Schüler spielen antisemitische Lieder ab – nach Besuch der Gedenkstätte Buchenwald

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GRÜNBERG. Weil auf der Rückfahrt von einem Besuch im ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald antisemitische Lieder abgespielt und mitgegröhlt wurden, hat die Schulleitung der Theo-Koch-Schule im hessischen Grünberg Anzeige gegen drei Schüler erstattet. Es werde wegen des Verdachts der Volksverhetzung gegen die 14-Jährigen ermittelt, sagte ein Polizeisprecher in Gießen. Die Schüler hatten den Angaben zufolge auf dem Rückweg von dem Schulausflug zur Gedenkstätte Buchenwald in Thüringen die Lieder im Bus abgespielt. Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) zeigt sich alarmiert.

Zynischer Spruch am Eingang des Konzentrationslagers Buchenwald. Foto: Motorfix / Wikipedia Commons (CC BY-SA 3.0)
Zynischer Spruch am Eingang des Konzentrationslagers Buchenwald. Foto: Motorfix / Wikipedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Der Vorfall ereignete sich laut hessenschau.de bereits am 15. Oktober. Demnach sollen die drei Schüler die Lieder auf ihrem Smartphone abgespielt und mitgesungen haben. Inwieweit die Jugendlichen zusätzlich von der Schule selbst bestraft werden, ist unklar.

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Der Kreis Gießen stellte sich in einer Mitteilung an die Seite der Schulleitung. Da es um den Verdacht der Volksverhetzung gehe, sei die richtige Konsequenz gewählt worden, sagten Landrätin Anita Schneider (SPD) und Schuldezernentin Christiane Schmahl laut Mitteilung vom Freitag. Vorkommnisse mit solch strafrechtlicher Relevanz müssten bei der Polizei zur Anzeige gebracht werden. Die Polizei hatte die Ermittlungen am vergangenen Dienstag aufgenommen. Am Montag gab es zunächst keine weiteren Erkenntnisse in dem Fall, sagte der Sprecher.

Schule wurde bereits mehrfach für ihre Extremismus-Prävention ausgezeichnet

Den Angaben des Landkreises zufolge wurde die Theo-Koch-Schule bereits mehrfach für ihre Arbeit in der Extremismus-Prävention ausgezeichnet. In den neunten Klassen werde seit Jahren ein viermonatiges Projekt zur Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus durchgeführt. Der aktuelle Vorfall verdeutliche die Wichtigkeit von Initiativen gegen Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung und Gewalt in allen Bereichen der Gesellschaft, erklärte die Landrätin.

Hessens Kultusminister Alexander Lorz nahm den Fall zum Anlass, um ein intensiveres Engagement um Werte- und Demokratie­erziehung an Schulen in Aussicht zu stellen. „Der Fall zeigt, dass wir in unserem Engagement um Werte- und Demokratieerziehung und dezidiert auch bei der Antisemitismusprävention nicht nachlassen dürfen, sondern es vielmehr weiter intensivieren müssen”, erklärte er. “Hetzerische Lieder und Beleidigungen sind kein Kavaliersdelikt. Den Jugendlichen muss deutlich vor Augen geführt werden, dass wir so etwas in unserem Land nicht dulden. Ich danke der Schulleitung, dass sie schnell auf den Fall reagiert und ihn zur Anzeige gebracht hat.“ News4teachers / mit Material der dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

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2 KOMMENTARE

  1. Der Besuch von Gedenkstätten gegen den Faschismus war auch in der DDR eine Pflichtveranstaltung. Das wurde dann nach der Wende sehr oft als “verordneter Antifaschismus” schlechtgeredet, bevor man jetzt wieder auf die gleiche Idee gekommen ist, um etwas gegen rechtsextremes Gedankengut zu tun.

    Ob das wirklich hilft? Vor allem dürfte es nicht ausreichen!

  2. 14-Jährige machen auch in anderen Fällen bescheuerte Sachen. Aber man müsste mehr wissen, z.B. über Herkunft und sonstiges Verhalten der Schüler, um wirklich etwas daraus schließen zu können.

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