Drosten optimistisch: Chance auf Herbst und Winter ohne zweite Welle

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BERLIN. Eine heftige zweite Corona-Welle könnte nach Einschätzung des Virologen Prof. Christian Drosten abgewendet werden. Er glaube so langsam, dass es eine Chance gebe, ohne Impfung glimpflich in Herbst und Winter zu kommen, «sprich: ohne eine tödliche neue zweite Welle», sagte der Wissenschaftler von der Berliner Charité am Donnerstag im NDR-Podcast. Dafür sei es nötig, bei den jetzigen Maßnahmen nachzujustieren. Abzielen solle man dabei nach dem Vorbild Japans stark auf das frühe Erkennen sogenannter Superspreading-Events: Fälle, in denen ein Infizierter überdurchschnittlich viele weitere Menschen ansteckt.

Die Ausbreitung des Coronavirus soll möglichst gebremst werden. Illustration: Shutterstock

Kontaktpersonen sollten dann ohne vorherige Diagnostik als infiziert betrachtet und isoliert werden, um weitere Ansteckungen zu verhindern. Zeige sich zum Beispiel eine Infektion bei einem Lehrer, schaue man sich an, welche Klassen er zuletzt unterrichtete – diese Schüler müssten dann ein oder zwei Wochen zu Hause bleiben, aber man müsse nicht die ganze Schule schließen, so Drosten. Japans Infektionskurve «krieche» nach unten, lange habe man dort aber nicht offensiv die Strategie kommuniziert.

Drosten betonte, auch viele der derzeit in Deutschland bereits geltenden Maßnahmen verhinderten mögliche Superspreading-Events. Angenommen werde inzwischen, dass der Großteil der Infizierten nur sehr wenige oder keine anderen Menschen anstecke. dpa

Hier geht es zum aktuellen NDR-Podcast von Drosten (Folge 44).

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7 KOMMENTARE

  1. Ich schätze ja bekanntlich Drosten sehr, aber er weiß schon, dass Lehrer sich in kleinen Lehrerzimmern treffen und das es ein Fachlehrerprinzip ab der Sek I gibt?

    Wenn ich an Corona erkranken würde, müsste man das halbe Kollegium als Kontaktperson zu Hause lassen und sowieso ungefähr ein Drittel bis die Hälfte aller Schüler, weil diese alle von mir unterrichtet werden. Im Moment vll. sogar noch mehr, da ich ja auch noch die Risikokollegen vertrete.
    Außenstehende glauben ja irgendwie immer, dass ein Lehrer nur sehr wenige Klassen unterrichtet, aber dies ist ein klarer trugschluß. Ein erkrankter Lehrer mit Quarantänemaßnahmen bei allen direkten Kontakten würde übrigens auch zum Totalausfall der Schulleitungen führen.

    • Wenn die Schule alle Hygieneregeln nach Plan umgesetzt hat, würden allenfalls die nächsten Angehörigen des Kollegen in Quarantäne geschickt. Alle anderen Kontakte werden erfasst und getestet – oder auch nur bei Symptomen getestet – aber nicht zwangsläufig unter Quarantäne gestellt.

  2. …irgendwie spielen ja Aerosole bei der Übertragung eine wichtige Rolle. Im Herbst Winter ist die Situation in einem Klassenzimmer wahrscheinlich ein Superspreading Event….. mam kann sich letzlich ja nicht freitesten….
    Bleibt nur zu hoffen, dass für die Unterrichtssituation im Herbst / Winter Entscheidungen getroffen werden, die uns aös Akteure in den Schulen nicht zu Versuchskaninchen machen!

    Habe ich heute schon gesagt, dass eine temporäre Aussetzung der Schulpflicht den ganzen Sektor mit allen Risiken entzerren könnte?

  3. Wer glaubt denn noch, dass der Grundschullehrer nur vor seiner Klasse steht? Nicht nur an Regelschulen und Gymnasien etc. gibt es ein Fachlehrerprinzip. Neben seinen Hauptfächern Deutsch, Mathematik und Sachkunde ist der Grundschullehrer in mindestens einem weiteren Fach ausgebildet und unterrichtet eben meist alle Klassen der Schule in diesem Fach.

    • Ich habe dies ganz offensichtlich bis gerade geglaubt. War von meinem Praktikum vor nicht mal 10 Jahren ausgegangen.
      Finde ich persönlich allerdings sehr schade, denn dass eine Grundschulklasse bis auf Sport und Religion fast immer vom Klassenlehrer unterrichtet wurde, fand ich sehr positiv und sinnvoll.

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