Im Teufelskreis: Der Lehrermangel sorgt für Überlastung der Lehrerschaft – der Krankenstand steigt, wodurch noch mehr Lehrer fehlen

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POTSDAM. Der Lehrermangel wächst sich aus. Mit dramatischen Folgen. Beispiel Brandenburg: Die Lehrschaft im Land gilt als überaltert. Der Krankenstand liegt auf Rekordniveau. Weil dadurch die im Dienst verbleibenden Lehrkräfte noch stärker belastet werden, drohen weitere Ausfälle – ein Teufelskreis. Die Belastung der Pädagogen müsse eingedämmt werden, fordern Lehrergewerkschaften. Aber wie soll das gehen, wenn gar nicht genug Lehrer auf dem Arbeitsmarkt verfügbar sind?

Wo, bitteschön, geht’s heraus aus dem Teufelskreis? Foto: Shutterstock

An Brandenburgs Schulen haben die Fehlstunden durch Krankschreibungen von Lehrern im vergangenen Jahr den höchsten Stand seit zehn Jahren erreicht. Das geht aus einer Statistik hervor, die das Bildungsministerium in Potsdam auf eine Anfrage aus der AfD-Landtagsfraktion hin veröffentlichte. Danach betrugen die Fehlstunden, die bis auf einen kleinen Teil nach Angaben des Bildungsministeriums durch andere Pädagogen oder Seiteneinsteiger ausgeglichen wurden, im Schuljahr 2018/2019 im Schnitt sieben Prozent des gesamten Stundensolls, rund 1,5 Prozentpunkte mehr als vor zehn Jahren.

Unterrichtsausfall ist programmiert

In dieser Zahl sind die Ausfälle, die nicht durch Krankheit verursacht wurden, noch nicht enthalten. Einschließlich der Ausfälle durch Mutterschutz oder individuelle Beschäftigungsverbote liegt die Zahl nach Informationen von Lehrerverbänden bei über acht Prozent.

Werden weitere Fehlstunden hinzugerechnet, die etwa auf die Lehrer-Weiterbildung entfallen, ergibt sich ein Vertretungsbedarf von mehr als elf Prozent. Das zeigt: Die sogenannte Vertretungsreserve von drei Prozent, die die Schulämter vorhalten müssen, reicht nicht einmal, um die reinen Krankheitsfälle auszugleichen. Bisher haben die Lehrerverbände vergeblich eine Erhöhung dieser Personalreserve auf mindestens acht Prozent gefordert.

Wesentliche Ursachen des hohen Krankenstands sieht der Brandenburgische Pädagogen-Verband (BPV) in der Überalterung der Lehrerschaft sowie ihrer Überforderung. Vorwiegend aus Altersgründen schieden im vergangenen Schuljahr laut Bildungsministerium 991 unbefristet beschäftigte Lehrer und sonstiges pädagogisches Personal aus dem Schuldienst aus. Ein Jahr zuvor waren es 806 Beschäftigte, zwei Jahre zuvor 664.

Immer mehr Seiteneinsteiger in den Lehrerberuf müssen die Lücken füllen

Da in der Vergangenheit zu wenige Nachwuchslehrer wegen fehlender Studienangebote in Brandenburg ausgebildet wurden, müssen immer mehr sogenannte Seiteneinsteiger ohne Lehramtsstudium die Lücken füllen. Ende September dieses Jahres waren laut Ministerium bereits 14 Prozent aller Lehrkräfte an den Grundschulen Seiteneinsteiger.

Zwar hat die Landesregierung nach eigener Darstellung in den vergangenen Jahren einiges auf den Weg gebracht, um die Lehrer zu entlasten. Wie es in der Antwort des Ministeriums heißt, gehören dazu die Einstellung von Pädagogen als Beamte, eine höhere Besoldung, die Verringerung der wöchentlichen Pflichtstunden um eine Stunde, eine bessere arbeitsmedizinische Betreuung. Dennoch haben die durch Krankheit verursachten Fehlstunden zugenommen.

Die Lehrergewerkschaften fordern wirksamere Schritte, um die Belastung der Pädagogen zu verringern. Der BPV legte im Mai 2018 ein Konzept mit dem Titel «Bildungsqualität durch Fachkräfte stärken» vor, um Lehrer zu entlasten. «Getan hat sich seither nicht viel», sagte BPV-Präsident Hartmut Stäker. Er verweist auf andere Länder, wo die Zahl der Pflichtstunden bereits für Lehrer ab 55 Jahren verringert wird – in Brandenburg erst mit 60 Jahren.

CDU-Fraktionschef Jan Redmann sagt: «Wir brauchen dringend neue Lehrer in Brandenburg.» Die rot-schwarz-grüne Koalition vereinbarte, den Bedarf an Lehrern sicherzustellen. Sie plant außerdem, kleinere Schulen vor allem auf dem Land vor der Schließung zu bewahren. Die Schließung von Schulstandorten solle ausgesetzt bleiben, bis es geeignete Lösungen zur Sicherung des Fortbestands gebe, heißt es in einem Antrag für die Sitzung des Landtags in der kommenden Woche.

Linken-Fraktionschefin Kathrin Dannenberg hält das allerdings für zu kurz gesprungen. Nötig sei ein Aktionsplan für guten Unterricht in allen Regionen. Sie strebt auch an, dass künftig wieder Richter und Staatsanwälte an Brandenburger Schulen Rechtskenntnisse vermitteln – freiwillig während der Dienstzeit. Das gab es schon einmal, war aber wegen der – noch immer bestehenden – engen Personalsituation zum Erliegen gekommen. dpa

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Lehrerverbände sehen im Lehrermangel eine Ursache für das PISA-Debakel

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5 KOMMENTARE

  1. Tjoaa, man wollte einfach alles haben, und dafür kein Geld bezahlen, jetzt müssen wir die Suppe auslöffeln. Ebenso hätte es vor 10 Jahren auch helfen können, wenn man es nicht zugelassen hatte, dass der Job permanent schlecht gemacht und Lehrer als Buhmänner hingestellt worden wären.
    Ganztag/Inklusion und viele weitere Dinge sind dafür Beispiele. Viele kleine aktuelle Beispiele zeigen allerdings, dass die Politiker und Komunen nichts aus den Fehlern gelernt haben, und man wohl erwarten kann, dass es auch in 10 Jahren nicht besser werden wird.

    Ich sage übrigens ganz offen, dass ich meinen Job wirklich liebe, aber diese massive häufige Überlastung, kann ich mir kaum vorstellen, wie man das mit 67 Jahren später schaffen könnte. Ich arbeite deutlich mehr als andere Beamte mit ihren 41 Wochenstunden, habe aber kaum berufliche finanzielle Mittel, Aussstattung und auch kaum rechtliche Möglichkten. Unterrichten wie vor 30 Jahren mit den Schülern und den Ansprüchen von heute.

    • Wie Recht Sie haben. Der letzte Satz ist dreimal zu unterstreichen. Besonders für die GSen fehlt das Geld. Das Einzige, das ich an Ausstattung habe, ist ein OHP, der vermutlich älter ist, als meine Dienstzeit. Aber ohne Wagen, steht auf einem Tisch…, den muss ich verschieben. Dagegen sind die weiterführenden Schulen und auch die Sonderschulen, die ich kenne, hervorragend ausgestattet. In BY auch die Grundschulen, die haben dafür Geld. Kein Wunder, dass sie immer so gut bei Pisa abschneiden. Aber es fehlte ja lange auch das Geld, ausreichend Studienplätze für angehende GS-Lehrerinnen bereit zu stellen. Vielleicht schien es nicht wichtig genug. Die Quittung ist da und wird weitere Auswirkungen haben.

      • Es kommt immer auf die Gemeinde als Sachaufwandsträger an, wie gut sie ihre Grund- und Hauptschulen ausstattet. In Bayern gibt es ebenso schlecht und gut ausgestattete Grundschulen. Kleine Grundschulen werden oft vernachlässigt.

  2. Bei uns führt der Lehrermangel dazu, dass den Kolleginnen die sogenannte „voraussetzungslose Teilzeit“ ( also die ohne Kinder unter 18 oder pflegebedürftige Angehörige) nicht mehr genehmigt wird. Bedeutet: Statt einer gesunden Kollegin mit z.B. 20 Stunden haben wir dann eine Kollegin, die kurzzeitig 28 Stunden unterrichtet, aber nach wenigen Wochen vorhersehbar krank ausfällt. Super Idee! Wer darf dann wohl ihre Aufgaben auch noch übernehmen??? Kein Wunder, dass der allgemeine Krankenstand immer mehr ansteigt…

  3. @ Marie: Genauso bei uns. Wenn man mit Ende 50 oder älter Vollzeit arbeiten muss, bleibt man halt zu Hause, wenn man nicht ganz fit ist. Sonst schafft man es nicht. Während man sich 30 Jahre lang vorher in Teilzeit doch immer wieder krank hingeschleppt hat, nach dem Motto: Die 4 Stunden heute Vormittag schaffe ich schon.

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