Bayern und Baden-Württemberg können wohl weiter bevorzugt ihre Sommerferien legen – für die anderen bleiben dann (wie gehabt) nur frühe Termine

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BERLIN. Jedes Jahr aufs Neue reservieren zwei Bundesländer die besten Sommerferientermine für sich. Alle anderen wechseln sich bei den verbliebenen Terminen ab, um in Deutschland übervolle Autobahnen und ausgebuchte Urlaubsziele zu vermeiden. Ist das fair? Nein – meint die Präsidentin der KMK, die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Hubig. Trotzdem wird es wohl für lange Zeit so bleiben. Länderegoismen bestimmen mal wieder die Bildung.  

Hat sich offenbar durchgesetzt: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Foto: Michael Lucan,Wikimedia Commons CC-BY-SA 3.0

Im Sommerferien-Streit zwischen den Bundesländern will die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Stefanie Hubig (SPD), den Forderungen Bayerns und Baden-Württembergs notfalls nachgeben. „Niemand im Rest des Landes kann verstehen, warum Bayern und Baden-Württemberg eine Sonderregelung verdient haben sollen“, sagte die rheinland-pfälzische Bildungsministerin dem Redaktionsnetzwerk. Die SPD-Politikerin betonte zugleich: „Wahr ist aber auch: Es wird schwer werden, ihnen diese Privilegien wieder wegzunehmen. Es kann sein, dass uns anderen Ländern am Ende nichts anderes übrig bleibt, als die Klügeren zu sein und nachzugeben.“

Hubig ergänzte, das rollierende System, nach dem mal die einen und mal die anderen Länder früh mit den Ferien beginnen, habe sich grundsätzlich bewährt. Bayern und Baden-Württemberg nehmen an dem System allerdings nicht teil, sie wollen auch an ihren angestammten Terminen von August bis Mitte September festhalten. Die Gründe aus der Vergangenheit dafür gebe es nicht mehr, sagte die rheinland-pfälzische Bildungsministerin hingegen. Es sei ja nicht so, „als würden die Schüler im Süden wie in den Nachkriegsjahrzehnten zur Ernte eingesetzt“. Sie nannte es „ein Gebot der Gerechtigkeit, dass alle an dem rollierenden System teilnehmen“. Tatsächlich begründeten Bayern und Baden-Württemberg früher ihre späten Ferientermine mit den Bedürfnissen der Landwirtschaft – heute gelten sie schlicht als Tradition.

„Mehr Kontinuität im Schuljahresverlauf“

Vor Hubig hatte auch schon Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD), Koordinator der SPD-geführten Kultusministerien in Deutschland, signalisiert, dass sich Bayern und Baden-Württemberg im Sommerferien-Streit der Länder wahrscheinlich durchsetzen und ihre Extrawürste behalten werden (News4teachers berichtete). Die große Lösung, nach der alle Länder sich mit den frühen und späten Ferienterminen ab 1. Juli abwechseln, werde schwer zu verwirklichen sein, sagte Rabe unlängst. Lediglich „eine kleine Lösung“ sei denkbar, nämlich dass die Ferien in Hamburg und Berlin möglichst nicht vor dem 1. Juli beginnen und trotzdem die bisherige Rotation – ohne Bayern und Baden-Württemberg – grundsätzlich beibehalten wird. „Da sehen wir Chancen, dass man beides miteinander vereinbaren kann“, meinte Rabe.

Rabe und seine Berliner Kollegin Sandra Scheeres hatten im Oktober erklärt, sie wollten mehr Kontinuität im Schuljahresablauf. Die Sprünge von einem späten auf einen frühen Ferientermin führten zu einer Verkürzung von Schuljahren. Das habe negative Auswirkungen auf die Lernzeit der Schüler und belaste die Lehrer. Bayern und Baden-Württemberg, zeigten sich jedoch nicht zu Zugeständnissen bereit. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) erklärte – nach einer Sitzung der KMK im November, auf der erstmals offiziell über die Ferienordnung nach 2024 gesprochen wurde (bis dahin liegen die Termine fest), wörtlich: „Das bayerische Abitur bleibt bayerisch, übrigens genauso, wie die Ferienzeiten bleiben. Wir wollen auch die nicht angleichen.“

Der Knackpunkt allerdings ist wohl jetzt, dass nicht einmal unter den SPD-geführten Kultusministerien eine gemeinsame Linie herzustellen ist: Mecklenburg-Vorpommerns Ressortchefin Bettina Martin betonte unlängst nach einem Treffen der sechs sozialdemokratischen Ressortchefs, ihr Land lehne eine Beschränkung des bundesweiten Ferienkorridors ab – eine solche Vorgabe entspreche nicht dem touristischen Interesse der Wirtschaft an der Küste. Eine Front gegen die Südländer lässt sich so nicht bilden.

Der späte Sommerferienbeginn ist hoch attraktiv

Deshalb wird es wohl weitgehend bei der alten Lösung bleiben. Bayern und Baden-Württemberg scheren also auch zukünftig aus dem Rotationssystem der Länder aus und genießen jedes Jahr weitgehend im gleichen Zeitraum die Sommerferien – nämlich spät, weil Ende Mai, Anfang Juni dort Pfingstferien sind. Bei den übrigen Ländern wechseln die Termine: So beginnen in diesem die Sommerferien in Mecklenburg-Vorpommern bereits am 22. Juni und enden am 1. August, in Baden-Württemberg starten sie am 27. Juli und enden am 12. September. Vielleicht wird der zeitliche Korridor in Zukunft etwas eingeengt. Vielleicht bekommen auch nur Hamburg und Berlin nun ebenfalls eine Extrawurst (Ferienbeginn nicht vor dem 1. Juli)  –  was die übrigen Bundesländer noch weiter einschränken würde.

Dabei sind Pfingstferien plus später Sommerferienbeginn hoch attraktiv. Beide Zeiträume liegen weitgehend außerhalb der Hauptreisesaison von Mitte Juni bis Mitte August, sodass Familien günstiger reisen können. Darüber hinaus verspricht der Hochsommer besonders warme Ferientage. Auch pädagogisch gilt ein früher Sommerferienbeginn als schwierig: Die Unterrichtszeit zwischen Weihnachts- und Sommerferien fällt dann arg kurz aus. Die Prüfungsphasen nach Ostern müssen komprimiert werden – und das bedeutet: Lernstress für die Schüler, Korrekturstress für die Lehrer. Aber eben nur außerhalb von Bayern und Baden-Württemberg.  News4teachers / mit Material der dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Krach um die Sommerferien: Immer mehr Länder wollen Bayern und Baden-Württemberg die Extrawurst nicht länger zugestehen

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9 KOMMENTARE

  1. Wenn BW und By sich nicht um die Bedürfnise der anderen Länder scheren, dann könnten doch alle anderen ihre Ferien „gerecht“ verteilen, ohne sich um BW und By zu scheren, oder?

    • Den Gedanken hatte ich auch.
      Dann haben eben mehr Leute gleichzeitig zu BY und BW Ferien, wenn das von den anderen Ländern gewünscht ist…
      … und die Pfingstferien in BY und BW werden auch andernorts zur Hauptsaison, da Ferien sind.
      SA hat in diesem Jahr Ferien über Himmelfahrt und Pfingsten. Auch nicht schlecht bei spät liegenden Sommerferien, da man sonst von Mitte April bis Mitte Juli durchhalten muss.
      Vielleicht müssen die anderen BL die rotierenden Ferien setzen und dann die kleinen Ferien sinnvoller streuen. Da gehen ja einige BL bereits kreative Wege mit Ferien zu Zeiten, wo früher keine waren.
      Größere Sprünge, die stark unterschiedliche Schuljahres-Längen verursachen, sollten vermieden werden.

      Die Ferien in BY und BW liegen übrigens nicht spät, WEIL diese Länder 2 Wochen Pfingstferien haben. Zuerst werden in der KMK die Sommerferien festgelegt, DANACH können die BL die kleineren Ferien festlegen.
      WENN ein Land frühe Sommerferien hat, wird es auf die 2 Wochen Pfingstferien knapp davor sicher verzichten.

        • Und?
          Während NRW schnell an der Küste ist,
          können BY und BaWü ja dann auf dem Bauernhof in der Nähe Urlaub machen und bei der Feldarbeit helfen.
          Das kann dann zur Tradition werden!
          Liegen die Ferien spät genug, können sie auch gleich bei der Weinlese mitwirken.

  2. Soviel ich mich erinnere, passte sich BW (und vielleicht auch Bayern ) Anfang der Neunziger dem rollierenden System an. Das klappte einige Jahre ganz gut und es hatte auch durchaus Vorteile, früher zu verreisen. Warum es wieder geändert wurde, weiß ich nicht.

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