Urteil: Schule darf Schüler nicht rausschmeißen, dessen Vater das Kollegium drangsaliert

7

BERLIN. Ein Schüler kann nicht an eine andere Schule versetzt werden, nur weil sein Vater einen Dauerstreit mit den Lehrern führt. «Kinder haften nicht für ihre Eltern», teilte das Verwaltungsgericht Berlin am Freitag mit. Es gab einem 15-Jährigen Recht, der sich gegen seine Versetzung von einer Tempelhofer Schule auf eine andere Schule gewehrt hatte.

Das Gericht hat geurteilt. Foto: Shutterstock

Sein Vater liegt nach Gerichtsangaben seit zwei Jahren mit der Schule im Streit. Der Mann stelle Dienstaufsichtsbeschwerden, Petitionen, Befangenheitsanträge und Strafanzeigen. Er spreche Schüler und Lehrer vor der Schule an, filme und veröffentliche die Videos auf Facebook. Lehrer fühlten sich bedroht, hieß es. Die beiden Klassenlehrerinnen und die Schulleiterin seien zwischenzeitlich dienstunfähig erkrankt.

Das Verhalten des Mannes dürfe aber nicht dem Sohn zugerechnet werden, hieß es. Denn wie der Vater ist der Sohn in diesem Fall nicht. Der 15-Jährige bot laut Gericht keinen Anlass zum Tadel: Neben guten Noten bescheinige ihm sein Zeugnis eine sehr ausgeprägte Lern- und Leistungsbereitschaft, Arbeitshaltung, Zuverlässigkeit, Selbstständigkeit, Verantwortungsbereitschaft, und Teamfähigkeit. Die Schulverwaltung kann gegen die Entscheidung Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht einlegen. dpa

Anzeige


7 KOMMENTARE

    • Den armen Kerl sollte man nicht mit reinziehen. Den Kolleginnen und Kollegen würde ich raten, bei jeder kleinen Rechtsverfehlung den Vater mit zivilen Unterlassungsverfügungen zu überziehen.

  1. Warum kann man gegen diesen Vater nicht Strafanzeige erstatten? Warum hat das noch keiner von den anderen Eltern gemacht, wenn er vor der Schule filmt und die Videos veröffentlicht? Wieso kann man diesem Mann keinen Riegel vorschieben, stattdessen fühlen sich Lehrer und Schulleitung so drangsaliert, dass sie dienstunfähig werden?? Was ist das für ein System, das so ein Verhalten billigt, wo man gegen so jemanden keine Handhabe hat und deshalb krank wird? Es ist beschämend!

  2. Hier wird ein weiteres deutliches Defizit bzgl der Fürsorgepflicht der übergeordneten Dienstbehörde hinsichtlich der in Schule tätigen KuK deutlich. Dieser Vater müsste seitens des Bildungssenates in Berlin mit einstweiligen Verfügungen in seine Schranken gewiesen werden. Warum sollen die KuK und die SL dieses absolut übergriffige Verhalten des Vaters auf ihren Schultern ertragen, warum auf die rechtsverletzenden Handlungen (Stichwort:Persönlichkeitsrechte) eigenverantwortlich agieren müssen, sind sie diesen Übergriffen doch aufgrund ihrer dienstlichen Verpflichtungen und Belange ausgesetzt. Das ist die Stelle, an der der Dienstherr sich vor seine Bediensteten stellen muss. Ein Polizist, der durch seine dienstlichen Aufgaben solch übergriffiger Attacken ausgesetzt wäre würde durch den Staat dabei geschützt….bei LuL ziehen die BzRs, die hier tätig werden müssten den Schwanz ein. (Selber schon erlebt) und versteifen sich darauf, zu behaupten, dass die KuK wohl einen angemessenen Anlass für diese Drangsalierungen gegeben hätten und sie daher zivilrechtlich dagegen vorgehen müssten. Das macht ein erhebliches Problem klar … wie bei den derzeitigen Entscheidungen bzgl Corona und Schule: LuL sind dem Dienstherren völlig egal….im Zweifelsfall sogar Schuld an allem, was im Zusammenhang mit Schule schiefläuft.

  3. Ich war genau so ein Kind. Gymnasium mit anständigen Noten, meine Mutter hat sich gar nicht erst in die Schule gewagt bzw es hat sie auch nicht interessiert und ich hatte nach jedem Elternsprechtag und Ausraster eine wahnsinnige Angst in die Schule zu kommen. Am Schlimmsten waren die Elternabende, weil meine Klassenkameraden natürlich von ihren Eltern von seinen Aktionen erfuhren und ich es ausbaden musste. Kommentare von Lehrern und Klassenkameraden ich solle meinen Vater mal ruhig halten, waren mit Sicherheit nett gemeint, aber natürlich in keiner Form umsetzbar. Man sollte sich mal überlegen, was in einer solchen Familie hinter geschlossenen Türen vor sich geht.
    Heute bin ich Lehrerin, selbst Mutter und bin froh meine ehemaligen Erziehungsberechtigten aus meinem Leben gestrichen zu haben.
    Wenn ich aus meiner Erfahrung eine Empfehlung geben darf: reden Sie mit dem Jungen. Erklären Sie ihm, dass er nichts mit diesem Verhalten zu tun hat und fragen Sie ihn, ob Sie als Lehrer in seinem Auftrag andere Erwachsene mit hinzuziehen oder seine Leistungen mit denen besprechen dürfen. Da er schon teilgeschäftsfähig ist, kann er soweit agieren. Vielleicht sind die Großeltern, Onkel, Tanten o. ä. eine gute Basis, um im Sinne des Kindes zusammenfinden zu zu können. Das Jugendamt würde ich definitiv außen vor lassen. Meiner privaten und beruflichen Erfahrung nach sind diese Kinder massiv indoktriniert und würden sich niemals einem Behördenmitarbeiter anvertrauen. Und die Kinder stehen an erster Stelle. Oft bremst es diese Eltern aus, wenn sie merken, dass sie die Lehrer nicht mehr kollektiv als die Bösen hinstellen können, sondern andere Erwachsene sich ein eigenes Bild machen. Damit geben Sie dem. Kind auch ein Stück Macht in diesem Spiel. Zumindest mein Leben wäre wesentlich leichter verlaufen, wenn ein Lehrer diesen Schritt gewagt hätte. Und Kinder in dieser Situation brauchen Hilfe

    • @Lehrer mit Seele

      Das ist ein sehr offener und mutiger Beitrag, vielen Dank dafür.
      Sie lenken damit den Blick auf die Person, die am wenigsten für diese Lage kann – laut Bericht – und doch ganz bestimmt extrem darunter leidet.
      Zu allem Ärger und Unglück für alle (!) in die Situation verwickelten Personen(gruppen) leidet der Junge aber still.
      Das tun die meisten Opfer.
      Und leider bekommen sie darum selten positive Aufmerksamkeit, die beginnt nämlich schon beim Zuhören. (Schon hier wird es schwierig: Wie hört man jemandem zu, der still ist? Wer still ist, tut das ja eben um nicht aufzufallen.)
      Und da schließt sich der Teufelskreis.

      Zudem weiß man ja nichts über das Verhältnis von Vater und Sohn. Das aber wäre ganz entscheidend, um dem Jungen die geeignete Unterstützung geben zu können. (Manchmal ist Blut tatsächlich dicker als Wasser. Manchmal aber würden Kinder sprichwörtlich alles dafür tun, aus ihren Herkunftsfamilien herauszukommen. Aber natürlich weiß man in dem Alter nicht, wie man das anstellen könnte, ohne noch mehr verbrannte Erde zu hinterlassen!)

      Laut Artikel:
      „Das Verhalten des Mannes dürfe aber nicht dem Sohn zugerechnet werden, hieß es. Denn wie der Vater ist der Sohn in diesem Fall nicht. Der 15-Jährige bot laut Gericht keinen Anlass zum Tadel: Neben guten Noten bescheinige ihm sein Zeugnis eine sehr ausgeprägte Lern- und Leistungsbereitschaft, Arbeitshaltung, Zuverlässigkeit, Selbstständigkeit, Verantwortungsbereitschaft, und Teamfähigkeit.“

      Oft sind Kinder aus derartigen Verhältnissen darum bemüht, ausschließlich positiv in Erscheinung zu treten – und das unter derart widrigen Umständen!
      Dem Jungen sollte jede nur erdenkliche Unterstützung gewährt werden. Doch jeder Einzelfall liegt anders, das macht Hilfe hier so schwer.

  4. Sehr mutig, herzlichen Dank für Ihre Offenheit. Dass man den armen Jungen auf eine andere Schule verstoßen hat, spricht allerdings nicht für besonders viel Mitgefühl. Arme Kinderseele, möge er in seinem weiteren Leben viel Wohlwollen und Verständnis erfahren…bei so einem toxischen Vater wird es viele Dinge für den Sohn zu verarbeiten geben, solche Kinder haben es schwer, narzisstische Eltern richten viel Schaden an

Schreibe einen Kommentar zu Fritz Antwort abbrechen

Please enter your comment!
Please enter your name here