Lehrermangel: Piazolo ordnet Mehrarbeit für Grundschullehrer an – BLLV und GEW kündigen „massiven Widerstand“ an

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MÜNCHEN. Bayerns Kultusminister Piazolo will den Lehrermangel an Grund-, Mittel- und Förderschulen abpuffern. Er setzt dafür auf Freiwilligkeit – aber auch auf Zwangsmaßnahmen. Bei den betroffenen Lehrern macht er sich damit nicht beliebt.

Setzt auf harte Maßnahmen – statt auf A13: Bayerns Bildungsministerer Michael Piazolo. Foto: Andreas Gebert / StMUK

Der Zoff ist programmiert: Viele Grundschullehrer müssen nach dem Willen von Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) ab dem kommenden Schuljahr mehr arbeiten. Außerdem dürfen sie ebenso wie ihre Kollegen aus den Real- und Förderschulen künftig nur noch in Ausnahmefällen vor dem 66. Lebensjahr in Rente gehen. Bei Teilzeitverträgen steigt die Mindeststundenzahl, und Sabbatjahre werden abgeschafft. So soll der erwartete Lehrermangel abgefangen werden.

Der größte bayerische Lehrerverband BLLV reagierte am Dienstag umgehend: Man lehne die Pläne strikt ab, die Maßnahmen seien kontraproduktiv und demotivierend – und der BLLV werde «massiven Widerstand» leisten (siehe Statement unten). Die GEW zeigt sich gleichermaßen empört. Auch von der Landtags-SPD hagelt es Kritik.

Im nächsten Schuljahr werden 1.400 Lehrerstellen unbesetzt bleiben

Nach Berechnungen des Kultusministeriums wird im nächsten Schuljahr der Umfang von etwa 1400 Vollzeitstellen nicht zu besetzen sein. Um diese Lücke von circa einem Prozent des Bedarfs abzufangen, sollen Grundschullehrer, die jünger als 58 Jahre sind, nach Altersgruppen gestaffelt im Rahmen eines Arbeitszeitkontos vorübergehend 29 statt 28 Unterrichtsstunden pro Woche halten müssen. In einer «Rückgabephase» werde dies durch eine Verringerung der Unterrichtspflichtzeit im selben Umfang ausgeglichen, betonte Piazolo. Diese Phase werde voraussichtlich in fünf Jahren beginnen.

Zudem dürfen Förderschullehrer im Rahmen einer Antragsteilzeit höchstens noch auf 23, Grund- und Mittelschullehrer auf 24 Wochenstunden reduzieren. Ein vorzeitiger Ruhestand wird künftig in der Regel erst ab 66 Jahren möglich sein. Längere Auszeiten («Sabbaticals») werden nicht mehr genehmigt. Im Gegenzug sollen die Lehrkräfte unter anderem von Verwaltungsaufgaben entlastet werden.

Jeder Lehrer soll „im Rahmen der Solidargemeinschaft“ etwas geben

Piazolo setzt darüber hinaus auf die freiwillige Bereitschaft, vorzeitig aus Beurlaubungen zurückzukehren, den Ruhestand hinauszuschieben oder den Umfang der Teilzeit aufzustocken. «Jede Stunde zählt, jeder Kopf zählt», sagte der Minister. Jeder Lehrer möge sich deshalb überlegen, «ob er nicht hier im Rahmen der Solidargemeinschaft was tun kann».

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Bayern sieht durch die angekündigten Maßnahmen „eine rote Linie überschritten“, wie es in einer Pressemitteilung heißt. „Die jetzige hoch problematische Personalsituation ist durch eine desaströse Bildungspolitik entstanden. Die Kolleginnen und Kollegen an den Schulen sollen dafür die Rechnung zahlen – durch Arbeitszeiterhöhung und weitere Arbeitsbelastung. Die schon jetzt grenzwertigen Belastungen der Kolleginnen und Kollegen werden dadurch ins Unerträgliche gesteigert, was einen erhöhten Krankenstand und dadurch weitere Ausfälle zur Folge haben wird.“

Dies sei von Piazolo „am Personalrat vorbei“ öffentlich angekündigt worden, beklagt Johannes Schiller, Mitglied des Hauptpersonalrats beim Kultusministerium – und hält das für  „besonders skandalös“. Die GEW werde die angekündigten Maßnahmen nicht hinnehmen. Die Gewerkschaft kündigt wie der BLLV „massiven Widerstand“ an.

Die bildungspolitische Sprecherin der SPD im Landtag, Simone Strohmayr, bezeichnete die Maßnahmen als völlig verfehlt und demotivierend. Sie forderte ebenfalls eine bessere Bezahlung und Aufwertung des Berufs statt Mehrbelastung. dpa

Im Wortlaut: Das Statement des BLLV

MÜNCHEN. „Seit Jahren weisen wir immer wieder auf die personelle Unterversorgung an den Schulen hin und haben auch viele Vorschläge zur Bekämpfung gemacht – dass nun die Lehrkräfte dafür büßen sollen, akzeptieren wir nicht“, erklärt BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann. Sie wirft dem Kultusministerium massive Versäumnisse vor, für die nun die Lehrkräfte gerade stehen sollen.

„Unerträglich“: Simone Fleischmann, Präsidentin des BLLV, ist empört. Foto: BLLV

Geplante Maßnahmen wie verpflichtende Arbeitszeitkonten für Grundschullehrkräfte, Einschränkungen bei den Beurlaubungs- und Teilzeitmöglichkeiten, Erhöhung der Unterrichtsbelastung oder die Anhebung der Altersgrenze für den Antragsruhestand seien ausschließlich Maßnahmen, die die Belastungen der Lehrkräfte weiter erhöhen würden, so Fleischmann. „Davor kann ich nur warnen.“ Sie kündigt massiven Widerstand des BLLV an.

Es sei unerträglich, dass es ausgerechnet die Kolleginnen und Kollegen an den Grund- und Mittelschule treffe. „Sie haben bereits jetzt schon die höchste Unterrichtsverpflichtung und werden dafür auch noch schlechter bezahlt als andere Lehrkräfte“, moniert Fleischmann.

„Anstatt in der derzeitigen Notsituation diejenigen noch weiter zu belasten, die das System am Laufen halten, sollte vielmehr kritisch hinterfragt werden, ob es sinnvoll und unbedingt notwendig sei, ständig neue Aufgaben an die Schulen zu delegieren, wie beispielsweise die Digitalisierungsoffensive, das neue Pflichtfach Informatik, die Implementierung weiterer Alltagskompetenzen oder die Externen Evaluation. „Um nicht falsch verstanden zu werden: Diese Themen sind natürlich wichtig, doch sie kosten Ressourcen und die gibt es gerade nicht.“ Bevor man sich für Küraufgaben einsetze, müssten erst einmal die Pflichtaufgaben erledigt werden. „Und davon sind wir in Bayern an den Grund- Mittel- und Förderschulen gerade meilenweit entfernt.“

BLLV: A13 für alle Lehrer – auch an Grund- und Mittelschulen

Erneut forderte Fleischmann, die Attraktivität der betroffenen Lehrämter zu steigern. „Lehrkräfte an Grund- und Mittelschulen müssen endlich in der Besoldung den anderen Schularten angeglichen werden.“ Es sei nicht mehr vermittelbar, dass Lehrkräfte an Grund- und Mittelschulen weniger verdienen als die Lehrkräfte an allen anderen Schularten. Andere Bundesländer seien hier schon weiter und hätten diese Ungleichheit abgeschafft. Bayern gerate hier ins Hintertreffen. Ferner gelte es, die Lehrerbildung flexibler zu gestalten. „Hier muss endlich begonnen und der sogenannte Schweinezyklus durchbrochen werden.“

Die nun auf dem Tisch liegenden Maßnahmen des Kultusministeriums konterkarierten stattdessen alle Bemühungen, die Attraktivität des Grund-, Mittel- und Förderschullehramtes zu steigern. Fleischmann: „Die ohnehin schon an der Belastungsgrenze arbeiteten Lehrkräfte werden ein weiteres Mal demotiviert, der Mangel an Lehrkräften wird darüber hinaus nur an den Symptomen und nicht an seinen Ursachen bekämpft.“ News4teachers

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GEW: Piazolo “vertuscht” wahres Ausmaß des Lehrermangels

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21 KOMMENTARE

  1. Nur weiter so! Das Durchschnittsalter, in dem die Leute krankheitsbedingt ausscheiden, sinkt seit Jahren. Vorzeitige Rente braucht man dann nicht mehr, da eh ein Großteil der Lehrer vorzeitig kaputt ist. Den Lehrermangel behebt man dadurch nicht, im Gegenteil, denn es kommen weniger Junge nach als Alte gehen.
    Aber vorausschauendes Agieren war ja noch nie das Aushängeschild der Politik, sonst wäre die Situation heute eine Andere!

  2. Super Maßnahme, wenn man sich überlegt, wie viele Lehrer überhaupt nur Teilzeit arbeiten, um sich selbst zu entlasten!

    Wirklich super Maßnahme, der Schuss könnte nach hinten losgehen.

  3. Da ist ja wieder eine richtig schlaue Idee. Das wird die heutigen Abiturienten sicherlich dazu motivieren, sich gegen das überlaufene Gymnasium und für Grund- oder Haupt/Mittelschule zu entscheiden. Wie wäre es stattdessen mit besserer Besoldung, um dem Lehrermangel zu begegnen? Oder ein Werbeschreiben des Kultusministeriums, um mit Zusatzzahlungen für flexible Erhöhung der Stundenzahl zu werben, vielleicht sogar über die üblichen 28 hinaus.
    Aber immer ohne Zwang, sonst leiden die Schüler unter dem (zurecht vorhandenen) Unmut der Lehrer!

  4. Großartige Maßnahmen! Das wird sicher einen Run auf die Studienplätze für Lehramt auslösen und die Motivation der Kollegen ins Unermessliche steigern.

  5. Sabbatjahre werden abgeschafft…geht das einfach so? 1 Stunde mehr? Am Schreibtisch sitzend kann man das für andere leicht anordnen. Viele schaffen es nicht, Vollzeit zu arbeiten, gehen deshalb in Teilzeit und haben Gehalts – und Pensionseinbußen. Die jetzt schon wenigen Vollzeitkräfte sollen NOCH mehr arbeiten?

  6. Diese Politiklappen sollten mal den Hintern vom polierten Sessel hochbekommen und ein mehrmonatiges Praktikum in der Grundschule absolvieren. Wie ich das liebe…: Politik bis zum geht nicht mehr studiert haben und dann meinen anderen Weisungen zu geben, die fern der Realität sind!

    Dieser Mann hat nicht im geringsten Ahnung von den Zuständen in den Grundschulen. Zu 29 Stunden Unterricht kommen noch Konferenzen, Zeugnisse, Sprechtage und Sprechzeiten sowie häusliche Schreibtischarbeit hinzu u.s.w. Rechnet man das auf den Stundenlohn um wird klar warum keiner mehr Lehrer werden will. Gute Werbung sieht anders aus!

  7. Bei aller berechtigtern Kritik an dem Maßnahmenpaket von Piazolo: Mir erscheint auf jeden Fall der bayerische Weg eines vorübergehenden Arbeitszeitkontos, das später ausgeglichen wird, der deutlich bessere gegenüber dem, was derzeit in Thüringen, Berlin, Sachsen und teilweise in NRW erfolgt, wo Seiteneinsteiger nach einwöchigen Crashkursen in die Schulen mit vollem Unterrichtsdeputat geschickt werden.

    Außerdem gab es diese Arbeitszeitkonten in Bayern und anderen Bundesländern schon mal vor 15 bis 20 Jahren (mit Einverständnis fast aller Lehrerverbände) als der Schülerberg untertunnelt werden sollte. Allerdings sollten sich bayerische Gymnasiallehrkräfte nicht sicher sein, dass sie mittelfristig nicht auch ein Arbeitszeitkonto bekommen. Ab 2024 mit Einführung der 9. Jahrgangsstufe droht auch hier ein großer Lehrermangel, derauch dort ein Arbeitszeitkonto als zeitlich befristete Ausgleichsmaßnahme durchaus in den Bereich des Möglichen rückt.

    Man darf eines nicht vergessen: Die Ausweitung der nicht familiengebundenen Teilzeitmöglichkeiten sowie die relativ großzügigen Sabbatjahr- und Beurlaubungsmöglichkeiten einschließlich vorgezogenem Antragsruhestand und den bayerischen Altersermäßigungen (die besten in Deutschland) ist erst in den letzten Jahren erfolgt, als es genügend Lehrkräfte gab. Jetzt – vorübergehend – das ein oder andere zurückzufahren, ist nicht schön, aber durchaus nachvollziehbar.

    • „Mir erscheint auf jeden Fall der bayerische Weg eines vorübergehenden Arbeitszeitkontos, das später ausgeglichen wird, der deutlich bessere …“
      Besser für wen?

      Arbeitszeitkonten gab es schon. Stimmt. Und im Anschluss meinte die Landesregierung in Niedersachsen
      a) dass man die Rückzahlung als Stundengutschrift auf ewig verschieben könne,
      b) dass Lehrkräfte lieber einen winzigen Geldbetrag pro Stunde erhalten könnten,
      c) dass man gleich das reguläre Deputat um eine Stunde anheben könne. DAS war der Ausgangspunkt für Klagen seitens der Philologen, die es betraf, und der Arbeitszeiterhebung im Rahmen einer umfangreichen Studie mit ganzjährigem Erfassungszeitraum und inzwischen veröffentlichtem und als gerichtsfest anerkanntem Ergebnis. Lehrkräfte arbeiten schon jetzt viel zu viel, aber das Land ist nicht geneigt, dem tatkräftig und zügig entgegenzuwirken.

      Wenn man Teilzeitmöglichkeiten, Altersermäßigungen und anderes nicht vergessen darf, dann muss man dies in die Personalplanung mit einbeziehen, statt später überrascht festzustellen, dass die Lehrkräfte nicht ausreichen.
      Nun erhöht man das Deputat um 1 Unterrichtsstunde, damit die Arbeitszeit erheblich um mehrere Stunden … und ist später überrascht, dass dies gar nichts bringt, da mehr Lehrkräfte ausfallen und es noch mehr Vertretungskräfte, in BY als mobile Reserve – also Lehrkräfte, benötigt.

      „Vorübergehend“ ist da gar nichts.
      Man hat bundesweit schlecht geplant, über 20 Jahre gespart,
      zusammengestrichen, soweit es irgendwie ging,
      viele Aufgaben an die Lehrkräfte delegiert,
      immer auf schöne Zahlen geachtet, statt die tatsächliche Unterrichtsversorgung in den Blick zu nehmen,
      und ist jetzt nicht bereit, die Verantwortung zu tragen.

      Statt dem entgegenzuwirken, Geld in die Hand zu nehmen,
      die Schulen hervorragend auszustatten,
      zusätzliches Personal als Hilfe zu finden für Verwaltung, Digitalisierung, Organisation, Aufsichten, Förderung uvm.,
      ggf. Quer- und Seiteneinsteiger zunächst einmal ein halbes Jahr zusätzlich in die Schulen zu bringen, damit sie hospitieren können und allmählich betreut Aufgaben übernehmen, und im Anschluss in ein Referendariat gehen,
      lädt man den Lehrkräften noch mehr Arbeit auf, streicht Entgegenkommendes und lobt sich selbst am Ende für die herausragende Sparpolitik.

  8. Was nützt „Geld in die Hand zu nehmen“, wenn kaum einer mehr Lehrer werden und den Hampelmann spielen will?
    Auch der BLLV und die GEW haben tüchtig zur schwindenden Attraktivität des Lehrerberufs beigetragen.

    • Was nützt “Geld in die Hand zu nehmen”, wenn…
      … man darüber die überbordende Arbeit auf viele Schultern verteilen kann?
      … die Ressourcen insgesamt verbessert werden und man ein breit aufgestelltes, sich unterstützendes Team hat, das für Förderung bereit steht?
      … andere Kräfte sich um vieles kümmern, das auch erledigt werden muss und zumeist von Lehrkräften getragen wird, wie Bücherei, Sammlung, Materialbestellung, Aufsichten, Fahrten, Feiern, Wettbewerbe uvm?
      … sich dann weitere Kräfte um das kümmern können, was für etliche SchülerInnen aktuell ist, also Sozialpädagogen und Schulpsychologen, ggf. auch medizinisches Personal?
      … die Bedingungen darüber andere werden, sodass weniger häufig Klassen zusammengelegt werden müssen, sondern den Kindern bekannte Kräfte für Aufsichten oder Vertretung zur Verfügung stehen?
      … die mühsame und immer häufiger abgelehnte Beantragung von Unterstützungsleistungen nicht notwendig ist, weil helfende Hände stets anwesend sind sind und – ganz ohne Antrag – unterstützen können?
      … darüber Entlastungsmöglichkeiten geschaffen werden, sodass Lehrkräfte nicht länger allein gelassen werden mit immer neuen Forderungen und Aufgaben?

      … wenn darüber deutlich wird, dass die Wichtigkeit von Bildung kein Lippenbekenntnis ist, sondern tatsächlich für die Gesellschaft wichtig und durch die Unterstützung auch Gewicht erhält?

    • Ich weiß doch, was Sie meinen, Palim. Ja, wenn Geld für die realitätsnahen, wirklich notwendigen Dinge ausgegeben würde, dann…
      War das in den vergangenen Jahrzehnten denn der Fall? Bilden die Schulergebnisse in Berlin oder Bremen immer nur das Schlusslicht, weil hier besonders geknausert und an Investitionen gespart wurde?
      Man kann auch Geld für traumtänzerische Reformen zum Fenster rauswerfen, die sowohl Geld bei der Einführung als auch beim ständigen Nachbessern und Löcherstopfen kosten. Sie sind oft ein Fass ohne Boden.
      Aus Ernüchterung sehe ich inzwischen die besten Investitionen in dringenden Renovierungs- und Sanierungsarbeiten maroder Schulgebäude. Sie sollten vor ideologischer Geldverschwendung einigermaßen sicher sein.

      Ja, die Wichtigkeit von Bildung sollte kein Lippenbekenntnis sein. Dieser Binsenweisheit kann jeder nur zustimmen. Es fragt sich nur, was unter „Bildung“ verstanden wird, denn dafür wird das Geld ja ausgegeben.

        • …und ist daraus zwingend zu schließen, dass allein mehr Geld alle Wunden heilen würde, die den Schulen in der Vergangenheit durch ideologielastiges Management (siehe Bremen und Berlin!) zugefügt wurden und weiter werden?

          • Daraus ist zu schließen, dass der Verweis auf „allein mehr Geld“ ein Scheinargument ist, weil man einfach nicht gewillit ist, Geld für Bildung auszugeben.

            Man senkt nachgewiesen die Bildungsausgaben, streicht nachgewiesen Stellen in der Lehrerschaft, stellt nachgewiesen Menschen für sehr geringen Lohn ein, die dann für wenig Geld den Unterricht aufrecht erhalten
            und die Kritik daran verweist darauf, dass „mehr Geld“ nicht helfen würde?

            An welcher Stelle hat denn in den letzten Jahren ein Bundesland mehr Geld für Bildung ausgegeben?
            Im verlinkten Artikel heißt es:
            „Betrachtet man allein die Schulen, sind die Bildungsausgaben im Verhältnis zur (stetig steigenden) Wirtschaftskraft sogar gesunken. 2010 betrugen sie 2,3 Prozent des BIP – 2017 beliefen sie sich auf nur noch 2,0 Prozent.“
            Bei diesen Zahlen komme ich gar nicht auf die Idee, wo das Geld im Bildungsbereich geblieben sein könnte … es war ja von vorn herein zu wenig!
            http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/europa/135809/bildungsausgaben

  9. Der Kritik der Lehrerverbände an der Piazolomaßnahme fehlt es bislang an praktikablen Alternativvorschlägen. Wie wäre es denn, wenn in Bayern zum Ausgleich der Versorgungslücke an Grundschulen die 3000 Wartelistenbewerber für Gymnasien und Realschulen für begrenzte Zeit an Grundschulen eingestellt werden mit der Zusage, nach 5 Jahren an die eigentlichen Zielschularten zu wechseln. Wenn man der KMK-Lehrerbedarfsprognose trauen darf, wird es ab 2025 ja wieder genügend Grundschulabsolvent/inn/en geben, während zur Einrichtung der 13. Jahrgangsstufe an Gymnasien genau ab dann in NRW und Bayern Tausende von Lehrkräften fehlen werden.
    Da schlägt man doch dann zwei Fliegen mit einer Klappe.

    • Während in anderen BL, z.B. Niedersachsen, die noch vorhandenen BewerberInnen für gymnasiales Lehramt längst eingestellt werden, um in den Grund- und SekI-Schulen auszuhelfen, ohne darauf vorbereitet zu werden,
      geht BY andere Wege: Es wird erwartet, dass sich Gymnasiallehrkräfte 2 Jahre lang qualifizieren lassen, um damit die Berechtigung für den Unterricht in der Grundschule erhalten zu können. Die Einstellung erfolgt dann mit A12.

      In Niedersachsen sind diese Kräfte mit A13 oder gestandene KollegInnen mit A14 per Abordnung in den Grundschulen und arbeiten sich 1/2 bis 2 Jahre durch die Aufgaben, um dann am Gymnasium einzusteigen oder dorthin zurückzukehren.
      Das bedeutet auch, dass die SchülerInnen an den Grundschulen jährlich andere Klassenleitungen erhalten und die Grundschullehrkräfte stets neue KollegInnen einarbeiten dürfen, die sich bisher weder mit der Altersstufe noch mit den Inhalten auseinandergesetzt haben und nach 1 Jahr verschwunden sein werden.

      • Die Frage ist doch, welche Alternativen gibt es.
        Mir ist ein frisch ausgebildeter Gymnasiallehrer mit drei Praktika während des Studiums und zweijährigem Vorbereitungsdienst als Grundschullehrkraft dreimal lieber als ein Quereinsteiger, der noch nie etwas von Didaktik und Pädagogik gehört und allenfalls einen einwöchigen Crashkurs wie in Berlin absolviert hat.!

  10. Alternativschlag:
    Rückführung von Ganztagsschulen in Halbtagsschulen. Alle Bildungsergebnisse zeigen, dass für Schüler, die zu Hause versorgt sind kein Bildungsvorteil an einer Ganztagsschule besteht. Das würde pro Schule 20prozent Stellen sparen und die kollegen entlasten, denb Ganztagsschulen bedeuten eine erhebliche Mehrarbeit.

    • Das spart aber nur Lehrkräftestunden, wenn im Ganztag tatsächlich Lehrkräfte eingesetzt sind.
      Ist das in BY so?

      Wo der Unterricht vormittags läuft und ab Mittag pädagogische MitarbeiterInnen die Aufsicht und die Angebote übernehmen, würde sich diese Alternative für die Unterrichtsversorgung gar nicht bemerkbar machen.

  11. 29 Unterrichtsstunden??? Wann sollen denn dann im Rahmen der Arbeitszeit (40 Wochenstunden!!!) Förderplan-, Lernentwicklungs- oder Zeugnisgespräche geführt, Dienstberatungen stattfinden, Klassenfahrten, Wandertage, Eltenabende vorbereitet, Weihnachts-, Oster-, Herbstfeste geplant und vorbereitet, Tage der Offenen Tür durchgeführt, Arbeiten vorbereitet und korrigiert, Wochenpläne geschrieben und korrigiert und für jede der 29 Stunden eine vierfache Leistungsdifferenzierung erstellt werden??? Diese Ausbeutung MUSS gestoppt werden! Meine vollste Solidarität mit den GS-Lehrer/innen in Bayern! Wehrt euch!!!

  12. Piazolo verhält sich im Grunde nicht anders als ein absolutistischer Fürst. Das kann er tun, weil das Beamtenrecht ihm diese Möglichkeit einräumt durch das sogenannte „Besondere Gewaltverhältnis“. Dabei ist es den meisten Beamten leider nicht klar, in welch enormem Umfang der Dienstherr aufgrund dieses „Besonderen Gewaltverhältnisses“ über sie verfügen darf (übrigens völlig legal), bis es dann zu solchen Auswüchsen kommt wie im Moment in Bayern: Dann wird vielen langsam, aber sicher sehr schmerzlich, bewusst, dass das „Besondere Gewaltverhältnis“, dem im Übrigen außer Beamten außerdem noch Schüler, Studenten, Soldaten und Sträflinge (!) unterstehen, ihn zum Untertanen eines aufgeklärten Absolutismus macht – und dass es für ihn als staatsdienender Untertan nur Alter, Krankheit und Tod als Ausweg gibt.
    Da aber die Dienstherren zurzeit ihre durch das Besondere Gewaltverhältnis legitimierten Daumenschrauben gnadenlos anziehen, während sie sich ihrer Fürsorgepflicht offenbar weitgehend entledigt haben, kann ich jungen Menschen nur raten, sich sehr genau zu überlegen , was sie da eigentlich tun, wenn sie sich verbeamten lassen.

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