Wie lässt sich verhindern, dass so viele Schüler und Studenten an Mathe scheitern? Ranga Yogeshwar fordert: Begeisterung wecken!

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BERLIN. Nach dem umstrittenen Mathe-Abitur, das in drei Bundesländern zu Nachbesserungen bei der Benotung geführt hat, beginnt die Aufarbeitung: Wie lässt sich verhindern, dass immer wieder so viele Schüler und Studenten an dem Fach scheitern? In Niedersachsen soll jetzt eine Broschüre helfen, Abiturienten besser auf die Uni vorzubereiten. Grundsätzlicher wird der Wissenschaftsjournalist und designierte Ehrendoktor des Fachbereichs Bildungswissenschaften der Universität Koblenz-Landau, Ranga Yogeshar. „Wir müssen Schüler für die Schönheit der Mathematik begeistern“, so fordert er in einem Interview.

Deutschlands bekanntester Wissenschaftsjournalist, Ranga Yogeshwar, hier bei einem Vortrag auf dem Deutschen Ausbildungsleiterkongress. Foto: Frank Metzemacher / DALK

„Wir entlassen Menschen ins Leben, die nach der letzten Prüfung nie wieder auch nur irgendetwas über Mathematik wissen wollen. Viele haben sogar ein regelrechtes Trauma“, sagte Yogeshwar, der selbst Experimentelle Elementarteilchenphysik und Astrophysik studiert hat, gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“. Dabei habe das Fach viel zu bieten. „Mathematik ist ein wundersames Spiel mit überraschenden Zusammenhängen, eine Kunstform, die man ausfüllen kann wie Musik. Da steckt so viel Spannendes drin, das Mysterium der Primzahlen, die Magie der Endlos-Zahl Pi. Oder Geometrie, da kann ich weinen vor Begeisterung.“

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Davon allerdings erführen Schüler meist nur wenig. „Mathe auf der Schule hilft uns im Leben überhaupt nicht. Sie nützt einem leistungsorientierten System, das nur auf irgendwelche blöden Punkte starrt statt auf die Sache selbst“, erklärte Yogeshwar. Mathematik werde für Prüfungszwecke missbraucht. „Dadurch erleben sehr viele Menschen sie nicht als Fach, das dir die Augen öffnet, sondern als Inquisition, die darüber richtet, wie deine Schulkarriere aussieht.“ Das gelte auch für die Hochschulen. „Die Abbrecherquoten sind enorm hoch, und der wesentliche Killer dabei ist die Mathematik. Wie absurd, wir kämpfen doch um Fachleute, wir brauchen die Leute, die Maschinenbauer, Physiker, Elektrotechniker werden wollen“, so betonte der Fernsehjournalist.

Tatsächlich haben nach jüngsten Zahlen des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) im Absolventenjahrgang 2016 bundesweit 42 Prozent der Fachhochschulstudenten und 39 Prozent der Universitätsstudenten ihren Bachelor in Mathematik und Naturwissenschaften abgebrochen – vor allem wegen Leistungsproblemen.

Es müsse im Mathe-Unterricht gelingen, so Yogeshwar, Neugier zu wecken – wie das möglich sei, lasse sich beispielsweise auf Youtube, im Kanal 3Blue1Brown, sehen. „Das ist ein Blogger, der komplexe mathematische Phänomene mit toll animierten Grafiken und in einfacher Sprache erklärt. Er hat 1,8 Millionen Abonnenten und Videos, die über vier Millionen Mal abgerufen werden. Und das sind sicher nicht lauter Nerds, sondern Menschen, die Freude an lebendiger Mathematik haben. Da steckt ein Begeisterungspotenzial drin, von dem sich die Schulen etwas abschneiden können“, meinte Yogeshwar.

Broschüre soll Schüler helfen, sich besser zu orientieren

Das Land Niedersachsen übt sich derweil in Pragmatismus jenseits einer solchen Grundsatzdebatte. Es gibt als erstes Bundesland eine Broschüre heraus, die Schülern den Übergang zum MINT-Studium erleichtern soll. Das 65 Seiten umfassende Heft enthält Aufgaben aus den Bereichen Geometrie, Algebra und Stochastik. „Das Papier trägt dazu bei, Studienabbrüche zu vermeiden“, hofft Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU). Oft würden Studienanfänger der sogenannten MINT-Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik an fehlendem Vorwissen scheitern.

„Wir wollen mit dem Papier niemanden abschrecken“, beteuert Kathrin Thiele, Professorin an der Hochschule Braunschweig/Wolfenbüttel. Auch Studienanfänger mit Schwächen könnten gute Ingenieure werden, wenn sie an ihren Defiziten arbeiten. Thiele ist in einer von mehreren Arbeitsgruppen des Wissenschaftsministeriums sowie des Kultusministeriums. Dabei tauschen sich Fachleute aus Schulen und Hochschulen über die Anforderungen der unterschiedlichen Bildungsstätten aus. Nach Ansicht des DZHW kann das Heft Schülern helfen, ihre Mathematik-Kompetenzen besser einzuschätzen und sich vorzubereiten.

Ranga Yogeshwar fordert mehr – nämlich: Freude an der Mathematik zu vermitteln. Er sagt: “Wenn man Spaß hat, lernt man. Zumindest bei mir ist das so.” News4teachers / mit Material der dpa

Hier geht es zum kompletten Interview der „Süddeutschen Zeitung“ mit Ranga Yogeshwar.

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Schleicher zum Mathe-Abi: „Schüler haben besseren Unterricht verdient“

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21 KOMMENTARE

  1. Schüler mögen Fächer, wenn sie die Inhalte verstehen und können. Für das Können wurde in den letzten Jahren die Übungszeit immer weiter eingeschränkt, Stunden gestrichen und immer neue Inhalte in die Lehrpläne aufgenommen, ohne dafür entsprechend Inhalte aus den Lehrplänen zu streichen. Man stelle sich das einmal für eine Sportart oder das Lernen eines Musikinstrumentes vor. So jetzt habt ihr gesehen, wie es geht – Übung wird überbewertet, deshalb lassen wir das.

  2. ZITAT: “Ranga Yogeshwar fordert: Begeisterung wecken!”

    Den Tipp finde ich ein wenig billig. Als würden Mathelehrer heutzutage noch so unterrichten wie vor 100 Jahren, als habe sich bzgl. moderner Unterrichtsformen und -methoden nichts getan.

    Solche Tipps sind oberschlau und helfen uns nicht weiter!

  3. Ich sehe ein Problem: Alle Versuche, Schüler für Mathematik zu begeistern, resultierten im Endeffekt in Niveauverflachung. Das resultiert in schlechterer Vorbereitung auf MINT-Studiengänge. Yogeshwar weiß selbst ganz genau, dass Mathematik ein anspruchsvolles und arbeitsintensives (Schul-) Fach ist. Bei seinen eigenen Kindern wird er wohl andere Maßstäbe anlegen bzw. angelegt haben als bei seinen Vorträgen.

    Es braucht ein generelles gesellschaftliches Umdenken bzgl. Schule im Allgemeinen und Mathematik im Speziellen. Solange es anerkannt ist, in Mathe schlecht gewesen zu sein, kann man nicht viel tun. Für die von Yogeshwar genannten Projekte wie Primzahlen und die Zahl pi bleibt im Schulalltag keine Zeit. Je begeisterungsloser eine Klasse ist, desto weniger Zeit bleibt für die schönen Dinge. Einerseits wegen geringerer Leistungsfähigkeit und andererseits wegen mehr Störungen.

    • Absolut richtig. Die Schulmathematik hat mit der eigentlichen Mathematik kaum noch etwas zu tun. Klar muss man eine gewisse Problemlösefähigkeit besitzen, aber mehr ist das dann auch nicht.

      Es gibt immer 3 Typen von Menschen, die den Matheunterricht schlecht reden:

      1. Ich war selbst nie gut in Mathe. Das braucht man eh nie wieder.
      2. Es gibt sinnvolles in Mathe (Grundrechenarten, Prozentrechnung, etc.) und viel unnützes (Integralrechnung, Statistik, etc.). Lasst uns nur noch das Sinnvolle thematisieren.
      3. Mathe ist so wichtig wie noch nie zuvor in unserer digitalisierten Welt. Wir müssen unsere Kinder richtig darauf vorbereiten.

      Zum ersten Typ kann man nicht viel sagen. Da ist im Grunde jegliche Hoffnung verloren. Zu Typ 2 und 3 gilt: Solche Aussagen können dann nur von Personen kommen, die keine Ahnung von der Lebenswelt haben. Ohne Grundlagen der Mathematik funktioniert eben nichts. Dazu gehören auch trockene Themen wie Integralrechnung, Stochastik, usw. Zudem soll man wie auf die digitale Welt vorbereiten? Wenn in einem Unternehmen Prozesse digitalisiert werden, stecken da meist Informatiker und Mathematiker dahinter und damit auch hochkomplexere Algorithmen, für die es ein vertieftes Verständnis der Mathematik bedarf.

      Ich verstehe nicht, warum man solche Menschen immer noch zitiert. Ständig heißt es “Wir müssen Kinder für Mathematik begeistern”, “Wir müssen Schule verändern”, usw. Statt Sprüche zu klopfen, fang doch mal an ein Konzept zu entwickeln. Dann kann man dir auch zuhören. Das wollen oder können diese Personen dann aber zumeist nicht.

      • Danke für den Kommentar. Typ 2 kann ich durchaus verstehen, weil die meisten Menschen mit den unmittelbaren Mathematik im Smartphone o.ä. im Gegensatz zum Kopf-, Überschlag- und Prozentrechnen in ihrem ganzen Leben nicht in Berührung kommen. Ich gehöre auch nicht dazu, wobei ich aber ein Liebhaber der reinen abstrakten Mathematik bin, die sich um konkrete Anwendungen keine unmittelbaren Gedanken machen braucht. (Ein Beispiel dafür ist der Nachweis, dass die 73 die einzige Sheldon-Cooper-Primzahl ist)

        • Natürlich kann man das so sehen, aber dann müsste man eben jedes Fach radikal auskrempeln, nur noch die essentiellen Grundlagen vermitteln und Vertiefungsfächer, auch in Deutsch, Englisch und Mathe, als Optional ansehen und anbieten. Komplett streichen wäre dann eben auch der falsche Ansatz. Es gibt durchaus Schüler mit mathematischen Interessen, die sich bewusst sind etwas in die Richtung zu studieren. Dann sollte und muss man denen weiterhin die Chance geben möglichst viel davon in der Schule zu lernen. Stattdessen kommen die in die Uni und beherrschen nicht mal die Grundlagen, die jeder Grundkursschüler noch vor wenigen Jahren beherrschte (überspitzt formuliert), weil ständig Inhalte im Mathe-Abitur gestrichen werden.

        • Zunächst möchte ich Yanga Yogeshwar voll zustimmen. Das Problem aber etwas tiefer beleuchten:
          Immer, wenn Unterricht stattfindet, müssen Entscheidungen getroffen werden, die eng mit Werteentscheidungen verknüpft sind, meistens geschieht dies im Mathematikunterricht implizit und unbewusst. Die oft zu hörende negative Sicht von Erwachsenen bezüglich ihres erlebten Mathematikunterrichts lässt vermuten, dass ihnen Werte vermittelt wurden, die wenig wünschenswert sind, aber sie wurden leider sehr effektiv vermittelt.
          Ein Indiz hierfür liefern die Beliefs-Forschungen, die nachweisen können, dass mathematische Weltbilder von Lehrkräften Auswirkungen auf die Mathematikleistungen der Schülerinnen und Schüler haben. Umso erstaunlicher ist es, dass wir gegenwärtig nur wenige Forschungserkenntnisse haben, welche Werte, in welchem Umfang und mit welchem Erfolg im Mathematikunterricht vermittelt werden. Wegen der Bedeutung der Werteerziehung erscheint es daher dringend notwendig, dass die empirische Bildungsforschung und Mathematikdidaktik sich dieser Thematik annehmen. Folgende Forschungsfragen drängen sich auf: Welche Werte werden von Mathematiklehrern vermittelt? Welche Werte lernen die Schülerinnen und Schüler von ihren Lehrkräften? Lernen sie stärker Werte in ihrer Peer-Gruppe als von ihren Lehrern? Welche Werte werden implizit oder explizit durch Lehrpläne und Lehrbücher transportiert? Wie können Lehrkräfte unterstützt werden, andere Werte als ihre aktuellen zu unterrichten? Ist es möglich, effektiveren Mathematikunterricht durch Werteerziehung bei Lehramtsstudenten zu erreichen?

          Moderne Gesellschaften benötigen in immer stärkerem Maße mathematische Kenntnisse ihrer Bürger, um den hohen Anforderungen einer sich rasant entwickelnden Wissensgesellschaft zu genügen. Es besteht somit die große Herausforderung, wie in einer demokratischen Gesellschaft eine adäquate Mathematikausbildung für möglichst viele ihrer Bürger bereitgestellt werden kann. Hier sind elementare Fragen der Wertesetzungen im Mathematikunterricht angesprochen.
          Solche Werteentscheidungen – bewusst oder unbewusst getroffen – sind prinzipiell nicht hintergehbar.
          Werte, die Menschen ihrem Handeln und Denken zugrunde legen, betreffen verschiedene Aspekte, wie:
          Dinge, die sie für wertvoll halten; Prinzipien, nach denen sie leben bzw. handeln; Standards nach denen sie urteilen, was von Bedeutung ist; etwas, was sie besonders lieben; Eigenschaften, mit denen sie übereinstimmen.
          Werte sind untrennbar mit unseren Weltbildern (beliefs) und Haltungen (attitudes) verbunden und sind die Basis für unser Handeln. Beliefs setzen sich – in Anlehnung an die Arbeiten der Gruppe um Prof. Törner von der Uni Essen/Duisburg – aus subjektivem Wissen von bestimmten Objekten oder Angelegenheiten sowie damit verbundenen Emotionen und Haltungen zusammen. Alle beliefs über Mathematik, den Mathematikunterricht und das Lernen von Mathematik bilden zusammen das mathematische Weltbild. Beliefs können bewusst oder unbewusst sein. Haltungen und beliefs können sich im Laufe eines Lebens aufgrund der gesammelten Erfahrungen wandeln, dies geschieht insbesondere in der Adoleszensphase recht häufig, wie zahlreiche Untersuchungen gezeigt haben. Dies gilt nicht gleichermaßen auch für Werte (values), sie sind tiefer in der menschlichen Seele verankert und werden zu einem integralen Bestandteil des individuellen Menschen. Sie sind im Laufe eines Lebens nur relativ schwer veränderbar.
          Den Unterschied zwischen beliefs und values kann man vereinfacht wie folgt beschreiben: Weltbilder beziehen sich stets auf einen konkreten Kontext, Werte hingegen sind kontextfrei. Entscheidungen auf dem Hintergrund von beliefs betreffen z.B. Fragen, ob etwas wahr oder falsch ist, auf dem Hintergrund von Werthaltungen hingegen, ob etwas von Bedeutung ist oder nicht.
          Zur Illustration zwei konkrete Beispiele: Bei der Aussage »Mathematische Beweise sollten im Unterricht behandelt werden«, handelt es sich um eine bestimmte Facette im mathematischen Weltbild (belief) einer Mathematiklehrkraft. Dahinter steht wahrscheinlich als Werthaltung »Rationalität ist von großer Bedeutung«. Hinter dem mathematischen Weltbild einer Lehrkraft mit der Aussage »Alles, was im Mathematikunterricht zählt, ist das richtige Ergebnis, mit welcher Methode auch immer es zustande gekommen ist«, steht vermutlich eine Ergebnis-/Produktorientierung als Werthaltung.

          Im Folgenden seien exemplarisch vier Paare von jeweils zwei komplementären Werten dargestellt, die in konkreten Unterrichtssituationen die Unterrichtsgestaltung stark beeinflussen. Die ersten beiden betreffen die pädagogische Seite der mathematischen Bildung, die letzten beiden eher die kulturelle Seite:

          Formalistische Sichtweise – aktive Sichtweise:
          Die formalistische Sichtweise betont den deduktiven und rezeptiven Charakter von Mathematiklernen,
          während die aktive Sichtweise intuitives und entdeckendes Mathematiklernen bevorzugt. Sie kann auch als induktive Sichtweise beschrieben werden.

          Instrumentelles Lernen – relationales Lernen:
          Instrumentelles Lernen heißt Regeln, Operationen und Begriffe lernen und deren Anwendung in spezifischen Fragestellungen beherrschen.
          Relationales Lernen bedeutet hingegen, dass Beziehungen zwischen Konzepten aufgezeigt und Veranschaulichungen adäquat vorgenommen werden können.

          Relevanz – theoretisches Wissen:
          Mit Relevanz ist gemeint, dass mathematisches Wissen von hoher Bedeutung ist zur Lösung von Alltagsproblemen (realistic mathematics).
          Theoretisches Mathematiklernen bedeutet, dass Mathematik auf einer theoretischen, abstrakten Basis unterrichtet wird, weit weg von Anwendungen auf Alltagsprobleme.

          Erreichbarkeit – Spezialistentum:
          Diese Wertentscheidungen implizieren, dass der Mathematikunterricht entweder alle Schülerinnen und Schüler erreichen soll
          oder z.B. nur die besonders Talentierten.

          • Kurze Ergänzung:
            Australische Untersuchungen haben z.B. gezeigt, dass in mathematischen Lehrbüchern objektivistische Sichtweisen in Form von häufigem Gebrauch von Symbolen, die als mathematische Objekte »manipuliert« werden sollen – oft ohne inhaltliches Verständnis und Sinnhaftigkeit – rationale Vorgehensweisen dominieren. Hierin könnte eine lebenslange Abneigung gegenüber der Mathematik, die bei vielen Erwachsenen zu finden ist, begründet sein. Ferner wurde in diesen Untersuchungen gefunden, dass in den Mathematiklehrwerken Ausrichtungen auf Anwendung/Beherrschung
            gegenüber (Weiter)Entwicklung mathematischer Erkenntnisse und Rätselhaftigkeit (Geheimnis) gegenüber Offenheit überwiegen.

          • “Ein Indiz hierfür liefern die Beliefs-Forschungen, die nachweisen können, dass mathematische Weltbilder von Lehrkräften Auswirkungen auf die Mathematikleistungen der Schülerinnen und Schüler haben.”

            Wer hat das, wie, wo und wann erforscht? Das ist immer noch eine empirische Forschung, die zu keinem eindeutigen Nachweis kommen kann. Ich verstehe nicht, wie das Leute immer noch Missverstehen können. Selbst Hattie betont, dass seine Forschung nur als Orientierung zu verstehen ist und nicht als eindeutiger Nachweis und viel größer kann eine Forschungsarbeit nicht werden.

            Das was Sie sagen ist alles schön und gut, ist aber am Ende nicht zielführend. Es geht doch gar nicht, oder zumindest nur im geringen Maße, um Werteerziehung im Unterricht. Mathematiklehrkräfte bekommen Maßstäbe auferlegt, gerade in Hinblick von Zentralen Prüfungen. Entscheidend ist eine ihrer letzten Aussagen:

            “Hierin könnte eine lebenslange Abneigung gegenüber der Mathematik, die bei vielen Erwachsenen zu finden ist, begründet sein.”

            Genau das beeinflusst den Mathematikunterricht am meisten. Die Haltung zum Mathematikunterricht passiert zu Hause und nicht in der Schule. Das Problem ist ziemlich einfach und dazu braucht es in der Hinsicht auch keine weiteren Studien zu: Mathematik unterscheidet sich massiv von anderen Unterrichtsfächern. In keinem anderen Fach muss die Frustrationstoleranz so hoch sein wie in Mathe. In keinem anderen Fach ist es so wichtig Grundlagen zu beherrschen, um diese später wieder zu nutzen. In Mathe können Sie als Schüler nicht einfach ein Thema auslassen. Diese Lücke wird später dann zu weiteren Problemen führen. In anderen Fächern spielt das meist keine Rolle mehr. Was wurde also gemacht:

            Man hat in einem künstlichen Verfahren möglichst viele Hürden der Mathematik versucht abzubauen. Sie können aber keine Mathematik lehren und lernen, wenn ihnen wichtige Elemente davon fehlen. Genauso wurde eine Ausrichtung in Hinblick Sachkontext gelegt. Dies verschleiert nur die Mathematik dahinter und führt zu weiteren Problemen. Man meint den Schülern damit einen gefallen zu tun, aber gerade Kontextaufgaben und lange Textaufgaben führen bei Schülern zu Frust und Angst, weil Sie gar nicht mehr Wissen, worum es mathematisch geht.

            Man muss auch mal in aller Deutlichkeit sagen und das sollte Herr Yogeshawr als Physiker selbst wissen: Ja es gibt Themen in der Mathematik (auch in der Physik), mit denen man Schüler begeistern kann. ABER: ein Großteil der Arbeit ist frustrierend. Mathematik ist ein hochkomplexes Werkzeug. Jedes Werkzeug muss ich zunächst erlernen und das geht nur mit harter und oftmals frustrierender Arbeit. So oder so werden wir nicht alle für die Mathematik begeistern können.

            Noch etwas zu ihrer Positionierung zur Werteerziehung: Dies mag ein Faktor sein, der kann aber niemals so groß sein, wie Sie behaupten. Dann müssten nämlich in Grundschulen Schüler in der 1. Klasse vollends begeistert vom Mathematikunterricht sein. Da fängt es aber schon an, dass Eltern schon gar keine Lust haben ihre Kinder in Mathe zu fördern. Braucht man ja später sowieso nicht und dann gilt: Hauptsache irgendwie bestehen.

  4. Freude an der Mathematik vermitteln…Wann denn? Die Lehrpläne sind voll, eigene Lösungswege finden können nur die Leistungsstarken. Oft sind die SuS verwirrt, wenn das Lehrwerk zig Möglichkeiten des Rechnens anbietet, zumindest die Schwachen. Mit denen übe ich 1 Version und bin froh, wenn das klappt.

  5. Dank Ranga Yogeshwar habe ich endlich eine schöne Erklärung für alles, was ich in der Schule und auch später nicht so gut konnte. Die Lehrer haben keine Begeisterung bei mir geweckt. “Wenn man Spaß hat, lernt man. Zumindest bei mir ist das so.”

  6. Verständliche Schulbücher mit Lösungen zu den Aufgaben einschließlich der Lösungsschritte sind notwendig, damit die Schüler auch genug Gelegenheit haben, Mathematik zu üben. Ansosnten wird man es nie schaffen, die Mathekennntisse merklich zu heben.

    • Die wenigsten Schüler können einzig und allein mit Hilfe des Buches lernen, die meisten brauchen jemanden, der den Stoff vorturnt und in seinen/ihren eigenen Worten präsentiert. Gute und ausreichend viele Aufgaben benötigen die Schüler allerdings schon, was oft genug nicht mehr der Fall ist. Erstens wohl, weil Päckchenrechnen verpönt ist, zweitens weil die Verlage noch die Arbeitshefte verkaufen wollen.

      • Es geht auch nicht um die Abschaffung des Lehrers, sondern um eine HIlfestellung für Schüler, falls sie schlechte Lehrer haben bzw. Stoff nach einiger Zeit noch mal nacharbeiten möchten.

  7. @ FElixa 14:19
    Ich werde Ihnen Ihre Skepsis gegenüber empirischer Bildungsforschung wohl kaum nehmen können, will ich auch gar nicht. Hier dennoch ein link für eine Studie, die den Zusammenhang zwischen beliefs von Lehrkräften und den Lernerfolg von Schülern im Mathematikunterricht untersucht:

    https://www.researchgate.net/publication/247395008_Lerntheoretische_Uberzeugungen_von_Mathematiklehrkraften_Einflusse_auf_die_Unterrichtsgestaltung_und_den_Lernerfolg_von_Schulerinnen_und_Schulern

    Übrigens: Wie Sie und der von Ihnen zitierten Hattie gehe ich davon aus, dass empirische Forschung prinzipiell keine endgültigen Wahrheiten erzeugen kann. Aber wie Hattie bin ich überzeugt, dass empirische Bildungsforschung eine wichtige Quelle zur Orientierung und Reflexion der Akteure im Bildungsbereich ist. Subjektive Einschätzungen allein helfen hier kaum weiter.
    Dies setzt allerdings voraus, dass man die empirischen Befunde zur Kenntnis nimmt und auch bereit ist, auf diesem Hintergrund das eigene Tun zu reflektieren. Dies vermisse ich bei Ihnen.
    Sie bieten stattdessen eine einfache Lösung an:
    “Die Haltung zum Mathematikunterricht passiert zu Hause und nicht in der Schule. Das Problem ist ziemlich einfach und dazu braucht es in der Hinsicht auch keine weiteren Studien…”
    Diese triviale Lösung entlastet Lehrkräfte zu 100%, denn das eigene Verhalten muss nicht verändert werden. Schuld haben ja die Eltern und nicht die Akteure im Bildungsbereich.

    • Noch eine Ergänzung zu FElixa 14:19:
      „ABER: ein Großteil der Arbeit ist frustrierend. Mathematik ist ein hochkomplexes Werkzeug. Jedes Werkzeug muss ich zunächst erlernen und das geht nur mit harter und oftmals frustrierender Arbeit. So oder so werden wir nicht alle für die Mathematik begeistern können.“

      M.E kann es keine Begeisterung beim Lernprozess ohne Freiheit (Lernen ohne Angst und Zwang),
      Kreativität (entdeckendes Lernen), Autonomie des Denken (aktives und unterstütztes selbständiges Lernen) und Disziplin geben. Dies gilt auch für das Mathematik-Lernen.
      Ihr Zitat (s.o.) vermittelt den Eindruck, dass ein Großteil der Arbeit im Mathematikunterricht frustrierend sein muss. Dem widerspreche ich.
      In der Tat wird im Zusammenhang mit Selbstregulierung, Kreativität und Authentizität leicht eine unabdingbare Voraussetzung zur Entwicklung mathematischer Begeisterung vergessen:
      das Einüben mathematischer Algorithmen und Denkweisen.
      Wer Mathematik betreiben will, muss auf seine eigenen Rechnungen und sein eigenes Denken vertrauen können und dies erlernt man durch Üben. Das, was für die Schüler in anderen Bereichen,
      wie Sport oder Musik eine Selbstverständlichkeit ist, wird bei dem Versuch Mathematik attraktiv zu gestalten, in der Didaktik in der Tat oft vergessen.
      Unabhängiges und autonomes Denken können Kinder nur dann erlernen, wenn Sie ihren eigenen Berechnungen und Argumenten trauen können. Rechnerische und argumentative Fertigkeiten zu
      lernen, verlangt diszipliniertes Üben. Wenn man das ehrlich ausspricht, ist das m.E. nach meinen Erfahrungen in der Regel kein Problem, da viele Schüler mit der Notwendigkeit des Übens sehr vertraut sind.
      Kinder – und gerade die mathematisch schwächeren – werden eher frustriert, wenn sie begeistert versuchen, eigene Fragen zu beantworten und dann feststellen müssen, dass sie nicht über die
      nötigen Mittel verfügen, sich diesen Fragen sinnvoll zu nähern.
      Problematisch wird es nur dann, wenn Schüler den Eindruck haben, dass das Einüben
      von Algorithmen und Standardargumentationen, das Wesen der mathematischen Beschäftigung ausmacht.
      Hierin könnte die von mir zitierte lebenslange Abneigung von Erwachsenen gegenüber der Mathematik begründet sein.

      • Sie haben dem Mathematikunterricht viele wünschenswerten Eigenschaften zugeordnet.

        Wenn man Grundschüler fragt, welches ihr Lieblingsfach ist, werden von den meisten musische Fächer genannt: Sport, Textiles Gestalten, Kunst, Musik. Auf dem 1. Platz ist Sport, den 2. Platz teilen sich die letzten 3 genannten. Danach folgt Englisch. D, M und Sachkunde werden vereinzelt genannt. Gute Schüler nennen gerne ihr gutes Fach als Lieblingsfach oder als zweitliebstes.
        Wenn ich die Schüler am Ende der Woche frage, was ihnen am besten gefallen hat, sind es meistens etwas außergewöhnliche Inhalte oder Methoden, die motivierend waren. Wenn ich geometrische Themen mache, wo viel ausprobiert wird, dann wird das genannt.
        So viel zu den Grundschülern. In der Grundschule haben wir – vor allem durch die neuen Lehrpläne – einige motivierende Themen bekommen und die didaktische Aufbereitung einiger Übungsthemen hat an Motivationscharakter gewonnen.

        Nach meiner Einschätzung gibt es einfach weniger Menschen, die Spaß finden, abstrakte Algorithmen zu entdecken und zu verstehen. Es gibt aber durchaus Menschen, die richtig Lust haben, mit Zahlen zu jonglieren, die sich zu merken und so ihre Umwelt zu strukturieren. Andere überhaupt nicht. Diese Gegensätze erlebe ich täglich in meiner eigenen Familie. Ich z.B. habe keine Lust, alles auf hohem Niveau in Zahlen zu abstrahieren, mich interessiert eher der sprachliche, philosophische Anteil der Welt. Dazu hatte ich immer mehr Zugang, obwohl mir der Mathematikunterricht Spaß gemacht hatte und ich ihn interessant fand, vor allem, wenn man auf die Lösung einer Aufgabe selbst kam.
        Ich denke, man muss sich damit abfinden, dass man nicht allen die Mathematik schmackhaft machen kann. Es ist nun mal etwas hoch Abstraktes und auf Zahlen und Formeln reduziert. Es sollen die machen, die das lieben und so weit im Niveau gehen wollen. Dafür können sie dann auch die Mathematik als dienende Wissenschaft anderer Naturwissenschaften gebrauchen. Sprache wird in der Mathematik als Hilfe gebraucht, sollte aber nicht überbewertet werden.
        Die andere Richtung ist eben die Ausweitung des Sprachlichen. Hier sind die Philosophen auf dem sprachlichen Abstraktionsniveau.

        Zu den Werten im Mathematikunterricht:
        Für die Grundschule kann ich sagen, dass hier ein aktueller Bezug vorhanden sein muss. Da gelingt der Zugang leichter. Die Mathematik dient in gewissen Bereichen, Dinge besser zu verstehen. Z.B. Statistiken zu interpretieren.
        Aber gesellschaftliche und moralische Werte würde ich im Mathematikunterricht nicht sehen. Mathematik soll letztendlich dazu helfen, den Geist zu abstrahierenden nichtsprachlichen Höchstleistungen zu bringen um dann der Forschung zu dienen.

        Rolle des Lehrers:
        Der Lehrer, der von seinem Fach begesitert ist und es schafft es motivierend zu unterrichten, der nimmt auch mehr Schüler in diesem Fach mit.

    • “Ich werde Ihnen Ihre Skepsis gegenüber empirischer Bildungsforschung wohl kaum nehmen können, will ich auch gar nicht.”

      Ich bin nicht skeptisch. Ich kann sie nur richtig einordnen. Sie sprachen von einer eindeutigen Nachweisbarkeit. Die gibt es nicht. Sie sagen ja selbst:

      “Übrigens: Wie Sie und der von Ihnen zitierten Hattie gehe ich davon aus, dass empirische Forschung prinzipiell keine endgültigen Wahrheiten erzeugen kann. Aber wie Hattie bin ich überzeugt, dass empirische Bildungsforschung eine wichtige Quelle zur Orientierung und Reflexion der Akteure im Bildungsbereich ist. Subjektive Einschätzungen allein helfen hier kaum weiter.”

      Das ist eben ein Unterschied. Es ist eine Orientierung. Eine von vielen. Sie haben jetzt eine Perspektive aufgezeigt. Es gibt keine Untersuchung darüber, inwiefern das den größten Einfluss im Mathematikunterricht hat. Andersherum können Sie hunderte von Studien aufzeigen, die andere Perspektiven des Mathematikunterrichts und dessen Probleme untersuchen. Alle haben durchaus ihre Daseinsberechtigung, mehr auch nicht.

      “Dies setzt allerdings voraus, dass man die empirischen Befunde zur Kenntnis nimmt und auch bereit ist, auf diesem Hintergrund das eigene Tun zu reflektieren. Dies vermisse ich bei Ihnen.”

      Dann haben Sie meinen Kommentar nicht gelesen. Ich habe es doch reflektiert und sehe es nun mal nicht als den großen Faktor an, den Sie aber so darstellen. Sie haben hier eine Studie von 2008. Somit nicht aktuell. In der Zwischenzeit ist nun mal viel passiert. Dann ist diese Studie nicht sonderlich groß angesetzt. 2 Messzeitpunkte mit 155 Lehrkräften und 3482 SuS am Ende der Jahrgänge 9 und 10. Wollen Sie mir also erzählen, dass damit wirklich nachgewiesen wird, dass der Mathematikunterricht im Jahr 2019 mit all seinen Veränderungen, Schulformen, Schulklassen und all seinen neuen Herausforderungen dadurch 1:1 abgebildet wird? Ich denke nicht.

      “Diese triviale Lösung entlastet Lehrkräfte zu 100%, denn das eigene Verhalten muss nicht verändert werden. Schuld haben ja die Eltern und nicht die Akteure im Bildungsbereich.”

      Ich habe folgendes dazu gesagt:

      “Genau das beeinflusst den Mathematikunterricht am meisten.”

      Das ist ein Unterschied. Ich bin der Meinung, dass der Einfluss davon nun mal deutlich größer ist, als der von ihnen genannte. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Erkenntnisse aus ihrer Studie falsch sind oder nicht auftauchen können. Wenn jedoch Schüler im Schulsystem ankommen und schon negativ gegenüber der Mathematik eingestellt sind, kann es wohl nicht die Schuld des Lehrers sein. Es ist auch nichts neues, dass das Elternhaus, egal in welchem Fach, einen erheblichen Einfluss auf die Einstellung der Schüler gegenüber dem Fach und der Schule hat.

      Zudem habe ich eine weitere Einflussgröße genannt. Diese haben Sie sicherlich nicht aufgegriffen, da es nicht zu ihrer Studie aus dem Jahr 2008 passt. Da war dieses Problem nämlich noch gar nicht existent.

      “Man hat in einem künstlichen Verfahren möglichst viele Hürden der Mathematik versucht abzubauen.”

      Dies hat den Mathematikunterricht radikal verändert. Vergleichen Sie einfach das Abi von 2008 mit dem von 2019. Das sieht komplett anders aus. Das ist aber erst in den letzten 5-6 Jahren so richtig aufgetreten und kann somit nicht in ihrer Studie als Faktor erwähnt werden, davon mal abgesehen, dass die Studie nur 2 Jahrgänge untersucht und somit keine allgemeine Aussage über den Mathematikunterricht treffen kann.

      • @ Felixa:
        Nein, Sie haben geschrieben: “Die Haltung zum Mathematikunterricht passiert zu Hause und nicht in der Schule”
        Sie zitieren mich mit: “Sie sprachen von einer eindeutigen Nachweisbarkeit”.
        Ich habe hingegen geschrieben: “Ein Indiz hierfür liefern die Beliefs-Forschungen, die nachweisen können, dass mathematische Weltbilder von Lehrkräften Auswirkungen auf die Mathematikleistungen der Schülerinnen und Schüler haben”.
        Bei den Studien handelt es sich um deskriptive Befunde in vielen Einzelstudien, die ich keineswegs zu allgemeinen endgültigen Wahrheiten erhoben habe. Das ist doch ein gravierender Unterschied aus erkenntnistheoretischer Sicht.
        Auch habe ich nicht behauptet, dass es sich hierbei um den größten Einflussfaktor handelt.

        • Jetzt reden Sie sich raus. Sie haben folgendes als erstes geschrieben:

          “Die oft zu hörende negative Sicht von Erwachsenen bezüglich ihres erlebten Mathematikunterrichts lässt vermuten, dass ihnen Werte vermittelt wurden, die wenig wünschenswert sind, aber sie wurden leider sehr effektiv vermittelt.”

          Darauf folgte ihre obige Aussage. Der Kernpunkt ihrer Aussage war also, dass die Schuldzuweisung beim Lehrer liegen muss. Ich habe jedoch gesagt, dass dies zwar ein Punkt sein könnte, aber gerade in den weiterführenden Schulen schon Kinder ankommen, die von Mathematik frustriert sind. Dazu schrieb ja @ysnp:

          “Wenn man Grundschüler fragt, welches ihr Lieblingsfach ist, werden von den meisten musische Fächer genannt: Sport, Textiles Gestalten, Kunst, Musik. Auf dem 1. Platz ist Sport, den 2. Platz teilen sich die letzten 3 genannten. Danach folgt Englisch. D, M und Sachkunde werden vereinzelt genannt.”

          Das Problem beginnt also schon in der Grundschule. Wer ist da dann Schuld? Die Lehrkraft mit ihrer Wertevermittlung oder die Eltern mit ihrer Wertevermittlung?

          Die Erkenntnisse von Mathematiklehrkräften sind eigentlich immer gleich. Das hat @ysnp auch wieder wunderbar zusammengefasst:

          “Nach meiner Einschätzung gibt es einfach weniger Menschen, die Spaß finden, abstrakte Algorithmen zu entdecken und zu verstehen. […] Ich denke, man muss sich damit abfinden, dass man nicht allen die Mathematik schmackhaft machen kann.”

          Wenn ihre Studie richtig läge, hätte Sie damit doch den Schlüssel zu einem erfolgreichen Mathematiunterricht gefunden. Wir passen die Wertevermittlung im Unterricht an und schon haben wir nur noch begeisterte und leistungsstarke Schüler im Mathematikunterricht.

          Ich glaube bei der Studie ist folgendes entscheidend: Ich kann als Lehrkraft eine negative Steuerung erzielen. Sprich: die schon ohnehin negative Haltung zum Mathematikunterricht kann ich als Lehrkraft weiter verstärken. ABER: Die Ursache für eine negative Haltung zum Mathematikunterricht, verursacht durch die Lehrkraft, kann durch ihre Studie nicht begründet werden. Die Studie untersucht eben nur Jahrgang 9 und 10. Entstehen erst da diese Haltungen? Was ist zuvor passiert? Das untersucht diese Studie gar nicht.

          “Ihr Zitat (s.o.) vermittelt den Eindruck, dass ein Großteil der Arbeit im Mathematikunterricht frustrierend sein muss. Dem widerspreche ich.”

          Überhaupt nicht. Darauf zielt die Schulmathematik nicht ab. Der Unterricht zielt darauf ab Schülern Schemata und Verfahren beizubringen. Da steckt wenig Frustrationspotential drin. Schüler arbeiten heute in Mathe sehr frei, dürfen selbst entdecken und ausprobieren, sie dürfen Fehler machen, usw. Sie müssen im Abitur kaum noch rechnen, sondern müssen einfach den Taschenrechner bedienen können. Dennoch hilft das alles nichts. Schüler mit einer negativen Haltung zu Mathe, sind weiterhin negativ dazu eingestellt.

          Ich sehe mich als Lehrkraft in meinen Handlungen immer sehr kritisch. Ich finde es gut, wenn man auch die Lehrkraft in Frage stellt. Jedoch sollte man die Abneigung zur Mathematik nicht auf die Lehrer abwälzen. Das ist ein gesellschaftliches Problem und kein Problem von Lehrkräften.

  8. An alle, die Französisch können: In Frankreich gibt es eine hochoffizielle Kommission, die Vorschläge zur Reform des als unzureichend empfundenen Mathematikunterrichts gemacht hat. Der Bericht ist im Internet unter “21 mesures pour l’enseignement” zu finden. Die erste Zwischenüberschrift nach “Introduction” lautet “Des resultats catastrophiques”.
    NB: Frankreich hat eine obligatorische Ganztagsschule und eine obligatorische Gemeinschaftsschule, also wird deren Einführung in Deutschland wohl nichts bewirken.

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