“Riesiger Aufschrei”: GEW-Chefin macht gegen Arbeitsbedingungen an Schulen mobil

4

HANNOVER. In fast 800 niedersächsischen Schulen fordern die Beschäftigten auf Initiative der GEW spürbare Verbesserungen ihrer Arbeitsbedingungen. Wie die Gewerkschaft mitteilt, bringen Personalräte bei Personalversammlungen am 12. und 13. Juni Resolutionen ein, die das Land Niedersachsen als Dienstherrn eindringlich zum Handeln auffordern.

Die GEW-Chefin in Niedersachsen, Laura Pooth, macht mobil. Foto: privat

„Dieser riesige Aufschrei stellt eine neue Qualität dar. Wenn die Landesregierung nach dem Protest von 800 fast zeitgleichen Personalversammlungen nicht endlich handelt, nimmt sie ihre Aufgabe schlicht nicht wahr. Die politisch Verantwortlichen sind jetzt am Zug, ihre weitgehende Untätigkeit schleunigst zu beenden“, kritisierte die GEW-Landesvorsitzende Laura Pooth. Ihre Gewerkschaft hatte die landesweiten Personalversammlungen angeregt, um die Missstände in den Schulen zu verdeutlichen. Bis Ende Juni will die GEW die verabschiedeten Resolutionen sammeln, um sie Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) zu übergeben.

Anzeige


Abwanderungswelle von Lehrern

„Die Lehrkräfte an Grund-, Haupt- und Realschulen fordern, endlich wie ihre Kolleginnen und Kollegen in den anderen Schulformen bezahlt zu werden“, führte Pooth aus. Diese Ungerechtigkeit schaffe eine Abwanderungswelle in andere Bundesländer, die verbeamtete Lehrkräfte bereits mit A 13 statt A 12 und tarifbeschäftigte mit E 13 statt E 11 bezahlen.

„Jedes Jahr Millionen von unbezahlten und nicht ausgeglichenen Überstunden offenbaren einen weiteren zentralen Aspekt verfehlter Bildungspolitik“, sagte sie. Die neu geschaffene Überstunden-Uhr der GEW überschritt am Pfingstsonntag allein für die Grund-, Gesamt- und Gymnasiallehrkräfte in Niedersachsen (für die anderen Schulformen liegen der GEW keine repräsentativen Daten vor) den Wert von 10 Millionen, seit Minister Tonne sein Amt im November 2017 angetreten hatte (News4teachers berichtete).

„Die noch immer nicht umgesetzte Abschaffung der Zwangsteilzeit von pädagogischen und therapeutischen Fachkräften stellt einen weiteren Missstand dar, der sofort behoben werden muss. Das gilt ebenso für die in Aussicht gestellte Wiedereinführung der zweiten Stunde Altersermäßigung für Lehrkräfte, auf die wir immer noch warten“, ergänzte die Landesvorsitzende. Der Finanzminister stelle die nötigen Mittel für die Schulen nicht zu Verfügung und der Kultusminister gehe die entscheidenden Maßnahmen zur Verbesserung der Beschäftigen-Situation nicht an. Darunter leide auch die Qualität des Unterrichts, was zu Lasten aktueller und künftiger Generationen von Schülerinnen und Schülern gehe.

„Setzt sich diese Allianz der Untätigkeit fort, wird das System Schule unweigerlich kollabieren. Aus Sicht der Personalräte, der Schulbeschäftigten und der GEW ist klar: Der Kultusetat muss endlich massiv erhöht werden“, fasste Pooth zusammen. News4teachers

GEW richtet “Überstunden-Uhr” von Lehrern ein – 10-Millionen-Marke in Sicht

Anzeige


4 KOMMENTARE

  1. Ach Quatsch, so eine Abwanderiungswelle wird es aus den wiederholt genannten Gründen nicht geben!

    Dass sich die GEW jetzt der Arbeitsbedingungen annimmt, ist gut, aber ein bisschen spät. Man scheint in der GEW immer noch der Meinung zu sein, der Staat sei ein Goldesel und alles Geld sei nur für die Lehrer da. Es ist wenig realistisch und gegenüber anderen Berufen vertretbar, für rund 500,- Euro Gehaltserhöhung zusätzlich zum Tarifabschluss einzutreten und gleichzeitig auch noch weniger arbeiten zu wollen (Stundensenkung u.ä.).

    Es gibt etliche Berufe, in denen die Leute zeitlich mehr für deutlich weniger Geld arbeiten.

    • Die Arbeitsbedingungen für angestellte Lehrkräfte müssen doch nur den Arbeitszeiten von Mitarbeitern des ÖD der länder angepasst werden – also 1 bis 1,5 Stunden weniger als das derzeitige Wochenstundendeputat. Von den bundesweit rund 800 000 Lehrräften sind ca. 200 000 Lehrkräfte Angestellte/Tarifbeschäftigte. Der überwiegende Teil der Lehrerschaft arbeitet an Grundschulen und Schulen der Sekundarstufe I und hat eine 10 Prozent höhere Unterrichtsverpflichtung als die Ratsfraktion an GY und BK.
      Die Benachteilung – insbesondere der angestellten Lehrkräfte – liegt in einer höheren Wochenarbeitszeitverpflichtung bei geringerem Entgelt. Aus diesem Grund sind beide Forderungen, die nach einer Senkung der Arbeitszeit und die nach einer höheren Vergütung, mehr als berechtigt.

    • Wieso Verengung? – @Mückenfuß gibt doch zu, dass es in unzähligen Berufen deutlich mehr Geld bei geringerer Qualifikation gibt. Er konstatiert doch lediglich, dass etliche Leute, ob das mehr oder weniger als die bundesweit 800.000 Lehrkräfte sind, gibt er ja nicht an, weniger Geld (als Lehrkräfte) erhalten.
      Die für diese Arbeiten erfordlichen Qualifikationen spricht er nicht einmal am RAnde an-

Schreibe einen Kommentar zu dickebank Antwort abbrechen

Please enter your comment!
Please enter your name here