Streit um die Pfingstferien: Nordrhein-Westfalen möchte gerne welche haben, in Bayern stellen (manche) Lehrer sie infrage

13

DÜSSELDORF. Bayern und Baden-Württemberger kommen alljährlich in den Genuss schöner Spätsommerurlaube – weil die beiden Südbundesländer auf ihre traditionellen Pfingstferien pochen. Die allerdings sind dort zunehmend umstritten, weil sie das zweite Schulhalbjahr zerschneiden. Dafür regt sich jetzt in Nordrhein-Westfalen der Wunsch, um Pfingsten herum den Schulbetrieb eine Woche lang zu schließen und dann auch später in die Sommerferien zu starten. Weil die bevölkerungsreichen Bundesländer nicht gleichzeitig in den Urlaub gehen sollen, um Staus und völlig überfüllte Touristenziele zu vermeiden, ist Ärger in der KMK absehbar.

Pfingsten blühen die, klar, Pfingstrosen. Foto: pxhere

Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) möchte in der Kultusministerkonferenz (KMK) weiter um längere Pfingstferien für Nordrhein-Westfalen ringen. Das Thema gehöre zu einem Kanon grundsätzlicher Ferienregelungen, die zwischen den Ländern besprochen werden müssten, sagte Gebauer im Gespräch.

Anzeige


Im vergangenen Jahr hatten die Schüler in NRW erstmals seit 1966 eine ganze Woche Pfingstferien, weil die Feiertage im Schuljahr 2017/18 so günstig lagen, dass noch Ferientage zur Verfügung standen. Üblicherweise haben die Schulkinder in NRW nur den Dienstag nach Pfingsten frei – im Gegensatz zu den üppigen Pfingstferien in den südlichen Bundesländern.

«Die Pfingstferien im letzten Jahr wurden in NRW vielerorts begrüßt», bilanzierte der Landesvorsitzende des Lehrerverbands Bildung und Erziehung, Stefan Behlau. Wenn es die Ferienwoche regelmäßig geben solle, müsste aber das ganze Feriensystem auf den Prüfstand, stellte er fest. Auch Gebauer räumte ein: «Aufgrund der langfristigen Festlegung der Ferienpläne wird es keine schnelle Entscheidung geben können.»

Schulferientermine liegen mittelfristig fest

Bis zum Schuljahr 2023/24 stehen die bundesweiten Ferientermine bereits fest. Die KMK legt zunächst die Termine für die Sommerferien fest, bevor die kleinen Ferien angepasst werden, wie das Ministerium erläuterte. Gebauer wolle auch hinterfragen, warum immer Bayern und Baden-Württemberg als letzte Bundesländer in die Sommerferien starten. In den kommenden Jahren bleibt es in NRW bei dem einen freien Dienstag nach Pfingsten. 2022 entfallen im bundesweiten Schulferienkalender auf NRW sowie drei weitere Bundesländer gar keine Pfingstferien.

Der größte Elternverband in NRW, die Landeselternschaft der Gymnasien, ist für eine generelle Verlängerung der Pfingstferien offen. «Das darf aber nicht zu Lasten der Abiturienten und der Lehrer gehen», warnte die Landesvorsitzende Jutta Löchner. Schließlich lägen die Abiturprüfungen genau zwischen den Oster- und den Sommerferien. Wenn mit dem neunjährigen gymnasialen Bildungsgang nun auch noch die zentralen Prüfungen am Ende der 10. Klasse hinzukämen, würde der Zeitdruck durch zusätzliche Ferientage noch größer, mahnte Löchner. Dies müsse bei der Ferientaktung der Bundesländer im Blick behalten werden. News4teachers / mit Material der dpa

Streit in Bayern - andersherum

In Bayern läuft die Diskussion derzeit umgekehrt – dort liebäugelt der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) mit einer Abschaffung der Pfingstferien.  Der Grund: In den wenigen Wochen zwischen den Oster- und den Pfingstferien müssen die dann anstehenden Prüfungen unter enormen Zeitdruck stattfinden. Die Spanne zwischen Pfingst-  und Sommerferien dann ist so kurz, dass in den Schulen kaum noch sinnvoll gearbeitet werden kann.  „Lehrer haben dann kaum noch eine Chance, Inhalte zu vermitteln“, beklagt BLLV-Chefin Simone Fleischmann.

Der Bayerische Philologenverband meint hingegen mit Blick auf die praktisch gestern begonnene zweiwöchige Freizeit:  „Die Ferien kommen für alle jetzt genau richtig.“ Auch danach stehe noch Wichtiges an den Schulen an.

Landeschef Michael Schwägerl meint: „Nach den Pfingstferien stehen wieder arbeitsreiche Wochen auf dem Programm: Schulaufgaben und Tests werden geschrieben, Schulkonzerte und Theateraufführungen vorbereitet, Projekttage geplant und durchgeführt und Zeugnisse verfasst. Dazu kommen an den Gymnasien die Feierlichkeiten zum Abitur. Schüler und Lehrkräfte haben die zweiwöchige Pause verdient, damit sie erholt in diesen Endspurt gehen können. Nicht zuletzt werden wichtige christliche Feiertage in dieser Zeit begangen.“

Auch der sogenannte Notenschluss liege an keinem ihm bekannten Gymnasium vor den Pfingstferien (der BLLV hatte erklärt, dass die Noten an Pfingsten schon feststünden). „Im Gegenteil: Seit an fast allen bayerischen Gymnasien Noten digital verwaltet werden, rückt der Stichtag für die Noteneingabe nach hinten. Das kommt vor allem den Schülern entgegen, weil damit der Prüfungszeitraum entzerrt wird“, sagt Schwägerl. News4teachers

Nur fünf Wochen Unterricht zwischen den Ferien: Muss das so stressig sein?

Anzeige


13 KOMMENTARE

  1. Warum sollten wir in NRW und in anderen Bundesländern nicht eine Woche Pfingstferien haben ?
    Dafür könnte man gut an Ostern, das teilweise im Anfang des Märzen liegt, auf eine Woche Urlaub verzichten, da man sich da an der Ost- und der Nordsee einen abfriert.

  2. Es kommt ja immer darauf an, wann die Sommerferien beginnen. Bei uns beginnen die Sommerferien 5-6 Wochen nach den Pfingstferien, nämlich Ende Juli/Anfang August. Da sind die Pfingstferien schon gerechtfertigt.
    Ich bin gegen die Abschaffung der Pfingstferien, da die Phase zwischen den Osterferien und den Sommerferien ohne Unterbrechung in Bayern viel zu lang wäre.
    Es ist im Augenblick eine gute Dynamik zwischen den Winterferien und den Sommerferien. Alle 5-6 Wochen sind die Schulwochen durch 2wöchige Ferien (Osterferien und Pfingstferien) unterbrochen. Ich verstehe nicht, wie Frau Fleischmann auf diese Idee kommt. Das habe ich noch nie gehört, dass in Bayern Lehrer für die Abschaffung der Pfingstferien sind. Ich vermute, dass das eher im kleinen Kreis des BLLV diskutiert wurde. Sie spricht auf jeden Fall bei diesem Thema nicht für die bayerischen Lehrer.

    • Da stimme ich Ihnen voll zu. Frau Fleischmann wird von vielen Lehrern in Bayern nicht verstanden. Zumindest hab ich noch keinen Lehrer bzw. keine Lehrerin in Bayern getroffen, die die Standpunkte von Frau Fleischmann teilen. Frau Fleischmann scheint auch nicht zu wissen, dass die Pfingstferien von Jahr zu Jahr an verschiedenen Zeitpunkten liegen, sonst hätte sie nicht so argumentiert, wie sie argumentiert hat, nämlich, dass die Pfingstferien so kurz vor den Sommerferien liegen. Ein weiteres Argument von Frau Fleischmann: der Notenschluss, also der Zeitpunkt ab dem “keine Noten mehr gemacht werden”. Auch dieser fällt nicht wie von ihr behauptet mit den Pfingstferien zusammen. In den meisten Schulen liegt dieser Zeitpunkt 2 Wochen vor den Sommerferien. Zudem ist es für viele Schüler im Endspurt des Schuljahres noch mal eine willkommene Verschnaufpause.

      • Pfingsten folgt immer im Abstand von 49 Tagen auf Ostern, am jüdischen Schawuot-Fest, dass der Offenbarung der Tora an das jüdische Volk gedenkt. (siehe auch den Kirchenkalende. Gefeiert wird bei den Christen die Entsendung des Heiligen Geistes über die Aposteln und Jünger des gekreuzigten Jesus Christus, wonach die versammelten Menschen verschiedener sprachlicher Herkunft sich miteinander verständigen konnten und sich nun als eine Gemeinschaft verstanden.
        Das Wissen um die christlichen Feste und die Kirchentage scheint vielen Politikern nicht mehr bewusst zu sein. Herr erbarme Dich ihrer.
        Anscheinend dreht es sich bei diesem Personenkreis nur noch um Ferien, an denen wir Christen dann eben arbeiten dürtfen.

  3. Die Erfahrung der späten Ferien, die Ende Juli beginnen und zeitgleich mit denen in BY und BW lagen, hat Niedersachsen seit 2014 hinter sich OHNE entsprechende Ferien zu Pfingsten, denn hier gibt es generell den Pfingstdienstag als zusätzlichen freien Tag. 2021 trifft es uns wieder.
    Es war 2014 das wohl längste Schuljahr, das wir hatten, da Niedersachsen bei den Ferien im letzten Festlegungszeitraum von 2011-2017 mehrfach um 4 Wochen nach vorne und nach hinten gesprungen ist, was besonders kurze und außergewöhnlich lange Schuljahre nach sich zog. Beides ist ungünstig.

    Es ist absolut verständlich, warum man bei späten Sommerferien zwischen Ostern und Ende Juli noch eine Pause braucht, während dies nicht der Fall ist, wenn die Ferien Mitte Juni beginnen und womöglich Pfingsten recht spät im Jahr liegt.

    Unverständlich ist, warum alle Bundesländer mit den Ferien rotieren müssen, nur BW und BY nicht.
    Im übrigen sind Ferien nicht gleichbedeutend mit Urlaub, aber offensichtlich ist, dass die wirtschaftlichen Interessen die Ferienregelung beeinflussen.
    Hamburg nutzt in den letzten Jahren neue Möglichkeiten, abseits der bisherigen Ferienregelungen Tage zu schaffen, in denen Familien mit Kindern unabhängig der teureren Ferienzeiten reisen können.

    Eine Schönwettergarantie hat man nie, vor 2 Jahren war es im Frühjahr sonnig und warm, die gesamten nds. Sommerferien über gab es nass-kaltes Herbstwetter.
    Aber an der Nordsee ist es auch bei Herbststürmen und im Winter wunderschön. Gegen die Kälte hilft warme Kleidung, Bewegung und im Anschluss einige Tassen Tee.

    • Wenn man auf die Schulferien nicht angewiesen ist , dann trifft man in den Pfingstferien in Italien und anderswo im Süden sowie an der See auf schulpflichtige Kinder aus Bayern und Baden-Württemberger.
      Das sagt eigentlich alles. Im vergangenen Jahr hatten wir dann endlich mal die Möglichkeit in den Genuss von Pfingsten zu gelangen. Und eine Woche reicht vollkommen, um den Akku wieder aufzuladen.
      Außerdem haben die anderen Bundesländer auch keine Lust mehr mit den Ferien hin und her zu hüpfen, bloß weil sich zwei Bundesländer quer stellen. NRW hat 17.000.000 Einwohner, soviel wie die beiden Südländer zusammen.

      • Blöd ist dann immer, dass die bayrischen Pfingsurlauber mit schulpflichtigen Kindern sich die Strandliegen mit denjenigen teilen müssen, die den frühen Sommerferienbeginn haben. Letzteres kommt vor, wenn Pfingsten wie in diesem jahr erst im Juni liegt.

        • Dann liegen die roten Bayern-Handtücher zur Reservierung der Strandliegen schon morgens um 5 Uhr auf selbigen, während die Schalke- und Borussia-Handtücher noch im Koffer verstaut sind. Na das ist aber mal gemein.

      • “Außerdem haben die anderen Bundesländer auch keine Lust mehr mit den Ferien hin und her zu hüpfen, bloß weil sich zwei Bundesländer quer stellen.”
        Da sind wir uns tatsächlich mal einig.

        Wobei mich vor allem nervt, wenn es so große Sprünge gibt und man nicht einigermaßen gleichmäßig jeweils 1 Woche vor oder zurück wandert, denn es ist es ein Unterschied, ob das Schuljahr 172 oer 211 Tage hat.

        Ob NUR frühe oder NUR späte Ferien von Vorteil wären (wie in NL)? Zumindest müsste man das SJ nicht ständig verändert planen, weil es wechselnd beginnt und hätte recht verlässlich in etwa gleich lange Schuljahre.

        “Wenn man auf die Schulferien nicht angewiesen ist , dann trifft man …”
        Wenn man in einer Ferienregion wohnt, dann trifft man häufiger auf Menschen anderer BL, die Ferien haben. Man kann in den Fußgängerzonen selbst kleinerer Ferienorte sehr schnell erkennen, ob und wo gerade Ferien sind … und wenn man seine Ruhe haben will, weiß man, wann man die Touristenattraktionen meiden sollte.

    • Ich hätte nichts dagegen, wenn alle Bundesländer rotieren würden. Das wäre nur fair. Außerdem hätten wir dann auch einmal im Hochsommer Ferien und nicht im Spätsommer. Ab Mitte August/Ende August wird es einfach kühler und man kann da oft nur noch in den Süden fahren. Das merkt man vor allem beim Campingurlaub. Die ersten beiden Septemberwochen als Ferienwochen sind so oder so nicht mehr so prickelnd. Im Juli ist bei uns immer noch Schule, gerade da, wo der Sommer am besten ist.
      Bei Ländervergleichen haben die Bayern und auch die Baden- Württemberger den Nachteil, dass wir z.B. in den Vergleichsarbeiten und in den Abiturvorbereitungen immer mehr Stress haben, weil man zeitlich hinterherhinkt – wobei mir persönlich dies bei den Vergleichsarbeiten völlig egal ist, weil diese so oder so für die Katz sind.

      • In Deutschland gibt es den Wahn, dass zu viel Ferien den Kindern schaden könnte. Im Nachbarland Belgien dagegen gibt es
        2 Wochen Weihnachtsferien,
        1 Woche Fasnachtsferien,
        2 Wochen Osterferien
        2 Monate (einheitlich 1. Juli – 31. August) Sommerferien
        1 Woche Herbstferien.
        Das könnten wir doch auch haben, dann bräuchten die Bundesländer keine eigenen Termine. Niemand wird 2 volle Monate Urlaub machen, und die Staus würden sich von alleine auf Deutschlands Autobahnen verteilen.
        Bei PISA liegt Belgien etwa gleichauf mit Deutschland. In Estland gibt es
        2 Wochen Weihnachtsferien,
        1 Woche Sportferien,
        1 Woche Frühlingsferien,
        zweieinhalb Monate (12.6. – 31.8.) Sommerferien,
        1 Woche Herbstferien.
        Auch Estland steht bei PISA gut da. In Italien gibt es sogar ca. 3 Monate Sommerferien, 2 Wochen Weihnachtsferien und 1 Woche Osterferien dazu,
        allerdings keine Herbstferien. Also worauf warten wir: Leben wir nicht in Zeiten der europäischen Einigung und Vereinheitlichung?

        • In Portugal gibt es 12 Wochen Sommerferien und dann je 2 Wochen Weihnachts- und Osterferien dazu. In Griechenland ist es ähnlich. Kann man alles im Internet sehen. Und Feiertage haben die anderen auch noch zusätzlich. Warum müssen wir ausgerechnet in Deutschland mit jedem Ferientag geizen?

      • Die Springer-Ländern haben den Nachteil der wechselnden Länge der Schuljahre, wie Palim es oben beschreibt. Derartiges ist einfach für alle Betroffenen bedingt zuträglich.
        Da fühlt man sich schon ein wenig an die Kurzschuljahre Mitte der 60er Jahre erinnert, als der Stoff noch komprimierter vermittelt werden musste.
        Vor der Umstellung des Schuljahresbeginns begann das Schuljahr zu Ostern.
        Da wurden die beiden Umschaltschuljahre in der Länge sehr stark reduziert.
        Das erste Kurzschuljahr dauerte in NRW, Niedersachsen, Baden-Württemberg, Hessen Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Bremen vom 1.4.1966 bis zum 30.11.1966.
        Das zweite Kurzschuljahr dauerte vom 1.12.1966 bis zum 31.7.1967.
        Gab es denn wohl Ferien ? Fehlanzeige !
        Am ersten Dezember 1966 wurden wieder neue Schüler aufgenommen. Es gab entsprechend mehr Schulabgänger in dem Jahr.

Schreibe einen Kommentar zu dickebank Antwort abbrechen

Please enter your comment!
Please enter your name here