Klimademos. KMK-Präsident Lorz stellt sich den kritischen Fragen von Schülern

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DARMSTADT. Das Signal Tausender junger Menschen ist beim KMK-Präsidenten, Hessens Kultusminister Lorz, angekommen. Die Klimaproblematik ist mit dem globalen Jugendprotest längst auf der Agenda. Für die Freitagsdemos die Schule schwänzen muss seiner Auffassung aber niemand mehr.

Der Schüler-Protest gegen die Ignoranz mancher Politiker in Sachen Klimaschutz hält an. Foto: Andol / Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0

In der Sache bleibt er hart. Schule schwänzen auch für noch so wichtige Themen geht nicht, ist gegen die Regeln. Im Detail zeigt er aber auch Verständnis und Sympathie. Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) stellt sich am Freitag in der schlichten Aula des Ludwig-Georgs-Gymnasiums in Darmstadt erstmals seit dem Beginn der Klimaproteste unter dem Motto «Fridays for Future» den Fragen von Schülern. Das Thema: Der Klimawandel, der Protest und das Fernbleiben vom Unterricht.

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Während in manchen Städten an diesem Freitag wieder junge Leute für einen radikalen Wandel in der Klimapolitik auf die Straße gehen, hat sich auch der CDU-Politiker einen Freitag ausgesucht. Für den Termin fällt aber kein Unterricht aus. Er hat seinen Besuch an den Start der Osterferien gelegt.

«Würden Sie an unserer Stelle auch zu den Freitagsdemos gehen?», fragt einer der Schüler. «Ich hätte es vielleicht einmal gemacht, aber nicht jede Woche», antwortet Lorz den rund 200 Schülern im Alter zwischen 13 und 18 Jahren. Eine Großveranstaltung aussuchen, um ein Zeichen zu setzen – ja. Auch er sei als Schüler schon politisch aktiv gewesen. Was nicht gehe, sei regelmäßig jeden Freitag auf eine Demo zu gehen. «Dann kommen wir an den Punkt, an dem wir Schule nicht mehr organisieren können.»

«Wir wollen ja damit die Aufmerksamkeit erregen», sagt eine Schülerin. «Wir Schüler wollen ja alle keinen Unterricht verpassen», sagt ein anderer. Was wolle er den machen, damit die Demos überflüssig werden?, wird der Minister gefragt.

Den «kalkulierten Regelbruch» verstehe er, sagt Lorz. «Ich glaube dieses Signal ist in der Politik angekommen.» Doch jetzt sei die Aufmerksamkeit da. Man müsse an dieser Stelle nicht mehr jeden Freitag auf die Straße gehen, ist sich Lorz von der riesigen Resonanz der Proteste sicher.

In den vergangenen Wochen demonstrierten rund um den Globus Zehntausende junge Menschen unter dem Motto «Fridays for Future» während der Schulzeit. Erst im März waren in Hessen Tausende Jugendliche für einen radikalen Wandel in der Klimapolitik auf die Straße gegangenen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier begrüßten die Schülerproteste.

Ihren Ursprung haben die Aktionen in Schweden, wo die 16-jährige Schülerin Greta Thunberg als Erste regelmäßig vor dem Parlament demonstrierte. Mittlerweile ist die junge Frau eine Ikone, der Superstar der «Fridays for Future»-Proteste. Sie spricht auf weltweiten Foren. Unlängst wurde sie bei der Verleihung der Goldenen Kamera mit einem Umweltpreis geehrt. Dort sagte sie, es sei eine komische Welt, in der Kinder ihre Ausbildung opfern müssten, um gegen die Zerstörung ihrer Zukunft zu protestieren.

Schule schwänzen? Ist jetzt unnötig – meint Lorz

Genau dieser Unterrichtsausfall ist für Lorz nicht mehr nötig, das Zeichen seit gesetzt. Regeln müssten eingehalten werden. «Ich kann sie ja nicht einfach entschuldigen», sagt der Minister. Und es könne auch nicht einfach nach der Bedeutung der Motive entschieden werden. Also müsse weiterhin an dem Eintrag unentschuldigter Fehlstunden festgehalten werden. Schon im Landtag hatte der Minister klargestellt, dass das Demonstrationsrecht nicht von der Schulpflicht entbindet. Die ist in der Landesverfassung und im Schulgesetz geregelt. Bislang habe man sich mit Sanktionen aber auch zurückgehalten.

Lorz beantworte sichtlich gut gelaunt die Fragen der Schüler, daran konnte ihn auch ein lautstarker Protest für den Klimaschutz auf dem Schulhof nicht hindern – auch der war außerhalb der Unterrichtszeit. Dass der CDU-Politiker überhaupt erstmals vor Schülern Stellung nahm, ist Max und Frederik zu verdanken. Die beiden 13 Jahre alten Schüler der achten Klasse sollten im Rahmen eines Schulprojekts eine Zeitung machen. Bei Recherchen zum Thema «Friday for Future» hatten sie noch Fragen an den Minister und schickten eine Mail mit einem angehängten Brief. «Das ist der einzige Brief dieser Art, den ich bekommen habe», erläutert Lorz, warum er persönlich zum Antworten gekommen ist. Von Oliver Pietschmann, dpa

Streit um Schülerproteste in Schwerin

SCHWERIN. Die Teilnahme von Schülern an den Protestaktionen «Fridays for Future» für eine bessere Klimapolitik während der Schulzeit bleibt in Mecklenburg-Vorpommern heftig umstritten. In einer emotionsgeladenen Debatte prallten am Freitag im Landtag in Schwerin kontroverse Ansichten aufeinander. Die Fraktion Freie Wähler/BMV hatte in einem von ihr eingebrachten Antrag von der Landesregierung Vorgaben verlangt, nach denen Schulleitungen im Nordosten künftig einheitlich auf das Fernbleiben der Schüler vom Unterricht reagieren können. Es gelte «deutlich zu kommunizieren, dass ohne gesonderte Erlaubnis Demonstrationsveranstaltungen nicht von der Schulpflicht befreien», hieß es in dem Antrag, für den es aber keine Mehrheit gab.

Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) verwies in der Debatte erneut auf die bestehende Schulpflicht, äußerte aber gleichzeitig Verständnis für die Aktionen. «Die Rechtslage ist klar. Wir sind aber alle auch Menschen mit persönlichen Haltungen», sagte die Ministerin. «Wir stecken da in einem Dilemma.» Vor ihr hatten auch schon Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und Umweltminister Till Backhaus (beide SPD) lobende Worte für die Jugendlichen gefunden.

Von den Kindern könnten die Erwachsenen lernen. «Es geht ihnen nicht um Meinungsmache. Es geht ihnen schlichtweg um ihre Existenz, ihre Lebensgrundlage, um unseren Planeten», betonte Hesse. Mit ihren Demonstrationen machten die Schüler auf Versäumnisse in der Klimapolitik aufmerksam. Hesse rief die Lehrer auf, die Aktionen in den Unterricht zu integrieren, dann werde nicht gegen die Schulpflicht verstoßen.

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10 KOMMENTARE

  1. Ich hätte ein paar Gegenfragen:
    – Wieso finden die Demos während der Osterferien nicht statt?
    – Wieso steigen die demonstrierenden Schüler mit ihren Eltern für den Osterurlaub ins Flugzeug?
    – Wer organisiert eigentlich die Freitagsdemonstrationen? (Recherche ist schwierig, es gibt aber Spuren in Richtung Antifa mit Verbindungen zu den G20-Krawallmachern in Hamburg)

  2. Es steht ja noch immer die Frage im Raum, ob Schwänzen das Hauptmotiv der demonstrierenden Schüler ist oder nicht. Die Osterferien sind ein idealer Zeitraum, um diese These zu testen:
    – Ist der Zulauf signifikant geringer, dann wird geschwänzt.
    – Ist der Zulauf signifikant höher, dann wird nicht geschwänzt.
    Man könnte auch an den Flughäfen die Schüler fragen, ob sie demonstrieren waren oder nicht. Alle Jasager haben geschwänzt.

    • Die noch fehlende Antwort C, die des vorösterlichen Verreisens, ob mit dem PKW, der Bahn oder dem Flugzeug, erscheint mir als eine wahrscheinlichere Antwort auf eine Abnahme der Schülerzahlen bei den Klimademonstrationen.
      Jedenfalls wird sich am alltäglichen Verhalten der Schüler nicht sehr viel geändert haben, sodass diese weiterhin ihren Vorlieben des Reisens nachgehen werden.

  3. Aufmerksamkeit für die Thematik haben die Schülerinnen und Schüler generiert, ob sie nun geschwänzt haben oder nicht. Die Demonstrationen bleiben vielleicht gerade vor dem Hintergrund dieser Diskussion länger im Fokus der Medien und dies erhöht die Chance, dass mehr Menschen sich damit auseinandersetzen und ggf. umdenken.

    • Angesichts der heutigen Schülerschaft bezweifle ich, dass sie von sich aus die Aufmerksamkeit generiert haben, vielmehr wurden sie über soziale Medien instrumentalisiert. Durch wen und mit welchen Zielen, weiß ich nicht. Ich gehe aber davon aus, dass Geld oder Macht eine wichtigere Rolle spielten als Klimaschutz.

    • Dann sollten die sich beteiligenden Schüler in ihrem Verhalten ändern, bewusster leben,denken und handeln.
      Und für ihre Ziele und Ansichten können sie auch am Wochenende demonstrieren.

  4. Am 10. Oktober 1981 demonstrierten 300 000 Menschen gegen den NATO-Doppelbeschluss und was war das für ein Wochentag? Richtig, ein Samstag! Es geht also auch ohne Schwänzen. 😉

    • andere zeiten, andere sitten…ist der doppelbeschluss mit seinen ausmaßen mit der klimakatastrophe vergleichbar? darf es im letzteren kontext primär um alternative wochentage gehen bzw. rettet uns die einhaltung der schulpflicht?

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