Berliner Kitas und Schulen kehren zum Normalbetrieb zurück – ohne Abstandsregel

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BERLIN. Berlins Kitas und Schulen kehren zum Regelbetrieb zurück. Davon hat die Bildungssenatorin den Senat überzeugt. Die Öffnung der Kitas steht schon ab der nächsten Woche an – die Schulen folgen nach den Sommerferien. Bemerkenswert: Die Hauptstadt lässt dafür die bislang geltende Abstandsregel sausen. Und zwar auch in den weiterführenden Schulen. Sogar Klassenfahrten sind dann wieder erlaubt.

Abstandsregel? Ist ein Auslaufmodell in den den Berliner Kitas und Schulen. Foto: Shutterstock

Viele Eltern haben schon lange darauf gewartet: In Berlin kehren Kindertagesstätten und Schulen zum Normalbetrieb zurück. Für die Kitas gilt das schon ab kommender Woche. Darauf hat sich der Senat am Dienstag auf Vorschlag von Bildungssenatorin Scheeres (SPD) verständigt. «Ab dem 15. Juni beginnt der Prozess der Rückkehr in den Regelbetrieb», sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Dienstag im Roten Rathaus. Ab dem 22. Juni soll es wieder einen vollen Betreuungsanspruch für Kinder und auch Früh- und Spätdienste geben. Derzeit haben viele Eltern nur einen Anspruch auf eine Halbtagsbetreuung.

Scheeres: Bin selbst Mutter von zwei Kindern – und weiß, was los war

Es sei derzeit immer noch eine schwierige Phase für Familien, sagte Scheeres. «Ich bin selbst Mutter von zwei Kindern, ich habe bei mir zu Hause mitbekommen, was da los war.» Sie erinnerte daran, dass es für Kinder zeitweise ausgesprochen schwierig gewesen sei, sich mit anderen zu treffen. «Wenn man auch noch auf engem Raum wohnt, führt das zu Konflikten», sagte sie. «Wir bekommen mit, dass die Menschen Sehnsucht haben nach Normalität.» Die komplette Öffnung der Kitas soll dem entgegenkommen.

Elternorganisationen wie Kitakrise Berlin sind allerdings skeptisch, ob genügend Personal für die Rückkehr zum Normalbetrieb zur Verfügung steht. Scheeres sagte dazu: «Wir gehen davon aus, dass wir zum 1. August ein stabiles Kitasystem haben». Sollte es Engpässe geben, sollten in Absprache mit der Kita-Aufsicht individuelle Lösungen gefunden werden.

Erzieherinnen und Erzieher, die zur Risikogruppe gehören, fallen für die Betreuung der Kinder aus. Noch vor Beginn der Senatssitzung hatten Eltern vor dem Roten Rathaus für das «Recht auf Bildung und Betreuung» demonstriert und ihre Bedenken zum Ausdruck gebracht.

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Schon seit Montag sind neben den älteren Kindern auch die Vierjährigen zurück in den Kitas. Nun sollen auch die Jüngeren bald folgen. In den Kindertagesstätten ist die zuvor wegen der Corona-Krise gültige Begrenzung der Gruppengrößen bereits aufgehoben worden. Allerdings soll auf möglichst stabile Gruppen geachtet werden, um das Risiko einer Infektion mit dem Coronavirus zu verringern. Scheeres kündigte an, es sollten künftig auch zusätzliche Räume wie in Familienzentren für die Kita-Betreuung genutzt werden, damit das möglich sei.

Volle Wochenstunden – samt Förderunterricht und Schulmittagessen

Die Berliner Schulen sollen mit Beginn des neuen Schuljahres zum Normalbetrieb zurückkehren. Das gelte für alle Schularten und Jahrgangsstufen, wie die Bildungssenatorin erklärte. «Wir wollen nach den Sommerferien in den Vollbetrieb gehen», sagte Scheeres. «Das ist nur möglich, wenn wir die 1,5-Meter-Regel fallen lassen», so die Senatorin. Damit müssten Klassen künftig nicht mehr in zwei oder drei Gruppen geteilt werden, um den bisher vorgeschriebenen Abstand einhalten zu können. Damit verringert sich der Bedarf an Räumen und Personal.

Auch andere Bundesländer haben angekündigt, auf die Abstandsregel in nächster Zeit verzichten zu wollen – allerdings zunächst nur für die Grundschulen. So heißt es in Nordrhein-Westfalen, wo die Grundschulen schon ab nächster Woche wieder in den Regelbetrieb starten sollen: Für die weiterführenden Schulen ändert sich erst einmal nichts. „Im Gegensatz zu den Primarschulen ist an den weiterführenden Schulen eine Durchmischung der Lerngruppen deutlich schwieriger zu vermeiden. So erschweren die Größe der Schulen und die Organisation des Schulalltages, etwa durch Kurs- und Differenzierungssysteme sowie das Fachlehrerprinzip, ein Vorgehen wie in den Primarschulen“, so heißt es in einer Mail an alle Schulen des Landes.

In Berlin soll sich dagegen auch die Zahl der Wochenstunden wieder am vor der Corona-Krise gewohnten Umfang orientieren, Förderunterricht soll es ebenso wieder geben wie das Schulmittagessen, kündigte Scheeres an. Klassenfahrten sollen ebenfalls wieder stattfinden können – logischerweise jedoch nicht in Risikogebiete, wie die Senatorin betonte. Änderungen noch vor den Sommerferien anzugehen, wäre aus Sicht der SPD-Politikerin nicht vernünftig gewesen: «Wir sind die Ersten, die Ferien haben», sagte Scheeres. «Es lohnt sich nicht mehr, es ist eine Wahnsinnsorganisation, diese ganzen Unterrichtspläne zusammenzustellen.»

Voraussetzung für die Pläne ist, dass die Infektionen auf niedrigem Niveau bleiben. «Wenn sich die Situation dramatisch verschlechtern sollte, haben wir einen Plan B entwickelt», sagte Scheeres. Ein Zurück zur aktuellen Situation solle es aber nicht geben. Auch für den Fall der Fälle sei vorgesehen, dass mindestens die Hälfte des Unterrichts im Präsenzunterricht stattfinden soll. dpa

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3 KOMMENTARE

  1. Wenn nach den Sommerferien tatsächlich die Abstandsregeln auch an den weiterführenden Schulen fällt, wie es die meisten Bundesländer ja bereits angekündigt haben, dann kann man die im Prinzip auch komplett in allen Bereichen abschaffen. Es wäre weder den Schülern noch der restlichen Bevölkerung zu vermitteln, warum dort der Abstand nicht notwendig ist, überall anders aber schon. Gerade weiterführende Schulen sind nichts anderes als täglich stattfindende Großveranstaltungen und feste Gruppen kann es dort ohnehin nicht geben.

    • Das erste, was ich im Rahmen des Unterrichts machen werde, ist ein Unterrichtsgang mit 28 SuS in einen Supermarkt oder zu einer öffentlichen Ausschusssitzung im Rathaus, da ja für den Unterricht keine Abstandsregeln mehr gelten.

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