Böhm kritisiert Datenschützer, der gegen Lehrer ermittelt: „Verantwortungslos“

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BERLIN. Jürgen Böhm, Bundesvorsitzender des Deutschen Realschullehrerverbands (VDR), hat den Thüringer Datenschutzbeauftragten Lutz Hasse für dessen Ankündigung, gegen Lehrer aufgrund von Datenschutzverstößen während der Corona-Krise zu ermitteln, scharf kritisiert. „Wer Lehrkräfte, die sich angesichts einer einmaligen Ausnahmesituation und mangels nicht vorhandener Möglichkeiten kreativer Lösungen bedienten, nun rechtlich belangen und mit Strafgeldern belegen möchte, der hat weder einen Blick auf die derzeitige Realität noch Verantwortung für unsere Kinder und unsere Gesellschaft“, erklärt Böhm.

Zeigt sich empört: Jürgen Böhm, Bundesvorsitzender des VDR. Foto: Marco Urban / VDR

„Der Skandal um die Äußerungen des Thüringer Datenschutzbeauftragten macht das Dilemma der Digitalisierung an den Schulen in Deutschland während der Corona-Pandemie deutlich. Die Krise dient als Indikator des Standes der Digitalisierung im Bildungswesen und sie zeigt, dass die Lehrkräfte, nicht nur in Thüringen, als billige Sündenböcke für staatliche Versäumnisse herhalten müssen“, so sagt Böhm, der bereits 2014 für seinen Einsatz für die Digitalisierung im Bildungsbereich von der Gesellschaft für Informatik (GI) und dem Bundesbildungsministerium zum „Digitalen Kopf Deutschlands“ gekürt wurde.

Schwung nutzen – Schulen schnell digitalisieren

Statt das Engagement der Kolleginnen und Kollegen zu honorieren und mutige Schulen zu unterstützen, verschanze sich die Landesregierung Thüringens im aktuellen Beispiel hinter dem Datenschutz und verliere sich in „warmen Worten“. Erst die Corona-Pandemie habe das längst bestehende nationale Problem der digitalen Kommunikation, das Fehlen leistungsfähiger, rechtssicherer Plattformen und das Nichtvorhandensein nutzbarer digitaler Endgeräte für Schüler und Lehrkräfte mehr als verdeutlicht. „Der Stachel des Handlungsdrucks steckt nun tief im Fleisch aller Bildungsverantwortlichen. Was wir auf keinen Fall brauchen sind bürokratische, langwierige, überregulierte und selbstgestrickte digitale Lösungen für die Schulen“, so Böhm. Einige Bundesländer arbeiten daran, eigene Lernplattformen für Schulen zu entwickeln.

Mit Blick auf das kommende Schuljahr betont Böhm, dass gerade den Lehrkräften mit ihren personellen Kompetenzen und ihrer hohen Fachlichkeit eine entscheidende Rolle zukomme. Nur durch ein intensives Zusammenwirken von Schülern und Lehrkräften, der sinnvollen Verbindung von analogen und digitalen Lern- und Lehrtechniken könnten die entstandenen Wissenslücken schnell geschlossen werden. „Die Innovationskraft der Digitalisierung und der Anschub, den diese jetzt erfahren hat, dürfen nicht gebremst werden.“

Lehrer dürfen nicht von digitalem Engagement abgeschreckt werden

„Demotivation, überzogene Forderungen an die Lehrkräfte und das einfache ‚Zurück‘ in den Zustand vor der Krise nutzen weder den Kindern und Jugendlichen noch der Bildung in unserem Land. Wir brauchen jetzt motivierte Menschen, die sich engagiert der modernen Bildungsarbeit widmen und nicht von bürokratischen Monstern abgeschreckt werden“, appelliert Böhm.

Die Behörde des Thüringer Datenschutzbeauftragten Lutz Hasse prüft mögliche Datenschutz-Verstöße von Lehrern im Zuge des häuslichen Lernens in der Corona-Krise. Auch Bußgelder gegen Lehrer seien nicht ausgeschlossen, hieß es. Die Höhe der Strafen bewege sich in der Regel zwischen 100 und 1000 Euro (News4teachers berichtete ausführlich über die Initiative – hier nachzulesen). News4teachers

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

„Lehrerinnen und Lehrer eignen sich bestens als Sündenböcke“: Warum das Image der Schulen in der Corona-Krise so leidet – ein Interview

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2 KOMMENTARE

  1. Es ist doch ganz einfach. Ich bin zum Glück nicht von besagtem Datenschützer bedroht, sollte dies aber in meinem Bundesland auch erfolgen und sollte ich wegen so einer Sache wirklich eine Strafe aufgebrummt bekommen, dann würde ich (bisher sehr engagiert, auch wenn es hier oft anders wirkt), nur noch Dienst nach Vorschrift machen!
    Ich denke auch, dass ich nicht als Einziger das so sehe, das wäre dann bereits der zweite Moment in diesem Jahr, wo sich Eltern sehr wundern würden, was Lehrer alles leisten.

  2. Das ist einzig und allein ein Versagen des Dienstherren, indem kein klarer Rechtlicher Rahmen geschaffen wurde, der den Lehrern ein vernünftiges Handeln ermöglicht hat.

    Anstelle auf den Datenschützer zu zeigen – der nur seinen Job macht und im übrigen tätig werden MUSS – täte der Realschullehrerverbsnd gut daran, den Dienstherren dazu aufzufordern, sich Schützend vor seine Lehrer zu stellen, indem ggf. Kosten getragen werden und Strafen ebenfalls. Und indem endlich vernünftige Lösungen zur Verfügung gestellt werden, um digital zu arbeiten.

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