Philologen klagen an: Gymnasiallehrer werden in den Kollegien von Gemeinschaftsschulen gemobbt – viele wollen weg

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STUTTGART. Im Streit um die Gemeinschaftsschule in Baden-Württemberg legt der Philologenverband nach. Nicht nur die pädagogische Qualität der Schulform sei schwach. Auch das Klima in den Kollegien sei schlecht. Gymnasiallehrer würden dort gemobbt, Versetzungsanträge von Betroffenen abgelehnt. Die Folge: Selbst verbeamtete Lehrkräfte würden den Schuldienst quittieren – Hauptsache weg von der Gemeinschaftsschule.

Werden Gymnasiallehrer an Geneinschaftsschulen gemobbt? Der Philologenverband behauptet das. (Symbolbild) Foto: Shutterstock

Mit einer vollen Breitseite ist der Philologenverband Baden-Württemberg in dieser Woche auf die noch junge Gemeinschaftsschule in dem Bundesland losgegangen (News4teachers berichtete). Die darin üblichen Berichtszeugnisse seien unverständlich, Kinder mit Gymnasialempfehlung würden nicht ausreichend gefördert, es herrschten massive Disziplinprobleme – und: Ergebnisse von Lernstandserhebungen würden geschönt.

Bei der Vielzahl der Vorwürfe ist in der Berichterstattung eine Perspektive bislang weitgehend unbeachtet geblieben – die der Gymnasiallehrer an Gemeinschaftsschulen nämlich. Dabei fahren die Philologen auch aus dieser Sicht schwere Geschütze auf. „Von Seiten des Kollegiums gibt es an einzelnen GMS massives Mobbing gegen die aufgrund ihres Universitätsstudiums besser bezahlten gymnasialen Kolleginnen und Kollegen“, so heißt es in einer Pressemitteilung des Verbands.

Versetzungsanträge von Gymnasiallehrern werden abgelehnt

Auch deshalb wollten viele Betroffene weg, wollten an ein Gymnasium wechseln – würden aber von den Schulbehörden zurückgehalten. „Wegversetzungen von gymnasialen Lehrkräften von Gemeinschaftsschulen an Gymnasien werden auch nach fünf, sechs Jahren aufreibender Tätigkeit generell ‚aus dienstlichen Gründen‘ abgelehnt. Einmal gymnasiale Lehrkraft an einer GMS bedeutet anscheinend ‚lebenslänglich GMS‘“, so schreiben die Philologen.

Ist das so? Eine Gymnasiallehrerin, die an einer Gemeinschaftsschule arbeitet, bestätigt gegenüber den „Badischen Neuesten Nachrichten“ die Vorwürfe. Ihre Stimme bebe, wenn sie über ihren Berufsalltag berichte, so heißt es. Ihr Einsatzort – eine Gemeinschaftsschule eben – reibe sie nervlich auf. „Nur ein aktuelles Beispiel: Ich lese in einer Klasse gerade zwei Bücher, ein komplexes Jugendbuch mit vielen Seiten und ein kurzes, einfach geschriebenes Buch“, berichtet die Lehrerin gegenüber dem Blatt. „Ich habe zwei Räume, aber keine zweite Lehrkraft. Also laufe ich zwischen den Räumen hin und her. Und die meisten Kinder können eben nicht selbstorganisiert lernen. Die Schwächsten können das nicht.“

Gemeinschaftsschule – „eine Sackgasse“

Und was ist mit den Stärkeren? „Wenn ein einziger Schüler mit Gymnasialempfehlung in der Klasse sitzt – da glaubt doch niemand ernsthaft, dass dieser einzelne Schüler alle anderen mitzieht? Wie soll der arme Kerl das denn machen?“, so fragt sie zurück. Die Lehrerin hat dem Bericht zufolge ihre Versetzung beantragt – vergeblich. Sie fühle sich fehl am Platz. „Das ist eine komplette Sackgasse – und man lässt uns da nicht raus“, so zitiert sie die Zeitung.

Der Philologenverband hat Berichte von 15 Gymnasiallehrern an Gemeinschaftsschulen (GMS) gesammelt und teilweise veröffentlicht. Auszüge:

  • „An meiner GMS gibt es maximal ein bis zwei gymnasiale Schüler pro Lerngruppe, aber rund drei Viertel mit Hauptschulempfehlung, für deren Unterricht mir Ausbildung und Handwerkszeug fehlen.“
  • „Mindestens fünf bis sechs Schüler pro Lerngruppe sind verhaltensauffällig. Aufgrund der dauernden Störungen ist es nur wenige Minuten pro Stunde überhaupt möglich, eine Lernatmosphäre herzustellen.“
  • „Die ‚individuellen Lernzeiten‘ mit Selbstkontrolle durch die Schüler sind insbesondere für die schwächeren Schüler eine völlige Überforderung. Sie holen sich die zur Kontrolle gedachten Lösungen und schreiben sie einfach ab. Danach bestätigen sie sich: ‚Lernziel erreicht!‘“
  • „Die Belastung aller Lehrkräfte an den GMS ist enorm. Die massive Arbeitsleistung der Kolleginnen und Kollegen verpufft aber zum größten Teil, da das pädagogische Konzept an den Bedürfnissen der Schüler vorbeigeht.“
  • „Der in massivem Umfang fachfremd erteilte Unterricht gefährdet ebenfalls die Unterrichtsqualität.“

Die Unzufriedenheit von Gymnasiallehrern an Gemeinschaftsschulen sei so groß, dass Lehrkräfte „mittlerweile lieber ihr Beamtenverhältnis gekündigt haben als weiter an einer GMS zu unterrichten“, so erklärt Philologen-Landeschef Ralf Scholl. News4teachers

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Frontalangriff: Philologen fordern Kultusministerin auf, den Gemeinschaftsschulen Mittel zu streichen – und sie Gymnasien zu übertragen

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82 KOMMENTARE

  1. Das ist bekannt, dass so wenige Kinder mit Gymnasialempfehlung an Gemeinschaftsschulen sind. Die Verhaltensauffälligkeiten sind auch klar, wenn ich sehe wer auf diese Schulen wechselt. Ich kann mir bildlich vorstellen wie frustrierend es für einen Gymnasiallehrer ist so zu unterrichten. Die Ausbildung ist eine andere. Aber frustrierend ist es auch für die Kollegen aus der Realschule und der Hauptschule. Da beginnt es bei der Zerschlagung der Hauptschulen und dem Umbau dieser in Gemeinschaftsschulen und die Kollegen die parallel zum Unterricht durch viel Freizeiteinsatz eine neue Schulform aus dem Boden stampfen mussten. Realschullehrer die wie die Gymnasiallehrer wenige Realschüler antreffen. Die Gemeinschaftsschule ist m.E. Gescheitert.

  2. Hm, zwei Räume aber keine zweite Lehrkraft? Kinder, die das Handwerkszeug nicht haben? Ihre Stiime bebt???????
    Ich würde sagen, willkommen im Hier und Jetzt. Aufwachen bitte!

  3. Es ist kaum zu glauben. Auf der einen Seite werden die Schwierigkeiten an Gemeinschaftsschulen aufgezeigt, gleichzeitig wettert der Verband gegen die gleiche Bezahlung für alle Lehrer!

  4. Unglaublich. Man hat Fächer studiert und bekommt – Kinder.

    Diese Liste zeigt auf, woran es bei der Ausbildung von Gymnasiallehrern hapert. Denn auch das Gymnasium ist kein universitärer Hörsaal.

    • Ich würde von einem Zimmermann auch nicht erwarten, dass er mir eine millimetergenau eingepasst Küche schreinert, obwohl bei beiden die Ausbildung mit Holz zu tun hat.
      Dass die universitäre Ausbildung für Gymnasiallehrer eine andere ist als für Mittelschullehrer bzw. Realschullehrer, das wissen sie nämlich schon. Und dass mancher sich vielleicht auch wegen der konkreten Zielsetzung des Gymnasiums für diese Ausbildung entschieden hat, das leuchtet Ihnen doch auch ein, oder? Warum also sollte jemand, der gezwungen wird, in einem Beruf zu arbeiten, den er sich nicht ausgesucht hat, nicht unzufrieden sein dürfen? Ich denke, der Schreiner wäre auch unzufrieden, wenn er bei -5° Celsius einen Dachstuhl aufrichten müsste.

        • Ja aber es gibt Ärzte, die Kinder und Ärzte, die sehr alte Menschen behandeln möchten. Und wieder andere möchten im somatischen Bereich arbeiten wogegen manche Psychiater vielleicht kein Blut sehen können. So what?

          • Dann werden Sie doch Lehrer für ältere oder sehr alte Menschen – und gehen an eine Volkshochschule oder eine Hochschule. Nichts gegen einzuwenden. An Schulen aber sind nunmal Kinder, und Kinder sind naturgemäß heterogen und nicht immer lernbereit. Auch am Gymnasium nicht.

            Um im Bild zu bleiben: Ein Arzt, der an einer Kinderklinik arbeitet, kann auch nicht darauf pochen, doch eigentlich Gerontologe zu sein.

          • Anna, ein Gerontologe arbeitet nicht an einer Kinderklinik. Falls er an einer gemischten Klinik arbeitet, würde er nur in der gerontologischen Abteilung arbeiten. Ausnahmen sind Nachtbereitschaften, die aber im Lehrberuf entfallen.

        • Anna: Die einen sind Studienrat, die anderen irgendetwas anderes. Beide mögen Lehrer sein, trotzdem ist nicht jeder Polizist Streifenpolizist, sondern kann auch Kommissar sein.

          Ich hoffe dieses plastische Beispiel zeigt dir deine argumentative Schwäche auf – wenn nicht, dann ist dir eh nicht mehr viel zu helfen.

          • Treffender könnte ich es nicht ausdrücken: Die einen sind Studienrat – die anderen „nur“ Lehrer.

            Was für eine Arroganz…

            Und genau die ist das Problem hier.

          • Die Sek I- und Grundschullehrer könnten ja auch eine Gewerkschaft suchen, die den Wahnsinn der derzeitigen Arbeitsbedingungen an deren Schulformen offen ausspricht. Ich gehe nahezu jede Wette ein, dass auch diese Lehrkräfte am liebsten mit halbwegs vernünftig erzogenen und lernwilligen Kindern ohne überbordende Gebrechen arbeiten würden. Es ist also nicht die (angebliche) Arroganz der Räte, sondern die Mutlosigkeit der anderen Lehrkräfte. Außerdem hat niemand die anderen Lehrkräfte das Studium auf Gymnasialniveau verboten.

          • Der große Unterschied: Wenn Grundschul- und SekI-Lehrkräfte oder deren Interessenverbände Missstände ansprechen, wird dies gerne als „Gejammer“ abgetan und in den letzten Jahren war gerade der Philologenverband nicht untätig, den Lehrkräften an anderen Schulformen immer wieder Vorhaltungen zu machen, um sich auf deren Kosten zu erhöhen.
            Mutlosigkeit anderer Lehrkräfte kann ich nicht sehen, wohl aber eine starke Interessenvertretung der Philologen, die über Jahre ohne Rücksicht auf andere Schulformen gearbeitet hat und nicht erkennen will, dass dies am Ende zum eigenen Nachteil wird. Es war doch auch der Philologenverband BW, der in den letzten Tagen die Arbeit in den GMS schlecht geredet hat und forderte, den GMS müssten die Gelder gestrichen werden zu Gunsten der Gymnasien. War das im Interesse der Lehrkräfte, die an den GMS eingesetzt werden? Oder ging es darum, Eltern dazu zu bewegen, ihre Kinder nicht an der GMS anzumelden, sondern bei recht neu entstandener freier Schulwahl lieber das Gym zu bevorzugen? Müssen wir uns dann nach den Sommerferien auch von den Philologen anhören, dass die SuS nicht für die Schulform geeignet seien und besser an die GMS gegangen wären und dass die freie Schulwahl aufgehoben gehört?

            Nicht nur angesichts des Lehrkräftemangels sind es die Philologen selbst, die über unzählige Abordnungen UND Einstellungen oder Einstellungsvoraussetzungen auch in anderen BL in den anderen Schulformen landen und merken, wie schwierig die Arbeit dort ist.
            JETZT jammern die Philologen und ihr Verband, wie schlimm das alles wäre und zählen, s.o., ganz alltägliche Sachverhalte auf. Ja, die Anforderung an Differenzierung und Klassenführung sind hoch, die Belastung immens, die Arbeitszeit – wie an anderen Schulformen auch – viel zu hoch. Da ist aber nichts Neues. Neu ist, dass die Philologen selbst dies feststellen, äußern und anprangern. Statt sich aber für bessere Bedingungen einzusetzen, wird kritisiert, dass die Lehrkräfte nicht ans Gymnasium gehen dürfen. Wer soll die Arbeit in den anderen Schulformen zu den schlechten Bedingungen denn dann machen?

            Die zitierten Philologen wünschen sich an ihre Schulform zurück, selbst wenn sie – in Ermangelung anderer Stellen, eine an den GeSas oder GMS angenommen haben, wo sie durchaus SuS mit gymnasialer Empfehlung unterrichten UND zum Abitur führen können. Da fehlt Ihr stetig wiederholter Hinweis, XXX, man habe sich doch selbst auf diese Arbeit eingelassen, den sie sonst gerne den Lehrkraften aller anderer Schulformen entgegenbringen.

            „Ich gehe nahezu jede Wette ein, dass auch diese Lehrkräfte am liebsten mit halbwegs vernünftig erzogenen und lernwilligen Kindern ohne überbordende Gebrechen arbeiten würden.“
            Diese Wette verlieren Sie. Lehrkräfte, die sich bewusst für andere Schulformen entschieden haben, sind darüber im Bilde, dass sie eine heterogene Schülerschaft wählen, dass es dort viele Probleme gibt, mit denen die SuS und damit auch die Lehrkräfte konfrontiert werden. Dennoch sind auch an anderen Schulformen überall lernwillige SuS, die man als Mensch ansehen kann, mit denen man arbeiten und lernen kann,
            UND ES IST GUT, dass bisher viele Menschen bereit waren, diese Aufgabe zu übernehmen.
            Von Mutlosigkeit kann ich da nichts finden, gehen doch diese Lehrkräfte den Schwierigkeiten nicht aus dem Weg, sind sich vorab bewusst, dass sie nicht allein in 2 speziell ausgewählten Fächern unterrichten werden, UND bringen in manchen BL zusätzlich noch einen besonders guten NC mit, um überhaupt studieren zu können.

            Wenn diese LuL für GS und SekI inzwischen nicht mehr ausreichen, obwohl die Schülerschaft an den nicht-gymnasialen Schulformen zurückgegangenen sein müsste, werden in Zukunft noch viele Philologen über Abordnungen oder Einstellungen an den anderen Schulformen landen und diese wichtige Aufgabe dort übernehmen müssen, für die sie als Lehrkraft sogar ausgebildet sind und eingestellt werden.

          • Der Mobbingvorwurf ist schlichtweg lächerlich. Selbst wenn es in Einzelfällen vllt Mobbing in Kollegien der GMS geben mag, dann richtet sich das i.d.R. nicht danach, was für ein Lehramt jemand studiert hat. Ich vermute eher Folgendes:
            – Gymnasiallehrer sind pädagogisch, didaktisch und methodisch unzureichend qualifiziert und daher dem anspruchsvolleren Klientel der GMS nicht gewachsen.
            – Gymnasiallehrer sehnen sich nach der Oberstufe, die sie gerne unterrichten möchten, weshalb sie ja oft auch bei ihrem Lehramt von SekII-Lehramt sprechen. Die Oberstufe finden sie an GMS aber i.d.R. nicht.
            – einige, längst nicht alle Gym-Lehrer sind so arrogant wie Sie, Gümnasiallehrer a.D., sodass die fachlich für die GMS besser qualifizierteren Lehrkräfte (v.a. Lehramt HR) nicht gewillt sind, diesen aus ihrer Überforderung zu helfen.
            Was der Philologenverband da wieder verkündet, ist Schwachsinn und ich bin sehr, sehr froh, nicht Mitglied einer solchen Organssation zu sein, bei allem, was es an GEW und VBE zu kritisieren gibt (zu wenig Leistungsförderung, zu viel Herausstellen von päd. Neuigkeiten als Allheilmittel…), sind diese mir doch immer noch lieber.

        • Das Gymnasium bereitet seine Schüler auf ein wissenschaftliches Studium vor. Auch der Unterricht ist dementsprechend organisiert. Deshalb haben die Gymnasiallehrer eine universitäre Laufbahn. Das hat absolut nichts mit Arroganz zu tun. Es ist einfach eine ganz andere Art und Weise des Unterrichtens. Ich persönlich habe den Eindruck, dass die anderen Lehrer eher neidisch auf die Gymnasiallehrer sind und komplexe haben. Obwohl sie sich das selbst ausgesucht haben. Sie hätten auch an einer Universität studieren können.

          • Auch hier noch einmal:
            Wenn Gymnaisallehrkräfte die SuS auf die Hochschulreife vorbereiten,
            warum können sie es dann nicht an einer GeSa oder GMS?

            Tatsächlich haben die anderen Lehrkräfte auch an einer Universität studiert. Das ist in den meisten Bundesländern seit Jahrzehnten so. Diejenigen, die ihre Ausbildung als einige der Ersten an den Universtäten absolviert haben, sind inzwischen pensioniert und haben eine 40jährige Dienstzeit hinter sich.

          • Nicht nur gymnasiale Lehrer haben eine universitäre Laufbahn. Vielerorts, z.B. in Leipzig werden alle Lehrer an der Universität ausgebildet bzw. studieren dort. Zwischen Realschullehrern und Gymnasiallehrern gibt es nicht mal einen Unterschied in der Dauer des Studiums wie andernorts…

    • Willst du oder kannst du es nicht verstehen? Warum werde ich Gymnasiallehrer? Weil ich mit Kindern arbeiten möchte, die andere Fähigkeiten haben als Kinder die eine Realschule besuchen. Mit denen kann ich tiefer in viele Themen einsteigen. Oder, ich möchte nicht mit 6jährigen arbeiten, die ganz andere Bedürfnisse und Bedarfs haben. Wo ist dein Problem? Andere Beispiele: Altenpflege, Kinderkrankenpflege, Pflege, Herrenfriseur, Damenfriseur, Sternekoch, Imbusbudenkoch, Kantinenkoch, … Ich könnte ewig so weiter machen

      • Kieber Zappa. Dann doch mal ein kleines Blickchen in die Qualitätskriterien für Schulqualität in deinem Bundesland werfen. Stichwort Heterogenität.
        Lesen. Verstehen. Sich hier entschuldigen.

  5. Interessant, dass das Lehramt Gym von jenen gewählt wird, die a)schönes Wetter wollen und B) bestimmte Dinge gar nicht können, weil das schon klar war, als sie das Studium festgelegt haben.
    Ok.
    Jetzt habe ich das auch verstanden.

      • Weil die zum einen nicht dieselbe oder vergleichbare Motivation haben und nicht bei jedem Thema das Näschen so hoch tragen, dass es reinregnet?
        Um es mal deutlich zu sagen: Inklusion bsp. ist eine Aufgabe aller. Bisher merkt man davon aber bei den Beiträgen derer davon nichts, die die Sicht der Philologen verteidigen. Umkehrschluss: Man will es einfach nicht.

          • Wenn Gymnasiallehrkräfte ihre Aufgabe darin sehen, SuS der SekI und SekII zur Hochschulreife zu verhelfen,
            verstehe ich nicht, warum sie dies nicht an den GMS oder GeSaS machen können.
            Es wäre doch genau das, worin Sie, xxx, die Motivation der Philologen sehen.

        • Wieso nicht? Weil die Philologen nicht so verrückt sind und den Schulabschluss (Abitur) im Blick haben, den nur ein Bruchteil der Inklusionsschüler überhaupt schaffen kann. Rollifahrer und Blinde machen diesbezüglich erst einmal keine Probleme.

  6. wer im Studium bereits gymnasiale Mauern und nicht Kinderzimmer bauen muss, ist nicht verantwortlich, wenn er sich mit Kindern im Schulzimmer wiederfindet. Die Verantwortung liegt beim KUMI und der LehrerInnenausbildung.

  7. Es ist schon beschämend, mit welcher Arroganz und Verachtung hier Gymnasiallehrer gegenüber ihrer Schülerschaft auftreten. Und der Philologenverband macht sich diese Einschätzungen von einzelnen zu eigen und nutzt sie als Kampfinstrument gegen andere Schulformen und deren Lehrkräfte.
    Man muss diesen Lehrkräften und dem Philologenverband wohl leider in Erinnerung rufen, dass es Schulen nur wegen der Kinder und nicht wegen der Lehrer gibt.

  8. Dass die Arbeit an Schulen der SekI, welche Namen sie auch tragen, herausfordernd ist, hat niemand bestritten. Dies steigt mit der Heterogenität, damit auch die Notwendigkeit zur Differenzierung.

    Da braucht es pädagogisches Geschick, das sich in den Fähigkeiten der Lehrkraft zeigen muss, zumal die Bedingungen in der Regel nicht gut sind, selbst wenn der Philologenverband vor Tagen noch versucht hat, vorzurechnen, dass die GMS in BW bevorzugt behandelt würde.
    Hier zeigen nun die Äußerungen von Philologen, dass dem nicht so ist. Außerdem formulieren die befragten Philologen die üblichen Schwierigkeiten der integrierten Schulformen, denen keine ausreichenden Ressourcen zur Differenzierung bereitgestellt werden.
    Die Probleme und Anforderungen, die dies mit sich bringt, müssen alle Lehrkräfte dort bewältigen, nicht allein die dort eingestellten oder abgeordneten Philologen.

    Die aufreibende Tätigkeit erledigen die anderen Lehrkräfte auch.
    Versetzunganträge werden dann bewilligt, wenn ein Ausgleich an der Schulform möglich ist. Angesichts des Lehrkräftemangels für Grund- und SekI-Schulen ist das aber in sehr vielen Regionen in ganz unterschiedlichen Bundesländern nicht gegeben, sodass vermehrt Philologen in diesen Schulen eingesetzt werden. Mit längerer Tätigkeit dort, die an GeSaS als regulärer Einsatzort für Gymnasiallehrkräfte per Einstellung gegeben ist, bietet sich der Vorteil, dass man sich in die Aufgaben einarbeiten kann.
    Anders ist es, wenn es eine (halb)jährlichen Wechsel gibt, sodass die KollegInnen eine Notsituation überbrücken, die Stammkräfte der Schule aber letztlich alle weiteren Aufgaben bewältigen UND immer neue KollegInnen aufnehmen und unterstützen müssen – zusätzlich zu der ohnehin anstrengenden Arbeit in diesen Schulformen.

    Unverständlich ist allerdings, woher das Wort „Mobbing“ im Beitrag kommt.
    Die Bedingungen und Anforderungen werden ja nicht allein für Gymnasiallehrkräfte an den SekI-Schulen bereitgestellt.
    Der Beitrag listet auf, dass sich Philologen an den Schulen nicht wohl fühlen,
    – weil ihnen ihrer Aussage nach das Handwerkszeug für den Unterricht in der SekI fehlt,
    – weil Herausforderungen und Arbeitsbelastung groß sind, offenbar viel größer als der erlebte Unterricht am Gymnasium und auch größer als das, was sich die KollegInnen vor ihrer Einstellung/ Abordnung vorgestellt hatten,
    – weil man auf unterschiedlichsten Niveaustufen arbeiten muss und nicht erwarten kann (und darf), dass gute Schüler alle anderen aufs höhere Niveau hieven und man fortan nur auf einem Niveau unterrichten könnte,
    – weil fachfremder Unterricht zu leisten ist.
    Der Unterschied zwischen einer SekI-Klasse am Gymnasium und einer an einer GMS oder GeSa wird hier deutlich.
    Die Beliebtheit der GeSa-Stellen bei Philologen zeigt sich dort, wo derzeit viele Stellen an Gymnasien und GeSas ausgeschrieben sind und der Lehrkräftemarkt leergefegt ist: die GeSa-Stellen sind offenbar weniger beliebt, da sie häufiger unbesetzt bleiben, obwohl an allen Schulformen die Stellen für Philologen mit A13 ausgeschrieben sind.

    Von „Mobbing“ steht in diesen Äußerungen gar nichts. Allein der Hinweis auf die Pressemitteilung des Verbandes spricht davon, dass Philologen für gleiche Arbeit an den GMS – andernorts an den GeSaS – A13 erhalten, was andere KollegInnen dieser Schulen unfair finden und dies auch äußern. Das wird offenbar als „Mobbing“ aufgefasst oder deklariert.

    Vielleicht wäre ein anderer Umgang etwas, das es allen leichter machen würde:
    Es gibt durchaus Philologen, die an Grundschulen oder SekI-Schulen abgeordnet werden und wurden, die Verständnis für die immensen Anforderungen und Belastungen aufbringen und selbst äußern, dass GS- und SekI-LuL wie Gym-LuL A13 verdienen sollten.
    Die GS-LuL bringen Verständnis dafür auf, dass man in der GS und SekI im Unterricht anders agieren muss als mit älteren, begabten und in der Regel häuslich unterstützen SuS, sodass sie Philologen hilfreich zur Seite stehen.

    Tatsächlich ist es der Lehrkräftemangel, der die Arbeitsbelastung für alle Beteiligten erhöht und zusätzlich an den Kräften zehrt: Die einen müssen sich in neue Schulen/Schuformen ggf. auch in neue Fächer einarbeiten, die anderen die KollegInnen aufnehmen, beraten und zur Seite stehen.
    Die Stammlehrkräfte der abgebenden Schule müssen den Mangel verwalten und auffangen, was die abgeordneten KollegInnen ggf. nicht mehr übernehmen können,
    die Stammlehrkräfte an den aufnehmenden Schulen müssen den Mangel verwalten und auffangen, was nicht vorhandene KollegInnen schon länger nicht übernehmen können, sodass jedeR dort mehrere zusätzliche Beauftragungen erhält und übernimmt.
    Bei anhaltendem Lehrermangel, Verneinung von Geburtenzahlen, Beschönigung von Zahlen zur Unterrichtsversorgung, weiterer Streichung jeglicher Förder- und Entlastungsstunden und mit jeder Aufgabe, die zusätzlich in „die Schulen“ gesteckt wird, sodass Lehrkräfte sie erledigen müssen, verschärft sich das Problem.
    Da es zu wenige Studierende für die GS- und SekI-Schulen gibt, werden die überzähligen Philologen weiterhin aushelfen müssen.
    Die Alternative sind noch günstigere Vertretungskräfte und Referendare, die mit weit weniger Vorbildung die gleichen Aufgaben schultern müssen, dafür aber erheblich weniger verdienen als alle anderen Lehrkräfte an den Schulen. Von Quoten und gleichmäßiger Verteilung möchten die Philologen ja nichts hören, das wird in dieser Hinsicht nicht anders sein.

    Mit Mobbing hat das gar nichts zu tun.
    Letztlich geht jeder anders damit um, dass zur ohnehin hohen Arbeitsbelastung weitere Aufgaben hinzukommen. Einige helfen, andere grenzen sich ab. Auch das findet sich in allen Kollegien.

  9. Auch Lehrer und Lehrerinnen dürfen in ihrem Berufsleben weiterlernen und sollen sich auch weiterentwickeln. Das gehört zu allen Berufen und eben auch zu den Berufen in der Schule. Schule muss sich weiterentwickeln und dazu gehören Veränderungen. Es gibt kein Berufsfeld, das sich nicht verändert. Manche Lehrkräfte brauchen offensichtlich eine andere Haltung und müssen lernen, fürs Lernen ihrer Schülerinnen und Schüler zuständig zu sein und Verantwortung zu übernehmen. Da hilft kein Jammern, sondern Fortbildung, Weiterbildung, Coaching etc. Und klar mehr Lehrkräfte in den Klassen.

    • Richtig, aber eine komplette Umschulung vom Spezialisten in Deutsch, Mathe, Geschichte zum Sozialarbeiter mit geringen Deutsch-, Mathe-, Geschichts- usw. -kenntnissen ist beim Lehramt nicht vorgesehen. In den blumigen Worten, mit denen die Gemeinschaftsschule angepriesen wurde, übrigens auch nicht.

      • Grins. Ich habe beide Lehrämte, hatte ich schon erwähnt. Deswegen: SekI und GS-Kollegen als Sozialarbeiter ist schon……… typisch Gym??

        • Ich lese durchweg von Heterogenität, kulturellen Differenzen, Bildungsprobleme usw. besonders an Schulformen abseits des Gymnasiums. Das hat mit Wissensvermittlung weniger zu tun als mit Sozialarbeit.

          • …. wobei die Frage ist, was dann noch eine pädagogische Qualität des Gymnasiums wäre, wenn die Schulform vor allen Herausforderungen der Gegenwart so offen die Segel streicht. Irgendiwe scheint es mir, als könnten Gym-Lehrer nach ihrer BEschreibung nur recht wenig, sind auf das wenige aber überdruchschnittlich stolz. Da freut es mich doch, dass bei uns die Realschulen die Gymnasien vor Jahren überholt haben in den Zahlen von Schülern, die das Abitur machen.

          • XXX, Sie äußern in diesem Post also deutlich, dass Heterogenität kulturelle Vielfalt, Bildungsprobleme u.a. im Gymnaisum eine untergeordnete Rolle spielen.

            Blenden Sie das aus, haben Sie in Pädagogik nicht aufgepasst oder meinen Sie das wirklich?

            Einerseits sehen Sie die Notwendigkeit zur Differenzierung nicht, weshalb dann beim Einsatz an anderen Schulen offenbar das notwendige Handwerkszeug fehlt,
            andererseits beklagen sie fortwährend, dass das Niveau sinke,
            gleichzeitig aber auch, dass dass Begabten zu wenig herausgefordert würden.
            Erschließt sich Ihnen der Zusammenhang?

            Da kann man ja schon auf die euphemistischen Äußerungen aus einem Ministerium warten, in denen die bereichernde schulformübergreifende Zusammenarbeit gelobt wird, die die schulübergreifenden Abordnungen mit sich bringen.

        • omg/15.02.2020/17:08h
          OMG- ja, Sie haben das treffendste Kürzel,…
          Ich arbeite SEHR GERNE und deshalb immer noch (!!!) seit 43 Jahren in einer GS im Rhein – Main-Gebiet. Und eine „Umschulung“/Fortbildung zum Psychologen, Psychiater, Krankenschwester, Sekretärin und ggf. auch zum Hausmeister wäre, zusätzlich zu der zum Sozialarbeiter, sehr wünschenswert.
          DAS hat nichts mit „Typich Gym“ oder diskriminierenden Äußerungen zu tun. Ein GS/SEK1-Lehrer ist heutzutage die eierlegende Wollmilchsau und in der SEK1, in der meine Tochter unterrichtet, ist es nicht anders!
          OMG, in welchem Wolgenkuckucksheim leben/unterrichten Sie?

  10. Ich glaube das sofort. Das „indiduelle Lernen“ und die „Selbstorganisation“ sind selten Orte der Reflexivität und häufig ist die Verachtung von Intellektualität ein Markenzeichen deg „Schule für alle“

  11. Hier wird oft so getan als wenn es am Gymnasium so viel besser wäre… Wenn ich sehe, wie schlecht es vielen Kindern am Gymnasium geht und wie unglaublich wenig die Kinder nach dem Abitur wirklich können, muss man eindeutig feststellen, dass das Problem nicht die Gemeinschaftsschule ist. Das Problem liegt in der falschen Ausbildung von Gymnasiallehrern im speziellen und Lehrern im Allgemeinen. Da können die natürlich nichts dafür, aber so wie es an deutschen Gymnasien / Schulen läuft, geht es erst recht nicht weiter. Die Gemeinschaftsschule macht erstmal viel richtig. Alles was in diesem Artikel steht hat damit zu tun, dass wir jetzt auch anders ausgebildet Lehrer benötigen. Und davon viel mehr als der Staat bezahlen möchte.

    Das Lehrer unterschiedlich bezahlt werden verstehe ich bis heute nicht. Nach allem was ich von Gymnasiallehrern in meinem Bekanntenkreis weiß, verstehen die es auch nicht, beschweren sich aber natürlich nicht darüber.

    • Dass die Abiturienten nicht mehr viel können, liegt in erster Linie daran, dass die Oolitik sich mit vielen Akademikern das Bildungssystem schön reden möchte. Dazu braucht sie viele Abiturienten und dazu viele Gymnasiasten. In Zeiten geringer werdender Geburtenzahlen geht das nur durch Niveauabsenkung. Das führt einerseits zu mehr Einserabituren, gleichzeitig aber auch zu noch leistungsschwächeren mittleren Schulabschlüsslern.

      • Irgednwie gibt es für Sie immer einen Schuldigen außerhalb dess Gymnasiums, gelle? Frage: Was meinen Sie, wofür Sie ihre Bezüge erhalten?

          • Da SIe Lehrkraft sind: Ja, auch wenn es nicht der eigenen Meinung entspricht, ja. Das ist die Kehrseite der Beschäftigung bei einem öffentlichen Dienstherren. Darüber sollte man sich VORHER klar sein.

          • @omg
            Wie kann ich etwas gutheißen, wenn ich es schlecht finde?
            Dann kann ich höchstens Gehorsam üben und mich in etwas fügen, auch wenn ich es ablehne.
            Ein Loblied auf die Sache brauche ich aber nicht zu singen.

        • Bezüge erhält man, weil man eine Planstelle zugewiesen bekommen hat. Die alimentation erfolgt ja nicht ohne Grund zu Beginn eines Kalendermonats, ein Bezug zu geleisteter Arbeit soll im Gegensatz zu den Angestellten ja gar nicht erst entstehen:)

          Ich bin ernannt worden, reicht vollkommen aus, um die Alimentation anzunehmen. Wenn der Staat Eisbrecher für die Subtropen kauft, dann ist das doch nicht das Problem der Eisbrecherbesatzung:)

    • Gehorsam ist genau die korrekte Bezeichnung, die der Eid einfordert.
      Wie sicherlich mitbekommen wurde:
      Gesang aus den Lehrerzimmern und anderen Sek.1 Schulen ist seit Jahren nicht mehr zu hören, von wegen Loblied.

  12. GMS ist für alle Kinder reine Zeitverschwendung, 20% der Zeit wird unterrichtet, 80% geht für organisatorische, disziplinarische und sonstige Themen. Ich würde kein Kind dahin schicken.
    GMS ist eine unkluge politische Entscheidung . 100% Geld für 20% Effizienz

    • Dann eben Gymnasium für alle, das wäre dann die gewünschte Effizienzsteigerung.

      Komischerweise gibt es für Sekundar- und Gesamtschulen in NRW Aufnahmegrenzen. Die kommunalen Schulträger legen von vornherein in Abstimmung mit den zuständigen Bez.-Reg. die Anzahl der Jahrgänge je Schuljahr fest. Die GY sind davon ausgenommen, haben sie mehr Anmeldungen als Plätze werden unbürokratisch weitere Klassen eingerichtet.

      Wie war der Leitspruch des Hosenbandordens noch? – So mit Schelm und schlechtem Denken, oder?

      „Honi soit qui mal y pense“?

    • Zitat:
      „GMS ist für alle Kinder reine Zeitverschwendung, 20% der Zeit wird unterrichtet, 80% geht für organisatorische, disziplinarische und sonstige Themen.“

      Das ist doch an Gymnasien mittlerweile auch so.

  13. Der Unterschied zwischen Gymnasium und Gemeinschaftsschule ist, wenn der Gymnasiallehrer schlechten Unterricht macht, fangen die Eltern das auf. In Gemeinschaftsschulen nicht, weshalb das Lernziel nicht erreicht wird. Sich auf die Schüler einzulassen ist nun einmal schwieriger als das bisschen wissenschaftliche Fachgesimpel. Als Studienrat ist es für mich einfacher mit arbeitswilligen Lerngruppen zu arbeiten. Und jetzt das Wunder, Hauptschulkollegen haben auch lieber arbeitswilligen Lerngruppen. Auch diese sind keine Sozialarbeiter sondern Lehrer. Diese Kollegen haben nicht nur die schwierigeren Schüler, werden schlechter bezahlt, sondern müssen auch noch mehr Stunden leisten. Eindeutig müssen sie entlastet werden und mehr Heute bekommen. Sie leisten arbeit welche schwieriger ist, als die eines Gymnasiallehrers, obwohl sie dafür nicht ausgebildet wurden. Statt jammern krempeln sie ihre Ärmel hoch, oder gehen, ein sie der Arbeit nicht gewachsen sind. Die Anmerkung bekommt der Studienrat.

    Wie bereits gesagt, ich bin selber Studienrat und habe gelernt die Ärmel hoch zu krempeln, wenn’s sein muss, weil meine Schüler mich brauchen. Ab und zu eine leistungsstärkere Gruppe fachlich in der Tiefe zu unterrichten ist aber auch Balsam für meine Seele. Und wenn in dieser fachlich starken Gruppe ein Schüler mit guten Leistungen sitzt, welcher ursprünglich, wegen seines Elternhauses nicht seiner kognitiven Beschränktheit, keine gymnasiale Empfehlung bekam, ist es Balsam für meine Seele und beschämend für mich, da ich im Kollegium als Studienrat für die gleiche Arbeit, mehr Geld als meine Kollegen bekomme und auch noch weniger Stunden unterrichten muss.

    • Zitat:
      „Der Unterschied zwischen Gymnasium und Gemeinschaftsschule ist, wenn der Gymnasiallehrer schlechten Unterricht macht, fangen die Eltern das auf. In Gemeinschaftsschulen nicht, weshalb das Lernziel nicht erreicht wird.“

      Das ist auch am Gymnasium nicht mehr so.

      „Sich auf die Schüler einzulassen ist nun einmal schwieriger als das bisschen wissenschaftliche Fachgesimpel.“

      Sie sprechen Gymnasiallehrern ab, dass diese sich auf Schüler einlassen können? Oder wie darf ich diesen Satz verstehen?
      „Sich auf Schüler einlassen“ und „Wissenschaftlichkeit (im schulischen Kontext vielleicht besser Fachlichkeit)“ sind zwei Seiten der selben Medaille und können nicht gegeneinander ausgespielt werden. Was nützt es einem Lehrer, wenn er sich „total super auf Schüler einlassen kann“, von dem Fach, das er bei den Schülern unterrichtet aber keine Ahnung hat?

    • Übrigens
      Ergebnisse des KiL-Projekts (Untersuchung von fachdidaktischem, fachlichem und pädagogischem Wissen der verschiedenen Lehrämter):
      Zitat:
      „Studierende des Gymnasiallehramts erzielen in den vier Skalen Lehrern, Lernen und Entwicklung, Klassenführung und Innovieren signifikant bessere Ergebnisse als Studierende der anderen Lehrämter.“

      Und weiter:
      „Dieser Befund erscheint zunächst kontraintuitiv, da oft angenommen wird, dass gymnasialen Lehramtsstudiengängen eher weniger pädagogisches und psychologisches Wissen vermittelt wird als in anderen Lehramtsstudiengängen“

      • Was auch immer Sie zitieren:
        Es geht um
        – Studierende, nicht Lehrkräfte, im Mittel im 4. Semester, befragt wurden je nach Teilbereich 84-685 Personen,
        – allein um MINT-Fächer
        – nur ums Wissen, nicht ums Handeln
        – die herausragenden Ergebnisse beziehen sich nur auf Mathematik, wobei kritisiert wird, dass gerade in diesem Fach Fachwissen und fachdidaktisches Wissen weniger stark getrennt wurde.

        Weitere Kritikpunkte wurden bereits angesprochen, siehe Kommentare zu https://www.news4teachers.de/2019/01/schulformbezogene-lehrerausbildung-philologen-nein-danke/

        Selbst bei der Veröffentlichung wird angeführt:
        – dass nicht abgefragt wurde, ob die abgefragten Inhalte im Studium bereits thematisiert wurden.
        – dass womöglich hinsichtlich Klassenführung Techniken statt Theorien vermittelt wurden, sodass einzelne Theorien nicht bekannt waren.
        – einige Subskalen nicht präzise waren: „Die Facetten Individuelle Besonderheiten und Werte, Normen und soziale Konflikte werden überarbeitet und in Folgestudien erneut überprüft“.
        siehe https://www.pedocs.de/volltexte/2020/18482/pdf/ZfPaed_2017_1_Hohenstein_et_al_Erfassung_von_paedagogischem_und_psychologischem_Wissen.pdf

        Interessant ist der Hinweis, dass sich die Ausbildung an den Universitäten stark unterscheidet und dass es zwar Vorgaben der KMK gibt, diese aber offenbar unterschiedlich aufgefasst werden.

        Baumert kommt im Interview der Zeit vor Jahrem zu der Aussage: “ Ob Haupt- und Realschullehrkräfte pädagogisch solider ausgebildet sind und erzieherisch besser arbeiten als ihre Gymnasialkollegen, ist nicht untersucht. Eine meiner nächsten Untersuchungen könnte eine experimentelle Studie sein, bei der Hauptschullehrkräfte an Gymnasien und Gymnasiallehrer an Hauptschulen unterrichten.“
        Da findet er ja nun viele KollegInnen, die sich dem in den Abordnungen stellen (müssen).

        • Worum auch immer es geht:
          Bis jetzt werden den GymnasiallehrerInnen immer wieder gerne auch öffentlich von sogenannten Fachleuten jegliche pädagogischen, psychologischen didaktischen Fähigkeiten abgesprochen, gerade weil dies in deren Studium zweitrangig ist – also wird konkret das Studium als Argumentationshilfe verwendet. Diese Argumentation ist also hinfällig.
          Auch GymnasiallehrerInnen unterrichten vor allem Kinder aber auch Fächer, weil sich dieses nicht trennen lässt.

        • Wie sie zitieren:
          „Ob Haupt- und Realschullehrkräfte pädagogisch solider ausgebildet sind und erzieherisch besser arbeiten als ihre Gymnasialkollegen, ist nicht untersucht.“

          Es wird in der Öffentlichkeit aber immer noch weiter der Mythos verbreitet, als wären die GymnasiallehrerInnen die in diesen Dingen am schlechtesten ausgebildeten.

          • Könnte an den Auslassungen des Philologenverbandes selbst liegen, der einerseits solche Studien hoch hält,
            andererseits selbst Äußerungen von Lehrkräften zitiert, die an GMS offenkundig davon überfordert erscheinen, dass sie Schülergruppen mit großer Heterogenität unterrichten sollen.

    • Zitat:
      „beschämend für mich, da ich im Kollegium als Studienrat für die gleiche Arbeit, mehr Geld als meine Kollegen bekomme und auch noch weniger Stunden unterrichten muss.“

      Laut sämtlichen Arbeitszeitstudien der letzten Jahre sind GymnasiallehrerInnen diejenigen mit der höchsten Arbeitszeit, gefolgt von den GrundschullehrerInnen. Die Anzahl der Unterrichtsstunden ist also kein Maß für die tatsächliche Wochenarbeitszeit einer Lehrkraft – auch wenn dies immer wieder gerne falsch dargestellt wird.

      So war in einem Artikel hier auf news4teachers zu lesen
      „An Gymnasien und Grundschulen über 45 Stunden (45:15 Stunden bzw. 45:06 Stunden) bzw. über 43 Stunden an Gesamtschulen (43:05 Stunden).“

      • Und warum ist das ein Grund dafür, dass Lehrkräfte an den koopertativen und integrativen Sekundarschulen für die gleiche Arbeit unterschiedliches Gehalt bekommen?

        • Der einzige Grund sind die unterschiedlichen Anforderungen während des Studiums. Das Studium des Gymnasial-Lehramts ist schwerer als das Studium des Grundschullehramtes.

          • Beziehen Sie sich auf den Schwierigkeitsgrad? Der ist beim Studium des Gymnasiallehramts in der Tat erheblich höher.

          • Streit um des kaisers Bart.
            Das Maschinenbaustudium an einer TU/TH ist auch anders aufgebaut als der „gleiche“ Studiengang an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften. Nur die verliehenen akademischen Grade beider Einrichtungsarten haben die gleichen Berechtigungen zur Folge.

          • Sagen diejenigen, die zum Beispiel am Lehramt für GY scheitern und das Studium eines anderen Lehramtes (z. B. RS) in den gleichen Fächern bestehen.
            Wären dort die Anforderungen genauso hoch gewesen wie beim GY-Lehramt, wären diese niemals Lehrer geworden.

          • @GriasDi – nee, die, die ein ingenieurwissenschaftliches Studium an einer TU absolviert haben.

            Der Witz ist doch, dass mir mein TU-Studium für zwei Fächer für das Lehramt SekI+II anerkannt worden ist. Wegen der Berufsaussichten habe ich dann aber an einer SekI-Schule angeheuert, weshalb es zunächst zur Einstufung in E11 gekommen ist.
            Auf der anderen Seite gibt es dann Absolventen mit FH-Diplom, deren Studienabschluss ebenfalls für die SekI+II anerkannt worden ist, und die jetzt Abiturprüfungen abnehmen dürfen.
            Kurzum – die Eingruppierungsregularien sind für’s Gesäß.

        • Übrigens ist innerhalb des GY-Lehramts der Gehaltsunterschied – je nachdem, welche Fächer man unterrichtet – auch nicht zu unterschätzen. Eine Deutsch-Englisch-Lehrkraft arbeitet sicher 10 Stunden pro Woche mehr als eine Sport-Wirtschaft-Lehrkraft.

          • Das ist bei Sek I-Lehrkräften und auf die Fächer heruntergebrochenen Grundschul-Lehrkräften genauso. Die Unterschiede zwischen den Doppeljahrgangsstufen 5/6,…,11/12 sind auch eklatant.

          • Und das belegen Sie mit welchen Quellen?
            Oder ist das Ihr subjektiver Eindruck?
            Vielleicht haben Sie aber auch eine der auf ein Jahr begrenzten Vollzeitabordnungen gewählt, um selbst Einblick in eine der anderen Schulformen zu erhalten?

          • Kommt drauf an, welche Aussage ich mit Quellen belegen soll.
            Wenn Sie den Schwierigkeitsgrad des Studiums meinen, müssen Sie nur in die Prüfungsordnung schauen, wobei ich nur für Bayern sprechen kann.

  14. Die Philologen sollen es mit Pädagogik und nicht mit Lügen versuchen. An der Alemannenschule Wutöschingen gibt es viele sehr zufriedene Gymnasiallehrer. Die Verallgemeinerung von Einzelfällen ist unverschämt. Es gibt eben viele Gemeinschaftsschulen die hervorragend funktionieren. Es gibt in allen Schularten bessere und schlechtere Schulen. Ich kann mir nicht ein schlechtes Beispiel aussuchen und dies für alle gültig machen. Warum nehmen die Philologen nicht einen glücklichen Gymnasiallehrer an einer GMS als Beispiel. Bei Bedarf kann ich einige nennen.

  15. Studienrat ist eine Statusfrage – sonst würde die Forderung nach A13 für alle Lehrkräfte mit Master-Abschluss und 2. stEx nicht so hohe Wellen schlagen. Und da ist der Einsatz als StR an einer GMS unter dem selbst festgelegten Niveau. Ist eine schulische Bildung, deren Ziel nicht das Abitur ist, überhaupt als Bildung zu bezeichnen? Es heißt ja nicht von ungefähr „mittlerer Schulabschluss“ und nicht „mittlerer Bildungsabschluss“. Wäre doch lustig, denn dann könnte jeder den „MBA“ erreichen:)

  16. Warum lässt man nicht die Aussagen der Lehrkräfte als deren Erfahrung gelten und spricht sie ihnen ab? Es ist tatsächlich im Bildungsbereich vieles ungerecht, ja. Die Arbeitsbelastungen sind überall gestiegen. Das lässt sich auch belegen. Ich bin auch jemand, der freiwillig auf das Beamtentum verzichtet hat. Einige Jahre Brennpunkt haben gereicht, diesem System den Rücken zu kehren. Durch meinen Magister bin ich in die Erwachsenenbildung gekommen. Ich liebe meine Arbeit, bin entspannt, habe Zeit für mich und Familie und kann dies bestimmt noch die nächsten 30 Jahre machen. Dafür weniger Geld. Aber eine zufriedene und ausgeglichene Lehrerin. Ich kann nur jedem raten, seinen Weg zu gehen. Es gibt viele Wege, anderen etwas beizubringen. Für mich hat die Regierung die letzten Jahre nur versagt. Die Lage ist dramatisch. Ich bin gespannt, wie es weitergeht…

    • Volle Zustimmung.
      Hier im Forum scheint man allerdings nur ein „richtiger Lehrer“ bzw. eine „richtige Lehrerin“ zu sein, wenn man an einer Brennpunktschule unterrichtet. Alle anderen müssen sich für ihre Arbeitsbedingungen rechtfertigen bzw. dafür rechtfertigen, dass sie nicht an einer Brennpunktschule unterrichten wollen.

  17. Danke. Anstatt sich untereinander zu bekriegen sollten sich alle zusammensetzen und gemeinsam Lösungen finden für die Probleme. Diese sind viel zu dringend. Im Grunde wäre mal ein Aufstand notwendig. Die meisten Lehrer lassen sich viel zu viel gefallen. Von der Schulleitung, den Eltern, den Schülern selbst. Der Job als Lehrer ist verantwortungsvoll und verdient höchsten Respekt. Der muss aber von den Lehrern auch eingefordert werden. Die Lehrer werden ganz klar im Stich gelassen, auch die Gewerkschaften stehen nicht 100% hinter ihnen. Stattdessen wird schön geredet, verschwiegen und gedeckelt.

    • @A.Müller …der indirekte Aufstand hat in Form von gravierendem Personalmangel und stetig ansteigenden Krankmelungen längst begonnen.
      Ich befürchte, vielen Kolleg*innen fehlt schlicht der Mut, sich zu wehren geschweige denn Respekt insbesondere von Vorgesetzten einzufordern.
      Schlussendlich glaube ich weiterhin an die erfolgreiche Idee der Solidarität von Gewerkschaften und empfehle insbesondere Einzelkämpfer*innen eine Mitgliedschaft. In Hamburg engagiert sich die GEW in zahlreichen Bereichen, die weit über den Schulalltag hinausgehen. Den hiesigen Gram vieler Kolleg*innen aus anderen Bundesländern kann ich nur sehr bedingt nachvollziehen.

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