„Mittleres Desaster“ – Opposition macht Kultusministerin Eisenmann schwere Vorwürfe

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STUTTGART. Schulalltag wird auch nach den Ferien im Zeichen des Kampfes gegen die Pandemie stehen. Die Opposition wirft Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) im Umgang mit Corona Versagen auf ganzer Linie vor. Eisenmanns Bildungspolitik sei ein „mittleres Desaster“, kritisiert der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Stefan Fulst-Blei. Am Mittwoch machte auch die FDP der Kultusministerin im Landtag schwere Vorwürfe. Die verteidigte sich und mahnte, man dürfe nicht vergessen, dass man nach wie vor in einer Pandemie lebe. Der Infektionsschutz gehe vor.

Die Opposition wirft Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann im Umgang mit Corona Versagen auf ganzer Linie vor. Foto: Kultusminsterium Baden-Württemberg

Die wichtigsten Streitpunkte rund um die Bildungspolitik:

SCHULPFLICHT: Eltern, die nicht wollen, dass ihr Kind am Präsenzunterricht teilnimmt, können dies der Schule formlos melden. Dann müssen die Kinder aus der Ferne mitlernen. Eine Attestpflicht für Schüler besteht nicht. Da es kein ordentliches digitales Ersatz-Angebot gebe, habe Eisenmann damit die Schulpflicht „faktisch abgeschafft“, kritisiert SPD-Parlamentarier Fulst-Blei. Ein Anruf reiche, damit ein Kind zu Hause bleiben könne. „Genau die, die es am nötigsten haben, bleiben dann zu Hause.“ Eisenmann weist den Vorwurf strikt von sich. Nicht die Schulpflicht, sondern nur die Präsenzpflicht habe man aufgehoben. Es gebe gute Rückmeldungen zum Fernunterricht. Eine Attestpflicht würde zudem nicht helfen, um Eltern zu schützen, die zur Risikogruppen gehörten, sagte Eisenmann. Außerdem fehlten derzeit nur sehr wenige Schüler in den Schulen.

DIGITALISIERUNG: Tablets statt Tafel? Aus Sicht der Opposition hat Eisenmann die Digitalisierung der Schulen in den vergangenen Jahren völlig verschlafen. Versäumnisse und Fehlentscheidungen würden sich nun in Zeiten des Fernunterrichts rächen. Bei Breitbandversorgung und schnellem Internet in Schulen trage der Südwesten im Ländervergleich mit Sachsen-Anhalt die rote Laterne, kritisiert der bildungspolitische Sprecher der FDP, Timm Kern. Nur 5,2 Prozent der 5300 Schulen im Land hätten einen Anschluss mit mehr als einem Gigabit pro Sekunde. Das Kultusministerium sieht sich nicht in der Verantwortung: „Die Breitbandanbindung der Schulen ist qua Gesetz Sache der Schulträger, des Bundes und des Innenministeriums.“

SINGEN UND BLASMUSIK: Wegen der hohen Infektionsgefahr sollten Gesang und Blasmusik in geschlossenen Räumen an den Schulen nach den Ferien eigentlich verboten bleiben. Die FDP sah bereits das Musikland Baden-Württemberg in Gefahr. Nach dem heftigen Protest von Chorverbänden können Gesangsfreunde nun hoffen. Eisenmann will Singen in der Schule unter gewissen Bedingungen nun doch ermöglichen und prüfen, unter welchen Bedingungen das funktionieren kann. Die FDP freut sich – und fordert, dass Eisenmann sich auch einen Ruck geben soll beim grundsätzlichen Verbot der jahrgangsübergreifenden Gruppenbildung – mit Blick auf Chöre, Theater und Technik-AGs.

NACHHILFEPROGRAMM: Das Ministerium bietet kostenlose Lern- und Förderkurse in den letzten beiden Wochen der Sommerferien an und spricht dabei von „Lernbrücken“. Das soll schwächeren Schülern ermöglichen, den Stoff aufzuholen und Corona-Lernlücken zu schließen. Das Nachhilfeprogramm greift aus Sicht der SPD aber viel zu kurz. Kinder aus schwächeren Familien erreiche man mit dem freiwilligen Angebot nicht, kritisiert Fulst-Blei. Stattdessen fordert die SPD ein Nachhilfebudget für das gesamte nächste Schuljahr. Sonst werde die Bildungsmisere weiter verschärft.

ARBEITSLOSIGKEIT: Alle Jahre wieder kritisieren Bildungsgewerkschaften die Arbeitslosigkeit vieler angehender und befristet angestellter Lehrer während der Sommerferien – die werden dann erst zum Beginn des Schuljahres wieder eingestellt. Das stelle das Gegenteil von Verlässlichkeit dar, kritisiert die FDP. Gerade da Fachpersonal mehr gebraucht werde denn je, müsse die Landesregierung diesen „sozialpolitischen Missstand“ abstellen, sagt auch Fulst-Blei.

Nach Zahlen des Kultusministeriums sind aber von den rund 120 000 Lehrkräften an öffentlichen Schulen im Land 97 Prozent verbeamtet oder in einer unbefristeten Anstellung. Nur etwa 3800 haben demnach befristete Verträge – die brauche es auch, um flexibel auf Engpässe reagieren zu können. Die Hälfte der 3800 könne man zudem nicht dauerhaft einstellen, weil sie keine abgeschlossene Lehramtsausbildung mitbrächten. Das Kultusministerium arbeite aber an Verbesserungen. So könnten sich bei Elternzeitvertretungen inzwischen Verträge auch über die Sommerferien erstrecken. dpa

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31 KOMMENTARE

  1. Die SPD kritisiert die einzige Kultusministerin, die die Gesundheitsrechte von Schülern und kranken Angehörigen ernst nimmt!?
    Einst stolze Arbeiterpartei! Gekämpft für Arbeits- und Gesundheitsrechte!
    Was ist aus dir geworden?

  2. Auch die SPD hatte vor der grün-schwarzen Ära genug Zeit, sich um die Digitalisierung zu kümmern. Täusche ich mich oder hat nicht der damalige KuMi Stoch die Plattform Ella ins Leben gerufen? Hatte er nicht sogar vor ein oder zwei Jahren eine offizielle Untersuchung in dieser Sache abgelehnt (in der Rolle des Oppositionellen!)?
    Und die Referendare/befristet angestellte Lehrkräfte wurden damals ebenso pünktlich zu Beginn der Sommerferien in die Arbeitslosigkeit geschickt. Täusche ich mich oder war das nicht damals, 2010, sogar ein rotes Wahlversprechen, dass diese Politik entschieden beendet werden würde? Tja, die SPD hat sich in ihrer schulpolitischen Zeit lieber gründlich darum gekümmert, die Schullandschaft in Scherben zu schmeißen. Aber: Muss man auch können!!!

  3. Sie führt die Maskenpflicht im nächsten Schuljahr für alle auf dem Schulgelände ein (außer Unterricht).

    Das sollen die anderen Minister erstmal nachholen.

    Ohne Masken auf einem Schulgelände ist leicht absurd, wenn es sonst in jedem Gebäude gilt.
    Machen wir auch dieses Schuljahr schon so. Problemlos !

    • Können die anderen Schulminister teilweise nicht. Über die Regeln für das Schulgelände und den Schulweg bestimmen die Kommunen.

    • Es ist in Niedersachsen ebenso angesagt, da denke ich, dass es über die KMK Absprachen gab oder zumindest mögliche Regelungen diskutiert werden.

      Warum man auf einem großen Schulhof an der frischen Luft Masken tragen muss, im Unterricht im geschlossenen Raum aber nicht, verstehe ich allerdings nicht.

      Für Niedersachsen gilt: Die Kinder dürfen sich innerhalb der Klasse oder des Jahrganges untereinander nähern und mischen, die Lehrkräfte behalten den Abstand zu Kindern UND KollegInnen.

    • Leider nicht in den Grundschulen. Und dann haben wir Eltern, die ein ärztliches Attest vorlegen, dass das Kind keine Maske tragen darf.

  4. Darf es denn wahr sein, dass alle Regeln der persönlichen Einschätzung von kommunalen Beamten, Landesministern, deren Bediensteten etc. überlassen bleiben?

    Sollten da nicht schleunigst Strukturen geschaffen werden, die klare Handlungsanweisungen zum Wohle aller im ganzen Land rausgeben?

    Das Land ist Arbeitgeber für die Lehrer, die Schulträger sind Arbeitgeber für die sonstigen Bediensteten und zuständig für Sachausstattung und Kinder, die Eltern als Erziehungsberechtigte wollen auch noch ein Wörtchen mitreden, über allem schweben das verbriefte Recht auf Bildung einerseits und die allgemeine Schulpflicht andererseits…

    Föderalismus und die Verteilung von Zuständigkeiten und ist ja eine nette Sache, aber hilft das, wenn darüber in Krisenzeiten immer wieder wertvolle Zeit verloren geht und die Einzelentscheidungen mehr oder weniger dem persönlichen Hintergrund einzelner Entscheider auf verschiedenen Ebenen überlassen ist?
    Dann ist es im Grunde dem dem Zufall überlassen, ob im Ministerium oder beim Schulträger jemand die richtige Ausbildung und Einsicht hat und aufgrunddessen verantwortungsvolle Schlussfolgerungen ziehen kann?

    Hat jemand eine vielleicht objektiv gute Idee, kommt die am Ende nie „unten“ an, weil alle möglichen Ebenen dazuwischen eingreifen oder eben auch nicht aktiv werden, Mittel oder Möglichkeiten fehlen…

    Wenn Kinder als unsere Zukunft gelten, sollten wir dafür sorgen, dass jemand gut für sie sorgt!In der bisherhigen Konstruktion wird das nichts, scheint mir!

    In einer Woche starten in NRW die ersten Konferenzen.
    Welche Vorgaben von Land und Kommunen werden die Grundlage für welche Entscheidungen sein?
    Bis heute scheint niemand irgendetwas Konkretes zu wissen.
    So geht Schule in meinen Augen gar nicht!

    Und wenn niemand weiß, was die richtige Entscheidung wäre – auch das einzugestehen finde ich legitim – würde ich erwarten, dass man zumindest auf allen Ebenen die Devise ausgäbe, größtmögliche Vorsicht walten zu lassen.

    • Ob föderal oder bundeseinheitlich ist im Lichte des OVG-Urteiles im Falle Gütersloh vollkommen egal. Die Unter-Quarantäne-Srellung bzw. der erneute „Lockdown“ (Kontaktbeschränkungen) für die Lkr. WAF und GT waren unverhältnismäßig und damit rechtswidrig. Welche Maßnahmen wo getroffen werden, ist alleinige Sache der örtlich zuständigen Gesundheitsbehörden. Der Rechtsrahmen für die Maßnahmen ergibt sich aus dem Bundesinfektionsgesetz und den Empfehlungen des RKI.
      Das Problem liegt nicht auf der behördlichen Seite, das Problem liegt in der undifferenzierten Berichterstattung bundesweiter bzw. überregionaler Medien.
      Die Hilflosigkeit der Konferenz der Gesundheitsminister der Länder gestern in Bonn zeigt doch ganz klar das Dilemma, natürlich ist es sinnvoll diejenigen zu testen, die aus „Risikogebieten“ zurückkehren. Nur die fliegen natürlich nicht alle zurück. Wie sieht es aus mit den Reisenden, die per Bahn oder Auto wieder in Deutschland einreisen. Woher soll der „Grenzer“ denn wissen, ob der Reisende lediglich aus Österreich einreist oder ob er davor in Slowenien oder sonstwo auf dem Balkan war.
      Auch bei Bahnfahrten ist doch fraglich, ob die Reisenden die Ausstiegskarten wahrheitsgemäß ausfüllen. Wie viel „Micky Mäuse“ und „Dagobert Ducks“ waren wohl zwischenzeitlich schon zu Restaurantbesuchen unterwegs?
      Wie groß ist die Bereitschaft sich freiwillig testen zu lassen bzw sich erst einmal selbst in Quarantäne zu begeben?

  5. Was bin ich froh, das in Ba-Wü erstmal die Ferien beginnen. Bis es bei uns los geht, haben wir schon die Zahlen anderer Bundesländer als Vorlage. Dann kann ich notfalls mit besonders dichter Maske meine Grundschüler (die es inzwischen nicht mal mehr schaffen Abstand zu halten) unterrichten.

  6. Kannsochnichtwahrsein: genauso denke ich auch!
    „Und wenn niemand weiß, was die richtige Entscheidung wäre – auch das einzugestehen finde ich legitim – würde ich erwarten, dass man zumindest auf allen Ebenen die Devise ausgäbe, größtmögliche Vorsicht walten zu lassen.“
    …..und den individuellen Spielraum deshalb zu ermöglichen. Wie kann es sein, dass ich in NRW der Schulpflicht als Risikopatient ausgesetzt bin, in BW jedoch die Belange dieser Gruppe in das Schuljahr einbezogen werden und diese Gruppe sich schützen kann. So wie es ethisch auch sein müsste!
    Wegen mir braucht es keine Regelungen geben, falls die Mehrheit wirklich der Meinung ist, dass der Arbeitsschutz in Schulen aussetzen soll. (Für mich persönlich ein Skandal) aber: diejenigen, die bereits jetzt wissen, dass sie als Gemüse aus diesem Infekt hervorgehen werden über ihre Kinder und die Schulpflicht zu verhaften….
    … ein no go.

    und hier ist er wieder mwin Aufruf: wir haben uns zu einer Gruppe zusammengefunden, die Schule mit Schutzkonzept als Ziel verfolgt.
    Jeder der sich angesprochen fühlt , möge sich mit uns in Verbindung setzen:
    2020Aufbruch@gmx.de

    • Warum der Ruf nach bundeseinheitlichen regelungen? – Letztendlich stirbt jeder für sich allein. Ob die Umstände, die zu seinem Tod geführt haben, eine Rechtsverletzung darstellen, können ja im Nachgang immer noch die Gerichte entscheiden.

      ur Zeit ist jede regelung hinfällig, die die aktuellen Entwicklungen und Erkenntnisse nicht berücksichtigt. Also wäre die einzige zu gebende Empfehlung, macht doch was ihr wollt bzw. könnt, aber passt bestmöglich auf euch und die Euren auf, haltet Abstand und nehmt die Maske, wenn das nicht möglich ist, und achtet auf die Hygiene. Ansonsten macht, was ihr euch selbst zutraut und lasst den Rest weg. Sagt wo ihr Unterstützung braucht, aber entscheidet auf lokaler Ebene angepasst an die örtlichen Gegebenheiten, da eine landesweite oder sogar bundeseinheitliche Vorgehensweise wenig oder nicht praktikabel ist.

    • Wer definiert „Risikopatient“? Geht das (mal abgesehen von hohem Alter) nach Eigendiagnose oder testiert ein Arzt diesen Status?
      Ich frage deshalb, weil mir reichlich viel, fast inflationär, mit dem Begriff „Risikopatienten“ rumgefuchtelt wird und jeder weiß, dass sich diese Menschen grundsätzlich vor großen Anstrengungen und Infekten schützen müssen, nicht nur vor Covid19.

      • Die Risikogruppen wurden vom RKI definiert bzw. es wurden entsprechende Kriterien empfohlen. Die Empfehlungen sind im Laufe der Zeit angepasst worden.

        In Hinblich auf die derzeit Infizierten lässt sich konstatieren, dass das Durchschnittsalter sinkt – also sich mehr Jüngere infiziert haben.

  7. Das attestiert ein Facharzt, wenn er der Meinung ist, dass sein Patient aufgrund spezieller Vorerkrankungen, einer Covid-19 Infektion nicht gewachsen ist, sprich einen schweren Verlauf evtl. mit Todesfolge erleiden könnte. Das sind nicht nur Menschen, die sich grundsätzlich vor großen Anstrengungen und Infekten schützen müssten. Sie können bei einem Kardiologen oder Pneumologen differenzierte Auskünfte erbitten.

    • Wenigstens etwas Konkretes. Ich habe nämlich manchmal den Eindruck, jeder bastelt sich hier selbst oder seine Angehörigen zu Risikopatienten zurecht, um ja nicht den Panikmodus oder seine Schimpferei auf irgendwelche Feindbilder abreißen zu lassen.

      • Sich Gedanken zu machen ist nicht gleich Panik, Dinge kritisch zu betrachten ist nicht gleich schimpfen. Ansonsten ist es eher umgekehrt, aus Risiko-Patienten werden je nach Bedarf Nicht-RisikoPatienten gebastelt.

        • Nichts gegen „Gedanken machen“!
          Wenn nach meinem Eindruck aber die Diskussion so einseitig wird, dass fast nur noch der Blick auf die Risikopatienten den Diskurs bestimmt, drängt sich mir schon der Gedanke von Panikmache auf.
          Neben den Risikopatienten gibt es ja auch noch Leute, die trotz Ansteckung geringe oder gar keine Krankheitssymptome haben. Sogar Risikopatienten überstehen meist ihre Ansteckung mit Corona.
          Zur vollen Wahrheit gehören in der Regel mehrere Seiten. Wird eine auf Kosten der anderen ständig wiederholt, entsteht ein schiefer Eindruck, der u. a. Panik erzeugen kann (und vielleicht auch soll).

          • @F.H. – es gibt nur die allgemeione Anordnung, nach den ferien den Regelunterricht mit allen SuS wieder aufzunehmen und dies ohne Mindestabstände und Maskenpflicht im Unterricht. Hierzu sind alle Lehrkräfte einzusetzen, wenn diese nicht schwanger, stillend oder vorerkrankt sind. Für die Gruppe der Vorerkrankten bedarf es eines Attestes eines Facharztes, um vom Präsenzunterricht ausgenommen zu werden.
            Wenn der Unterricht dergestalt, wie von der KMK empfohlen und von den jeweiligen Landesschulministerien angeordnet, stattfinden soll, ist es doch nicht verwunderlich, wenn einzelne Betroffene – vor allem diejenigen, die sich Gedanken um nahe Angehörige machen, mit denen sie in häuslicher Gemeinschaft leben und die vorerkrankt sind.
            Es beruhigt eben niemanden, wenn wissenschaftliche Untersuchungen davon ausgehen, dass Kinder bis zu einem gewissen Alter so gut wie keine Rolle in der Verbreitung des Virus einnehmen.
            Bedeutet im Umkehrschluss, dass die Öffnung von Kitas und Grundschulen und ggf. der Jahrgänge 5 und 5 an weiterführenden Schulen ohne größeres Infektionsrisiko möglich ist.
            Aber wie sieht es mit den Jugendlichen der Jahrgänge 7 bis 10 aus? Dass die Jahrgänge der Oberstufen ähnliche Infektionsmuster zeigen wie die meisten Erwachsenen ist unbestritten. Wie verhalten sich denn jetzt Lehrkräfte an weiterführenden Schulen, die ja nicht nur Klassenlehrkräfte einer einzelnen Klasse sind sondern als Fachlehrkräfte SuS verschiedenster Klassen und Jahrgangsstufen unterrichten müssen, damit ein Regelbetrieb wieder durchgeführt werden kann? Hierzu gibt es nämlich keine Ansagen von den Schulministerien, außer dass auf lokaler Ebene reagiert werden müsse, wenn die gesamten „Planungen der obersten Schulbehörden“ sich als nicht tragfähig erweisen.

            Mir sind Firmen bekannt, die aufgrund eines Ansteigens der Infektionszahlen durch Urlaubsrückkehrer nach den Sommerferien schon jetzt per betrieblicher Anordnung, das Tragen von Masken ab Betreten des Werksgeländes in allen Bereichen während des gesamten Arbeitstages verfügen. Gleichzeitig werden alle Mitarbeiter*innen, die die Möglichkeit haben, von zuhause aus zu arbeiten, angewiesen, dort im Home-office zu arbeiten und nur mit ausdrücklicher Genehmigung der direkten Vorgesetzten an ihren betrieblichen Arbeitsplatz zurückkehren zu dürfen.

          • @Lanayah
            Ihre berechtigte Frage kann ich nicht so recht beantworten. Mir fällt nur auf, wie häufig und gern heutzutage Angst und Panik erzeugt werden, was dann oft zur Ansammlung ohnmächtiger Wut und dem fordernden Ruf nach dem Staat bzw. nach staatlichem Eingreifen führt.

  8. Die gesundheitlichen Sorgen um seine Lieben und sich selbst haben nichts mit „Panikmodus oder Schimpferei auf irgendwelche Feindbilder“ zu tun! Stellen Sie sich mal vor Ihr Arzt würde Sie in seinem Sprechzimmer mit den Worten: „Na F.H., wieder im Panikmodus?… Was machen Ihre Feindbilder?“ begrüßen. Schon sehr entwürdigend und auch kaltherzig. Oder meinen Sie nicht?
    Ich persönlich nehme die Bedenken der hier Schreibenden Pädagogen sehr ernst. Freue mich, dass sie das für Teile der Bevölkerung so besorgniserregende Thema Regelbetrieb Schule, so differenziert beleuchten. Was könnte man auch dagegen haben?

  9. Von Versagen auf ganzer Linie kann doch wohl nicht die Rede sein! Soll Frau Eisenmann ihren Verstand den opportunistischen oder ideologischen Erwartungen anderer anpassen?

    Dass Eltern derzeit ihr Kind vom Präsenzunterricht abmelden können, finde ich richtig. Wenn Hygiene- und Abstandsregeln in Schulen nicht eingehalten werden und Kitas und Schulen den Regelbetrieb mit zu wenig Personal stemmen sollen, kann das durchaus eine gute Entscheidung zugunsten der Kinder und ihrer Familien sein. – Oder brauchen wir etwa einen Staat, der alles, bis ins letzte Detail regelt?

  10. F. H.,
    sehr vereinfacht, sehr gekürzt: Von überschießender Angstreaktion oder Panikattacken wird gesprochen, wenn der Auslöser oder die Heftigkeit der Reaktion für die ganz überwiegende Mehrheit der Mitmenschen nicht mehr verstehbar ist. Beides lese ich, bei keinem der Kommentatoren, hier heraus. Der Auslöser (mangelnder Infektionsschutz vor u.U. schwer oder tödlich verlaufender Virusinfektion durch Ignoranz des Arbeitgebers) ist für jeden mir bekannten Menschen nachvollziehbar.
    Für mein Empfinden wird die ganz natürliche Wutreaktion, die dieser Angriff auf Leib und Leben auslösen müsste, hier noch sehr zurückhaltend zum Ausdruck gebracht.
    Salopp ausgedrückt: Hätten Vorgesetzte von den Bergwerksleuten verlangt in Jeans und Turnschuhe in den Berg zu steigen, wäre der Protest öffentlich sehr viel wahrnehmbarer gewesen! Aber Pädagogen sind Profis darin zuzuhören, zu reflektieren, Sichtweisen zu wechseln… Für unsere Kinder tolle Eigenschaften, ohne jede Frage! Ich hoffe aber, dass genau diese Eigenschaften sie jetzt nicht daran hindern, sich lautstark Gehör zu verschaffen!
    Wenn bei Schulbeginn kerne effektiven Infektionsschutzmaßnahmen zur Verfügung stehen und außerdem in den höheren Klassen volle Klassenstärken präsent sind, sollten sie sich am nächsten Morgen vor die Ministerien setzen und auf FFP-Maskenlieferungen warten.
    Falls nichts geliefert wird, kein Unterricht!!! Lehrer sollten jetzt vielleicht etwas von den Bergwerkskumpeln lernen?!

  11. Also das ist doch völlig überzogen.
    Stellen sie sich vor es gibt noch mehr Menschen, die am / mit Menschen arbeiten.
    Und die können und konnten sich gar nicht schützen, trotzdem sind sie tgl. zur Arbeit gegangen. Ohne diesen Protest den man von den Lehrern jetzt hört. Peinlich ist das!!!
    Diese selbst genähten Masken und Visiere schützen unsere Psyche und schützen uns vielleicht vor Bakterien, aber vor Viren doch nicht…
    Abstand können Lehrer durch aus einhalten und wenn sie mal näher ran müssen, kann man durchaus davon ausgehen, dass sie in der Lage sind für ein paar Minuten die Luft anzuhalten.
    Auch kann man von einem Lehrer erwarten, dass er in der Lage ist mit seinen Händen außerhalb der Schleimhäute zu bleiben…
    Kinder lernen durch Interaktion und dazu gehört Mimik.
    Wir können natürlich auch die Lehrer mitsamt ihrer Gehälter abschaffen, aber da fragt sich nur für wen das die Schlimmere Konsequenz wäre.

    • Informieren Sie sich über Aerosole. Danach können wir auf sachlicher Ebene weiter diskutieren. So ist Ihr Kommetar Quatsch! Und peinlich!

    • Wenn ein Lehrer zum Schüler geht, nicht zum Luftanhalten,sondern zum Erklären!! Blödsinn!!
      Bis zu 30 Schüler auf engstem Raum, nicht nur drei Patienten pro Zimmer ,wie sehr oft im Krankenhaus.
      Schülerkontakt über Stunden, nicht nur für wenige Minuten, wie meistens im Krankenhaus.
      Patienten bleiben schön im Bett wenn Sie da sind, Schüler bewegen sich im Raum, vor allem im fachpraktischen Unterricht!
      Keine Rückzugsmöglichkeiten in den Pausen, da Schüler jetzt in den Klassenräumen bleiben dürfen und nicht im Pausenbereich zu finden sind! Also keine Erholungspausen um mal ohne Maske durchzuatmen und sich etwas zu entspannen. Ins Schwesternzimmer kommen wahrscheinliche keine Patienten in großer Anzahl um mit ihnen ihre Pause zu verbringen! Oder doch?
      Ein Lehrerzimmer, was zuvor schon für alle Lehrer zu klein und zu eng war,darf nur noch von wenigen zur gleichen Zeit aufgesucht und mit Maskenpflicht belegt werden.
      Wenig Fenster zum Öffnen und schon gar nicht zum Querlüften in den meisten Klassenräumen. Wenn die Türe geöffnet wird, befindet sich oft ein schlecht oder gar nicht zu belüftender Gang davor.
      Im Krankenhaus pro Zimmer eine komplette Fensterfront, mit Fenstern zum Kippen und wirklich auch zum Öffnen,nicht verschlossen oder kaputt! Diese stehen meistens auf Kippstellung, zumindest solange es nicht so kalt draußen ist.
      Was soll also das unqualifizierte Gechwätz liebe/ lieber Otti??? Wollen Sie wirklich mit den Lehrern und deren momentanen Arbeitsbedingungen tauschen?

      • Diese Arbeitsbedingungen kann mit Sicherheit die Mehrzahl der LehrerInnen in Deutschland bestätigen. Und lustig wird es, wenn man auch noch Kollegen hat, die von Abstand und Maske nichts halten.

    • Viele Lehrer haben sich damals schon ihre Masken selber hergestellt,auch wenn man damals noch belächelt wurde. EigenInitiative entwickeln! Wenn der Arbeitgeber nicht liefert, Geld in die Hand nehmen und Zeit zum Nähen planen! Aber da jammert man lieber und, macht selber nichts !

      • „Wenn der Arbeitgeber nicht liefert, Geld in die Hand nehmen und Zeit zum Nähen planen!“ Genau darauf verlässt sich unser Arbeitgeber seit Jahrzehnten. Lehrer kaufen Materialien für den Unterricht, schaffen digitale Technik selbst an, fahren mit ihrem Privat-PKW zu all den Kindern, die digital nicht erreichbar sind, telefonieren mit ihrem Privat-Telefon mit allen Eltern (die oft nur noch Handynummern angeben), streichen im Zweifel die Klassenräume und, und, und… Wenn ein Arbeitgeber eine Maskenpflicht erlässt, ist er für die Stellung derselben zuständig. Oder kauft jede Zahnarzthelferin ihre Masken und Handschuhe selber??

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