Lehrer als IT-Administratoren: So vermurkst die Politik die Digitalisierung der Schulen

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STUTTGART. Lehrerverbände aus Baden-Württemberg haben die Politik für Versäumnisse beim digitalen Wandel an den Schulen Schulen kritisiert. Das Kultusministerium vermittelt nach Einschätzung der Pädagogen zwar Betriebsamkeit, doch die Substanz der Aktivitäten halten sie für zu gering, wie die Verbände in einer gemeinsamen Erklärung am Montag mitteilten – und am Beispiel der IT-Administration anschaulich machten. 

Lehrersache? Das Netz einer digital gut ausgestatteten weiterführenden Schule entspricht dem eines mittelständischen Betriebs (Symbolfoto). Foto: Shutterstock

Die Lehrerverbände kritisieren zu viele Alleingänge des Ministeriums und wollen mehr in aktuelle Prozesse eingebunden werden. Im Bundesland gebe es genügend Expertise, die Aufgabe der digitalen Transformation gemeinsam zu lösen. Viel Expertise von außen verpuffe aber in den Mühlen der Verwaltungsorgane, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. «Wenn wir die letzten viereinhalb Jahre nüchtern betrachten, müssen wir sagen: Für die Qualitäts- und Zukunftsentwicklung der Schulen im Land geht eine verlorene Legislaturperiode zu Ende», bilanzierte Matthias Wagner-Uhl, der Vorsitzende des Vereins für Gemeinschaftsschulen.

Verlorene Legislaturperiode? Vorwurf ist für das Kultusministerium nicht nachvollziehbar

Mit Konferenzen und Schalten gebe es einen engen Kontakt mit den Bildungsverbänden in Baden-Württemberg, betonte hingegen eine Sprecherin des Kultusministeriums. Durch Projekte wie dem Digitalpakt und einer digitalen Bildungsplattform sei zudem die Aussage einer verlorenen Legislaturperiode nicht nachvollziehbar.

Ist sie für die Verbände doch – wie die völlig vernachlässigte IT-Administration belege. Lehrer müssten nebenher als Netzwerkberater arbeiten, und die Kollegen seien überfordert bei der Einrichtung von Geräten und den zusätzlichen Gesprächen mit Eltern und Schülern, heißt es beim Verband Bildung und Erziehung (VBE). Der stellvertretende Vorsitzende Oliver Hintzen erzählt von einem solchen Lehrer, der allein mehr als 500 Geräte einrichten musste – das sind über ein Arbeitsjahr verteilt außerhalb der Ferien im Schnitt drei pro Tag. Im Medienentwicklungsplan seien eigentlich viel weniger Stunden für die Arbeit der Netzwerkberater vorgesehen; zurzeit häuften sich die Überstunden.

Ein Lehrer an einem Gymnasium, der anonym bleiben möchte, hat in diesem Jahr 150 Geräte einrichten müssen. Für eins braucht er nach eigenen Angaben etwa eine halbe Stunde – zusätzlich muss er Schüler und Kollegen mit den Geräten vertraut machen. Er findet klare Worte an das Kultusministerium: «Wir werden mit diesem Schwung an Geräten alleine gelassen.» Die Arbeit als Netzwerkberater sei nicht mehr von einer Lehrkraft leistbar, sagt der 40-jährige Mathe- und Physiklehrer.

Er fordert einen IT-Betreuer pro Schule. Die Forderung ist nicht neu. Doch das Kultusministerium und die Kommunen werden sich bei der Finanzierung nicht einig, heißt es bei den Bildungsverbänden. David Warneck von der GEW schlägt daher ein Gesetz vor mit einem klaren Finanzierungsmodell.

Die Nebenaufgabe IT-Administrator wird zum Hauptjob – der Unterricht leidet

«Die müssen IT-Berater finden, die bereit sind, sich in das System einzufinden. Ich merke aber nicht, dass es da Fortschritte gibt», sagt der Lehrer. Durch die Nebenaufgabe habe er kaum Zeit, Unterricht vorzubereiten und Materialien auf den neuesten Stand zu bringen: «Natürlich leidet der Unterricht in meinen eigenen Fächern.»

Das Kultusministerium will mit einer zusätzlichen Vereinbarung Schulen beim digitalen Wandel helfen. Demnächst wollen Bund und Land den Schulträgern in Baden-Württemberg mit 65 Millionen unter die Arme greifen. Das Geld, das aus dem Digitalpakt stammt, soll der IT-Administration an Schulen zugutekommen. News4teachers / mit Material der dpa

Wie ein Bürokratie-Monster namens „Medienentwicklungsplan“ die Digitalisierung der Schulen ausbremst – eine Analyse

 

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13 KOMMENTARE

  1. Als vor ca. 30 Jahren der erste Lehrer unter den Tisch gekrochen ist, um einen PC einzurichten und daraufhin der erste Schulleiter gesagt hat „dafür bekommst du eine Abminderungsstunde“, die haben dadurch ein Modell ins Leben gerufen und sind Schuld an dieser leidvollen Entwicklung!

    Von Anfang an hätte klar sein müssen, dass die Einrichtung und Pflege von IT-Personal durchzuführen ist. Dann wären wir heute sehr viel weiter.

  2. Ich sehe es ,ehrlich gesagt, auch nicht ein, dass von uns Lehrern verlangt wird, nun auch noch IT- Spezialisten zu sein. Von diesen Fachkräften wird doch auch nicht erwartet, dass sie nebenbei noch Spezialist für Chemie, Geschichte oder Musik sind.Meine Meinung und leidvolle Erfahrung ist: An jede Schule gehört ein IT- Spezialist, der bei der Einrichtung führt und für alle stets ansprechbar ist.Alles andere wird nicht funktionieren!!!

    • Ob man es einsieht oder nicht finde ich aus meiner Perspektive erst einmal nicht so interessant.
      Wo ich allerdings zustimme … jede oder eine mindestens eine kleine Gruppe von Schulen benötigt einen IT-Spezialisten. Es gibt fast keinen anderen Bereich, der so schnelllebig ist und sich in rasender Geschwindigkeit Veränderungen unterliegt. Das kann keine Person mal so nebenbei erledigen.
      Die kann dann durch eine Person (oder eine sehr kleine Gruppe) an jedem Standort unterstützt werden in der Ausführung (Programme aufspielen bzw. aktualisieren, kleinere Hilfestellungen usw.).
      Und ich denke schon, das das finanzierbar ist. Denn es verhindert auch, das aus Unkenntnis u.U. unnötig Geld „verbrannt“ wird für Unnützes. Und selbst angestellte IT-Fachleute sind um einiges günstiger als sich von externen Firmen beraten zu lassen.

      • Man stelle sich einmal einen Betrieb mit ca. 100 PC-Arbeitsplätzen vor und ein Mitarbeiter muss alle PCs in Schuss halten. Dafür bekommt er von seinem Arbeitgeber auch 5 Stunden. Alles was darüber hinausgeht muss er halt in seiner Freizeit machen – undenkbar, in einer Schule normal. In einem Betrieb sind da schon 2 Hauptamtliche Admins angestellt.

  3. Das Personal gibt es nicht, wird es auch nicht geben. Wer lässt sich denn von Land/ der Kommune anstellen, wenn er woanders deutlich mehr verdient und bessere Arbeitsbedingungen hat, da er nicht ‚für lau’ Unmengen unbezahlte Überstunden schieben muss. Entweder das oder die Arbeit bleibt liegen, da zu viele Schulen betreut werden müssen.
    Qualifizierte Kräfte können und sollen nicht bezahlt werden, da Bildung nichts kosten darf. Irgendwelche Fragen?

  4. Ich warne massiv davor, die IT komplett „outzusourcen“!

    Ich bin seit fast 10 Jahren an unserer Schule für die IT mitverantwortlich und wir ertrinken förmlich in Geräten und Aufgaben! Es fehlt an allen Ecken und Enden – an ZEIT (nicht unbedingt an Geld oder gar an Motivation!).
    Viele der Aufgaben, die mit Blick auf die IT an Schulen anfallen, können aber NICHT ausgelagert werden, bzw. nur unter optimalen Bedingungen, wie etwa einem IT-Spezialisten vor Ort. Und mal ganz ehrlich, dazu wird es nicht kommen.
    Ich bekomme wirklich Magenschmerzen bei dem Gedanken an einen städtischen IT-Hausmeister, der in seinem kleinen Auto die einzelnen Schulen „betreut“. Das wäre für uns als Lehrer*innen keinerlei Entlastung und für uns als Medien-Fuzzis eine riesen Rückschritt. Bis so ein IT-Hausmeister dann tatsächlich bei uns an der Schule auftaucht und ich ihm erklärt habe, in welchem Klassenzimmer, welcher Typ Beamer defekt ist und wo wir unsere Beamer-Lampen haben und mit welchem Schlüssel er wann in den Raum kann…
    Außerdem gibt es unzählige Aufgaben, die nicht ohne uns als Bindeglied erledigt werden können:
    – Beratung von Kolleg*innen
    – Administration von Lernplattformen
    – Administration der Musterlösung
    – Ausarbeitung des Medienentwicklungsplans
    – Bedarfsermittlung
    – Absprachen zw. SL-Kollegium-Schulträger-ext. Dienstleister
    – Pflege des MDM (z.B. bei iPads)
    – Erstellung von Nutzungsvereinbarungen
    – Weiterentwicklung der IT-Infrastruktur (als päd.-didakt. Konzept)
    […]
    Ich befürchte, dass die Forderung nach einer externen IT-Betreuung lediglich zu einer Alibi-Lösung führt. Was wir wirklich brauchen sind endlich genügend Entlastungsstunden!!! Seit 20(!) Jahren wurde z.B. in BW die Vorgaben für die Netzwerkbetreuer nicht verändert – es kam keine einzige Entlastungsstunde dazu – im Gegenteil! Das ist der eigentliche Skandal. Im Übrigen sieht es an den beruflichen Schulen ganz anders aus. Da sind 15-20 Entlastungsstunden für eine Schule keine Seltenheit – und das natürlich auch zurecht!
    Meine große Hoffnung ist daher, dass sich endlich auch in der Politik die Erkenntnis durchsetzt, dass Geld allein nicht zur Digitalisierung der Schulen führt. Was wir benötigen ist ZEIT!

    • Meine Kleinstadt hat eine IT-Abteilung, bestehend aus 4 Personen und einem Azubi. Sie sind für 2 Grundschulen, 1 Gemeinschaftsschule und 1 Gymnasium sowie die städtische Verwaltung zuständig. Dazu haben die beiden weiterführenden Schulen jeweils eine Lehrkraft, die als Verbindungskraft zur IT fungiert. Wirklich wichtige Probleme werden umgehend behoben.

      Dies ist eine vernüftige Variante des „IT-Hausmeisters“ und es ist für unser Kollegium eine riesige Entlastung.

  5. Lieber J. Schuhmacher,

    nur ein Insider der eigenen (!) Schule und Lehrer(In) ist als Systembetreuer(In) zielführend!!

    Da bin ganz und gar Ihrer Meinung! Nur kein(e) Externe(r), der den jeweiligen „Laden“ oder Lehrertätigkeit nur vom Hörensagen, also nicht aus eigener Erfahrung, kennt!

    In meiner Zeit im aktiven Schuldienst habe ich jahrzehntelang erlebt, wie technik- und computeraffine Kollegen sich überaus hingebungsvoll um den Aufbau, die Instandhaltung und Weiterentwicklung des Computernetzes und der „Digitalen Schule“ sehr aufopferungsvoll gekümmert haben.

    Wohlgemerkt n e b e n ihrem Deputat (meist auch Oberstufenkurse, z.B. in Physik, Mathe, Informatik-AG, …).
    Die Zahl der Entlastungsstunden für ihre IT-Tätigkeit reichte bei Weitem nicht aus!!!

    Zusätzliche IT-Leistungen von ihm:
    Schulungen am Spätnachmittag (nach dem Unterricht) von uns KollegInnen (à la „Teach your Colleague“ ) mit von Kollegem selbst (!) konzipierten Handouts („Spickzettel“ für uns) zum Umgang mit Windows, Powerpoint, Excel, Noteneingabeprogramm, Intranet … .

    Die Zahl der bezahlten Entlastungsstunden sind also wirklich nur als „symbolisches Dankeschön“ zu verstehen!

    Zumal, wenn man den de facto – Arbeitsaufwand, die vielen Stunden in der Freizeit (auch noch am Samstag, Sonntag, wenn große Not am Mann: Deadline beim Ausdrucken der Zeugnisse, Computersystem „abgekackt“, … .) betrachtet.

    Er trug es stoisch mit Humor, witzelte dann, dass er sich bald noch ein Feldbett in der Schule stellen werde … .

    Und er war zudem für uns immer ansprechbar! Stets hilfsbereit, ging noch geduldig und zeitnah auf unsere Nöte ein!
    (“ Whiteboard in … geht nicht (richtig)“; „Note“ versehentlich für ganze Klasse in falsche Spalte – Gewichtung folglich falsch – und schon gespeichert!, … )!

    Warum dieser Raubbau an der eigenen Gesundheit, Selbstausbeutung?
    Aus hohem Berufsethos, großem Pflichtgefühl, ausgeprägter Gewissenhaftigkeit und tiefem Verantwortungsgefühl für „unsere“ Schule!!!

    Von Work-Life-Balance brauchen wir hier gar nicht zu reden. Seine Frau und Tochter haben ihn wohl zeitweise kaum zuhause gesehen.

    Mein Mann – Entwicklungsingenieur in der Wirtschaft – hat über die mangelnde Professionalisierung der „Schulen“ nur milde gelächelt, sich mokiert. “ … nur Feigenblatt!“

    Er fand es im höchsten Maße „dilettantisch“ von den Kultusbürokratien, die Digitalisierung „kostengünstig“ (= möglichst billig) auf dem Rücken sehr engagierter computeraffinen Lehrkräften durchführen zu wollen.

    Erheblich mehr Entlastungsstunden bzw. Freistellung von (umfangreichen) Lehraufträgen (wie es auch bei den SchulleiterInnen (OberstudiendirektorInnen) gängige Praxis ist) sind wirklich unabdingbar!!!

    Und die Aufwertung der Systembetreuung einer Schule durch die Schaffung der Funktionsstelle eines “ IT- S t u d i e n d i r e k t o r s“ – mit Gehalt A 15, wie oft bei Fachleitungen, Fachbetreuern am Gymnasium.

    Übrigens:
    ein ca. 50jähriger IT- ler aus der Wirtschaft (mit abgeschlossener Gymnasialausbildung in Latein und Sport in seiner Jugend) gab seine gutdotierte Stelle auf, „verirrte“ sich für ein Schuljahr an unsere Schule, flüchtete danach leider nach – „digitalem Praxisschock“!

    Als später Vater wollte er eigentlich mehr Zeit (am Nachmittag) für seine noch sehr kleinen Kinder haben, auch weniger Arbeit und Stress versprach er sich von der Arbeit in der Schule!

    Also besann er sich „auf seine alten Tage“ auf seinen ursprünglichen „Traumberuf Lehrer“.

    Die Schule „verschlang ihn mit Haut und Haaren“, im wahrsten Sinne des Wortes.

    Besonders als IT- Mann war er von der Schulleitung hochbegehrt und sehr geschätzt.

    Er fühlte sich bei uns sehr wohl, auch mit den SchülerInnen kam er gut klar.

    Seine IT-Expertise brachte er sehr gerne ein, war überaus kollegial und sehr beliebt.
    Unserem „Kollegen Systembetreuer“ wollte er natürlich tatkräftig unter die Arme greifen.
    Aber der Zeitaufwand wurde immer mehr … , und mehr … !

    So hatte er sich das nicht vorgestellt! Sehr viel weniger Zeit für seine Kinder als gedacht! Und dann die Bezahlung – bei der vielen Arbeit, … – vergiss es! – kein Vergleich zur Wirtschaft!
    Beamtenlaufbahn? – ging sowieso nicht.
    Eine „IT-Stelle“ im Schulsystem, „Schul-Systembetreuer in fast Vollzeit“?? – war überhaupt nicht vorstellbar im Kultusministerium!

    Dieses kurze Intermezzo an unserer Schule heilte ihn rasch von vielen Fehlvorstellungen über die heutige Schulrealität, denen auch er aufgesessen war.
    Schade für uns! Ein wirklicher Verlust für die Schule – nicht nur als IT-ler!

    • Es gibt in diesem Land nicht nur Gymnasien! Auch wenn man das angesichts der medialen Berichterstattung glauben mag.
      Wie sieht es denn an Grundschulen aus? Hier gibt es gar keine Funktionsstellen und auch nur wenig computeraffine KollegInnen. Wir dürfen dann mal wieder alles ehrenamtlich machen wie bei anderen Funktionstätigkeiten ja auch (z.B. Beratungslehrer oder Fachleitung). Oder wir lassen es einfach wie bisher!!!
      Wir haben kein W-Lan, ein schwaches Netz, in fast allen Klassenräume einen ca. 5 Jahre alten Lap-Top und einen Pc-Raum mit etwa 12 Rechnern. Also wird weiter mit Kreidetafel und Projektor gearbeitet. Onlinearbeit nur als freiwillige Hausaufgabe oder im Förder-und AG-Unterricht. Und so soll’s auch erst mal bleiben für die nächsten 2 3 Jahre. Das kostet dann auch nichts. Ganz im Sinne der Politik!

  6. In einer Zeit, in der 36kbit/s als schneller/zeitgemäßer Internetzugang definiert sind, glaubt da ernsthaft jemand dran, dass sich da in absehbarer Zeit auch nur irgendwas im Bereich Schul-IT-Administration verändert?

    Mir wird richtig schlecht wenn ich lese, dass doch ein armer Tropf sich um mehrere Schulen kümmern soll. Seriously folks? Man braucht nicht einen für x Schulen, man braucht xy für eine Schule, wenn man da wirklich was reißen will und NICHT mit (zwangsweise existenten) Reaktionszeiten einer Mülltonne agieren will. No offence, ich hab das selber erleben dürfen.
    Nicht! schön!
    Administration ist nicht nur „kannste mal kurz die Beamer-Lampe tauschen?“ oder „haste ma n LAN-Kabel?“.

    Viele, die über meine Zunft Urteilen, haben einfach teilweise kein Verständnis für die Komplexität solcher Systeme. Wenn man über etwas Urteilen will, dann sollte man wenigstens die Basics verstehen.
    Es macht wirklich nur bedingt Spaß, wenn man sich allein um 200+ Systeme kümmern darf und dann noch Walk-In Support durch Kollegen (oder Lehrkräfte oder Schüler) rein bekommt. Da sitzt man dann förmlich wie der Affe auf dem Schleifstein.

    Man bekommt teilweise selbst Komplexe (und sportliche Schlafprobleme), weil man geistig nie zur Ruhe kommt und endet dann im worst Case in Behandlung, weil man schon den 2. Burnout hinter sich hat.

    Will man eine gute Infrastruktur, dann ist ein Key Requirement ein vernünftig skaliertes Team, dass diese in Schuss hält und auch weiter entwickelt.

    Wenn man da nicht Willens ist zu investieren, sowohl im Bereich Hard- und Software, als auch und vor allem bei ansprechenden Gehältern für die Kollegen, die das stemmen sollen, dann kann man einfach nur noch den Sand in den Kopf stecken.

    Es muss ernsthaft die Einstellung verschwinden, dass IT doch nur ne Kostenstelle ist, die nach Möglichkeit so klein wie möglich gehalten werden soll.

    So. Zeit für Feierabend.

    • Aber die Alternative ist doch schon klar.
      An der Schule wird ein IT-Problem erkannt und es wird eine entsprechende Vedarfsmeldung an den stellvertretenden Schulleiter geschickt, der stellt einen Antrag an die IT-Abteilung des Schulträgers, der ein Ticket für das regionale Rechenzentrum schreibt. Dieses prüft, ob es die Behebung des monierten IT.Problemes mit eigenen Mittel bewerkstelligen kann oder ob ein Externer eingeschaltet werden muss und ein Abruf auf einen bestehenden Rahmenvertrag ausgelöst werden kann. nach Freigabe des Abrufes, der es dem Externen ermöglicht die zu erbringende Leistung auf Grundlage des Rahmenvertrages abzurechnen, erfolgt dann zu nächst eine Termin Absprache mit der schule, an der es das Problem gegeben hat. Danach geht dann alles ganz schnell im direkten Vergleich mit der Bewegungsgeschwindigkeit von Wanderdünen bei Windstille. Was sich natürlich in die Länge zieht, da ja schließlich Steuermittel eingesetzt werden, ist die Bezahlung des externen Dienstleisters, weshalb des nach kürzester Zeit den Rahmenvetrag aufkündigt un aus der betreuung der IT-Systeme aussteigt. Nach einer erneuten Ausschreibung und längerer Suche nach einem neuen Auftragnehmer , werden wenn der sich in die komplexen Strukturen eingefunden hat, weitere auftretende IT-Probleme im Rahmen der Möglichkeiten zeitnah behoben.

      Alles klar? Natürlich müssen die Przesse zwischenzeitlich im Jahresrhythmus evaluiert und fortgechrieben und die beteiligten stellen regelmäßig in einem Audit gem. ISO „schlagmichtot“ rezertifiziert werden. Während dieser Zeiten stehen die Mitarbeitenden leider nur zeitlich eingeschränkt und außerhalb der Schulöffnungszeiten zur Verfügung, um auftretende Probleme unverzüglich zu beheben. Noch Fragen – bitte?

  7. An der Stelle wird bei den meisten Schulen jetzt sowieso wieder folgendes passieren:

    -Die Kommunen beweisen Sitzfleisch und werden sich um nichts kümmern und schauen was passiert.
    -An den Schulen wird beschlossen, dass man es irgendwie selbst stämmen muss, den Kindern zu Liebe, da können dann persönliche Interessen gerne auch mal zurückstehen.
    -Alles wird an den Schulen eingeführt und wird auch immer mal wieder laufen. Viele werden es aber nicht nutzen, weil man jedes mal einen alternativen Unterricht planen müsste, falls wieder alles nicht funktioniert. (Neben dem sowieso schon dreifach geplanten Unterricht für die Inklusion).
    -An den Kommunen sitzt jemand in seinem Sessel, lacht sich tot, denkt sich vermutlich „ach die dummen und faulen Lehrer“ und das war es für die nächsten 15 Jahre.

  8. Meine Erfahrung hierzu aus (m)einer Grundschule in Baden-Württemberg:

    Seit rund 10 Jahren bin ich an meiner jetzigen Grundschule. Die IT-Ausstattung wurde bereits vor meiner Zeit angeschafft.
    Mittlerweile wird das IT-System von einer Fachfirma betreut, was vor allem dem Engagement der Rektoren zu verdanken ist. Mittendrin gab es eine Zeit, in der an mich herangetragen wurde, ich solle mich für das Amt des Netzwerkbetreuers zur Verfügung stellen. Eine Verrechnungsstunde je Woche wurde mir in Aussicht gestellt. (Das wurde mir für Tätigkeiten an den Schulen zuvor aber auch schon oft, aber nie gab es schlussendlich eine.)
    Ich weigerte mich, mit der Begründung, nicht das nötige Fachwissen zu besitzen, was ich auch nicht habe. Zudem sind die speziellen Programme vom Staat sehr fehleranfällig und benötigen häufig zeitintensiven Support von oberer Stelle. Ich kam glücklicherweise damit durch.

    Dabei ist es nicht die Arbeit mit dem System, was mich abschreckte oder meine Faulheit. Vielmehr liegt ein einfaches Gedankenspiel zugrunde, das hoffentlich jedem einleuchtet.

    Ich unterrichte 28 Stunden und habe dazu nachmittags Vor- und Nachbereitungszeit. Seit ich im Schuldienst bin kamen immer mehr Gesprächstermine, Konferenzen, verordnete Diagnosearbeiten,… hinzu. All dies benötigt Zeit, die ich nur von meiner Vorbereitungszeit wegnehmen kann.
    Sitze ich nun nachmittags zusätzlich an den PCs der Schule, so kann ich in dieser Zeit meinen Unterricht nicht vorbereiten und/oder die oben beschriebenen Tätigkeiten ausführen. Dies bedeutet, dass ich dann unvorbereitet Unterricht halten muss.
    Wer nun Erfahrung mit Problemlösungen am PC hat weiß, dass dies oft sehr lange dauern kann. Ich als Nicht-Profi benötige dafür nochmals länger, was dann zu nicht funktionierenden Geräten und somit Unmut bei den Kollegen führt und zusätzlich zu einer Verschlechterung meines Unterrichts beiträgt.

    Deshalb sollte man sich die Frage stellen, für was ein Lehrer da ist? Dies ist sehr leicht zu beantworten: Er unterrichtet Schüler. Er ist weder Sicherheitsbeauftragter, noch IT-Spezialist, auch Betreuung gehört nicht primär zu seinen Aufgaben, ebenso wenig wie (früher) Versicherungsgeld einzusammeln oder Fotomappen auszugeben und die Bezahlung zu regeln. Ein Lehrer sollte für seine Schüler da sein und Zeit für sie haben. Zeit um Elterngespräche nicht mit der Stoppuhr führen zu müssen und sich Gedanken über seinen Unterricht machen zu können. Im Alltag kommt dies alles oft zu kurz. Deshalb sollten die weiteren Aufgaben vom Lehrpersonal fern gehalten werden. Niemand braucht sich über ein sinkendes Bildungsniveau wundern, solange die eigentliche Arbeit eines Lehrers – nämlich der Unterricht- nicht im Fokus steht.

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