Wer keinen Abschluss hat, soll künftig einen Anspruch bekommen, diesen nachzuholen

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BERLIN. Der Jobmarkt ist im rasanten Wandel. Millionen Arbeitsplätze wandeln sich, andere fallen weg. Weiterbildung soll helfen, so dass die Menschen den Anschluss nicht verlieren.

Weiterbildung soll neue Perspektiven schaffen. Foto: Shutterstock

Angesichts des massiven Wandels auf dem Arbeitsmarkt sollen sich die Arbeitnehmer in Deutschland verstärkt weiterbilden und dafür mehr Unterstützung erhalten. Das ist das Ziel einer nationalen Weiterbildungsstrategie, die Bundesregierung, Länder und Sozialpartner in Berlin vorstellten. Wer keinen Berufsabschluss hat, soll künftig einen Anspruch darauf bekommen, diesen mit einer Förderung nachzuholen. Zahlreiche weitere Schritte sollen auf den Weg gebracht oder geprüft werden: Staatlich geförderte Bildungszeiten für Beschäftigte etwa oder ein konkretes Angebot auf Förderung von Weiterbildung für Arbeitslose innerhalb von drei Monaten.

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«Wir müssen jetzt sehr, sehr viel ändern, so dass wir auch in Zukunft wirtschaftlich stark bleiben und die Gesellschaft zusammenhalten», sagte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD). Denn in den kommenden sechs Jahren würden durch den technischen Fortschritt rund 1,3 Millionen Arbeitsplätze wegfallen, auf der anderen Seite entstünden 2,1 Millionen neue Jobs, sagte er mit Verweis auf Berechnungen von Wissenschaftlern für sein Ministerium.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sagte: «Weiterbildung im Beruf muss in der Zukunft zum Arbeitsalltag gehören.» Bisher sei es Konsens gewesen, dass Weiterbildung im Wesentlichen ein Thema der Unternehmen ist. Nun müssten alle Akteure an einem Strang ziehen, so dass Weiterbildung für jeden normal werde. Aufgebaut werden soll dafür ein zentrales Eingangsportal im Internet, das über Möglichkeiten informiert und die Antragstellung vereinfacht.

“Streben Recht auf Weiterbildung an”

Heil kündigte für Herbst eine Gesetzesinitiative für ein so  genanntes Transformationskurzarbeitergeld an, wie es etwa die IG Metall vorgeschlagen hatte. Bei Unternehmen im Umbau sollen dadurch Entlassungen verhindert werden, von Arbeitsausfall Betroffene sollen sich in einer Phase der Kurzarbeit zugleich weiterqualifizieren können.

Etwa im Bereich Handel, Banken und Versicherungen würden sich wiederholende Tätigkeiten verstärkt durch selbstoptimierende Softwaresysteme ersetzt, sagte Heil. Der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, sagte, bei quasi allen Arbeitsplätzen stiegen die Qualifikationsanforderungen. «Wir sind darauf angewiesen, das inländische Erwerbspersonenpotenzial voll auszuschöpfen.» Je geringer die Qualifikation bei einem Beschäftigten sei, desto schwerer sei dieser aber zur Weiterbildung zu bewegen.

Geplant ist auch, das sogenannte Aufstiegs-Bafög auszuweiten. Dieses zahlt der Staat Menschen, die eine Weiterbildung zum Meister, Fach- oder Betriebswirt antreten. Die Bundesmittel dafür sollen um 350 Millionen Euro in dieser Legislaturperiode aufgestockt werden. Zudem sollen in den Betrieben «Weiterbildungsmentoren die Weiterbildung von Kollegen unterstützen.»

Die Vizechefin des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Elke Hannack, machte deutlich, dass die Gewerkschaften sich weitere Schritte wünschen, obwohl sie die Weiterbildungsstrategie mittragen: «Perspektivisch streben wir ein Recht auf Weiterbildung an», sagte sie. dpa

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2 KOMMENTARE

  1. “Wer keinen Berufsabschluss hat, soll künftig einen Anspruch darauf bekommen, diesen mit einer Förderung nachzuholen.”
    Hier spricht mal wieder ein Schreibtischtäter. Wer keinen Berufsabschluss hat, der hat aus bestimmten Gründen keinen: Mangelndes Durchhaltevermögen, mangelnde kognitive Fähigkeiten, Schulmüdigkeit, zu wenige erworbene Kompetenzen etc. Dies sind alles Gründe, die ein Anspruch auf das Nachholen eines Berufsabschlusses in keiner Weise beseitigt, d.h. er führt sicher kaum dazu, dass Menschen den Abschluss nachholen.

  2. wenn ein konstruktive förderungsidee in form einer möglichst sinnvollen alternative zur evtl. perspektivlosigkeit von vornherein derart radikal zum scheintern verurteilt wird, dann gibt es ja sicherlich zumindest einen alternativen, effektiveren lösungsvorschlag.

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