Schulstart gelungen – meint die Kultusministerin. Eltern beklagen Regel-Chaos

8

STUTTGART. Maske, Gruppenbildung und mehr Disziplin: Corona macht den Schulalltag komplizierter. Doch der Unterrichtsbeginn nach den großen Ferien ist in Baden-Württemberg relativ geordnet angelaufen – aus Sicht von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) jedenfalls. «Es ist sehr erfreulich, dass nach aktuellem Stand die Schulen alle gut in das neue Schuljahr gestartet sind», sagt sie. Die Rückmeldungen der Schulen zeigten aber auch, dass sie einiges an Mehrarbeit und Planung leisten mussten, um den Schulalltag unter Pandemiebedingungen zu organisieren. Elternvertreter werden deutlicher: Sie beklagen Regel-Chaos.

Stellt Schüler, Lehrer und Eltern auf weitere Corona-Fälle ein: Baden-Wüttembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann. Foto: Kultusministerium Baden-Württemberg

Am Montag ist Baden-Württemberg als letztes Bundesland in ein ungewisses Schuljahr 2020/2021 gestartet. Dass der Betrieb in der ersten Woche im Großen und Ganzen an den 4500 Schulen Baden-Württembergs klappte, finden die Schülervertreter. «Der Unterricht fühlt sich weitgehend normal an», berichtet Elisabeth Schilli, Sprecherin des Landesschülerbeirats. Ans Masken-Tragen habe man sich mittlerweile gewöhnt. Auch die neue Gruppenbildung (Kohortenprinzip), die mehr Nähe innerhalb einer Gruppe erlaubt, sei in der Schule für die meisten kein Problem. Die erste Schulwoche sei überwiegend als positiv empfunden worden.

„Es geht darum, den Präsenzunterricht aufrechtzuerhalten“

«Alle freuen sich, dass sie sich wieder sehen und soziale Kontakte pflegen können», beobachtet Uwe Müller, Direktor des Karlsruher Max-Planck-Gymnasiums. Er ist positiv überrascht, wie strikt bislang das Masken-Tragen auch auf dem Pausenhof befolgt wurde. Schwierig findet er bei fast 1000 Schülern in seinem Gymnasium die Einhaltung des Kohorten-Prinzips auf den Gängen. Doch er betont: «Es geht darum, den Präsenzunterricht durchzuführen und aufrechtzuerhalten.»

Bislang ist nach seiner Ansicht alles «sehr ordentlich» angelaufen. Das Vorstandsmitglied der Direktorenvereinigung Nordbaden räumt aber ein: «Es gibt natürlich eine gewisse Unsicherheit und Unruhe, weil wir nicht genau wissen, was auf uns zukommt.»

Kein gutes Gefühl haben schon jetzt manche Eltern, wenn sie die Berichte ihrer Kinder hören. So erzählt eine Mutter aus Bretten (Kreis Karlsruhe) von drängelnden Schülern, von Masken-Verweigerern, die nicht ermahnt werden und von ihren Bauchschmerzen, wenn sie hört, dass ausgerechnet der Mannschaftssport Basketball im Sportunterricht auf dem Plan steht.

Eisenmann: Klassen müssen wohl immer wieder „herausgenommen“ werden

Vereinzelt wurden schon in der ersten Woche nach den Ferien Schulklassen und Lehrer vorsorglich wegen Corona-Fällen nach Hause geschickt, etwa in Karlsruhe, Pforzheim, Waiblingen oder in Rottenburg am Neckar. Dem Kultusministerium zufolge gab es aber nur «ganz wenige klassenbezogenen Teilschließungen von Schulen». Bis Donnerstag wurden 17 Fälle gemeldet – von insgesamt rund 67.500 Klassen in Baden-Württemberg. Dass Klassen wegen Corona-Verdachts vorübergehend aus dem Präsenzbetrieb herausgenommen werden müssen, werde die Schulen weiter begleiten, so Eisenmann. Insgesamt begann der Unterricht für 1,5 Millionen Schüler und 35.000 Lehrkräfte im Land.

Die Zeiten sind schwierig, das weiß auch der Landeselternbeirat (LEB). Teils «sehr chaotische Vorgaben» des Landes kritisiert LEB-Chef Michael Mittelstaedt aber doch. «Es wurde relativ wenig geplant und wenig kommuniziert.» Zudem seien Eltern nicht rechtzeitig einbezogen worden.

«Ich hätte mir gewünscht, dass manche Entscheidungen klarer kommuniziert worden wären», sagt auch der Karlsruher Direktor Müller. Für Verwirrung und Ärger sorgte die Gesundheitserklärung für Schüler. Lag sie nicht vor, wurden Schüler mancherorts wieder nach Hause geschickt. Im Max-Planck-Gymnasium durften sie bleiben – mussten die Erklärung aber am nächsten Tag nachliefern. «Ich habe die Anweisung des Ministeriums pädagogisch interpretiert», sagt Müller.

In den Schulbussen stehen die Schüler „wie Ölsardinen“

Doch selbst wenn die Schule unter Corona-Bedingungen funktioniert – auf dem Weg dorthin kann es heikel sein. «Chaotisch gelaufen ist die Beförderung der Kinder», sagt der LEB-Vorsitzende Mittelstaedt. In den Schulbussen sei es weiter eng: «Die Kinder werden immer noch wie Ölsardinen transportiert. Da fühlt sich keiner richtig wohl.»

Ein großes Problem haben ihm zufolge Schüler, die zu Hause bleiben müssen: «Die sind aus dem Raster gefallen.» Dass es beim Fernlernunterricht Schwierigkeiten gab, räumt das Kultusministerium ein. Manche Schüler hätten dabei nicht die Lernfortschritte erzielt, die sie im regulären Unterricht erreicht hätten. Im neuen Schuljahr sollen nun Inhalte wiederholt und vertieft werden. Zugleich sollen Lücken und Förderbedarf identifiziert werden.

Direktor Müller schmerzt es, dass jahrgangsstufenübergreifende Aktivitäten wie Theater AG, Unterstufenchor oder Orchester derzeit noch nicht möglich sind. Doch seine Schüler und Kollegen sind kreativ: Statt zusammen auf der Bühne zu stehen, hat der Chor des Karlsruher Max-Planck-Gymnasiums zum Beispiel die einzelnen Sänger zu einer Video-Aufführung zusammengeschnitten. dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Schulbetrieb unter Corona: „Die eigentliche Bewährungsprobe steht uns noch bevor“

 

Anzeige


8 KOMMENTARE

  1. „von Masken-Verweigerern, die nicht ermahnt werden“
    Kleines Problem dabei: Als Lehrer jemanden der Maskenverweigerer ohne Maske auch nur zu fragen, ob er seine Maske vergessen habe, führt zu Dienstaufsichtsbeschwerden querdenkender Eltern.
    Weiterhin haben wir keine Handhabe, eine Maskenpflicht wirklich durchzusetzen, da die „Pflicht“ sich auf vielfältige und teils idiotisch simple Weise umgehen lässt – ich gehe hier nicht ins Detail um nicht noch jemanden dazu anzuleiten…
    Und die Mischung aus „wir können es eh nicht durchsetzen“ und „wir bekommen Ärger mit Personen, deren einziger Zeitvertreib es zu sein scheint, Diskussionen mit Lehrern zu suchen, ohne von oben wirklich davor geschützt zu werden“ (und wir haben wirklich gerade andere Sorgen, als die Geltungssucht solcher Individuen in langen Mailwechseln zu befriedigen), macht ein konsequentes Ermahnen etwas … schwierig.

  2. Ich weiß wirklich nicht, was daran gelungen sein soll. Am 3. Schultag wurde ich mit meiner Klasse in Quarantäne geschickt, eine weitere Klasse mit Lehrerin ebenso und auch fast die komplette Ganztagsbetreuung. Keine Masken im Lehrerzimmer oder auf den Fluren unter den Lehrern. Die Kinder müssen sich nicht testen lassen, geht alles nur auf Empfehlung. Dienstlaptop zum Homeschooling Fehlanzeige, Onlineplattform musste erst eingerichtet werden, ein Drittel der Kinder schafft es nicht, sich anzumelden, kein Wlan im Flüchtlingswohnheim, keine Endgeräte für die SchülerInnen. Super Schulstart…

  3. Kinder testen …

    Die Argumentation sieht dann wie folgt aus:

    Da in der Klasse eines Kindes ein Corona-Verdachtsfall existiert, wollen andere Eltern ihre Kinder testen lassen. Zunächst einmal passiert nichts, da ja der Test des Verdachtfalles ausgewertet werden muss. Ist der Verdachtsfall negativ, muss auch nichts weiter erfogen.
    Ist der Fall de facto positiv beginnt folgende Spirale: Die anderen in der Klasse werden nicht getestet solange sie keine Symptome zeigen. Gleichzeitig wird aber immer wieder darauf verwiesen, dass die Kinder in der Regel asymptotische Krankheitverläufe haben.

    Fazit: Da die kinder keine symptomatischen Krankheitsverläufe und vorallem mildere Krankheitsverläufe haben, werden sie nicht getestet werden. Erst wenn es dann an einer Schule zu einem größeren Ausbruch kommt, werden umfassendere tests durchgeführt, die dann ggf. ergeben, dass einige der zuvor nicht Getesteten Antikörper aufweisen.

    Warum unterhalten die Gemeinden eigentlich mit vielen Finanzmittel, die der Steuerzahler bereit stellt ihre Feuerwehren, auch in gemeinden in denen es schon länger nicht mehr gebrannt hat? Also ich finde, man kann das Riskomanagement auch anders handeln. Wenn die entstandenen und vor allem versicherten Brandschäden in einer Region geringer sind als die Kosten für die feuerwehren ind dieser Region, dann muss die Feuerwehr in dieser region aufgelöst werden.

  4. Erste Woche Schule ist vorbei und es gleicht einem Gruselkabinett.
    Aus vermummten Gesichtern starren einem große Augen entgegen. Die Mimik zu erkennen ist nicht möglich.
    Die auferlegten Regeln sind
    eine einzige Gängelei. Z. B. Gerätedesinfektion nach dem Sportunterricht. Es fehlt an Zeit und bitte stellt dafür dann auch Personal ein.
    Eine Durchmischung der Kinder ist nicht erwünscht. Die Kinder haben doch sehr oft Geschwister, die in unterschiedlichen Schulen und Klassen sind, gehen in der Freizeit zum Sport oder zu Freunden. Hier durchmischt sich jeder mit jedem.
    Der Ort Schule wird als hochinfektiös beschrieben, das war er doch schon immer. Viren und Bakterien sind überall und was soll so eine lächerliche Maske da bewirken?
    Das Einzige was ich sehe was sie bewirkt, ist Angst verbreiten und Kopfschmerzen erzeugen.
    Kinder drehen ihren Kopf bei einer Begegnung zur Seite, um sich zu schützen.
    Es gibt keine Maskenverweigerer, sondern Menschen, die sich klar positionieren und sich nicht in einem Angstsystem verlieren.
    Der Lehrerberuf hat früher einmal Spaß gemacht.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here