Konjunkturpaket: Endlich können System-Betreuer an Schulen finanziert werden

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FRANKFURT AM MAIN. Als einen „Schritt in die richtige Richtung“ hat die GEW das gestern Abend vom Koalitionsausschuss der Bundesregierung beschlossene Konjunkturpaket  bewertet. Die GEW hebt hervor, dass damit auch endlich die seit Langem geforderten System-Betreuer für die digitale Infrastruktur von Schulen finanziert werden könnten. Der VBE zeigt sich trotzdem vom Konjunkturpaket enttäuscht.

Bislang war die Wartung Lehrersache. Dabei entspricht das Netz einer digital gut ausgestatteten weiterführenden Schule dem eines mittelständischen Betriebs (Symbolfoto). Foto: Shutterstock

„Der wirtschaftliche Einbruch durch die Pandemie belastet auch die Haushalte der Länder und vor allem der Kommunen. Damit die Kommunen, die weitestgehend für die frühkindliche Bildung und den Unterhalt der Schulen zuständig sind, ihre Aufgaben weiter stemmen können, ist ein Ausgleich für die wegbrechenden Gewerbesteuereinnahmen der richtige Weg“, sagte GEW-Vorsitzende Marlis Tepe am Donnerstag in Frankfurt am Main. „Zudem werden der weitere Ausbau der Krippen, Kitas und des Ganztags sowie Hygienemaßnahmen gefördert. Die Gelder müssen aber auch dort ankommen, wo sie am dringendsten benötigt werden: den armen Kommunen. Diese werden teilweise gestützt, aber die Steuerung reicht nicht aus. Eine Unterstützung nach Sozialindex ist notwendig.“

Notwendige Investitionen in Schulgebäude leisten

Weiter betonte sie: „Trotzdem brauchen Länder und Kommunen auf Dauer wesentlich mehr Sicherheit und finanzielle Mittel, um ein gerechteres und besseres Bildungssystem aufzubauen und die notwendigen Investitionen in Gebäude und den Ausbau der Digitalisierung leisten zu können. Die Schwächen des Bildungssystems hat die Corona-Krise wie unter einer Lupe für alle sichtbar gemacht. Wir brauchen eine gesamtgesellschaftliche Anstrengung, um wirksam gegen zu steuern.“ Deshalb müsse insbesondere für hochverschuldete Kommunen mit großen sozialen Problemen sichergestellt werden, dass die bereitstehenden Gelder auch abgerufen werden können. Das sei Voraussetzung, um den Investitionsstau nicht zuletzt im Bildungssektor zu überwinden.

„Der Digitalpakt ist zu spät gekommen und wird zu langsam umgesetzt. Die Mittel müssen in den nächsten fünf Jahren auf 20 Milliarden Euro erhöht und die Ausgaben verstetigt werden. Gut, dass jetzt mit dem Konjunkturpaket die Ausbildung und Einstellung von Systemadministratoren in den Schulen vom Bund gefördert werden. Dafür müssen die Länder, die für die Lehrkräfte an Schulen zuständig sind, mehr Geld in die Weiterbildung der Pädagoginnen und Pädagogen investieren und für ein zielgerichteteres Angebot sorgen“, unterstreicht die GEW-Vorsitzende. „Die Umsetzung darf nicht durch ein weiteres Hickhack mit Blick auf Zuständigkeiten und Vergaberichtlinien konterkariert werden.“

VBE fordert: ein eigener Rechner für jeden Schüler

VBE-Bundesvorsitzender Udo Beckmann meint, dass die Chance vertan wurde, Geld aus dem Konjunkturpaket zielführend für die „Bildung in der digitalen Welt“ auszugeben. „Uns wird seit Jahren erklärt, dass es finanziell nicht möglich sei, digitale Endgeräte für alle Schülerinnen und Schüler zu beschaffen. Stattdessen wird zu Scheinlösungen wie ‚Bring your own Device‘ geraten“, sagt er. Dabei habe sich „BYOD“ in der der praktischen Arbeit nicht bewährt. Dieses Vorgehen schaffe neue Probleme wie Mobbing, Betreuung unterschiedlicher Software oder fehlender Datenschutz.

In der Krise sei deutlich geworden, wie notwendig ein eigenes Tablet oder Laptop sei, weshalb in einem Notprogramm vom Bund bereits 500 Millionen Euro als Unterstützung für die Anschaffung solcher Geräte zur Verfügung gestellt wurde. „Dass das aber bei weitem nicht ausreicht, haben wir von Anfang an deutlich gemacht. Mit 300 Euro pro schulpflichtigem Kind hätten wir flächendeckend für eine gleiche Ausstattung sorgen bzw. wenn bereits vorhanden das Geld für die moderne Ausstattung der Schulen nutzen können“, sagt Beckmann.

Hoffnung gebe die Formulierung aus dem Papier, das „im Digitalpakt Schule der Katalog der förderfähigen Investitionen erweitert“ werde. „Es bleibt abzuwarten, was nun neu hinzukommt. Wichtig ist, dass Prozesse der Antragstellung auf den Prüfstand kommen. Es braucht einen schnellen und schlanken Prozess und eine angemessene Personaldecke in den Kommunen, damit die Gelder auch wirklich zeitnah dorthin fließen können, wo sie dringend gebraucht werden“, so Beckmann.

„Geräte allein machen noch keinen besseren Unterricht“

Doch nicht nur um die Ausstattung müsse es gehen, denn: „Geräte allein machen noch keinen besseren Unterricht. Um die Mehrwerte des Einsatzes digitaler Endgeräte auch zu erhalten, braucht es pädagogische Konzepte und quantitativ ausreichende sowie qualitativ hochwertige Fort- und Weiterbildungen, welche die Lehrkräfte in der Dienstzeit in Anspruch nehmen können. Hierzu haben sich die Länder bereit erklärt.“ Dass sich der Bund über eine Pauschale an der Ausbildung und Finanzierung der IT-Administration beteiligt, würdigt Beckmann ausdrücklich.

Eine aktuelle Umfrage der GEW unter Lehrern hat ergeben, dass lediglich gut 20 Prozent der Befragten grundsätzlich mit dem technischen Support an ihrer Schule zufrieden sind (News4teachers berichtet ausführlich über die Umfrage – hier geht es zum Bericht). News4teachers

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