informationen versteht und somit irgendetwas beurteilen kann. Ich sehe bei Schleicher keinen Versuch irgendetwas von den Ideen zusammenzubringen.

      Der Unterricht lebt sicher nicht durch Konzepte, wo jeder Schüler individualisiert mit einem maßgeschneiderten Programm lernt, sondern von und über Kommunikation. Am wenigsten gesundheits- und stressanfällig ist die echte, authentische Kommunikation und die muss einen festen Bestand im Unterricht haben.

  1. Schöne Grüße aus dem Elfenbeinturm der Bildungspädagogik.
    Er, Schleicher, ist also kompetent wie kein Zweiter, um über digitalisierten Unterricht Auskunft erteilen zu können ?
    Woher weiß denn der Mann, wie neue Technologien von Lehrern eingesetzt werden?
    Wo hat er selbst Kontakt zu diesen Lehrern und Schülern ?
    Und schließlich sieht er den Lehrer in der Rolle eines Mentors, und nicht in der Rolle desjenigen, der mit den Schülern emotional arbeitet. Dann läuft alles schließlich auf eine entmenschlichte Art des Unterrichts aus, ohne direkten Kontakt und eine reale Kommunikation . Lehrer sollen den Schülern helfen , ihren eigenen Lernweg zu finden! Na dann suchen sie mal schön weiter, Herr Schleicher, denn nachweislich finden nur 15 % selbst den geeigneten Weg oder mit Hilfe der Eltern und der Geschwister.
    Wer kommt schon von alleine darauf, das man etwa mit Hilfe der Montessori-Pädagogik im Bereich der Mathematik durch das Verdoppeln, Verzehnfachen, Halbieren auf fünffache etc. sich das 1 x 1 besser erschließt oder mit linguistischen Methoden nach Röber/Thomé/Streit/Jansen etc. sich die Grundlagen der Schreibautomatisierung effektiver vermitteln lassen als mit Selbstlernmodellen.
    Warum sollte man sich an Schanghai, also eine vom totalen Drill geprägte Gesellschaft orientieren ?

    Einen schönen Tag noch Herr Schleicher und genießen sie die Sonne .

    • Das mit Shanghai finde ich auch perfide. Das klingt eher nach einem Mittel Lehrer unter Druck zu setzen. Wer nicht genug Zustimmung bekommt, hat schlechte Arbeit geleistet…

      Die Kritik an dem Konzept des Mentors verstehe ich nicht. Es geht doch nicht um einen virtuellen Austausch mit Lehrern. Der Lehrer ist doch vor Ort, genauso wie die SuS. Es soll ja gerade darum gehen, dass die Lehrkraft ihre Arbeitszeit zu 100% nur für die SuS nutzt und nicht noch Tausend andere Dinge erledigen muss. Es geht darum gewisse Denkmuster, Fehlvorstellungen, Lernhürden automatisiert zu erfassen, sodass der Lehrer diese Erkenntnisse erhält und entsprechend nutzen kann.

      • Zu Shanghai:
        In 4teachers intern tauschen schon seit nahezu 15 Jahren Lehrer aller Schularten ihre Ideen und Materialien aus.
        Hat Schleicher überhaupt eine Ahnung, was Lehrer in Deutschland alles tun?

        • Die ersten Materialien bei 4teachers sind von 2000.
          Der von Schleicher eingeforderte Austausch findet längst statt, Materialien können abgeändert und neu eingestellt werden, Kommentare helfen, weitere Ideen zuzusteuern, Fehler zu benennen oder Hinweise auf den Einsatz zu geben.
          Die Foren sind vielfältig, es wird diskutiert, vor allem aber auch denen geholfen, die Hinweise zum Unterricht in irgendeiner Form benötigen.

          Auch für Digitales gibt es diesen Austausch. Angesichts der schwierigen Bedingungen in den Schulen UND des Aufwandes, solche Materialien zu erstellen, gibt es jedoch weniger Uploads in diesem Bereich.

          “Was haben Sie selber beigetragen zum Bildungssystem?”
          Die Antwortet lautet: “Extrem viel!”
          Aber wer nimmt das überhaupt wahr?
          Nicht nur Herr Schleicher scheint darüber hinwegzusehen, was Lehrkräfte täglich FÜR das Bildungssystem machen, auch Kultusministerien scheinen dafür wenig Interesse zu hegen. Wenn dies von entscheidender Bedeutung wäre, so wie „innovieren“ schon immer den Lehrern in die Aufgabenbeschreibung gesetzt wurde, dann hätten Lehrkräfte hierfür Raum und Zeit zur Verfügung. Aber offenbar ist dies nur Lippenbekenntnisse wert.

  2. Dann mal rein in die Hauptschulklasse mit 80 % Migrantenanteil, Inklusionskindern, Schulvermeidern usw. und vormachen wie es geht, Herr Schleicher.

  3. Scheinbar passt die Technologie des 21. Jahrhunderts nicht mit “dem Lernen” zusammen. Alles was man bisher weiß, verhindert die Technologie des 21. Jahrhunderts eher das Lernen als dass es das Lernen fördert.
    Bisher hat ja kein Land der Welt eine Pädagogik entwickelt, die zur Technologie des 21. Jahrhunderts passt. Sind denn alle doof, oder passen diese Dinge nicht überein?

  4. Schon seltsam, wie sehr Lehrerinnen und Lehrer Schleichers Systemkritik auf sich selbst beziehen und persönlich nehmen. Wenn Schleicher kritisiert, dass in der Organisation des Bildungsbetriebs viel zu wenig Zeit zur Verfügung steht, um sich im Kollegenkreis auszutauschen und abzustimmen – dann hat er doch völlig Recht und spricht engagierten Kollegien aus der Seele. Dass sich Lehrerinnen und Lehrer bei 4teachers austauscnen ist ja löblich, ersetzt aber doch die fehlende Zeit nicht, die einfach vom Dienstherren für Kooperation nicht eingeplant wird.

    Genau wie das Thema Kompetenzen: Wie kommt jemand nur auf den absurden Gedanken, dass dafür die Inhalte gestrichen werden sollen? Das Gegenteil ist richtig: Wissen ist wichtig. Aber bloßes Wissen reicht eben nicht mehr. Man muss es auch anwenden und übertragen können. Das ist eben Kompetenz.

    Der Punkt ist: Wir bilden Schülerinnen und Schüler ja nicht zum Selbstzweck aus – sie sollen in einer künftigen Welt bestehen können. Dafür müssen sie aber anderes können als die Maschinen. Die übernehmen nämlich künftig die reine Reproduktion. Wer nicht mehr drauf hat, wird künftig nicht mehr gebraucht. Das ist die Wahrheit, der wir uns stellen müssen.

    • Es geht nicht darum, dass Lehrer/Lehrerinnen Schleichers Kritik auf sich beziehen. Es geht darum, dass Schleicher die Öffentlichkeit mit seinen Aussagen Glauben macht, dass die Lehrer in Deutschland unfähig sind und nicht innovativ.
      Nochmal zu Schleichers Vorwürfen: Warum hat Australien die vor 10 Jahren massiv angeschafften Computer wieder abgeschafft? Weil die Schülerleistungen dramatisch abgesunken sind.

      • Wo sagt Schleicher das? Im Interview kritisiert Schleicher nicht mit einem Wort Lehrer , es geht ums System. Und er fordert auch gar keine Computerausstattung sofort und für alle. Er spricht von Chancen – aber eben auch von Risiken.

    • @Anna: Es geht eher darum, dass Lehrer das Gefühl haben, Schleicher hat keine Ahnung von Schule. Und er hat ja tatsächlich auch nie vor einer Klasse gestanden. Die Theorie der Lernprozesse unterschiedet sich augenscheinlich sehr von der Praxis.

      Er geht davon aus, dass Schule heute sich im Wesentlichen auf die Vermittlung von Faktenwissen beschränkt und das der Erkenntnisgewinn durch google genau so gut zu leisten wäre. Er bezeichnet diesen Lernprozess fälschlich als Routinearbeit! Das wäre es, wenn in Geschichte z.B. eine Liste von Daten auswendig gelernt werden müsste, ohne Zusammenhänge herzustellen. Mal im Ernst: Welche Geschichtsdaten muss ein Abiturient heute wissen? 1792, 1914, 1933-1945. Für den Rest reicht eine grobe Idee, da Zusammenhänge viel wichtiger sind.

      Wenn er als Physiker eine Abkehr vom Faktenwissen fordert und gleichzeitig Kompetenzen fordert (s.o. “Übertragen auf die Naturwissenschaften heißt das: Kann ich ein Experiment konzipieren?”), dann werfe ich ihm vor, populistisch Kompetenzen und Faktenwissen zu verteufeln. Kein Schüler kann ein Experiment sinnvoll entwerfen, wenn er dies nicht auf zuvor gewonnen Erkenntnissen tut. Ansonsten wäre das wie ein Arzt, der – weil er nicht weiß, wo der Darm ist – erstmal den ganzen Körper aufschnibbelt, den Darm überall sucht und ihn dann repariert.

      In meinen Augen betreibt Schleicher – auch mangels Erfahrung in der Schule – populistische Phrasendrescherei.

      • Ups, ich wollte natürlich sagen, dass er Kompetenzen verherrlicht und Faktenwissen verteufelt…

        Und nebenbei: Der Erwerb von Kompetenzen ist natürlich anzustreben und Faktenwissen muss nicht bis zum Exzess betrieben werden, aber darin dürften sich die große Mehrheit aller Lehrer einig sein.

        • Warum dann der Widerspruch zu Schleicher, wenn die meisten Lehrer auch der Meinung sind?

          Sorry, aber der Vorwurf, dass Schleicher ja nie vor einer Klasse gestanden hat, ist albern. Können nur Bauern beim Thema Landwirtschaft mitreden und Busfahrer kompetent über den ÖPNV diskutieren? Natürlich nicht. Ein Lehrer hat sein Klassenzimmer vor Augen und Schleicher vergleicht international Bildungssysteme – das sind schon unterschiedliche Perspektiven, die beide ihre Berechtigung haben..

          Dass die Lehrpläne in Deutschland voll sind bis zum Anschlag, weil immer nur Stoff hinzukommt – und praktisch kaum Zeit bleibt, mal fächerübergreifend und projektbezogen zu arbeiten, ist doch Tatsache und keine Majestätsbeleidigung.

          • Ihre Beispiele sind doch – vorsichtig formuliert – nicht durchdacht. Busfahrer sind keine Experten für den ÖPNV, sie sind Experten beim Lenken des Busses! Nur weil man weiß, wie ein Auto/Bus funktioniert (=>Schleicher), kann man noch lange keinen Bus durch enge Straßen usw. fahren (=>Lehrer).

            Es ist überhaupt nicht Tatsache, dass die Lehrpläne “voll bis zum Anschlag” sind und es stimmt einfach nicht, dass “immer nur Stoff hinzukommt”, das ist schlicht falsch.

            In meinem Bundesland und meinem Fach Mathematik wurde vor ca. 3 Jahren der Stoff von ca. einem Schuljahr gestrichen (durch alle Jahrgangsstufen hindurch, nicht am Ende), um den Lehrkräften mehr Möglichkeiten zu Vertiefung oder zum Üben zu geben. Möglich wurde das durch eine Neubewertung der Notwendigkeit, einzelne “Fakten” zu erlernen, und insbesondere auch durch den Einsatz neuer Technologien wie z.B. neuer Funktionen in (billigen 20€-) Standardtaschenrechnern.

            Auch im Fach Physik wurde exemplarisches Lernen von Grundkonzepten in den Mittelpunkt gerückt und damit an einzelnen Stellen Stoff gestrichen.

            Was Sie da machen, ist ebenso Phrasendrescherei und Nachplappern vermeindlicher Wahrheiten, die einem zweiten Blick schlicht nicht standhalten.

          • Und wenn man weiß, wie man eine Klasse unterrichtet, weiß man noch lange nicht, wie ein komplettes Bildungssystem zu organisieren ist – geschweige denn, wie das in anderen Staaten gehandhabt wird, woraus man vielleicht etwas lernen kann.

            In den Grundschulen wurde immer nur dazugepackt. Die Kürzungen von Inhalten in den Lehrplänen hingen, soweit ich weiß, allesamt mit G8 zusammen – notgedrungen, weil sich eben nicht der Stoff von G9 in acht Jahren vermitteln ließ. Fächerübergreifend und projektbezogen wird nach wie vor kaum unterrichtet. Wann haben Sie zuletzt mit einem Kollegen oder einer Kollegin aus einem anderen Fach ein gemeinsames Projekt anbieten können?

          • Wenn man am Bildungssystem etwas verändern will, sollte man es aber in allen seinen Facetten kennen. Idealerweise sollte man die Perspektive von
            – Lehrern
            – Schulleitung
            – Schulpolitik
            – Eltern
            aus eigener Erfahrung einnehmen können, um die Probleme all dieser Gruppen zu kennen (Perspektive Schüler gehört natürlich aus dazu, das war aber jeder mal).

            Ich würde mal behaupte, da habe ich dem Herrn Schleicher ein paar Punkte voraus…

          • Interessant, dass bei Ihnen die Wissenschaft gar nicht vorkommt. Ein Stephen Hawking hätte nach Ihrer Aufzählung von Astrophysik keine Ahnung gehabt, weil er ja nie durch den Weltraum geflogen ist. Tatsache ist doch: Es waren nicht Astronauten, die unsere Erkenntnisse über die Sterne geprägt haben – auch wenn deren Perspektive, das will ich ja gar nicht bestreiten, zweifellos wichtig ist.

          • Eine wissenschaftliche Anbindung ist in Schleichers Position eine Selbstverständlichkeit. Es drängen sich doch zwei Fragen auf:
            1. Warum wohl nimmt in den Lehrerzimmern den Schleicher keiner (oder kaum einer) ernst? Das ist nicht nur hier im Forum so.
            2. Warum setzt man auf seine Position nicht jemanden, der etwas von Schule versteht?

          • Warum Schleicher seit vielen Jahren nicht nur unter den Lehrkräften, sondern auch in der Politik und selbst unter den Bildungsforschern höchst umstritten ist, erläutert exemplarisch der folgende, inzwischen auch schon fast neun Jahre alte Artikel aus der “Süddeutschen Zeitung”.

            Zitat: “Nicht nur die konservativen Minister schütteln nun über Schleicher den Kopf. Auch so mancher SPD-Politiker wundert sich, will aber Schleicher, der gute Kontakte zur Lehrergewerkschaft GEW pflegt und mit seinem Eintreten für ein integriertes Schulsystem genehme Positionen vertritt, nicht unbedingt in den Rücken fallen. […]

            Neben dem gebürtigen Hamburger Schleicher, der von Paris aus die Studien weltweit koordiniert, gibt es nämlich noch einen anderen deutschen Pisa-Papst: den Kieler Forscher Manfred Prenzel, der mit seinem Team die Tests in Deutschland betreut und auswertet. Genau genommen gibt es sogar noch einen dritten Papst, nämlich Prenzels Vorgänger Jürgen Baumert vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Beide waren schon bei anderen Gelegenheiten unglücklich über Schleichers politische Interpretationen der Daten. […]

            Die Leidenschaft, mit der Schleicher sich an den Schwächen der deutschen Schulen reibt, erklären sich manche auch aus einer frühen persönlichen Kränkung. Dem späteren Musterschüler hatte sein Grundschullehrer bescheinigt, er sei für das Gymnasium nicht geeignet.”

            https://www.sueddeutsche.de/karriere/andreas-schleicher-umstrittener-mrpisa-1.786458

          • @Anna
            Im Bereich Bildung und Schule ist das Wort “Wissenschaft” für mich fast schon zum Unwort geworden. Mit ihm wurde alles Mögliche an “Verbesserung” und Reformen begründet, was in der Praxis dann nicht hielt, was es versprach. Im Gegenteil, oft wurde es schlechter und der Begriff “Verschlimmbesserung” hielt Einzug.
            Hinzu kommt, dass es im Bildungsbereich sehr widersprüchliche “wissenschaftliche” Erkenntnisse und Stimmen gibt. Welche sich dann durchsetzen, ist eher eine Frage von Netzwerk, Konnektion und politischem Interesse als von Tatsache und Wahrheit.

            Wegen dieses Dilemmas kann ich nur allen Recht geben, die sich in entscheidenden Positionen Leute wünschen, “die etwas von Schule verstehen” und bei den inflationären “wissenschaftlichen” Erkenntnissen besser imstande sind, die Spreu vom Weizen zu tennen.

          • Interessant wie eine nicht zum Lehramt befähigte Person sich hier herablassend über eine fehlende Wissenschaftlichkeit von praktizierenden Lehrern mokiert und nicht davor zurückschreckt, ihr aus Allgemeinplätzen bestehendes Grundwissen zu mitteilt weiß.
            Man sollte dann aber schon etwas von der Materie verstehen, wenn man seine soziologisch geprägte Wortgewandtheit zur Anwendung bringt.
            Frei nach dem Motto: meine kleine Welt, ist wie sie mir gefällt.
            Da dreht man sich die Argumentation so zurecht, wie man diese gerade benötigt, um fehlendes Grundwissen der Schüler in den weiterführenden Schulen zu erklären, setzt auf fachübergreifende Projektarbeit mehrerer Lehrer, wobei doch problembasiertes Lernen im Hattie Ranking bei einer Effektstärke von mageren 0,15 liegt.

    • Schleicher leitet seit 20 Jahren die mit Abstand größte Bildungsstudie der Welt, die von Dutzenden Staaten und Hunderten von Bildungsforschern weltweit getragen wird – ihn als “umstritten” zu bezeichnen, ist geradezu ulkig.

      Wenn deutsche Lehrer so jemanden nicht ernst nehmen, Küstenfuchs, spricht das (wenn’s tatsächlich stimmen sollte) nicht gerade für die Professionalität des Berufsstands. Würden Sie zu einem Arzt gehen, der medizinische Forschung für Unfug hält?

      • Da wären wir beim Kern des Problems. Wissenschaftliche Forschung in der Medizin untersucht (zumindest kur vor der Zulassung eines Medikaments) die Wirkung des Medikaments an Menschen – auch in Langzeitstudien. Leider wird so etwas in der Pädagogik und Didaktik nicht gemacht. Da werden irgendwelche Theorien aus dem Hut gezaubert, irgendwelche “plausiblen” Ansätze in die Welt gebracht, ohne dass diese vorher vernünftig wissenschaftlich in Langzeitstudien überprüft und untersucht werden.
        Wie käme es denn sonst zu Methoden, die jahrelang propagiert werden, von denen dann im Nachhinein aber festgestellt wird, dass diese (im besten Fall) wirkungslos sind?

        • Doch, so etwas wird gemacht – von ebenjenem Herrn Schleicher, von dem Sie nichts annehmen wollen. Er untersucht seit 20 Jahren die Leistungsfähigkeit von Bildungssystemen. PISA heißt die Studie. Darüber hinaus gibt es einen Bildungsforscher namens Hattie, der mit seiner Meta-Studie Tausende empirische Bildungsstudien evaluiert hat – und zu klären Befunden kommt. Überaus lesenswert.

          • Interessante Ansätze die Sie jetzt vertreten. Allerdings belegte die Hattie-Metaanalyse die geringe Effektivität von offenen Unterrichtsmethoden.

          • So wird es nicht gemacht. Es wird eben nicht von denjenigen untersucht, die solche Unterrichtsmethoden “verbrechen” und auch nicht vor deren flächendeckender Einführung. Schleicher und Hattie untersuchen erst, wenn solche Methoden flächendeckend eingeführt wurden. Wenigstens entzaubern sie (Hattie, Schleicher) in letzter Zeit immer mehr pädagogische Mythen.

          • Ich wüsste nicht, dass Herr Schleicher Unterrichtskonzepte entwirft oder auch zur Digitalisierung an den Schulen Konzepte beiträgt, die auf ihre Wirksamkeit überprüft wurden.

      • Anna, Karl Heinrich Lübke war von 1959 bis 1969 Bundespräsident.
        Der war genauso ulkig in seinem Auftreten und entpuppte sich als Meister des unfreiwilligen Humors (“Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Neger”) .

      • Der richtige Weg wäre: Didaktiker/Pädagogen an den Unis erforschen neue Konzepte, diese werden dann wie in der Medizin mit Studien untersucht (Vergleichsgruppen und ähnliches, Langzeitwirkung, um den Neuigkeitseffekt auszuschließen usw.). Dann kommt das “Zeugs” mit unterstützenden Fortbildungen und genügend Materialien an die Schule, wo es die “Ärzte” d. h. Lehrer dann anwenden.
        Welcher Hausarzt muss schon wissenschaftliche Forschung betreiben. Bei Lehrern wird das vorausgesetzt.

        • Da sind wir bei dem hier noch gar nicht angesprochenen Thema:
          Cui bono, was Herr Schleicher propagiert? Aber zunächst : Wer Ärzte und Pädagogen im Vergleich so heranzieht, übersieht – auf Kompetenzen bezogen – den eng naturwissenschaftlich gesetzten Handlungsrahmen bei Ärzten gegenüber der gesellschaftspolitisch sehr weitgehend modulierbaren Arbeit von “Schule” bzw. Pädagogen.
          Könnte es sein, dass der OECD -“Schleicher” und die bildungspolitischen Normen neoliberaler Couleur hier viel stärker diskutiert werden müssten als die fehlende Klasserlehrer-Praxis oder traumatisierenden Schülererfahrungen eines Andreas Schleicher ?

      • Anna schrieb: “Schleicher leitet seit 20 Jahren die mit Abstand größte Bildungsstudie der Welt, die von Dutzenden Staaten und Hunderten von Bildungsforschern weltweit getragen wird – ihn als “umstritten” zu bezeichnen, ist geradezu ulkig.”

        1. Es ist die (nicht als übertrieben konservativ bekannte) Süddeutsche Zeitung, die Herrn Schleicher bereits vor fast neun Jahren als “umstritten” bezeichnete.
        2. Eben diese Süddeutsche Zeitung wies bereits seinerzeit darauf hin, dass Schleichers “politische Interpretationen” der PISA-Daten schon damals keineswegs von all seinen Kollegen (genannt werden exemplarisch Jürgen Baumert und Manfred Prenzel) geteilt werden.
        3. Schleicher ist Statistiker.
        4. In den Folgejahren ist die gesamte “Testeritis” der empirischen Bildungsforschung aus guten Gründen in schweres Fahrwasser geraten.

        • 5. In Niedersachsen beginnt man gerade, sich von dieser “Testeritis” (hier in Form der VERA-Vergleichsarbeiten) zu verabschieden.

          Zitat: “Herr Kultusminister Tonne hat am 30.01.2019 entschieden, den Schulen die Teilnahme an den Vergleichsarbeiten VERA 3 und VERA 8 im Schuljahr 2018/2019 freizustellen. Der langfristige Umgang mit VERA soll noch im ersten Quartal 2019 gemeinsam mit den Lehrerverbänden diskutiert werden.”
          http://www.mk.niedersachsen.de/startseite/schule/schulqualitaet/evaluation_iv/vergleichsarbeiten_vera/vergleichsarbeiten-vera-135419.html

          • Gefällt mir. Mich interessiert in diesem Zusammenhang der Prozentsatz der Schulen, die von diesem Angebot Gebrauch machen. Im Endeffekt ist VERA viel Arbeit mit im Vergleich dazu geringem Nutzen.

          • Vor allem ist VERA (mindestens für das Fach Deutsch) hanebüchener Schwachsinn, der halbwegs intelligente SuS schon vor Testbeginn mit digitalen 0 oder 1 – Entscheidungen für dumm verkauft.

            Zur Veranschaulichung ein Zitat aus den Anweisungen, mit der die SuS im Jahr 2016 auf die Art der Aufgabenstellung vorbereitet wurden. (Kein Witz! Ich habe diesen Sch… persönlich vortragen müssen…):

            “Der Herr der Ringe” ist ein…
            * Gedicht
            * Roman
            * Lied
            * Kochrezept

            (Auszug aus der Durchführungserläuterung des IQB für die Vergleichsarbeiten 2016, 8. Jahrgangsstufe, Deutsch – Orthografie und Lesen, Seite 5)

          • In Nds. ist bei VERA3 seit Jahren nur noch der Teil zum Lesen verbindlich, für VERA8 Mathematik, der Schulvorstand jeder Schule kann alternativ auch einen anderen Teil auswählen.

            Es war also auch bisher schon möglich, einen Großteil des Testes auszusetzen. Wie viele Schulen dies in Anspruch genommen haben, wüsste ich auch gerne.

            Nun kam der Hinweis, dass der Test in DIESEM Jahr im 3. und 8. Schuljahr insgesamt freiwillig ist -also keine Vorbereitung der Klasse auf diese Testform, kein Herunterladen und kopieren der Aufgaben, eine Korrektur und auch Anmelden der Klasse, sozioökonomische Faktoren sowie Eingabe der Ergebnisse in die Auswertungsmaske entfällt. Eine computerbasierte Testung gab es in D und Eng für VERA8 seit letztem Jahr.

            Den “Witz”, den AB in der Aufgabenstellung sieht, sehe ich darin begründet, dass VERA8 in allen Schulen mit allen SuS geschrieben wird. Es nehmen alle teil, auch die, die im 8. Schuljahr noch immer kaum lesen können. Selbst die Teilnahme von SuS mit geringen Deutschkenntnissen oder Förderbedarf ist möglich.
            Für etliche dieser SuS wird “Herr der Ringe” ein Film sein.
            Bei der genannten Aufgabe geht es um die Vermittlung einer Multiple-Choice-Aufgabe und wie diese zu lösen ist und nicht um den Inhalt selbst. Man hätte auch nach Obst oder Vornamen fragen können. Für VERA3 gibt es ähnliche Vorbereitungen und für viele SuS sind die dort eingesetzten Aufgabenformen bis dahin unbekannt, da die Klassenarbeiten in der Regel anders aussehen, was die Testdurchführung und -ergebnisse durchaus beeinflusst.

          • So und warum können Schüler in der 8. Klasse immer noch nicht automatisiert Lesen oder Schreiben?
            Wo liegt da der Hund begraben ?

          • Palim schrieb: “Bei der genannten Aufgabe geht es um die Vermittlung einer Multiple-Choice-Aufgabe und wie diese zu lösen ist und nicht um den Inhalt selbst. Man hätte auch nach Obst oder Vornamen fragen können.”

            Eben. Deshalb schrieb ich ja von “den Anweisungen, mit denen die SuS im Jahr 2016 auf die Art der Aufgabenstellung vorbereitet wurden”.
            Glauben Sie etwa, dass das halbwegs normal entwickelte Achtklässler an einem nds. Gymnasium nicht auch ohne Ihre und meine Hilfe begriffen (und sich dementsprechend verhalten) haben?

            Palim schrieb außerdem: “Den ‘Witz’, den AB in der Aufgabenstellung sieht, sehe ich darin begründet, dass VERA8 in allen Schulen mit allen SuS geschrieben wird. Es nehmen alle teil, auch die, die im 8. Schuljahr noch immer kaum lesen können.”

            Tja, und genau das ist das Problem – und macht diesen “Vergleichstest” komplett absurd.

            P.S. Offensichtlich können auch bestimmte Erwachsene “noch immer kaum lesen”. Ich schrieb oben ganz ausdrücklich: “Kein Witz!”

          • Und damit schließt sich wieder der Kreis und wir kommen wieder zurück zu den Anfängen des Leselernens und des eigenständigen Schreibunterricht im Anfangsunterricht der ersten und weiten Klasse mit wenig zielorientierten und ineffektiven Methoden des Spracherfahrungsansatzes/LDS und anverwandter Methoden, gelingt es doch mit anderen, wissenschaftlich begleiteten und gestützten Methoden, wie das Intra-Akt-Plus etc., effektive Erfolg zu erzielen, was von den Anhängern des Grundschulverbands abgelehnt wird.

            Statt dessen steckt man alle Schüler dann in den gemeinsamen Unterricht, wo überfordertes Lehrpersonal “zieldifferenziert und individualisiert” die Schüler im eigenständigen Lernen begleitend betreut, damit diese sich auf niedrigem Niveau befindliche Grundkompetenzen im schulischen Unterricht selbstständig aneignen.
            Und dann folgen die Lernstandserhebungen, auf die jene Schüler auch noch gezielt vorbereitet werden, damit die Ergebnisse der Teste nicht noch desaströser ausfallen.

          • Kinder mit Förderbedarf können in Niedersachsen teilnehmen. Warum ist das so schwierig zu verstehen?
            Wenn die Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf Lernen in den ersten 4 Jahren die Inhalte der Klasse 1+2 erlernen und Kinder mit Förderbedarf Geistige Entwicklung noch weniger, wie viel schaffen sie dann in Klasse 8?

            Kinder, die aus anderen Ländern einreisen, können ebenfalls teilnehmen, nach 12 Monaten müssen sie dies sogar. Dabei wird nicht unterschieden, ob sie zuvor in der Schule waren und ob oder welches Schriftsystem sie erlernt haben. Die Benotung ist auf 2 Jahre ausgesetzt, die Teilnahme an den VERA aber nur für 1 Jahr.

            Dass es zudem Kinder und Jugendliche gibt, die nur die erste oder zweite Stufe der dort angesetzten Klassifizierung erreichen, ist zudem bekannt. Das ist natürlich eine Steilvorlage für AvLs Behauptung, Lehrkräfte würden Schüler verwahrlosen lassen. Meine Meinung ist eine andere.
            Die Bemühungen zu Leseförderung sind immens, reichen aber nicht aus, wenn häusliche Übungen von Beginn an fehlen und Schwierigkeiten in unterschiedlichen Entwicklungsfeldern aufgefangen werden müssen.

      • “Ulkig”, Anna, finde ich eher, wenn jemand autoritäts- bzw. postengläubig ist und mit blindem Vertrauen auf Personen setzt, deren “wissenschaftliche” Erkenntnus mehr an persönlichen Wünschen und Interpretationen orientiert ist als an Fakten.
        Vermutlich entsprechen die Wünsche und Interpretationen von Herrn Schleicher Ihren eigenen Vorstellungen, sonst stünde die Gläubigkeit auf wackligeren Beinen.
        Dass Herr Schleicher mit seinen Thesen besonders in Praktiker-, also Lehrerkreisen, höchst umstritten ist, sollte doch ein wenig zu denken geben. Ein bisschen Ahnung von Erziehung, Schule und Bildung dürfen Sie den Lehrern ruhig zutrauen. So ganz hinterm Mond leben sie wahrscheinlich weniger als so mancher Mondanbeter.

        • Ihre “Argumentation” erinnert mich stark an die Leugner des Klimawandels – sich mit Wissenschaft nicht auseinandersetzen (aus Unwillen oder aus Unfähigkeit), aber alle Erkenntnisse anzweifeln und sogar lächerlich machen. Willkommen im Mittelalter. Sie sind Lehrer? Wasunterrichen Sie – Religion?

          • Wie soll man denn diese Äußerungen einordnen ?
            Wo erarbeitet Herr Schleicher wissenschaftlich fundierte Unterrichtskonzepte aus ?
            Der wertet doch nur die übermittelten Ergebnisse aus und zieht zum Teil eigene und schwer nachziehbare Schlüsse aus den ihm übertragenen Ergebnissen. Er hat niemals selbst Schüler unterrichtet und kann somit keine eigenen praktischen Hinweise zu Methoden und Schulstrukturen liefern. Und wer möchte sich schon an Ländern wie Singapur, mit einer sehr hohen Suizidrate der Schüler orientieren ? Oder sich an China mit seinem sehr autoritären Erziehungsstil orientieren, wo Kreativität klein geschrieben wird , überwiegend gepaukt wird und Erwachsene schließlich von deutschen Ingenieuren eine sehr hohe Erwartungshaltung der direkten Vorgabe bei der Umsetzung von Arbeiten haben.
            Fragen Sie einmal bei deutschen Firmen nach, die dort gearbeitet haben. Will man sich an diesen Ländern orientieren ?

          • Wollen Sie bestreiten, Anna, dass die Welt der Pädagogik voll ist von Thesen und Gegenthesen, von Erkenntnissen und Gegenerkenntnissen, die allesamt den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erheben und sich doch widersprechen?
            Welche davon erinnern Sie dann an “die Leugner des Klimawandels”? Sicherlich nur diejenigen, die Ihrer Meinung entgegenstehen.
            Für Sie ist die Genderideologie, wenn ich mich recht erinnere, eine ernstzunehmende Wissenschaft, für mich ist sie Humbug. Deswegen gehöre ich für Sie wahrscheinlich in die Schublade “Klimaleugner” oder “Wisenschaftsfeind”.
            Es wäre übrigens nett, wenn Sie nicht Menschen mit anderer Meinung als unwillig oder unfähig bezeichneten, sich mit Wissenschaft auseinanderzusetzen. Gerade, weil diese Personen das sehr wohl tun, vielleicht sogar mehr als Sie, kann nicht mehr alles blind geglaubt werden, was im Namen der Wissenschaft verkündet wird.
            Es sei denn, man lebte in den berüchtigten “Filterblasen” und nähme nur noch das wahr, was zur eigenen Meinung passt, sie bestärkt und bestätigt.

          • @ Anna:

            Nochmal: Schleicher ist Statistiker!

            Wenn Sie, liebe Anna, Ihren linken Fuß in kochend heißes Wasser tauchen und Ihren rechten Fuß in eiskaltes, dann haben Sie -statistisch gemittelt – warme Füße.

            In der Realität ist Ihr linker Fuß verbrüht und der rechte eingefroren.

  5. Die Kritik Schleichers ist in Teilen unsachlich.
    Die wichtigsten Ergebnisse der Hattie STudie z.B. sind uralte Kamellen. Schleicher fand das immer toll. Jetzt gehört das ins 20. Jahrhundert?
    Wie definiert er Lernbegleiter?
    Zu lesen ist das überall, nur – doff auch – in der Emperie versagt dieser schöne Gedanke kläglich.
    Da kommen nämlich alle Ebenen des Lernens zu kurz – und die gesetze des Lernens sind unabhängig vom Gegenstand immer identisch.
    Schleicher macht aus seinen Absichten eine Religion.
    Man muss ja nicht in deren Kirche gehen und dessen Gebete sprechen.

    • Zum Teil scheint Schleicher die Ergebnisse seiner eigenen Pisa-Studie nicht zu kennen, nach der die Unterrichtsformen in denen Schüler zur überwiegenden Zeit “entdeckend lernen” und “selbsttätig forschen” sehr schlecht abgeschnitten haben.
      Jetzt fordert er wieder, dass Schüler ihre eigenen Experimente (wenn auch virtuell) durchführen sollen.

  6. Es sind die ewig gleichlautenden Phrasen, die der Glaubensapostel aus dem bildungspolitischen Paralleluniversum uns da auftischt, wobei er sich von der Realität abgekoppelt in seiner eigenen Glaubens- und Denkblase bewegt. Anscheinend hat er mit seiner Masche bei politisch Verantwortlichen immer noch Erfolg und weiß auch aufs neue weitere Anhänger für seine Ideen und Denkweisen zu gewinnen (siehe oben).
    Zurück zur realen Welt. Wenn Handwerker, Ingenieure, Piloten, Ärzte oder sonstige manuell tätige Berufstätige Fehler machen, so zieht dies unter anderem katastrophale Auswirkungen nach sich, und mit Wissenslücken in den Grundlagen wird man auf Grund von kompetenzorientierten Wissen sehr schnell eine kleine Katstrophe auszulösen im Stande sein.
    Man fragt sich, was der anstellt , wenn der einen Hammer in die Hand nimmt, versucht ein Rad zu reparieren oder sonstige manuelle Tätigkeiten ausführen will.

  7. Ich habe ja letztes Jahr Abitur gemacht und muss sagen, dass mich Schleichers Forderungen doch sehr an die offenen Unterrichtsformen erinnern, die wir auch z. T. erleiden mussten. Folge dieser Methode war doch, dass man sich nie sicher war, was man jetzt lernen muss und was überflüssig ist. Gerade schwächere Schüler tun sich enorm schwer damit. Klarer Frontalunterricht war uns Schülern da doch am liebsten, gerne auch mit Diskussionen oder mal mit der selbstständigen Bearbeitung von Aufgaben in Einzel- oder Partnerarbeit verbunden, um den vorher gelernten Stoff zu vertiefen.

    • Sie meinen doch mit dem Begriff Frontalunterricht einen interaktiven Unterricht mit einem wechselseitigen Miteinander mit dem Lehrer, wo die Inhalte, gesteuert vom Lehrer, anknüpfend an das Vorwissen der Schüler, gemeinsam erarbeitet werden.

      • Ist das eine Frage oder eine Behauptung?
        Gemeint ist, dass der Lehrer 1:1 vorgibt, was die Schüler abarbeiten, damit sie sich selbst keine Gedanken machen müssen, was man insbesondere von Abiturienten erwarten würde, schließlich müssen sie im Studium auch selbstständig arbeiten und bekommen auch im Beruf nicht jeden Schritt kleinstschrittig angeleitet.
        Das erwarte ich sogar von Praktikantinnen aus dem 8. Schuljahr, dass sie Aufgaben erkennen und selbst die Initiative ergreifen.
        In welchen Berufen ist die nicht gefordert?

        Lebenslanges Lernen wird erwartet, einem aber nicht fortwährend angetragen und in kleinen Häppchen serviert, sondern ist eine Grundvoraussetzungen für die Teilnahme an dieser Gesellschaft. Das schließt insbesondere den Umgang mit digitalen Medien ein.

        • Wenn man als Schüler viel Energie und Zeit in die Suche von geeigneten Materialien stecken muss, um etwas zu lernen, bleibt zu wenig Zeit und Energie übrig, um den Stoff zu verstehen, zu wiederholen und zu üben. Ich habe kein Problem, wenn man mal was für Refereate recherchieren muss, aber für den Mathe- oder den Biologieunterricht in der Oberstufe sind Schleichers Vorschläge absolut kontraproduktiv.

        • @Palim
          Sie beschreiben Frontalunterricht als 1 :1 Unterricht, in dem die Schüler nicht nachdenken müssen. Anscheinend kennen Sie interaktiven Unterricht nicht und betrachten diesen als kleinschrittigen Lernvorgang. Damit liegen Sie aber eben falsch.
          Und nebenbei sind ihre Vorstellungen vom praktischen Berufsleben bezogen auf Operationstechniken ebenso abenteuerlich wie jene die andere invasive Maßnahmen, wie die Beatmungstechniken, die Anlage von Kathetern etc. betreffen. Dafür existieren standardisierte Vorgehensweisen und diese erfordern ein eigenständiges und dem Verlauf angepasstes Vorgehen.
          Ihr Klientel in der Grundschule entspricht nicht dem kleiner Erwachsener, die sich die Automatisierungen im Lesen, Schreiben und Rechnen selbstständig erarbeiten könnten und dass noch an Hand von vorgedruckten Zetteln.
          Da kommt erst mit einem interaktiven Arbeiten in der Klasse Schwung und Empathie in den Unterricht. Petersens Mondscheinmethoden sind einschläfern langweilig, wenig zielstrebig, teilweise überfordernd und einfach überkommen, siehe Gelbe Tulpe.

    • Gelbe Tulpe wird mit Frontalunterricht nicht das einseitige Dozieren es Lehrers gemeint haben, sondern den interaktiven Unterricht, so, wie dieser in den 70er und 80er Jahren auch schon praktiziert wurde.
      Sie hat sich eindeutig gegen offene Unterrichtsmethoden ausgesprochen, so wie viele andere betroffene Schülerinnen, die unter anderem wegen Überforderung und Überlastung eine notärztliche Behandlung als Folge von Kollaps und Burnout als Folge von Schüler gesteuertem Unterricht durch einseitig übertriebene Gruppenarbeit gewahr wurden.
      Schleicher propagiert Methoden und Strukturen, die in ihrer Effektivität wenig zuträglich sind.

      • Den Burnout auf die Offene Unterrichtsform zurückzuführen ist schon abenteuerlich.
        Andere Faktoren kommen Ihnen offenbar nicht in den Sinn.

        Manchmal wundert es mich, wie eindimensional Mediziner vorgehen.

        • Sie zweifeln meine die Anamneseerhebung und die Aussagen der Betroffenen an. Es handelte sich um Erschöpfungszustände bei einseitigem offenem Unterricht , bei der die Taktgeberinnen der Lerninhalte einen Kollaps erlitten.

          • Es ist in der Tat richtig, dass die offenen Unterrichtsmethoden in Verbindung mit den langen Unterrichtstagen, bei denen man bisweilen erst nach 17 Uhr zum Lernen in Ruhe kommt, in meiner Klasse viele unter starkem Stress gesetzt hat. Da nehme ich mich nicht unbedingt aus, hatte aber das Glück, einigermaßen nahe an der Schule gewohnt zu haben.

  8. Was ist das eigentlich für eine Technologie, die der Entwicklung des Gehirns von (kleinen) Kindern erheblich schadet? Wie kann eine solche Technologie überhaupt zur Schule passen? Soll man dem überwiegenden Teil der seriösen wissenschaftlichen Studien glauben, kann es also gar keine Pädagogik für diese Technologie geben.

    • Richtig. Siehe Manfred Spitzer.

      Und: Wollen wir wirklich eine grundsätzliche Abhängigkeit vom Internet? Wie abhängig wir davon sind, merkt man doch schon, wenn einmal das Internet ausfällt.

      Warum wird denn eigentlich so nach Digitalisierung geschrien? Geht es nur noch damit? Oder gibt es auch den Hintergedanken, dass man sich dadurch neue Märkte erschließt? So massiv, wie das im Augenblick vorangetrieben wird, wie die Digitalisierung Heilsversprechen erfüllen könnte, kommt bei mir der Verdacht auf, dass da ganz nüchtern Wirtschaftsinteressen dahinter stecken. Schule ist ein guter und sicherer Absatzmarkt.

      • Manchmal habe ich den Eindruck, dass manche – auch Lehrerverbände – deswegen “Digitalisierung, Digitalisierung” rufen, weil sie sich dadurch einen vermeintlichen modernen Anstrich geben wollen. Ganz im Sinn des Interviews, was wir oben lesen.

        Schule muss eine gesunde Mischung finden und muss auch über die Gefahren des Internets aufklären.

        • Ich glaube auch, dass vieles zum Erschließen von Absatzmärkten dient,
          andererseits bieten Internet und Digitales Möglichkeiten, derer man sich bedienen kann, um sich zu bilden und es für sich sinnvoll zu nutzen.

          Bereits Kinder vor der Schule spielen am Tablet, Medien werden zum Konsumieren genutzt.
          Eigentlich steht das Wissen offen vor uns, aber wer nutzt es wirklich zur Bildung?

          Für den Einsatz digitalter Geräte im Unterricht wünsche ich mir eine Diskussion um den Mehrwert.
          Es braucht ebenso eine Diskussion darum, ab wann und auf welche Weise Gefahren des Internets und des Medienkonsums thematisiert werden.
          Und letztlich wird zu diskutieren sein, ob und ab wann neue Inhalte in Schulen aufgegriffen werden sollten, die für den vernünftigen Umgang mit Digitalisierung notwendig sind: Medienkompetenz wird das häufig genannt, gemeint ist ein angemessener und kritischer Umgang mit unterschiedlichen Medien (neuen wie alten), Rezeption, aber auch Einsatz von Medien als hilfreiches, neues Werkzeug.

          Neben den technischen Möglichkeiten braucht es Pädagogik, Zeit für Unterrichtsinhalte, aber zuvor Zeit, Inhalte zu erschließen und zu durchdenken.
          “Schnelles Klicken” und Spielkram gibt es, sinnvolle und pädagogisch durchdachte Angebote sind bisher eher rar.

      • Sie beschreiben es treffend. Es stehen massive wirtschaftliche Interessen hinter diesem Projekt der Digitalisierung des Schulmarktes.
        Aber die Folgen einer Digitalisierung der Schulen kann man sich in Australien anschauen, wo es zu massiven Leistungseinbrüchen kam.

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