Umfrage: Ältere Schüler arbeiten im Fernunterricht zu Hause eher wenig

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NÜRNBERG. Deutschlands obere Schul-Jahrgänge arbeiten in der Corona-Krise nach einer neuen Studie zu Hause eher wenig. Viele Schüler verbrächten nur wenig Zeit mit Aufgaben für die Schule, fand das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in einer Befragung von Jugendlichen der Sekundarstufe II heraus. Gleichzeitig machten sich viele Sorgen um ihre Leistungen. Die Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit hatte 1000 Jugendliche der Vorabschluss- und Abschlussklassen in Gymnasien und Gesamtschulen aus acht Bundesländern online befragt.

So richtig Schwung bekommen viele Schüler vor dem Bildschirm offenbar nicht. Foto: Shutterstock

Unter der Woche verbringt der Untersuchung zufolge mit 27 Prozent nur etwa jeder vierte Jugendliche täglich vier oder mehr Stunden mit schulischen Aktivitäten wie beispielsweise Hausaufgaben oder digitalem Unterricht. 35 Prozent wenden dafür zwei bis unter vier Stunden täglich auf. Bei 37 Prozent sind es weniger als zwei Stunden.

„Allerdings besagt die reine Stundenzahl noch nichts über die Intensität und Qualität des Lernens“, so heißt es in der Studie. „Es wäre theoretisch möglich, dass leistungsstarke Jugendliche den vorgesehenen Lernstoff mit einem geringeren Stundenpensum als im Schulkontext bewältigen können. Gegen diese Annahme spricht, dass Befragte mit geringerem Leistungsniveau (unter einem Notendurchschnitt von 2,5 in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch) weniger Zeit für die Schule aufwenden. Auch verbringen männliche Schüler weniger Zeit mit schulischen Aktivitäten als Schülerinnen. Dagegen scheint der Lernumfang in den gymnasialen Oberstufen hier nicht vom Bildungsstand der Eltern abzuhängen (Eltern mit/ohne Abitur).“

Mehr Lernmaterialien – mehr Lernen

Weiter heißt es: „Setzt man den Zeitaufwand für Lernaktivitäten in Bezug zum digitalen Lernangebot der Schule, zeigt sich, dass Schülerinnen und Schüler, die häufiger Lehrmaterialien bekommen, mehr Zeit für die Schule aufwenden. Von den Jugendlichen, die nach eigenen Angaben seltener als einmal pro Woche Material oder Lernangebote von der Schule erhalten, verwendet über die Hälfte weniger als zwei Stunden pro Tag für die Schule. Unter denjenigen, die täglich Lehrmaterialien erhalten, gilt dies nur für ein knappes Drittel der Befragten. Allerdings ist denkbar, dass manche Schülerinnen und Schüler selbst bei regelmäßiger Versorgung mit Unterrichtsmaterial weiterhin wenig Zeit in die Schule investieren.“

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Diese Befunde könnten dafür sprechen, so schlussfolgern die Forscher, „dass Schulen nicht nur Lehrmaterialien bereitstellen, sondern auch verstärkt in Interaktion mit den Jugendlichen treten sollten. So könnte nicht nur der Lernerfolg kontrolliert, sondern auch die Motivation, gerade der leistungsschwächeren und der weniger engagierten Schülerinnen und Schüler erhöht werden. Allerdings könnten sich dabei etwa zeitliche Restriktionen der Lehrkräfte oder die technische Ausstattung von Schulen und Jugendlichen als limitierende Faktoren erweisen“.

Kontakt zu den Lehrern meist über Plattformen und E-Mails

Der allergrößte Teil der befragten Jugendlichen empfängt der Studie zufolge mindestens einmal wöchentlich Lehrmaterialien von der jeweiligen Schule. Bei 47 Prozent der Befragten geschieht dies täglich, bei weiteren 47 Prozent zumindest einmal wöchentlich. Der Kontakt zwischen Lehrern und den Jugendlichen finde über verschiedene Kanäle statt, die teils parallel eingesetzt werden. Vor allem Onlineplattformen und E-Mails werden von Seiten der Schulen genutzt. 45 Prozent der Schüler machen sich große oder sehr große Sorgen, dass sich die Schulschließungen negativ auf ihre Leistungen auswirken – Mädchen sind besorgter als Jungen. News4teachers / mit Material der dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

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6 KOMMENTARE

  1. Dabei wurden nur Oberstufenschüler und damit die bildungsnächste Hälfte der Schüler, gemessen an den Abschlüssen, befragt. In den Klassen 8-10 dürfte das alles noch wesentlich dramatischer aussehen.

    • Alles easy – die sind doch alle intrinsisch motiviert. Das ist doch die Grundannahme zeitgemäßer Erziehungswissenschaft.

      Erfahrungswert, eigener: Die wollen gute Noten, aber möglichst wenig tun. – Und Noten gibt es derzeit nicht …

    • Zumindest an den Gesamtschulen NRW gibt es kein Sitzenbleiben bis Klasse 9. Zu viele zu schlechte Noten sind dann vielleicht blöd, aber nicht schlimm, weil die Versetzung ja sicher ist. Das ändert sich aber in Klasse 9, was gerade die Spezialisten lernen müssen, was allerdings dauern kann. Sie wollen dann zwar gute Noten, aber dafür weder etwas für die Schule tun, noch ihr Sozialverhalten ändern.

      • Sekundarschulen ebenfalls. Die Versetzung nach Klasse 10 ist ein Verwaltungsakt, der den HA (Hauptschulabschluss nach Klasse) einschließt. Der HA ist der geringste, berufsqualifizierende Abschluss, der in der SekI nach 10 Vollzeitbesuchsjahren vergeben werden kann. Die Hauptfächer sind Deutsch, Mathematik, Arbeitslehre – entweder Hauswirtschaft oder Technik – und die Naturwissenschaften als Einzelnote von Ph, Ch und Bio. Es gibt keine Lernbereichsnoten. WPI-Fach und Englisch sind keine Hauptfächer.

  2. Man sollte doch mal digitalen Unterricht am Laptop, Tablet oder PC machen, dann wären wir motiviert – so viele Schüler in den letzten Jahren. Jetzt ist es so weit, jetzt können sie sich wieder nicht aufraffen.
    Diese Phase ist sozusagen der Realitätsschock für alle Digitalisierungs-Jünger. Man bräuchte die Schüler nur mit den allseits geforderten Lernvideos füttern, dann läuft alles von selbst. Sie könnten dann nämlich individuell in ihrem eigenen Tempo lernen. Ja könnten sie, sie haben auf digitalen Unterricht aber mindestens genau so wenig Lust wie auf analogen – egal wie die Lernumgebungen aussehen.

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