Coronavirus: Eltern beklagen desolate Hygiene in Schulklos – Lehrer greifen zur Selbsthilfe

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STUTTGART. Angesichts der Ausbreitung des Coronavirus hat der Landeselternbeirat Baden-Württemberg einen desolaten Zustand der Toilettenanlagen an vielen Schulen beklagt. Mancherorts könne man sich gar nicht richtig die Hände waschen, weil keine Seife da sei, sagt der Landesvorsitzende Carsten Rees am Freitag auf Anfrage. Experten betonen wiederholt, dass es wichtig sei, allgemeine Hygieneregeln zu beachten, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Mancherorts greifen Lehrer deshalb jetzt zur Selbsthilfe.

Auch die aufwändigste Sanierung hilft nur wenig, wenn die Schüler sich nicht für die Sauberkeit ihrer Schultoiletten verantwortlich fühlen. Foto: timbo / pixabay (CC0)
So sieht es in vielen Schulklos in Deutschland aus (Symbolfoto). Foto: timbo / pixabay (CC0)

Zwar gibt es laut Elternvertreter Rees auch Schulen mit einer vorbildlichen Ausstattung. Auf der anderen Seite stehen aber Schulen, in denen Schüler absichtlich wenig trinken, um nicht auf die Toilette gehen zu müssen. «Da liegt vieles im Argen», meint Rees. Zuständig für die Ausstattung mit Seife, Toilettenpapier und Handtüchern sind die Schulträger. Bei öffentlichen Schulen sind dies die Kommunen.

Zwei Drittel der Schüler in Berlin meiden die Schulklos

Die Toilette ist verstopft, das Urinal überlaufen, der Klorollenhalter leer. Das Händehandtuch ist aus der Rolle gezogen, verdreckt und verknotet, die Seifenspender leer. Es stinkt zum Himmel. Ganz normale Zustände auf Schultoiletten bundesweit. Der Verein «German Toilet Organization» (GTO) bekommt seit seiner Gründung vor 15 Jahren regelmäßig Beschwerden über schlimme Zustände. «Uns rufen oft besorgte Eltern an», sagte Geschäftsführer Thilo Panzerbieter bereits vor anderthalb Jahren (News4teachers berichtete).

Allein in Berlin meiden laut GTO zwei Drittel der Schüler die Toiletten. Der Verein hatte eigenen Angaben zufolge 800 Schüler befragt. «Es gibt in Berlin schon Eltern, die die Schultoiletten putzen. Wenn es soweit ist, dann ist das schon krass», berichtete Landeselternsprecher Norman Heise.

Auch für den Landeselternrat Niedersachsen ist die fehlende Sauberkeit ein Dauerbrenner. «Es scheitert am Geld», kritisierte der Elternratsvorsitzende Mike Finke im vergangenen Jahr (News4teachers berichtete). Die Schulträger seien nicht bereit zu investieren. Im Moment sei eine Toilette für 40 Schülerinnen und Schüler vorgesehen. «Das ist nicht mehr zeitgemäß», bemängelt er. Der Sanitärbereich müsse auch mittags, nicht nur einmal täglich gereinigt werden.

Reinigungsmängel in vier von fünf Schulen

Kontrolleure des Gesundheitsamtes der Region Hannover haben zwischen Anfang 2016 und Ende 2018 Schulen in der Landeshauptstadt und dem Umland geprüft. Bei 112 Kontrollen wurden Reinigungsmängel in 79 Prozent der Schulen festgestellt. Bei 56 Prozent gab es bauliche Defizite oder gar einen Sanierungsstau. Bei 52 Prozent fehlte der vorgeschriebene Hygieneplan. Das ging aus einer Anfrage der CDU-Fraktion der Region hervor.

Wie aus Leserbriefen auf der Facebook-Seite von News4teachers hervorgeht, greifen an manchen Schulen Lehrer angesichts der Corona-Krise notgedrungen jetzt zur Selbsthilfe: Sie besorgen Handtücher und Seife aus eigenen Mitteln., damit sich ihre Schüler die Hände waschen können. News4teachers / mit Material der dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

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6 KOMMENTARE

  1. Das Problem bei den SchulWCs ist, dass ein Teil der Schülerschaft es für cool hält dort zu randalieren. Was dann die oben beschriebenen Missstände zur Folge hat. Wahlweise kann man auch gerne sagen, dass einige Eltern es vergessen haben ihrem Nachwuchs beizubringen, wie man sich verhält. Im Prinzip kommt es aufs gleiche beiraus. Aber die Lehrerschaft soll das Kind ja erziehen, die Eltern haben dafür ja keine Zeit mehr!

    *Vorsicht in diesem Beitrag sind Ironie und Sarkasmus enthalten. Bei Unverständnis und Nebenwirkungen fragen Sie bitte den Caberatisten oder Humoristen ihres Vertrauens.*

  2. Hygiene – na, es würde schon ausreichen, wenn der Schulträger für ausreichend Seife und Handdesinfektionsmittel selbst auf den Toiletten der Lehrkräfte Sorge tragen würde.
    Die bringen de facto mehr als die Diskussion um Unisextoiletten.

    An Schulen gibt es geschlechterunabhängig nur zwei Arten:

    Funktioniert und funktioniert nicht.

    Der zweitgenannte Typ ist genetisch im Vorteil, er vermehrt sich stärker als Typ I.

  3. Urinalpakt statt Digitalpakt. Eltern fordern doch immer das Fach Alltagswissen – hier könnten dann die Schüler doch dann das Kloputzen lernen.

    • Geniale Idee. Das ganze findet dann jeden Tag nach Unterrichtsende statt. Ich bin ehrlich dafür.
      Allerdings wage ich zu bezweifeln, dass das bei manchen Eltern so gut ankommt. Der arme Sprößling muss jetzt auch noch die Toilette putzen, so etwas darf doch nicht sein. (Sind zumeist jene Eltern, die in einigen Dingen des Lebens vergesslich sind.)

      *Vorsicht in diesem Beitrag sind in Teilen Ironie und Sarkasmus enthalten. Bei Unverständnis und Nebenwirkungen fragen Sie bitte den Caberatisten oder Humoristen ihres Vertrauens.*

      • … jeden Tag nach Unterrichtsende …

        Den Blödsinn machen doch schon die Schulträger.
        Das fängt an bei der Berechnung der „Facillities“ – der Anzahl der Schüsseln und Urinale, bei den Entfernungen (von jedem Punkt aus muss lt. Bauvorschrift für Schulen in NRW eine Toilette erreichbar sein etc.

        Das, was abweichend von anderen öffentlichen Gebäuden nicht eingepreist ist, dass die Nutzung nicht gleichmäßig über den Tag verteilt erfolgt, sondern stoßweise, wobei dann eben in Pausen auch nur die Außentoiletten und eben nicht alle Toiletten zur Verfügung stehen.

        Dabei ist den Schulträgern eine Ausstattung wie z.B. auf Autobahnparkplätzen aus Edelstahl zu teuer, ebenso eine Zwischenreinigung. Zwar wird durch den Ganztag – egal ob gebunden oder nicht – die Unterrichtszeit ausgedehnt, die Reinigung erfolgt aber eben nur täglich nach Unterrichtsende. Nur wem nutzt denn diese Toilette, die um 17:00 Uhr gesäubert ist? Den SuS jedenfalls nichts, allenfalls den Besuchern von Abendveranstaltungen in diesem Gebäude. Eine zusätzliche Reinigung nach Beendigung solcher Abendveranstaltung findet ebenfalls nicht statt, Seife, Toilettenpapier etc. werden ebenfalls nicht aufgefüllt …
        Aber sind ja nur Schüler (m/w/d), die am nächsten Morgen kommen.

  4. Abgesehen davon, dass die Zustände an meiner Schule nicht derart desolat sind, möchte ich doch darauf verweisen, dass diejenigen, die sich über verdreckte Schul-WCs beklagen, zu der Gruppe gehören, die sie verschmutzen!

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