Ministerium verzichtet auf Desinfektionsmittel in Schulklos – zu gefährlich!

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SCHWERIN. Der Hygiene-Erlass des Bildungsministeriums in Mecklenburg-Vorpommern sieht keine Handdesinfektionsmittel auf den Schultoiletten vor. Das ruft Kritik hervor. Für Schulbusse werden Begleiter gefordert.

Desinfektionsmittel – zu gefährlich für Schulen? Foto: Shutterstock

Der Hygieneplan des Bildungsministeriums für die Schulen in Mecklenburg-Vorpommern steht in der Kritik. So sollen die Schulen nicht mit Handdesinfektionsmitteln für die Schultoiletten versorgt werden, wie der Landesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Michael Blanck, am Montag in Schwerin sagte. «Das hat uns überrascht. Das sieht in anderen Bundesländern anders aus.»

Das Bildungsministerium hält – nach Konsultation mit dem Landesamt für Gesundheit und Soziales sowie Wissenschaftlern der Universitätsmedizin Rostock – eine Hände-Desinfektion in der Schule nicht für notwendig. Die Experten hätten erklärt, dass die Gefahren die Vorteile überwiegen würden, sagte Ministeriumssprecher Henning Lipski. «Am wichtigsten ist, die Hände regelmäßig und gründlich mit Seife zu waschen.»

Trinken Schüler Desinfektionsmittel?

Der Rostocker Tropenmediziner Emil Reisinger erläuterte, die Gefahr von Desinfektionsmitteln in Schulen bestehe darin, dass es sich um vergällten Alkohol handele. Es sei nicht auszuschließen, dass Kinder davon trinken könnten und dann eine Alkohol- und Benzolvergiftung erleiden. Professor Reisinger gehört zu den Beratern der Landesregierung. Er sagte, er habe vom Bereitstellen von Desinfektionsmitteln in der Schule zur Hände-Desinfektion abgeraten.

Der Hygieneplan des Ministeriums sieht unter anderem vor, dass die Pausen der einzelnen Klassen versetzt stattfinden sollen und dass Lehrer den Zugang zur Toilette kontrollieren. So soll vermieden werden, dass sich zu viele Schüler in den Toilettenräumen aufhalten. Vorgeschrieben sind Spender mit Flüssigseife und Einmalhandtücher. Blanck wundert sich: «Wenn Ladengeschäfte Handdesinfektionsmittel für ihre Kunden bereitstellen, muss das ja einen Sinn haben», sagte er.

Auch von der Opposition im Landtag kam Kritik. Die AfD warf Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) Fahrlässigkeit vor. «In der jetzigen Lage müssen Desinfektionsmittel gerade auch in Schulen zur Grundausstattung gehören», forderte der schulpolitische Sprecher der größten Oppositionsfraktion, Jens-Holger Schneider. Martin müsse die jetzige Regelung dringend überprüfen.

Erwachsene Begleiter in den Schulbussen gefordert

Für die Schulbusse forderte der VBE-Vorsitzende Blanck Begleitpersonen. Sie müssten darauf achten, dass die Schüler den geforderten Mindestabstand zueinander einhalten. Das könne man dem Busfahrer nicht aufbürden, der auf den Verkehr achten müsse.

Dieser Forderung schloss sich die Linke im Landtag an. «Es kann nicht Aufgabe des Busfahrers oder der Busfahrerin sein, darauf zu achten, dass sich alle Gäste an die Vorschriften, zum Beispiel an das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes halten», sagte die Fraktionsvorsitzende Simone Oldenburg. Lehrer sollten die Aufgabe aber nicht noch zusätzlich übernehmen. Oldenburg forderte die Landesregierung auf, die Schulwegbegleitung auf den gesamten Personennahverkehr auszudehnen. dpa

Erstmal bekam jeder Schüler ein „Hygiene-Startpaket“ überreicht – samt Schutzmaske

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8 KOMMENTARE

  1. So, der Busfahrer ist also nicht verantwortlich dafür, dass sich alle an die Vorschriften halten. Lehrkräfte allerdings sollen permanent und jederzeit diese Einhaltung kontrollieren, im Raum, im Flur, auf der Toilette, auf dem Schulhof… Wie soll das gehen?

      • Wieso, die Lehrkräfte, die nicht mit den SuS im Unterrichtseinsatz arbeiten sollen, da sie zu einer der Risikogruppen gehören, dürfen doch für außerunterrichtliche Zwecke wie aufsichten eingesetzt werden.

        • Nein, die Präsenzpflicht für diese LK ist ausgesetzt. Das heißt, diese Kollegen sind nicht auf dem Schulgelände, können also auch nicht für irgendwelche Aufsichten eingesetzt werden.

          • Ihre Ansich ist nicht über die Erlasslage gedeckt. Ich glaube nicht, d.h. ich weiß, dass sich meine SL nicht rechtswidrig verhält.

  2. Also Kinder sollen Desinfektionsmittel trinken. Wer glaubt das denn? Und selbst wenn ein Kind, nach dem ersten berühren von dem Desinfentionsmittel mit der Schleimhsut nicht in absolutem Ekel ausbrechen würde, sollte es nicht Lehrer geben die den Gebrauch überwachen?

    Die Gefahr bei Desinfektionsmitteln ist eher der falsche Umgang mit jenen, z B. zu viel oder zu wenig nehmen, die falsche Technik beim Desinfizieren usw.

    Nichts, was nicht eine Lehrkraft zeigen könnte.

    Ich denke, hier soll einfach Geld gespart werden.

    • Das Land NRW denkt halt vorausschauend. Durch diese Maßnahmen spart man sich Ausgaben, die in zwei Wochen, nachdem die Lockerung der Beschränkungen zu massivem Anstieg der Neuinfektionszahlen geführt hat, eine komplette Ausgangssperre mit Ausnahme von Einkauf von Lebensmitteln, Arbeit und unvermeidbare Arztbesuche zur Folge hat.

  3. Also, das mit dem Desinfektionsmittel verstehe ich nicht. Ähnlich wie in Chemie könnte man doch einfach eine kurze Sicherheitsbelehrung geben.
    Den erwachsenen Begleiter finde ich schlichtweg albern, hier wird so getan, als ob die bösen Jugendlichen sich nie an Regeln halten können und Erwachsene das immer tun. Das ist mit Sicherheit nicht so! Und überhaupt: Der Bus sollte ein Bereich der Schüler sein, in dem sie sich frei austauschen können, ohne „überwacht“ zu werden. Abgesehen davon, sind doch gerade an den weiterf. Schulen viele Schulbusse ehe überfüllt. Das macht ein Erwachsener zusätzlich nicht besser.

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