Bis zur Erschöpfung? Die Freizeit von Kindern heute ist durchgetaktet – und findet ansonsten online statt

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BERLIN. Raus in den Wald oder auf Spielplätze: Am Dienstag ist Weltspieltag – mit Aktionen für Kinder in vielen deutschen Städten. Der Anlass wirft die Frage auf, wie es im Alltag um die Zeit zum freien Spielen bestellt ist. Eine aktuelle Umfrage und Expertenstimmen zeichnen ein kritisches Bild – mit Konsequenzen auch für die Schule. 

Ein Alltag, der wenig Freiräume lässt, führt auch bei Kindern zu Erschöpfung. Foto: Shutterstock

Nach der Schule nach Hause zum Mittagessen, dann den Nachmittag auf eigene Faust gestalten. So sah die Freizeit von Kindern vielleicht vor Jahrzehnten aus. Heute ist der Alltag vieler Kinder nach Einschätzung des Deutschen Kinderhilfswerks ganz schön durchgetaktet. Schule, Vereine, Kurse. Es bleibe oft zu wenig Zeit für soziales Miteinander, freies Spiel und Naturerfahrungen, erklärte der Bundesgeschäftsführer des Vereins, Holger Hofmann, vor dem Weltspieltag an diesem Dienstag.

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Das Motto des Aktionstages lautet «Zeit zu(m) Spielen!». Zahlreiche Projekte sind laut einer Internet-Liste der Ausrichter, dem vom Kinderhilfswerk initiierten Bündnis Recht auf Spiel, in mehreren deutschen Städten angekündigt: temporäre Spielstraßen, zum Spielplatz umfunktionierte Parkplätze oder Ausflüge in den Wald beispielsweise.

Für das Aufwachsen sei es auch wichtig, dass Kinder lernten, sich selbst zu organisieren, untereinander Regeln auszuhandeln und mit Risikoerfahrungen in der Natur und der Stadt umzugehen, so Hofmann. Der durchgeplante Alltag von Kindern und die positive Haltung der Eltern zu einer selbstbestimmten Freizeitgestaltung stünden nach Erfahrung des Vereins oft nicht in Einklang, hieß es.

Ein Stimmungsbild zur aktuellen Lage in Familien liefert eine am Montag veröffentlichte Kinderhilfswerks-Umfrage. Wie sehen Eltern von Kindern zwischen 6 und 17 Jahren die Freizeit ihrer Sprösslinge? Mehrheitlich unproblematisch, wie es scheint: Nur ein knappes Drittel der 1000 Befragten stimmte der Aussage zu, dass neben geplanten Aktivitäten wie dem Sportverein wenig Zeit für spontane Freizeitgestaltung bleibe. Die schulische Beanspruchung bewertete ebenfalls nur eine Minderheit (28 Prozent) als zu hoch.

Ein weiterer Zeitfresser macht sich bemerkbar, scheint den Alltag in den Familien aber nicht völlig zu dominieren: «Die starke Nutzung von Internet und sozialen Medien lässt nur wenig Zeit für andere Freizeitbeschäftigungen» – dieser Aussage stimmten 37 Prozent der Eltern zu. Grundsätzlich waren die meisten Befragten der Ansicht, dass Zeiten der Langeweile gut für die Entwicklung von Kindern seien.

Konzentrationsfähigkeit von Schülern sinkt

Aus Sicht von Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, haben Kinder heute neben schulischen Verpflichtungen nicht weniger freie Zeit als früher. Aber die Zeit werde anders genutzt, «eben viel weniger zum Spielen mit anderen oder auch zum Lesen oder Ausspannen», erklärte er auf Anfrage. Eine Ursache sei, dass Eltern dem Nachwuchs viel stärker als früher zusätzliche Hobbys und Tätigkeiten ermöglichten.

Hauptgrund für fehlende Erholungszeit sei aber die ständige Onlineverfügbarkeit, der «permanente Sozialstress» in Online-Netzwerken, so Meidinger. «Auch die häufig beobachtbare abnehmende Konzentrationsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen hängt damit zusammen.» Der Experte betont, Smartphones und Co. nicht verteufeln zu wollen – wichtig sei aber, Kinder zu einem eigenverantwortlichen, selbstschützenden Umgang damit zu erziehen. Von Gisela Gross, dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

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