Kommunen: Eltern an Kosten für Digitalisierung beteiligen

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DÜSSELDORF. Der Städte- und Gemeindebund NRW will Eltern an den Kosten der Digitalisierung in den Schulen beteiligen. „Ich denke, ein so großes Zukunftsprojekt wie die Digitalisierung lässt sich nur stemmen, wenn alle einen Beitrag leisten: Kommunen, Land und Eltern“, sagte Hauptgeschäftsführer Bernd Jürgen Schneider dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ am vergangenen Samstag. Bei den Lehrmitteln gebe es heute schon eine Beteiligung der Familien. „Die Laptops sollen die Bücher ja auf Dauer ersetzen. Dann wäre das lediglich eine Umverteilung der Kosten“, sagte Schneider der Zeitung.

Digitalpakt, Digitalisierung, Kind am Laptop, Homeschooling. Foto: shutterstock/Gorodenkoff
Städte- und Gemeindebund NRW setzt bei digitalen Lehrmitteln auf die Beteiligung der Familien. Foto: shutterstock/Gorodenkoff

Die Summe von einer Milliarde Euro, die Bund und Land in den Digitalausbau an den NRW-Schulen steckten, wirke gigantisch, reiche aber nur für einen Einstieg. „Die Bertelsmann-Stiftung hat errechnet, dass pro Schüler Folgekosten von rund 400 Euro entstehen. Das macht bei rund 2,5 Millionen Schülern in NRW eine Summe von einer Milliarde Euro – und zwar jährlich. Das ist ein gewaltiger Betrag, der nicht alleine von den Kommunen geschultert werden kann“, erklärte Schneider.

Mittel aus Digitalpakt fließen nur langsam

Der Digitalpakt soll Schulen mit digitaler Infrastruktur ausstatten – also mit WLAN-Netzen, Lernprogrammen aber auch geeigneten Geräten. Dafür wurden insgesamt fünf Milliarden Euro bereitgestellt. Seit Herbst des vergangenen Jahres können die Mittel online beantragt werden. Die Kommunen in NRW haben bislang allerdings nur einen sehr kleinen Anteil abgerufen. Bis zum 3. Juni sind rund 404 000 Euro von gut einer Milliarde Euro abgerufen worden, wie aus einer Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Fraktion hervorging. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hat wiederholt deutlich gemacht, dass sie bei der Umsetzung des Pakts vor allem die Länder in der Pflicht sieht.

Der Deutsche Lehrerverband reagierte empört auf die Zahlen. Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger bezeichnete die Höhe der bewilligten Mittel als „beschämend“. Es gebe natürlich Erklärungen dafür und auch die Corona-Krise gehöre dazu. „Aber das entschuldigt es nicht.“ Meidinger befürchtet, dass die Schulen auch im Herbst nicht besser dastehen werden. dpa

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4 KOMMENTARE

  1. Finde ich problematisch. Und angesichts der Tatsache, dass einige Eltern sich das nicht leisten können und auf staatliche Hilfe angewiesen sein werden, ist es wieder ein neues bürokratisches Monster. Wer soll das dann bearbeiten? Die Lehrer?

  2. „ „Die Laptops sollen die Bücher ja auf Dauer ersetzen. Dann wäre das lediglich eine Umverteilung der Kosten“, sagte Schneider der Zeitung.“
    Das ist zu kurz gedacht. Ein Laptop allein ersetzt das Buch nicht, es sei denn, man wolle nur mit dem Internet, eigenen Materialien oder OER-Materialien wie -Büchern arbeiten.

    Möchte man weiter Lehrwerken der Verlage einsetzen, benötigt man online-Versionen oder Lizenzen. Diese werden je nach Anbieter und Modell pro Jahr/ pro Schüler entrichtet. Das lässt sich sicher erheblich besser für Verlage steuern und kontrollieren, als das vielfache Ausleihen eines Buches, das z.B. in Nds. bereits durch einen Erlass eingeschränkt wird.
    Apps mit Übungen gibt es nun auch für Lehrwerken. Ob diese in Zukunft statt der bisher üblichen Arbeitshefte dienen können, wird sich in der Praxis zeigen, aber auch diese müssen bezahlt werden.

    Wenn die Schulen wieder im Regelbetrieb öffnen, wird die Digitalisierung nicht mehr so wichtig sein und man kann sich, wie bisher, um die Finanzierung streiten, so lange muss man kein Geld ausgeben.

    • Es geht aber nicht allein um die Hardware, die ohnehin nach spätestens 5 Jahren ausgetauscht werden müsste. Es geht um den „Content“. Die Zahlungen für die Hardware, das eigentliche Betriebsmittel sind die eine Seite, die andere die Inhalte, die lizenzspflichtig sein werden.
      Was nutzt ein Buchumschlag, der ca. 100 unbedruckte Seiten zusammen hält?

  3. Omg. Länder mit geringerer Steuerquote bekommen das auch ohne Belastung der Eltern hin. Fuer Eltern ist gerade in dieser Zeit das ein vielsagendes „Danke“ der Kommunen, die evtl. Einiges an den Problemen der Eltern nicht erstanden haben. Man greift such nur noch an die Stirn

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