Frontalangriff: Philologen fordern Kultusministerin auf, den Gemeinschaftsschulen Mittel zu streichen – und sie Gymnasien zu übertragen

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STUTTGART. Der Philologenverband hat die in Baden-Württemberg noch relativ junge Gemeinschaftsschule frontal angegriffen. Die darin üblichen Berichtszeugnisse seien unverständlich, Kinder mit Gymnasialempfehlung würden nicht ausreichend gefördert, es herrschten massive Disziplinprobleme – und: Ergebnisse von Lernstandserhebungen würden geschönt. Die SPD wirft den organisierten Gymnasiallehrern hingegen vor, mit ihrer Attacke ein durchsichtiges Manöver zu fahren. Denn aktuell stünden die Entscheidungen der Eltern über die weiterführende Schule an – und die sollten beeinflusst werden.

Die Philologen greifen die Gemeinschaftsschule frontal an. Illustration: Shutterstock

Die Interessenvertretung der Gymnasiallehrer hat harsche Kritik an den Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg geäußert. Die Gemeinschaftsschulen seien finanziell ein Fass ohne Boden und brächten keine besseren Lernleistungen der Schüler. Ausschließlich die Anhänger von «Eine Schule für alle Kinder» sehen in ihr einen Fortschritt, teilte der Philologenverband am Mittwoch in Stuttgart mit. Die grün-rote Vorgängerregierung hatte die Gemeinschaftsschule 2012 im Südwesten neu eingeführt. Mittlerweile bieten einige von ihnen auch eine gymnasiale Oberstufe an.

Kleinere Klassen für Realschulen und Gymnasien gefordert

Der Landeschef des Philologenverbandes, Ralf Scholl, verlangte, die Lernerfolge der Gemeinschaftsschüler wissenschaftlich zu untersuchen. Er forderte Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) auf, den Gesamtschulen Mittel zu streichen – und klassischen Gymnasien und Realschulen dafür mehr Geld zu geben und ihnen kleinere Klassen zu ermöglichen. „Dann zeigen wir Ihnen, wie viel mehr man mit diesem Geld an klassischen Gymnasien und Realschulen erreicht.“

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) warnte davor, Schularten gegeneinander auszuspielen: «Alle Schularten in Baden-Württemberg haben ihren Platz in der Bildungslandschaft und werden gefördert und unterstützt.» Dies gelte auch für die inzwischen mehr als 300 Gemeinschaftsschulen, die von vielen Eltern gut nachgefragt würden. Eisenmann bot dem Philologenverband ein Gespräch an, um über die Erfahrungen von Gymnasiallehrern an Gemeinschaftsschulen zu reden.

In Gemeinschaftsschulen wird auf drei Niveaustufen unterrichtet, die zum Hauptschulabschluss, zum Realschulabschluss oder zum Abitur führen können. Dabei gibt es Unterricht in traditioneller Form, eigenständiges Lernen und Lernen in Gruppen. Die Schüler bekommen erst einmal keine Zeugnisse, sondern Lernentwicklungsberichte, um zu sehe, wo sie stehen. Der Philologenverband kritisierte unter anderem, dass viele Eltern diese Beurteilungen nicht richtig verstehen, da sie «oft sehr wohlwollend und ermutigend» formuliert seien.

Die SPD hatte das Kultusministerium inne, als die Gemeinschaftsschule eingeführt wurde. Deren Bildungspolitiker im Landtag, Stefan Fulst-Blei, hielt dem Philologenverband vor, ein durchsichtiges Manöver zu fahren: Gerade jetzt entschieden sich Eltern, auf welche weiterführende Schulart sie ihr Kind geben wollten. Aus Gesprächen mit Gymnasiallehrern an Gemeinschaftsschulen wisse er, dass sich diese dort sehr wohl fühlten. Auch Grünen-Bildungsexpertin Sandra Boser meinte: «Die Abschlussergebnisse an den Gemeinschaftsschulen belegen den Erfolg der Schulart gerade im Umgang mit unterschiedlich leistungsstarken Schülern.» Die Ergebnisse zeigten: Längeres gemeinsames Lernen führe zu mehr Bildungsgerechtigkeit.

GEW: Klassen sind in praktisch allen Schularten zu groß

Die Landeschefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Doro Moritz, erinnerte daran, dass die Klassen nach ihrer Einschätzung in praktisch allen Schularten zu groß seien. Ebenso fehlten Fortbildungsangebote und Vertretungslehrer, die für kranke Kollegen einspringen. Die stellvertretende Vorsitzende des Vereins für Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg, Ulrike Felger, sagte, die Kritik des Philologenverbandes entbehre jeder Grundlage. Offenkundig sähen die Gymnasiallehrer ihre Pfründe bedroht. Hingegen forderte FDP-Bildungsexperte Timm Kern Ministerin Eisenmann auf, die Kritik des Philologenverbandes eingehend zu prüfen. dpa

Im Wortlaut

Der Philologenverband Baden-Württemberg greift in einer Pressemitteilung die Gemeinschaftsschulen (GMS) des Landes scharf an. Wörtlich heißt es in dem Papier:

„Rückmeldungen von GMS-Lehrern, die der PhV BW in den vergangenen Monaten erhalten hat, legen folgende Schlussfolgerungen nahe:

  1. Die Verbalbeurteilungen der Schülerinnen und Schüler werden von vielen Kindern und Eltern nicht verstanden, da sie in der Regel sehr wohlwollend und ermutigend formuliert werden. Noten gibt es an den meisten GMS erst ab Klasse 9. Kinder, die auf Basisniveau lernen, und ihre Eltern erliegen so teilweise bis zur 8. Klasse der Illusion, sie würden auf die Oberstufe und das Abitur vorbereitet.
  2. Kinder mit einer Grundschulempfehlung für das Gymnasium bringen schwächere Schüler oft nicht auf ein höheres Niveau (wie von der GMS-Konzeption vorgesehen), sondern passen sich innerhalb weniger Jahre an das vorherrschende Basisniveau an. Sie lernen an der GMS, dass sich Anstrengung nicht lohnt: Jedes Kind rückt — egal wie schwach seine Leistung ist — immer in die nächste Klasse weiter.
  3. Praktisch durchgängig werden von den Lehrkräften massive Disziplinprobleme in den Lerngruppen und während der selbstorganisierten Arbeitszeit beklagt, die ein effektives Lernen teilweise unmöglich machen.
  4. Einige Lehrer schildern bezüglich der Anmeldenoten zur Abschlussprüfung bzw. für die VERA-Tests die klare Aufforderung ihrer Schulleitung, die Noten zu schönen. Die Ergebnisse der Mittlere-Reife-Prüfungen der GMS bestätigen diesen schweren Vorwurf: So liegt die durchschnittliche Anmeldenote in Mathematik landesweit bei 3,2, während die in der schriftlichen Prüfung erzielte Note im Durchschnitt nur 3,9 beträgt. Rund ein Viertel der GMS-Schüler erreicht in der schriftlichen Mathematik-Abschluss-Prüfung nicht die Note ‚ausreichend‘.“

Philologen-Landeschef Ralf Scholl meint: „Es ist längst überfällig, dass die Lernerfolge der GMS-Schüler wissenschaftlich untersucht werden: Die Anzahl der GMS-Schüler, die nach den Klassen 7 und 8 an Werkrealschulen wechselt bzw. zu wechseln versucht, legt ein beredtes Zeugnis davon ab, wie wenig diesen Kindern an den GMS vermittelt wird.“ Allerdings seien die meisten Werkrealschulen mittlerweile geschlossen, da sie für ihre 5. Klassen zwei Jahre hintereinander weniger als 16 Anmeldungen gehabt hätten – und das, obwohl sie wegen der großen Rückläuferzahl von GMS-Schülern jetzt z.T. zwei achte Klassen führen würden.

Scholl: „Hier wird aus ideologischen Gründen (‚Eine Schule für alle‘) ein ungedeckter Scheck auf Kosten einer ganzen Schülergeneration ausgestellt. Die GMS sind bislang jeden Erfolgsbeweis schuldig geblieben, dass sie — trotz wesentlich höherer Kosten — auch nur einen Deut besser sind als die klassischen Schulformen. Frau Kultusministerin, geben Sie den Gymnasien und Realschulen die finanziellen Ressourcen der GMS (einen Sachkostenzuschuss von über 1.300 € pro Schüler und Jahr an den GMS im Vergleich zu rund 800 € für Schüler an Gymnasien und Realschulen) und geben Sie uns auch die deutlich kleineren Klassen! Dann zeigen wir Ihnen, wie viel mehr man mit diesem Geld an klassischen Gymnasien und Realschulen erreicht.“

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Philologen an Gemeinschaftsschulen beklagen: Zu viele Projekte, zu wenig Leistung – und begabte Schüler werden vernachlässigt!

 

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27 KOMMENTARE

  1. Ich würde immer wieder gerne mal in eine Landtagssitzung spazieren und erfragen, ob die grünen und roten Landtagsabgeordneten erstens schulpflichtige Kinder haben und zwotens, welche Schulart ihre Kinder besuchen…. Daran hätte ich wirklich richtig Freude. In meiner Zeit als Lehrkraft an einer Gesamtschule in NRW fand ich es ganz lustig, dass die Kollegen, die Verfechter des Systems waren, ihre Kinder am Gymi hatten. Jaja, Wasser predigen und Wein trinken. Immer genau wissen, was für die anderen besser ist…
    Danke Philologen, dass ihr euch für die reale Realschule einsetzt und damit der Leistung und Bildung eine Stimme gebt! Bitte mehr davon!

  2. Um die hier erhobenen Vorwürfe einordnen zu können, müsste man wissen, in welchem Verhältnis die Zuwendung an Lehrkräften und Geld pro Schüler an den Gymnasien und an den Gemeinschaftsschulen stehen. Könnte die Redaktion diese Information noch nachliefern?

    • Lieber Pälzer, das steht im Text:

      Die Philologen monieren, dass Gemeinschaftsschulen einen Sachkostenzuschuss von über 1.300 € pro Schüler und Jahr bekommen, Gymnasien und Realschulen lediglich rund 800 €. Darüber hinaus hätten Gemeinschaftsschulen deutlich kleinere Klassen.

      Die Redaktion

      • Danke! Das bedeutet also, die Aussagen des PhilV. entsprechen den Tatsachen. Was habe ich mir unter „deutlich kleinere Klassen“ vorzustellen? Hat jemand dazu Zahlen?

  3. Für solche Vorschläge und Kritikien gibt es die bewährte 3-Stufen Lösung: Deckel Tonne auf – Pamphlet rein – Deckel zu. Fertig.
    Den Philologen ist sicherlich klar, dass an den Gemeinschaftsschulen Inklusion und Sprachintegration gestemmt werden. Davon hat man oben im Philologenturm sicherlich schon mal was gehört.
    Zudem ist eine integrierte Schulform nun einmal was anderes als eine reine Realschule oder ein reines Gymnasium.
    Die Arroganz der fortlaufenden Ignoranz der Philologen ist schon erschreckend.

    • Na ja, das könnte man gelten lassen, wenn die Kosten der Gemeinschaftsschule vergleichbar sind mit den entsprechend gewichteten Kosten von Förder-, Haupt-, Realschule und Gymnasium. Der Philologenverband sieht das aus seiner Sicht natürlich anders. Zugegebenermaßen kann man natürlich die berechtigte Frage stellen, weshalb für eine Klientel, die in ihrem Berufsleben signifikant mehr Steuern und Sozialabgaben erwirtschaften dürfte, nur wenig mehr als halb so viel Geld investiert wird.

  4. Hier bedient sich der Philologen-Verband der alten Ideologie gegen den „Einheitsbrei“ von Gemeinschafts- und Gesamtschulen.

    Wie man der Drucksache D 16/3568 des Landtages BW:

    https://www.landtag-bw.de/files/live/sites/LTBW/files/dokumente/WP16/Drucksachen/3000/16_3568_D.pdf

    entnehmen kann, wird die Gemeinschaftsschule keineswegs bevorteilt. Hier einige aussagekräftige Indikatoren aus der o.g. Drucksache (Antwort der Landesregierung; 2018):

    Schüler je Vollzeitlehrer-Einheit:
    Gymnasium 13,8; Gemeinschaftsschule 14,3

    Kosten je Schüler (Schuljahr 2016/17):
    Gymnasium 6.382 Euro; Gemeinschaftsschule 6.373 Euro

    inklusive Beschulung (Quote):
    Gymnasium 0,01%; Gemeinschaftsschule 4,0%

    5. Klasse Migrationshintergrund:
    Gymnasium 16,2%; Gemeinschaftsschule 32,8%

    Man erkannt daraus leicht (wieso nicht der Philologenverband ?): Die Kosten der Gemeinschaftsschule pro Schüler liegen auf gleicher Höhe mit denen der Gymnasien. Die Herausforderungen sind aber wesentlich höher, wenn man die Heterogenität der Schülerschaft zum Maßstab nimmt.
    Unverständlich ist mir auch die Forderung des PhlV nach Untersuchungen über die Leistungsfähigkeit der Gemeinschaftsschulen.
    Der Schulversuch zur Gemeinschaftsschule in Baden-Württemberg wurde von acht wissenschaftlichen Einrichtungen begleitet, hier der link:

    https://paedagokick.files.wordpress.com/2020/02/wissgem-kurzbericht-januar-2016.pdf

    Die im obigen Artikel (Auszug aus der Pressemitteilung im Kasten) aufgezählten „Erlebnisberichte“ von Lehrkräften ersetzen keine .wissenschaftliche Auseinandersetzung. Dies sollte man auch von Freunden der Sprache (Philologen) verlangen.

    • Vielen Dank für diese Aufschlüsselung. Diese Hintergründe fehlten mir und helfen mir deswegen jetzt, die Forderung der Philologen richtig einzuordnen.

    • Bestimmt wollten die Philologen einfach mal darauf hinweisen, dass sie angesichts gleicher finanzieller Ausstattung geneigt sind, hinsichtlich anderer Parameter ebenfalls gleichziehen zu wollen.

    • Können Sie noch etwas dazu schreiben, wie sich typischerweise Kosten zwischen Sek I und Sek II unterscheiden? Denn Gymnasien haben ja prozentual einen höheren Anteil von Oberstufe. In unserer Schule sind z.B. Oberstufenkurse fast immer kleiner als Mittelstufenklassen, in Ihrer Schule auch?

  5. Das deutsche Gymnasium ist eine international mehr oder weniger unerreichte höchst soziale (ja, höchst soziale!!!) Einrichtung insofern, als dass es für JEDES geeignete Kind eine KOSTENLOSE Eliteschule darstellt!
    Wer mir dies nicht glauben sollte, der kann gerne einen Vergleich anstellen, welche Gebühren für vergleichbare (Privat-)Schulen im Ausland gezahlt werden müssen, denn in den meisten Ländern, in denen das Gesamtschulsystem als (kostenlose) Staatsschule eingeführt worden ist, müssen Eltern für eine Bildung, die mit der an unseren Gymnasien vergleichbar ist, selbst bezahlen, und zwar Gebühren, die in die Zehntausende pro Halbjahr gehen können.
    Dies sollte sich jeder klar machen, bevor er die Einrichtung des Gymnasium in Grund und Boden redet.

  6. Leiber mercurius. Die Gymnasien werden zu 100% von Steuergeldern finanziert. Die soziale Auswahl ist, anders als Sie das glauben machen wollen, für diese Schulform ja nun mittlerweile belegt. Ich gehe doch davon aus, dass der Steuerzahler das gute Recht hat, Leistungen von jeder Schulform verlangen zu dürfen, ohne damit in der Pflicht zu stehen, einen Anbetungsschrein daheim errichten zu müssen. Oder?

  7. Hallo, ich bin Mutter zweier Kinder, die das Glück haben eine GMS besuchen zu dürfen. Meine Kinder arbeiten in den meisten Fächern auf Gymnasialniveau. Trotz der Grundschulempfehlung Gymnasium entschied ich mich bewusst für eine GMS.
    Hiermit möchte ich einige Punkte der Philologen wiedersprechen.
    An unserer Schule werden nicht drei sondern vier Niveaustufen unterrichtet.
    Meine Kinder werden sehr wohl auf Gymnasialniveau unterrichtet. Die Klassenlehrerin meines Sohnes von der 5. bis zur 8. Klasse, ist eine sehr kompetente Gymnasiallehrerin, Fach Deutsch und Geographie. Es herrscht absolute Ruhe und Disziplin in den Klassenzimmern. Lag vielleicht an den Lehrern, die von den Philologen interviewt wurden. Nicht jeder Lehrer geht seiner Berufung nach.
    Die Klassen sind kleiner, als an anderen Schulen, da es auch Kinder mit Behinderungen erlaubt ist diese Schule zu besuchen. Ganz im Gegenteil zu einem Gynasium.
    Unsere Lehrer sind motiviert und engagiert; haben immer ein offenes Ohr für unsere Kinder und uns Eltern.
    Sehrwohl haben die Eltern die Möglichkeit Noten für ihre Kinder zu beantragen, dies ich persönlich nicht für nötig halte, da ich die verbalen Zeugnisse meiner Kinder lesen und auch verstehen kann. Leider ist es den Lehrern der GMS nicht erlaubt mehr als neun Zeilen pro Fach in das Zeugnis zu schreiben. Darin steht im Wesentlichen, was das Kind erlernt hat. Wir Eltern sind somit viel besser Informiert, was unsere Kinder erreicht haben. Zudem kommt in den Hauptfächern eine Tabelle hinzu, auf der angekreuzt wird, wie mein Kind in den Hauptfächern plus Wahlpflichtfach steht. Und diese besteht nicht nur aus einer Note pro Fach sondern aus fünf „Noten“ (Tabelle in %). 100% entspricht einer Note eins auf Gymnasialniveau, 80% – Realschulniveau. 60% auf Hauptschulniveau, 40% entspricht einer eins auf dem Förderniveau. (Wir Eltern können auch rechnen!)
    Somit hat jedes Kind die Möglichkeit bei jeder Klassenarbeit in ein höheres Niveau zu kommen und sich zu steigern. Meine Kinder gehen auch nicht den bequemsten Weg, sondern wollen das Beste aus sich herausholen. Mir ist aufgefallen, dass die Kinder an unserer Schule mit einem starken Selbstbewusstsein ausgestattet werden und gut auf das Leben nach der Schule vorbereitet sind.
    Sehr schade finde ich, dass die GMSchulen schlecht geredet werden. Anscheinend hat dieser Philologenverband noch nie eine GMS von innen betrachtet.
    Mit freundlichen Grüßen
    S. Willared

    • Zitat:
      „Nicht jeder Lehrer geht seiner Berufung nach.“
      wie in allen anderen Berufen auch nicht jeder seiner Berufung nachgeht.

      Zitat:
      „Unsere Lehrer sind motiviert und engagiert; haben immer ein offenes Ohr für unsere Kinder und uns Eltern.“
      Wie an den meisten anderen Schulen auch.

    • „Anscheinend hat dieser Philologenverband noch nie eine GMS von innen betrachtet.“ nun wird ja inzwischen behauptet, es gebe Gymnasiallehrer, die seit Jahren in Gemeinschaftsschulen unterrichteten und von ihren Erfahrungen berichteten. Glauben Sie das?

    • Das Hauptproblem ist die Abschaffung der verbindlichen Schulformempfehlung _gegen_ das Gymnasium. Der Wechsel zur Gemeinschaftsschule geschieht ja auch nicht, weil die Gemeinschaftsschule so toll ist, sondern weil die Eltern die Leistungsfähigkeit ihrer Kinder überschätzt haben.

      • Das Hauptproblem ist die schulformbezogene Lehrerausbildung. Dass es überhaupt Lehrkräfte gibt, die den Dünkel pflegen, nur für stets lernbegierige Schülerinnen und Schüler zuständig zu sein (gibt’s die?) und alle anderen sollen bleiben, wo der Pfeffer wächst – das ist das Hauptproblem.

        • In der heutigen spezialisierten Welt ist es unmöglich, für alle Schulformen eine Lehrkraft zu haben. Wenigstens zwischen Grundschule und weiterführende Schule muss man trennen. Und selbst wenn man eine universelle Lehrkraft für die weiterführende Schule einführen würde, bewerben sich die meisten an den Gymnasien, die dann natürlich die nach Noten besten Kandidaten auswählen. Für die anderen Schulformen bleiben dann die mit den nicht ganz so guten Noten übrig. Gewonnen haben Sie dadurch auch nichts.

          Woher wissen Sie eigentlich, dass es an den Schulformen abseits des Gymnasiums keine lernbegierigen und am Gymnasium nur lernbegierige Schüler gibt?

  8. Ich unterrichte als Gymnasiallehrer an einer GMS und mir wurde die Pressemitteilung des Philologenverbandes von Kollegen zugeschickt, nachdem sie im Lehrerzimmer Thema war. Der Großteil meiner KollegInnen, unabhängig von der Art des studierten Lehramts, erkennt sich nahezu eins zu eins in der Mitteilung und den dort genannten Kritikpunkten wieder!
    Bei uns steht nur eine kleine Minderheit des Kollegiums wirklich hinter der Schulform. Der Großteil möchte an seine ursprüngliche Schulform zurück. Die Zahl der Versetzungsanträge weg vor der Gemeinschaftsschule hin zu den anderen Schulformen ist entsprechend!
    Auch von anderen Gemeinschaftsschulen habe ich bis jetzt ähnliches gehört. Oder wie es eine Bekannte (studierte Realschullehrerin, Tübinger Ecke) mal so schön ausgedrückt hat: „Für das, was ich täglich erlebe, müsste ich Schmerzensgeld bekommen.“

    • Ich muss Ihnen voll und ganz zustimmen. Auch ich bin an einer GMS tätig. Ich glaube niemand, der nicht an einer GMS Einblick in den tagtäglichen Wahnsinn hatte, sollte sich ein Urteil erlauben. An anderen, mir bekannten GMS, stellt sich die Situation genau gleich dar. Es mag wenige Schulen geben, an denen das Konzept zum Teil erfolgreich ist. An der Mehrzahl der Schulen ist es das nicht. Ich erlebe viel mehr Arbeit, sodass nur noch eine Minderheit überhaupt ein volles Deputat bewältigen kann, bei sinkenden Leistungen und Ergebnissen der SuS. Ich erlebe eine verlogene Berichterstattung der Medien über die GMS, die sich von den Schulen und Politikern blenden lassen. Ich erlebe, dass eine Dreifachdifferenzierung nicht funktionieren kann, weil man sich nicht dreiteilen kann als Lehrer. Ich erlebe, dass schwächere SuS die Guten mit runterziehen. Ich erlebe, dass nicht genügend Führungspositionen an GMS vorhanden sind. Ich erlebe, dass Lernentwicklungsberichte bei hohem Aufwand für alle Seiten nichtssagenden sind. Ich erlebe ein theoretisches, ideologisches Schulkonstrukt, das in der Praxis gegen die Wand fährt. Bitte umdrehen, zum Wohle aller Beteiligten!

    • Lieber Carlos,
      ich bin selbst Grund-und Hauptschullehrerin und habe 4 Jahre an einer GMS gearbeitet. Ich kann das, was sie und jüngst der Philologenverband kritisiert hat zu 100% bestätigen. Die vielen Lehrer an GMSchulen, die ich kenne sind sehr unglücklich, werden aber gleichzeitig dazu gedrängt diese Schulart in der Öffentlichkeit zu bewerben.
      Zudem kenne ich keinen einzigen Lehrer, der sein Kind an einer GMS hat. Es wird sich in den nächsten Jahren wohl zeigen, dass da vieles nicht so ist, wie es dargestellt wird.

      • Das ist ein interessanter Gedanke! Der Quotient „Kinder in Gemeinschaftsschulen : Kinder insgesamt“, wenn die Eltern Lehrer sind, sollte aussagekräftig sein.

        • Der Quotient ist nur aussagekräftig in Verbindung mit den entsprechenden Quotienten anderer Berufsgruppen. Interessanter halte ich den Quotienten nicht bei Lehrern, sondern bei den lautstarken Befürwortern der Gemeinschaftsschule. Für den Fall, dass deren Kinder schon zu alt sind, reicht auch die Schulformwahl pro oder contra Gymnasium. Im Wasser predigen und Wein trinken ist diese Klientel nämlich leider sehr gut.

  9. Als studierter Grund- und Hauptschullehrer an einer Gemeinschaftsschule kann ich die Kritik des PHV zu 110% bestätigen.
    Es geht hier nicht um ein paar unzufriedene Lehrkräfte sondern um eine Idee die nicht pauschal umzusetzen ist.

    Konzepte, Gelder und Personal sind Mangelware. Es wird immer nur gesagt „Macht mal!“. Dass das den Bach runtergeht ist abzusehen. Ich freue mich wenn das System GMS stirbt und Schüler bzw Eltern eine klare Struktur für den Bildungsweg haben.

  10. Das Hauptproblem ist nicht die Lehrerausbildung. Nicht nur die Philologen gehen auf dem Zahnfleisch, alle anderen LuL großenteils auch. Es gibt zu wenig Personal. Die meisten Eltern geben in meinen Augen zu viel oder so gut wie alle Verantwortung an die GMS ab (so wie ich sie kenne). Es gibt keine Hausaufgaben und Noten erst ab Klasse 8. Die SuS sind bis ca 16 Uhr in der Schule und dann „fertig mit Lernen.“ Es findet aber bis 16 Uhr nicht nur Unterricht statt. Dazu kommt, dass viel „selbstständig“ gearbeitet wird mit Plänen, was für schwache Schüler mit Sicherheit eine Herausforderung darstellt. Vllt. findet dadurch auch zu wenig Unterrichtsgespräch statt. Verbale Auseinandersetzung mit den Themen, verschiedene Sichtweisen, Diskussionen.
    In anderen Bundesländern gibt es auch Gemeinschaftsschulen, da habe ich solche Klagen noch nicht gehört. Warum klappt es da besser? So viel ich weiß, findet da ein Teil des Unterrichts in Doppelbesetzung statt, aber genaue Daten liegen mir nicht vor.

    • Mir haben vor wenigen Jahren junge Lehrer an GMS erklärt, dass dieses selbständige Lernen das eigentlich Innovative und Erwünschte sei; außerdem habe jeder Lehrer nur 12 Kinder als Gegenüber.

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