Wegen Bildungsplattform: „Big Brother Award“ geht an Kultusministerin Eisenmann

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BIELEFELD. Der Negativpreis «Big Brother Award» für Datenkraken und Privatsphäre-Verletzungen geht 2020 an eine Kultusministerin. Der Bielefelder Datenschutzverein Digitalcourage verlieh die ungeliebte Auszeichnung in der Kategorie Digitalisierung an das Land Baden-Württemberg für die Entscheidung, wesentliche Dienste der digitalen Bildungsplattform des Landes von Microsoft betreiben zu lassen. Die zuständige Ministerin Eisenmann weist diese Darstellung des Datenschutzvereins Digitalcourage allerdings als nicht korrekt zurück.

Auf Schulbesuch: Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann. Foto: Kultusministerium Baden-Württemberg
Microsoft als Partner: Baden-Württembergs Kultusministerin Eisenmann. Foto: Kultusministerium Baden-Württemberg

Der Verein wirft der zuständigen Ministerin Susanne Eisenmann (CDU) vor, damit Daten und E-Mails von Lehrern und Schülern nicht nur an das US-Unternehmen zu liefern, sondern damit auch an die US-Geheimdienste. Warnungen von Datenschützern und ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) habe Eisenmann ignoriert, heißt es in der Begründung.

Ministerium: Speicherung von Schülerdaten nicht in den USA

Die kritisierte Ministerin reagierte noch vor der Preisverleihung und wies den Vorwurf zurück. «Die Recherche für diese Preisverleihung kann nicht allzu gründlich gewesen sein», sagte Eisenmann laut Mitteilung aus ihrem Ministerium. Der baden-württembergische Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit (LfDI) sei früh in den Prozess eingebunden gewesen.

Mit ihm befinde man sich in konstruktiven Gesprächen, «um einen datenschutzkonformen Einsatz von Bestandteilen von Microsoft 365 für unsere neue digitale Bildungsplattform zu prüfen.» Die zur Auswahl stehende Version würde dabei auf jeden Fall speziell für die Bedürfnisse der digitalen Bildungsplattform konfiguriert werden, so dass beispielsweise sichergestellt sei, dass eine Speicherung von Daten nicht außerhalb des Geltungsbereichs der DSGVO erfolge, sagt die Kultusministerin. dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

„Bei Kinderdaten hört der Spaß auf“: Datenschützer droht Lehrern mit Strafe

 

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5 KOMMENTARE

  1. Halten Sie durch Frau Eisenmann! Endlich mal eine pragmatisch denkende und nicht sofort in aberwitzige Datenschutzszenarien abgleitende Bildungspolitikerin. Die Lehrerschaft wird es Ihnen danken, endlich mal mit professionellen Tools arbeiten zu dürfen. Und niemand wird sich die Zeit mit kleinen open source Lösungen zurückwünschen…

  2. Völlig zurecht kassiert das Ministerium diesen Award.

    Wenn selbst die EU schon Probleme mit MS hat, wie will dann ein Ministerium, welches über wesentlich weniger Sachkompetenz verfügt (über welche Kompetenz das KM in BW überhaupt verfügt müsste auch mal geklärt werden) dann als Verhandlungspartner auf Augenhöhe wahrgenommen werden?

    Eine kurze Google-Suche mit den Begriffen dsgvo fbi microsoft reicht bereits um genug Suchergebnisse seriöser Medien auf den Bildschirm zu bringen, die aufzeigen, dass das Ministerium offenbar keine Ahnung hat.

  3. Wir arbeiten seit Jahren unter LINUX und sind damit extrem zufrieden (= kostenlos, sicher, flexibel, virenfrei, kompatibel usw.). Schade, dass immer alle nur Windows von Microsoft kennen!

  4. Bitte einmal über den deutschen Tellerrand schauen, z.B. nach Estland, Schweiz oder nach Österreich – letztere unterliegen i.Ü. der selben DGSVO wie wir.
    Ich bin nur der Meinung, dass ich datensparsam auch mit den großen Playern arbeiten kann. Zugleich lernen meine Schüler in echt, wie man auf die eigenen Daten achtet. Alle Szenarien, die deutsche Datenschützer derzeit an die Wand werden (Profiling von Schülern anhand von Telemetriedaten) sind absolut wirklichkeitsfremd.
    Ich würde ja sofort Schulcloud und Co nutzen, wenn sie a) hinreichend verlässlich zu allen Tageszeiten sind, b) ohne spezielle Kenntnisse in der Schule administriert werden können, b) nicht den Schulhaushalt finanziell ruinieren, d) umfassendes digitales Arbeiten ermöglichen …
    Ich bin kein bot, aber ein Schulleiter, der seine Schule mit 100%ger Zustimmung von Eltern und Schüler und Lehrkräften durch die Schlie0ungszeit bringen konnte. Ohne Lehrkräfte auszubrennen, ohne fahrlässig Daten abfließen zu lassen und mit ganz normalen Lehrkräften an der Schule. Bei mir dürfen Lehrkräfte lehren und müssen keine Spezialisten im Digitalbereich sein. Denn für enge pädagogische Begleitung werden sie bezahlt, und nicht für die Bedienung der verschiedensten Software-Systeme.

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