Neuer Studiengang: In Pilsen kann man jetzt „Bayeristik“ studieren

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PILSEN. Manchmal verstehen Tschechen ihre bayerischen Nachbarn einfach nicht. Mal ist der Dialekt schuld, mal die andere Wirtschaftskultur. Ein neuer Studiengang verspricht Abhilfe.

Ein neuer Master-Studiengang bringt tschechischen Studierenden das Bundesland Bayern näher. An der Westböhmischen Universität in Pilsen (Plzen) haben die Aufnahmeprüfungen dafür begonnen. Die Bewerber seien sehr motiviert und zielorientiert, teilte Projektleiterin Andrea Königsmarkova mit. Das neue Fach «Interdisziplinäre Bayern-Studien» mit zunächst 20 Studienplätzen beginnt zum Wintersemester Ende September in Kooperation mit der Universität Regensburg.

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«Interdisziplinäre Bayern-Studien» sollen helfen, die Bayern zu verstehen. Foto: Alexander Rolgeiser/ Pixabay (P. L.)

Gute Deutschkenntnisse müssen die Bewerber mitbringen, um dann in die Feinheiten der bayerischen und fränkischen Dialekte einzutauchen. An den tschechischen Schulen wird Standarddeutsch unterrichtet. Mit dem Einstieg ins Berufsleben, zum Beispiel in der Tourismusbranche, führt das oft zu Kommunikationsproblemen. «Man kann von den Kunden nicht verlangen, dass sie den Code wechseln und vollständig Hochdeutsch sprechen», sagt Königsmarkova.

Der Studiengang solle einen Beitrag dazu leisten, «die Bayern zu verstehen, weil das unsere Nachbarn sind». Auf dem Programm stehen auch Geschichte und Geografie, Wirtschaftsdeutsch und Marketing. Die Lehrenden wollen dabei auch ein wenig mit Klischees aufräumen. Viele Tschechen würden bei Bayern in erster Linie an Schloss Neuschwanstein, Lederhosen, BMW und Bier denken, sagt Königsmarkova – immer verbunden mit der Vorstellung, dass das böhmische Bier besser sei.

Ein Aufenthalt an einer Sommerschule oder ein Auslandssemester in Bayern sind fester Teil des praxisorientierten Studiengangs. Für die Studierenden in der Region ist das neue Angebot eine Bereicherung, denn bisher wurde ein Germanistik-Masterstudiengang in Pilsen nur an der pädagogischen Fakultät angeboten. Wer nicht Lehrer werden wollte, musste nach Prag oder Brünn (Brno) gehen. «Und dann kamen die meisten nie wieder zurück», berichtet Königsmarkova.

Für Tschechien ist Bayern der wichtigste Handelspartner unter allen deutschen Bundesländern mit einem Anteil von 23,6 Prozent, gefolgt von Baden-Württemberg mit 15,1 Prozent. Umgekehrt ist Tschechien für Bayern der Handelspartner Nummer eins in Mittel-, Ost-, und Südeuropa.

Dennoch kämpfen Firmen in Tschechien damit, Mitarbeiter mit Deutschkenntnissen zu finden. Deutschland und Österreich fördern mit der Kampagne «Sprechtime» seit einiger Zeit den Deutschunterricht an tschechischen Schulen. Dessen Teilnehmerzahl war zuvor jahrelang rückläufig gewesen. Die meistunterrichtete Fremdsprache ist Englisch. (dpa)

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