Coronavirus: Kultusministerien wappnen sich für Ausbreitung – werden die anstehenden Abiturprüfungen zum Problem?

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BERLIN. Die Zahl der Coronavirus-Fälle in Deutschland steigt – in Hamburg ist nun auch ein Kinderarzt des Universitätsklinikums positiv getestet worden. Kinder und Eltern, die mit ihm in Kontakt standen, müssen in Quarantäne. Der Krisenstab der Bundesregierung berät am Freitag über weitere Vorkehrungen. Auch die Kultusministerien wappnen sich für eine weitere Ausbreitung. Wegen Corona-Verdachtsfällen haben zwei Schulen in Nordrhein-Westfalen am Freitagmorgen den Unterricht abgesagt. Auch in Thüringen wurden zwei Schulen geschlossen.

Die Ausbreitung des Coronavirus soll möglichst gebremst werden. Illustration: Shutterstock

Ein Mitarbeiter der Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) hat sich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Das teilten die Klinik und die Behörde für Gesundheit am späten Donnerstagabend mit. Alle Kinder und Eltern, die engen Kontakt mit dem Mitarbeiter hatten, gehen demnach nun 14 Tage in Quarantäne – je nach Gesundheitszustand im UKE oder zu Hause. Auch andere Mitarbeiter gehen in eine häusliche Isolation. Auf der betroffenen Station sollen vorerst keine neuen Patienten mehr aufgenommen werden.

Der Krisenstab der Bundesregierung berät am Freitag über weitere Vorkehrungen gegen das neue Virus Sars-CoV-2, das die Lungenkrankheit Covid-19 auslösen kann. Die Fälle in Deutschland mehren sich, aktuell gibt es mehr als 30 bestätigte Infektionen. Daneben waren vor mehreren Wochen bereits 16 weitere Sars-CoV-2-Infektionen gemeldet worden – diese Menschen gelten inzwischen alle als virusfrei. Der Virologe Christian Drosten sagte am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung «Maybrit Illner»: «Wir werden in den nächsten Tagen sehen, dass neue Fälle und kleine Fallgruppen wie die Pilze aus dem Boden schießen werden.» Deutschland werde in Europa eines der Länder mit den höchsten Fallzahlen sein, «weil unsere Bevölkerung sehr reisefreudig ist».

Allein in Nordrhein-Westfalen kamen am Donnerstag 14 neue Fälle dazu, außerdem wurden vier weitere Infektionen in Baden-Württemberg sowie jeweils ein neuer Fall in Rheinland-Pfalz, Hessen und Bayern gemeldet.

Großveranstaltungen werden geprüft

Der Krisenstab der Bundesregierung soll nach Angaben von Gesundheits- und Innenministerium unter anderem über den Umgang mit Großveranstaltungen wie Messen beraten. So geht es um Auswirkungen auf die Internationale Tourismusbörse (ITB), die am 4. März in Berlin beginnen soll. Auch für andere Veranstaltungen könnten Kriterien entwickelt werden, nach denen Behörden vor Ort dann über mögliche Beschränkungen entscheiden können. In der Bildung stehen zwei Großveranstaltungen an: der Deutsche Schulleiterkongress ist für den 19. bis 21. März in Düsseldorf geplant – mit mehr als 3.500 Teilnehmern. Danach, vom 24. bis 28. März, steht in Stuttgart die Bildungsmesse didacta an, zu der bis zu 100.000 Besucher erwartet werden.

Auch in der Berliner Schulverwaltung stellt man sich auf eine weitere Ausbreitung ein – es wurde ein Krisenstab eingerichtet. „Gerade komme ich von einer Länderschalte, wo das gemeinsame Vorgehen besprochen wurde“, so informierte Bildungsstaatssekretärin Beate Stoffers (SPD) laut „Berliner Morgenpost“ den Schulausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses. Die Situation sei in den Bundesländern sehr unterschiedlich – in manchen, wie in Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen, gebe es schon infizierte Personen, betroffen seien aber noch keine Schüler. Andere Bundesländer wie beispielsweise Hamburg hätten das Glück, dass Montag die Winterferien beginnen. Dann seien für zwei Wochen die Schulen geschlossen. „Das Glück haben wir nicht“, sagte Stoffers.

Sollte das Coronavirus tatsächlich in den nächsten Wochen zu zeitweiligen Schulschließungen führen, so hieß es, dann könne das besonders für Abiturienten zum Problem werden: Die letzten Klausuren vor dem Abitur stehen nämlich an.

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Schulministerium an Schulleitungen: „Unruhe vermeiden“

Wegen eines Corona-Verdachtsfalls hat eine Schule in Bielefeld am Freitagmorgen den Unterricht abgesagt. Das bestätigte ein Sprecher der Stadt. Betroffen sei eine Mitarbeiterin der Schule, hieß es. Der Schulleiter habe die Entscheidung in Rücksprache mit dem zuständigen Gesundheitsamt getroffen. Über das weitere Vorgehen werde ich Laufe des Tages beraten. Die Frau sei noch nicht getestet worden. Eine Schule in Mönchengladbach wurde geschlossen, weil der Bruder einer Lehrkraft positiv auf das Coronavirus getestet worden sei. Auch im Thüringer Ilm-Kreis wurden zwei Schulen eines Schulzentrums, eine Regelschule sowie eine Grundschule, geschlossen, nachdem ein 15-jähriger Schüler zur isolierten Behandlung ins Krankenhaus eingeliefert worden war. Auch hier steht der Befund noch aus.

Das Schulministerium Nordrhein-Westfalen warnt die Schulleitungen davor, eigenmächtig über Schulschließungen zu befinden. In der gegenwärtigen Situation kämen „isolierte Maßnahmen der Schulleitung nur ausnahmsweise in Betracht – auch um Unruhe zu vermeiden. Sie sollten nur angeordnet werden, wenn eine konkrete, durch Hinweise belegte Gefahr droht und das zuständige Gesundheitsamt zur Abstimmung geeigneter Maßnahmen nicht rechtzeitig erreichbar ist. Außerdem ist die Schulaufsichtsbehörde einzuschalten.“ Grundsätzlich hätten Schulleitungen im Einzelfall die Befugnis, Schüler vom Unterricht und Lehrer vom Dienst auszuschließen, wenn von ihnen eine Gesundheitsgefahr ausgehe.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, sagte in den ARD-«Tagesthemen» mit Blick auf die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus, das Gesundheitssystem hierzulande sei aktuell gut ausgerüstet und aufgestellt. Deutschland habe weltweit mit die höchste Dichte an Krankenhäusern und Klinikbetten bezogen auf die Bevölkerungszahl. Zudem sei schon vor zwei Jahren die große Influenza-Welle gemeistert worden.

Grundschüler lernen, sich die Hände zu waschen

Er sagte weiter, manche Praxen wüssten nicht, ob sie auf das neuartige Virus testen sollten oder nicht. Sein Rat laute: Besser einmal zu viel als zu wenig. Wer Symptome hat, sollte seinen Hausarzt telefonisch kontaktieren und sich nicht unbedingt ins volle Wartezimmer setzen, um andere nicht zu gefährden.

In Nordrhein-Westfalen haben einem Bericht des WDR zufolge einige Schulen im Land schon auf die Situation reagiert: In einer Grundschule in Gelsenkirchen zum Beispiel trainierten die Schüler, wie man sich gründlich die Hände wäscht. Auch Spender mit Desinfektionsmitteln stünden für die Kinder ab sofort bereit. News4teachers / mit Material der dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

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5 KOMMENTARE

  1. Super. Heute, am letzten Schultag vordem Beginn der Nachweispflicht, heute kommt vom Kultusministerium Hessen dann doch ein PDFchen als Anhang.
    Unglaublich.

  2. Werden denn nun die anstehenden Abiklausuren bzw. die Prüfungen zum Problem? Meine SuS werden schon nervös und fragen nach, was denn im Fall von Schulschließungen mit dem Abi passiert. Sie wollen teilweise ja noch in diesem Jahr mit einem Asturien beginnen. Wird dann einfach alles verschoben?

  3. Hier in NRW finden in Folge von Falsch- und Desinformation über die Medien und Eigenpropaganda Hamsterkäufe von Desinfektionssprays und Desinfektionsflaschen sowie Atemmasken einerseits sowie Konservendosen, H-Milch, Getränken, Mehl, Hefe und anderen lange haltbaren Produkten andererseits statt.
    Es ist sinnlos sich mit derartigen Lebensmittel einzudecken, da man im Falle einer Erkrankung, diese Produkte sowieso nicht essen kann, da man eine Erkrankung hat, die einer Grippe von der Symptomatik sehr nahe kommt und somit derartiges nicht vertragen wird.
    Auch der Kauf von Atemmasken ist sinnlos, da die handelsüblichen Masken keine Barriere für Viren darstellen. Allenfalls mit einer PFE-Maske gelingt die Abwehr von Viren, was aber trotzdem bedeutet, dass man sich die Hände nach Kontakt mit dem Erkrankten Mitmenschen waschen muss.
    Im Internet wurden angebrochene Desinfektionsflaschen schon für 50 Euro angeboten !
    Und unser italienischer Pizza-Bäcker kann seine Pizzeria vorübergehend schließen, weil er keine Hefe mehr kaufen konnte, da diese nirgendwo mehr erhältlich ist –
    ein herber Verlust für die Kinder und ihre Lieblingsspeisen.

    Das Coronavirus erzeugt im Prinzip ein dem Grippevirus ähnliches Krankheitsbild, dass nur mit der Wahrscheinlichkeit einer Pneumonie (Lungenentzündung ) von 1 bis 3 % zu Buche schlägt.
    Betroffen von dieser maximalen Krankheitsentwicklung mit Schocklunge (ARDS) , Nierenversagen und septischem Kreislaufversagen sind aber eigentlich nur Patienten mit vor bestehenden chronischen Lungenerkrankungen, wie einer COPD, einer Silikose, einer chronischen Bronchitis in Folge Rauchens, sehr alte Menschen, immungeschwächte Personen, Patienten mit Diabetes mellitus und kachektische Personen.
    Die Isolierung macht also nur Sinn, um die betroffenen Risikogruppen zu schützen, die sich sonst auch schon immer gegen eine Grippe impfen sollten.
    Wahrscheinlich fühlen sich wieder ein paar Reichsbedenkenträger durch derartige Maßnahmen in ihren Freiheitsrechten eingeschränkt.

  4. Bei uns am GFS in Ebermannstadt gibt es in den meisten Klassenzimmern keine Waschbecken. Dort wo welche sind, gibt es ein Stoffhandtuch für alle.

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