„Wir denken an euch“ – mit wie viel Engagement sich Deutschlands Lehrer in der Corona-Krise für ihre Schüler einsetzen

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BERLIN. Corona-Ferien? Von wegen. Deutschlands Schulen haben in den vergangenen Wochen alle Kräfte mobilisiert, um ihren Schülern auch in der Krise das Lernen – und damit ein Stück Normalität – zu ermöglichen. Seit zwei Wochen sind die Schulen nun geschlossen. Wie läuft es? Wir haben Berichte von Lehrern quer durch die Republik gesammelt und sind dabei auf ein viel Engagement und zahlreiche gute Ideen für den digitalen Unterricht gestoßen (allen technischen Widrigkeiten zum Trotz).

Weil die Schüler nicht zum Unterricht kommen können, bringen Deutschlands Lehrer jetzt den Unterricht zu den Schülern – online. Foto: Shutterstock

„Wir wollen eine gewisse Struktur reinkriegen. Feste Zeiten sollen für die Kinder Routine bleiben“, sagt Armin Eder, Schulleiter der Pfaffenwinkel-Realschule in Schongau. Der Schüler müssen sich nach einem Bericht des „Merkur“ einmal täglich in das – in Bayern verfügbare – Schulportal „Mebis“ einloggen. Schwänzt ein Schüler mehrmals, gibt es eine Mitteilung an die Eltern, liefert er die Hausaufgaben nicht ab, gibt es, genau wie sonst auch, einen Strich ins Klassenbuch. Dabei hat Eder festgestellt, dass manche Schüler sich auch mal erst um 23 Uhr einloggen.

„Sozialhausaufgabe“: Schüler sollen Gutes tun

Ulrich Weighardt, Klassenlehrer einer 8. Klasse, der Vinzenz-Pallotti Schule in Friedberg, hat der „Augsburger Allgemeinen“ zufolge einen Youtube-Kanal eröffnet. In den Videos erzählt er nicht nur von seinem Alltag. Er gibt auch eine „Sozialhausaufgabe“ auf. Seine Schülerinnen und Schüler jeden Tag etwas Gutes tun, damit es allen in der Familie und auch Menschen außerhalb der eigenen vier Wände besser gehen. Zum Beispiel: Verteile Lob an Deine Eltern! Bring Deine Familie zum Lachen!

„Meine Lehrer versuchen, die Eltern telefonisch zu erreichen, und fragen sie, ob alles so funktioniert, wie man es sich vorstellt oder ob es Probleme gibt“, sagt Rektorin Jutta Aumüller von der Johann-Baptist-Graser-Grundschule im fränkischen Eltmann. Die Lehrer arbeiteten zum großen Teil von zu Hause aus und stellten ihren Schülern Wochenpläne und Lernmaterial zur Verfügung. Natürlich könne man nicht garantieren, dass alle die entsprechende technische Ausstattung zu Hause haben, sagt die Rektorin laut einem Bericht von „In Franken“. Aber der größte Teil der Kinder habe Internetzugang.

„Wir haben insgesamt sehr fleißige Schüler“

„Wir machen nicht eins zu eins mit dem regulären Unterricht weiter. Es geht mehr um Festigung und Wiederholung“, sagt Matthias Lenk, der stellvertretende Schulleiter des Lessing-Gymnasiums in Frankfurt. Die Rückmeldungen seien insgesamt positiv gewesen. Den Eindruck, die Schüler hätten lieber Corona-Ferien, hat er laut „Frankfurter Rundschau“ nicht. „Wir haben insgesamt sehr fleißige Schüler, der Großteil ist wissensdurstig.“ Allerdings weiß er auch: „Gerade wenn mehrere Kinder im schulfähigen Alter in einem Haushalt leben und/oder die Eltern im Homeoffice arbeiten, mangelt es manchmal an Endgeräten.“ Deshalb würden den Schülern zwar Fristen gesetzt, bis wann sie Aufgaben abgeben müssen, diese gälten aber nur als Orientierung. „Natürlich ist die Wochenstruktur in der Schule einfacher. Sie ins Kinderzimmer zu übertragen, ist eine große Herausforderung.“

Drei Lehrer von der Schongauer Mittelschule wollten den Unterricht auf kreative Art und Weise zu ihren Fünft- und Sechstklässlern nach Hause zu bringen, die wegen des Coronavirus daheim bleiben müssen: Mit Tutorials, also kurzen Erklär-Videos auf Youtube. Drei Tage lang haben die Pädagogen einem Bericht des „Merkur“ zufolge überlegt, welche Themen sie in den Videos aufgreifen möchten und wie sie das Wissen anschaulich sowie unterhaltsam erklären können. Dann haben die drei die Kamera im Klassenzimmer aufgestellt und losgelegt. Ein grobes Konzept stand fest, vieles wurde spontan gemacht – mit Erfolg: Ihr erstes Video wurde bereits mehr als 2000 Mal angeklickt, erreicht also weitaus mehr Schüler als nur die eigenen.

David Baumgärtel, Mathematik- und Informatik-Lehrer an  der gewerblich-technischen Ehrhart-Schott-Schule in Schwetzingen, hat seinen Unterricht ins digitale Klassenzimmer verlegt. Hierfür nutzt er eine interaktive Plattform, „um im Gespräch mit den Schülern zu bleiben“. Manche Lehrer treffe diese abrupte Veränderung hart, berichtet er laut „PZ News“. „Aber es ist eine große Chance, die Kollegen digital fortzubilden“, meint er. Und das täten etliche Lehrer nun auch. Drei Wochen lang gebe es Schulungen per Videokonferenz: zum Anlegen von YouTube-Kanälen oder der Nutzung des digitalen Klassenbuchs. Daneben aktualisiere er die Schulhomepage, helfe bei technischen Fragen und manchem verlorenen Passwort. Baumgärtel ist überzeugt: „Nach den Osterferien hat sich das alles eingespielt – oder wir dürfen zurück an die Schule.“

50 Liegestützen – eine (imaginäre) Eins

Peter Müller, Lehrer für Sport und Gemeinschaftskunde am Radebeuler Lößnitzgymnasium, hat seinen Unterricht in Internet gebracht. Neben Lektionen in „Demografie im ländlichen Raum“  und zu „Sozialer Mobilität“ gibt er dem „Mitteldeutschen Rundfunk“ zufolge auch Sport online – und macht die Übungen vor. Für 50 Liegestützen etwa bekommen seine Schüler eine (imaginäre) Eins. Mit in die Kamera gerecktem Daumen ermuntert Peter Müller seine Schüler der sechsten und siebten Klasse, tüchtig zu üben. „Am besten jeden zweiten Tag.“

„Die Schüler und Lehrer fehlen mir“, sagt Winfried Wagner, Schulleiter des Breisacher Gymnasiums, laut „Badischer Zeitung“. Mit seinem Stellvertreter, der Schulsekretärin und dem Hausmeister halte er im verwaisten Schulgebäude die Stellung. Normalerweise klingele im Sekretariat ununterbrochen das Telefon, „heute Vormittag waren es drei Anrufe“, berichtet Wagner. „Nur die Baustelle lebt“, fügt er hinzu. Der Bau der neuen Mensa komme gut voran.

„Wir haben schon von einigen Schülern gehört, dass es sehr viele Aufgaben sind. Wir müssen erst einmal erproben, wie viel wir den Schülern zumuten können“, sagt Christian Neuhaus, didaktischer Leiter der Hannah-Arendt-Gesamtschule im westfälischen Soest, verweist aber laut einem Bericht des „Soester Anzeigers“ auch darauf, dass durch die neue Situation nicht alle Schüler in der Lage sind, sich richtig zu organisieren, um mit dem Umfang an Aufgaben umzugehen. Aber auch Neuhaus erkennt Probleme beim E-Learning. „Heutzutage haben fast alle Schüler ein Handy, aber von ihnen haben nicht alle einen Laptop oder PC zu Hause, was die Verteilung der Aufgaben an sie erschwert.“ Es wird jedoch nicht erwartet, dass alle Aufgaben bearbeitet werden. Wenn die Schüler nicht die Möglichkeit dazu hätten, reiche es auch, wenn die Aufgaben wenigstens angeschaut werden, spricht Neuhaus. „Die Schüler können sich aber auch mit uns in Verbindung setzen, dann schicken wir ihnen die Aufgaben per Post.“

Das gesamte Kollegium hat gemeinsam einen Film gedreht

Das gesamte Kollegium der Sekundarschule Leichlingen hat einem Bericht der „Rheinischen Post“ zufolge gemeinsam einen Film für ihre Schüler gedreht. Titel: „Wir möchten Euch etwas sagen“. Ihren Appell, in Zeiten von Corona zu Hause zu bleiben, verbinden sie mit einem Dankeschön für alle, die helfen, die Krise zu meistern. „Uns war wichtig, den Schülern zu sagen: Wir denken an euch, wir sind alle in der gleichen Situation“, so heißt es. News4teachers

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Ministerien setzen in der Corona-Krise auf digitalen Unterricht – Lehrer und Schüler müssen sich durch instabile Plattformen quälen

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2 KOMMENTARE

  1. Hallo news4techers,

    warum erwähnt Ihr keine Konferenzsysteme wie Zoom, gotomeeting oder skype als Möglichkeit, einen interaktiven Kontakt zu den Schülern aufzubauen? Warum sprecht Ihr von kontaktfreiem Unterricht? In Bayern hat das Ministerium in den letzten Jahren leider nur die sehr umständliche, sehr langsame und sehr unstrukturierte Datenplattform Mebis mit einem schwachem e-mail Programm entwickelt.
    In Konferenzsystemen besteht sehr wohl interaktiver Kontakt zu den Schülern, der Unterricht mit „beamerfunktion“ läuft eigentlich sehr nah am normalen Unterricht…

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