Schulschließungen – VBE-Chef Beckmann: Was Kultusminister jetzt tun müssen!

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BERLIN. Angesichts der Ankündigung von Schulschließungen in Deutschland hat der Bundesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, sechs Kernforderungen an die Kultusminister gerichtet – eine davon: konkrete Perspektiven für das laufende Schuljahr aufzeigen.

Sieht den Einsatz von zu vielen Seiteneinsteigern kritisch: VBE-Chef Udo Beckmann. Foto: VBE / Jean-Michel Lannier
Beschreibt den Handlungsbedarf: VBE-Chef Udo Beckmann. Foto: VBE / Jean-Michel Lannier

Im Wortlaut fordert Beckmann:

1. Relevanz der Schulschließung deutlich machen

„Wir erwarten von der Politik, dass ganz klar gesagt wird: ‚Die Notbetreuung ist kein Wechselunterricht durch die Hintertür.‘ Sie müssen deutlich machen, dass die Schülerinnen und Schüler, wenn immer möglich, zu Hause bleiben und, wenn notwendig, dort betreut werden sollten. Das Infektionsgeschehen in der Gesamtgesellschaft muss auch in der Schule unterbunden werden. Dafür muss zum einen die Ankündigung, dass Eltern Anspruch auf bezahlte Urlaubstage haben, schnell konkretisiert werden. Zum anderen müssen Arbeitgeber Homeoffice und flexible Arbeitszeiten ermöglichen. Zudem muss der konkrete Anspruch auf die Notbetreuung ausdefiniert werden. Es wird berichtet, dass zunächst abgewartet wird, wie viele Kinder kommen, um dann ggf. Kriterien der Bedürftigkeit einer Betreuung anzuwenden. Hier braucht es Klarheit.“

2. Ehrlich machen und Expertise der Lehrkräfte vertrauen

„Nur 6 Prozent der Schulleitungen in Deutschland berichteten in unserer aktuellen forsa-Umfrage (News4teachers berichtete darüber), dass alle Schülerinnen und Schüler ihrer Schule ein digitales Endgerät haben. Die Politik provoziert Unmut, wenn unter diesen Umständen ein ‚digitaler Unterricht‘ angekündigt wird. Es werden Erwartungen geschürt, die von den Lehrkräften nicht eingelöst werden können. Zudem bleibt es dabei: Die Digitalisierung ist kein Allheilmittel. Gerade in einer Zeit, die von Umbrüchen geprägt ist, kann das eingeübte Arbeiten mit Wochenplänen und Arbeitsblättern zielführender sein als eine Videokonferenz.“

3. Kinder- und Jugendschutz gewährleisten und aufeinander achten

„Wir wissen, dass während der ersten Schulschließungen die Vorfälle häuslicher Gewalt deutlich zugenommen haben. Für Familien, in denen Streit oder Vernachlässigung schon immer zum Alltag gehörten, kann die aktuelle Krise zur Zerreißprobe werden. Leidtragende sind oft die Kinder. Sie haben in Zeiten der Schließungen von Schulen und Kitas keine Chance mehr, für ein paar Stunden in die Normalität und den Schutzraum von Schule oder Kindergarten abzutauchen. Zum einen muss daher die Arbeit der Jugendämter rund um die Uhr ermöglicht und unterstützt werden. Zum anderen sind wir alle gefragt, aufeinander zu achten! ‚Hinsehen und handeln‘ muss die Devise im Lockdown sein.“

4. Impfschutz für Lehrkräfte priorisieren

„Die Priorisierung des Bildungssystems und der Fokus auf Offenhaltung der Schulen muss sich neben der Umsetzung bestmöglicher Maßnahmen zum Gesundheits- und Infektionsschutz auch darin zeigen, dass sich Lehrkräfte priorisiert impfen lassen können. Die aktuelle Einteilung laut RKI in Impfgruppe 4 könnte dem entgegenstehen.“

5. Zeit nutzen und konkrete Szenarien entwickeln

„Die Kultusministerien sind in der Pflicht, konkrete Perspektiven für das laufende Schuljahr, die zu erwerbenden Kompetenzen und abzulegenden Prüfungen zu entwickeln. Entsprechende Planungen müssen sich an den vorhandenen Ressourcen an den Schulen orientieren. Dafür ist es notwendig, die Entscheidungen an der tatsächlichen Realität auszurichten. Dies gelingt durch die Partizipation der demokratisch gewählten Interessenvertretungen der Lehrkräfte.“

6. Lehrkräftebedarf nachhaltig decken

„Über allem schwebt der massive Lehrkräftemangel. Deshalb ist es dringend notwendig, dass die Kultusministerinnen und Kultusminister nachhaltige Strategien zur Gewinnung von originär ausgebildeten Lehrkräften und deren Gesundhaltung im System Schule entwickeln. Es wird dabei nicht ausreichen, nur die Anzahl an Studienplätzen zu erhöhen, ohne die Qualität der Lehre zu sichern.“ News4teachers

Beckmann appelliert an Kultusminister: Macht Euch endlich ehrlich!

 

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16 KOMMENTARE

  1. Ich möchte 3 Dinge hervorheben, die ich an den Forderungen des VBE-Chefs gut finde bzw. auf die ich eingehen möchte.

    1.) Dass die Lehrer/innen mit als Erstes geimpft werden, damit die Schulen wieder offen sein können. Dazu gehört, dass sich die Lehrer/innen auch impfen lassen. Laut Umfragen ist derzeit nur knapp die Hälfte der Bürger bereit, sich auf alle Fälle impfen zu lassen. Anscheinend sind manche ganz froh, erst in Kategorie 4 eingeordnet zu sein. Leider. Deren Geschrei über mangelnden Schutz in den Schulen finde ich einfach nur unehrlich.

    2.) Man muss an die Kinder aus gewissen Familien denken, sprich an den Kinder- und Jugendschutz. Die hiesige, wiederholt gehörte Argumentation, „um die kümmere man sich ja sonst auch nicht/kaum“ und die unausgsprochene Folgerung, dann könne man sie ja auch jetzt vernachlässigen, finde ich infam und perfide. Das ist unverantwortlich aus dem Munde von Lehrern und Erziehern!

    3.) Die Schulen müssen geschlossen sein „solange wie nötig, aber so KURZ wie möglich“. Der Präsenzunterricht ist die beste Form des Unterrichts für die Kinder. Keine andere Form kann ihn ersetzen und kann deshalb immer nur eine Notlösung sein. Es sollte weiter geforscht werden, wie die Schulen an den Ansteckungsraten beteiligt sind. Es MUSS wahrscheinlich zwischen unterschiedlichen Altersgruppen unterschieden werden. Das sagen bisherige Studien ja bereits aus.

    Soweit fürs Erste. 😉

  2. „Dass die Lehrer/innen mit als Erstes geimpft werden, damit die Schulen wieder offen sein können. Dazu gehört, dass sich die Lehrer/innen auch impfen lassen. Laut Umfragen ist derzeit nur knapp die Hälfte der Bürger bereit, sich auf alle Fälle impfen zu lassen. Anscheinend sind manche ganz froh, erst in Kategorie 4 eingeordnet zu sein. Leider. Deren Geschrei über mangelnden Schutz in den Schulen finde ich einfach nur unehrlich.“

    Wie kommen Sie darauf die Ergebnisse aus einer Umfrage aller Bürger auf die Gruppe der Lehrer zu übertragen und daraus automatisch zu schließen, dass die zwar jammern aber sich dann doch nicht impfen lassen. Nicht immer gleich von sich auf andere schließen.

    Aktuelle Studien bestätigen, dass Schulen durchaus über alle Altersstufen eine Rolle spielen und Schüler einen högeren R-Wert als die Bevölkerung aufweisen.

    Und man soll es nicht glauben, aber es gibt Schüler/innen, die im Hybrid- und Distanz(online)unterricht richtig aufblühen, weil sie in kleineren Gruppen lernen bzw. weil sie nicht unter der ständigen kritischen Beobachtung von Gleichaltrigen stehen.

  3. Warum sollten Lehrer als erstes geimpft werden.?
    Schulen sind sicher. Man sollte als erstes die impfen, die keinen Abstand halten dürfen. Schüler. Dann lasse ich mich auch impfen. Sarkasmus pur.

  4. Ja, alles Recht und gut, in einem Pflegeheim in der Nachbarschaft haben sich nun 12 Pflegekräfte krank gemeldet. Im Krankenhaus gibt es viele Krankmeldungen. Bei vielen Eltern ist Urlaubsende und viele Eltern sind nicht bereit ihren Urlaub zu opfern. Das gilt für die Eltern mit Kinder bis 13 Jahren. Für diese Zielgruppe ist weder Wechselunterricht, noch Fernunterricht, noch Notbetreuung interessant. Notbereuunc findet meist von 8:30 Uhr bis 12:00 Uhr statt. Das Ganze gilt für Polizei, Supermarkt, Apotheke, Arztpraxen etc…..die Ferien sind für arbeitende Eltern schon schwer zu managen.
    Wenn Schulen keinen Präsenzunterricht mehr anbieten, hat das alles Folgen und Konsequenzen. Auch für die Lehrer.

  5. Wenn in allen Lebensbereichen Wirtschaftlichkeit das MAß der Dinge ist, warum sollten sich Schulen dann volkswirtschaftlich und nicht betriebswirtschaftlich verhalten?

    Ich bekomme Geld für’s Unterrichten und nicht für eine altruistische Lebenshaltung.

    Ist der Umsatz des VW-Konzerns in der Pandemie gesunken, weil eine große Zahl der Mitarbeiter*innen im Home-office sind oder kurzarbeiten? Fällt der Unterricht aus, weil Lehrkräfte von zuhause aus unterrichten oder weil der Staat die Digitalisierung von Schulen verpennt hat?

  6. Ich hoffe, Sie wären selbst auch bereit, sich als Erstes impfen zu lassen. Ich kann jeden verstehen, der da vorsichtig ist. Egal, ob Pflegekraft oder Lehrer. In diesem Zusammenhang von ‚unehrlichem Geschrei über nicht ausreichenden Schutz‘ zu sprechen, ist absolut fehl am Platz.

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