Unterschätzte Krankheit: Mehr als zwei Drittel aller Schulkinder leiden regelmäßig an Kopfschmerzen

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DRESDEN. Regelmäßige Kopfschmerzen gehören für die meisten Schüler offenbar zum normalen Leben dazu. Diesen alarmierenden Schluss legt ein Untersuchung von Wissenschaftlern der TU Dresden nah. Nur knapp 32 Prozent der befragten Schüler gaben an, gar nicht unter Kopfschmerzen zu leiden. Einen Arzt suchten allerdings nur die wenigsten auf.

Unter deutschen Kindern und Jugendlichen sind Kopfschmerzen offenbar der Normalfall. Ein Befragung von Wissenschaftlern der TU Dresden unter rund 5400 Jugendlichen ergab, dass mehr als zwei Drittel regelmäßig Kopfschmerzen haben. Bei den Oberschülern lag der Anteil sogar bei fast 80%. Damit stellen Kopfschmerzen bereits im Kindes- und Jugendalter ein relevantes Gesundheitsproblem dar, das rechtzeitig und individuell von einem Arzt behandelt werden sollte, stellt dazu die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) fest. Einen Arzt suchten jedoch nur die wenigsten Betroffenen auf, was zeige, dass Kopfschmerzen in unserer Gesellschaft nicht als „echte“ Krankheit wahrgenommen würden.

Kopfschmerzen sind offenbar so normal, dass sie kaum als Krankheit wahrgenommen werden. Foto: RobinHiggins / Pixabay (P. L.)

Befragt wurden zwischen März 2015 und März 2016 insgesamt 5.419 Schüler, die in Dresden eine Grund- oder weiterführende Schule besuchten. Von ihnen beantworteten 2.706 den Fragebogen. Erhoben wurde, wie oft bei ihnen in den vergangenen drei Monaten Kopfschmerzen auftraten, in welcher Stärke und welche Maßnahmen ergriffen wurden.

Nur knapp 32 Prozent der Befragten gaben an, gar nicht unter Kopfschmerzen zu leiden, fast 37 Prozent hatten einmal pro Monat Kopfschmerzen, fast 32 Prozent sogar mehr als zweimal im Monat. Von diesen wiederum hatte mehr als die Hälfte (55Prozen) an zwei bis fünf Tagen pro Monat Kopfschmerzen, 27 Prozent an fünf bis zehn Tagen. Sieben Prozent der Befragten aus dieser Gruppe, gab sogar mehr als 15 Kopfschmerztage zu Protokoll.

Auffällig war besonders, so die Wissenschaftler, dass die Kopfschmerzhäufigkeit mit der Schulform variierte: In Grundschulen hatten fast 64 Prozent der Schüler regelmäßig Kopfschmerzen, in den Gymnasien fast 68 Prozent und in den ürigen weiterführenden Regelschulen nahezu 80 Prozent. Mädchen waren insgesamt häufiger betroffen als Jungen.

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Insgesamt gaben 624 Kinder und Jugendliche an, Schmerzmedikamente oder homöopathische Mittel gegen Schmerzen einzunehmen. Bei akuten Kopfschmerzattacken waren die am häufigsten verwendeten Mittel Ibuprofen (49 Prozent) und Paracetamol (32 Prozent). In der Gruppe, die nur einmal im Monat unter Kopfschmerzen litt, nahm knapp ein Fünftel Schmerzmittel ein. Von denjenigen die häufiger von Kopfschmerzen gequält wurden, nahmen auch mehr regelmäßig Schmerzmittel ein, nämlich fast die Hälfte. Nahezu alle Kinder, die nur einmal im Monat Kopfschmerzen aufwiesen, und auch etwa 80 Prozent derjenigen, die mehr als zweimal im Monat Kopfschmerzen hatten, hatten keinen Arzt aufgesucht.

Studienautorin Gudrun Goßrau Leiterin der Kopfschmerzambulanz am Interdisziplinären Universitätsschmerzcentrum Dresden, sieht in der mangelnden Bereitschaft, sich ärztlich behandeln zu lassen, den Ausdruck eines fehlenden Bewusstseins für Kopfschmerzen als ernstzunehmende Krankheit in unserer Gesellschaft. „Doch Kopfschmerzen sind bereits in Kindheit und Jugend ein relevantes Gesundheitsproblem. Wie unsere Erhebung gezeigt hat, sind bei jungen ebenso wie bei älteren Menschen Lebensqualität und Leistungsfähigkeit stark beeinträchtigt.“ Beispielsweise zeigte die Studie auch, dass über ein Fünftel aller Kinder und Jugendlichen, die mehr als zweimal im Monat Kopfschmerzen hatten, wegen Kopfschmerzen häufiger in der Schule fehlen. „Oft führen Kopfschmerzen dann in einen Teufelskreis. Schulfehltage können zu Leistungsabfall, Schulversagen, Schulangst führen, viele betroffene Kinder isolieren sich sozial, auch die Gefahr einer Depression ist erhöht.“ Umso wichtiger seien eine rechtzeitige ärztliche Diagnose und individuelle Therapie dieser Kinder und Jugendlichen.

Die hohe Kopfschmerzrate bei Schülern, die diese Studie zeigte, ebenso wie der Anstieg der Kopfschmerzprävalenz bei jungen Menschen, der in vielen anderen epidemiologischen Studien beobachtet wurde, würfen zudem gesellschaftliche Fragen auf. Für die Essener Kinder und Jugenmedizinierin Ulrike Schara, etwa, weist der Anstieg der Kopfschmerzrate bei Kindern in den letzten Jahren darauf hin, dass eher keine genetischen Faktoren verantwortlich zu machen sind. Vielmehr dürften Lebensstilfaktoren eine wesentliche Rolle spielen. „Neben Alkohol, Koffein, Rauchen und Bewegungsarmut gelten vor allen Schulstress und emotionaler Stress (z.B. durch Familienkonflikte) als häufige Kopfschmerzursachen. An diesen Punkten muss eine gesamtgesellschaftliche Präventionsstrategie ansetzen.“

Prof. Hans-Christoph Diener von der DGN, sieht auch die Pharmaindustie in der Verantwortung. „Die Werbung der Schmerzmittelhersteller suggeriert, dass jeder seine Kopfschmerzen selbst therapieren kann und man keine Diagnose vom Arzt benötigt. Das ist sicher falsch, eine Migräne wird anders behandelt als ein Clusterkopfschmerz.“ Auch warnt er vor einer unbedachten Schmerzmitteleinnahme, da Kopfschmerzmedikamente, wenn sie häufig eingenommen werden, ihrerseits Kopfschmerzen verursachen und verstärken können. „Im Kindesalter wird oft schon der Grundstein für eine laxe Haltung gegenüber Schmerzmitteln gelegt, die dann in späteren Lebensphasen zum Schmerzmittelübergebrauch führen kann.“ (zab, pm)

Ärzte: Drei von vier Jugendlichen leiden unter Kopfschmerzen

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2 KOMMENTARE

  1. Da sollte dann auch untersucht werden wie viele davon Kopfschmerzen haben, weil der Kopf ständig gesenkt gehalten wird mit Blick aufs Smartphone.
    Wäre sicher interessant.

  2. Einmal oder zweimal pro Monat im Schnitt halte ich für nicht ungewöhnlich. Bei Infekten kann man Kopfschmerzen bekommen, ungelenke Bewegungen in Sport und Spiel können auch kurze Nacken- und Kopfschmerzen verursachen, nicht ausreichende Bewegung während des Tages auch. Zumindest ist das meine Beobachtung in der Grundschule. Ich habe einen Schüler, der fast permanent unter Kopfschmerzen leidet und sich deshalb schlecht konzentrieren kann.

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