TIMSS: Grundschüler-Leistungen sind mittelmäßig – Unterricht ist entwicklungsfähig

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DORTMUND. Deutsche Grundschüler schneiden im internationalen Vergleich in Mathematik und Naturwissenschaften eher mittelmäßig ab. Das zeigen die Ergebnisse der alle vier Jahre durchgeführten Vergleichsstudie TIMSS, die am Dienstag vorgestellt wurden. Die Unterrichtsqualität hatte begleitend ein Team vom Institut für Schulentwicklungsforschung der TU Dortmund in den Blick genommen – und durchaus Entwicklungspotenzial gefunden. 

Der Mathematikunterricht wird von Grundschüler als motivierend wahrgenommen. Foto: Shutterstock

In Mathe erreichten die 4900 repräsentativ ausgewählten deutschen Schülerinnen und Schüler bei den im vergangenen Jahr durchgeführten Tests einen Punktwert von 521 und blieben dabei ungefähr auf dem Niveau der letzten Erhebung von 2015 (522 Punkte). Sie lagen damit zwar deutlich über dem internationalen Mittelwert (501 Punkte) aller 58 teilnehmenden Staaten und sechs Regionen, aber auch deutlich unter den Mittelwerten der teilnehmenden EU-Staaten und OECD-Staaten.

Ähnlich sieht es in den Naturwissenschaften (Physik, Biologie, Chemie, Geographie) aus: Die Grundschüler aus Deutschland landeten mit 518 Punkten über dem internationalen Mittelwert (491), aber ebenfalls unter dem EU- und OECD-Durchschnitt. Zudem hat sich hier das Ergebnis im Vergleich zur letzten Studie (528 Punkte) verschlechtert.

Bei der letzten Erhebung hatte es einen „TIMSS-Schock“ gegeben

Höchstleistungen in Mathe erreichten nur sechs Prozent der deutschen Schüler. In asiatischen Ländern, wie Singapur, leben dagegen offensichtlich wahre Rechenkünstler: In dem Stadtstaat erreichte mehr als jedes zweite Kind in den Tests das höchste Kompetenzniveau, in Südkorea mehr als jedes dritte Kind. In Deutschland ist dagegen der Anteil der Kinder, die gerade einmal über «elementare mathematische Fähigkeiten» verfügen mit 25,4 Prozent relativ hoch. Anders als bei der PISA-Studie, bei der die Leistungen von 15-Jährigen verglichen werden, geht es bei TIMSS («Trends in International Mathematics and Science Study») um Viertklässler. Zwischen der vorletzten Studie 2011 und der letzten 2015 war Deutschland von einem Platz in der Spitze ins Mittelfeld abgestürzt. (News4teachers berichtete seinerzeit groß über den TIMSS-Schock.)

Für den Lernerfolg von Schülerinnen und Schülern ist qualitätsvoller Unterricht zentral. Doch wodurch zeichnet sich dieser in den Grundschulen aus? Dieser Frage ging ein Team am Institut für Schulentwicklungsforschung an der TU Dortmund im Rahmen von TIMSS nach. Auf Grundlage einer für Schülerinnen und Schüler in Deutschland repräsentativen Stichprobe sowie einer Befragung von Lehrkräften wurden wichtige Erkenntnisse dazu gewonnen, wie die Qualität des Mathematik- bzw. naturwissenschaftsbezogenen Sachunterrichts in Deutschland wahrgenommen wird.

Gute Noten für die Motivierungsqualität

In TIMSS 2019 bewerteten die Lernenden sowohl den Mathematik- als auch den naturwissenschafts-bezogenen Sachunterricht positiv. Die Schülereinschätzungen fallen im Vergleich zu dem TIMSS-Zyklus 2015 jedoch etwas kritischer aus. Außerdem zeigen sich Unterschiede zwischen den Lernenden: Leistungsstärkere Lernende nehmen im Mittel im Vergleich zu leistungsschwächeren Lernenden die Klassenführung und konstruktive Unterstützung als höher ausgeprägt wahr, während sich leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler im Unterricht stärker kognitiv aktiviert fühlen.

Erstmals wurde in der Vergleichsstudie auch das Merkmal „Motivierungsqualität“ untersucht, also die Frage danach, wie gut eine Lehrkraft die Schülerinnen und Schüler in ihrem Unterricht motivieren kann. Die Studie zeigt, dass die Motivierungsqualität in beiden Fächern von Grundschulkindern als hoch erlebt wird. Über 65 Prozent der Kinder sind der Meinung, dass ihre Mathematik- bzw. Sachunterrichtslehrkraft beispielsweise interessante Inhalte auswähle.

Dies sei ein erfreuliches Ergebnis, so Prof. Nele McElvany, Geschäftsführende Direktorin am Institut für Schulentwicklungsforschung und wissenschaftliche Leiterin der Teilstudie Unterrichtsqualität, denn: „Für den Lernprozess ist die Motivierungsqualität des Unterrichts von Bedeutung, da sie positiv mit zentralen motivationalen Merkmalen, wie zum Beispiel der intrinsischen Motivation der Lernenden für das Unterrichtsfach, verbunden ist.“ Anders ausgedrückt: Wenn ein Kind sich für ein Fach begeistern kann, fällt das Lernen leichter und die Ausdauer ist größer, auch bei schwierigen Aufgaben die Lösung zu suchen.

Heterogene Klassen und leistungsbezogene Differenzierung

Das gemeinsame Lernen in Grundschulklassen ist dadurch gekennzeichnet, dass sich die Schülerinnen und Schüler in ihren Lernvoraussetzungen und -bedürfnissen unterscheiden. Für Lehrkräfte bedeute dies, dass sie den Spagat meistern müssen, anspruchsvollen Unterricht sowohl für lernschwächere als auch für lernstarke Kinder anzubieten, so die Bildungsforscherin McElvany.

Bei der TIMSS 2019 Untersuchung zeigte sich nun, dass die leistungsbezogene Differenzierung in den Unterrichtsfächern unterschiedlich ausfällt: Während mehr als die Hälfte der Lernenden von Mathematiklehrkräften unterrichtet wird, die die Differenzierung für leistungsstärkere und -schwächere Schülerinnen und Schüler in ihrem eigenen Unterricht als hoch ausgeprägt einschätzen, fällt der Anteil der Lernenden, deren Sachunterrichtslehrkräfte die leistungsbezogene Differenzierung im eigenen Unterricht als hoch ausgeprägt einstufen, im naturwissenschaftsbezogenen Sachunterricht geringer aus.

Eine mögliche Erklärung der Autorinnen der Teilstudie: Im Mathematikunterricht sei es einfacher, unterschiedlich schwierige Aufgaben zu stellen, während es im naturwissenschaftsbezogenen Sachunterricht möglicherweise schwieriger sei, gleichzeitig unterschiedlich anspruchsvolle Experimente durchzuführen.

Folgerungen für die Zukunft: Die Chancen der Digitalisierung auch für den Grundschulunterricht nutzen

Auf Grundlage der aktuellen Ergebnisse der TIMS-Studie 2019 wird deutlich, dass im Hinblick auf verschiedene Gestaltungsaspekte des Unterrichts Entwicklungspotenzial vorhanden ist. Der Unterricht müsste zum Beispiel weiter individualisiert werden, um sowohl auf leistungsstarke als auch auf -schwache Kinder angemessen einzugehen. Die zunehmende Digitalisierung bietet hier auch für Grundschulen vielversprechende neue Ansätze und Möglichkeiten für Diagnostik, Vermittlung und gezielte Förderung.

Dies ist laut Nele McElvany aber nicht ohne Qualifizierung möglich: „Die Professionalität von Lehrkräften muss weiter gestärkt werden. Dazu ist es notwendig, die Aus- und Fortbildungen im Bereich des adaptiven Unterrichtens, aber auch im Bereich der Arbeit mit digitalen Medien weiter auszubauen und zu verbessern.“ News4teachers / mit Material der dpa

Hintergrund

TIMSS ist eine international vergleichende Schulleistungsuntersuchung, die die mathematischen und naturwissenschaftlichen Kompetenzen von Grundschulkindern vierter Klassen erhebt.

Die Studie wird seit 1995 alle vier Jahre durchgeführt, seit 2007 beteiligt sich Deutschland regelmäßig. Verantwortet wird die Studie von der International Association for the Evaluation of Educational Achievement (IEA). Für TIMSS 2019 liegt die wissenschaftliche Gesamtleitung sowie Koordinierung des nationalen Konsortiums bei Prof. Dr. Knut Schwippert (Universität Hamburg). Am Institut für Schulentwicklungsforschung ist das Teilprojekt zur Erfassung der Unterrichtsqualität verortet.

Das interdisziplinäre Institut für Schulentwicklungsforschung (IFS) an der TU Dortmund ist als Forschungseinrichtung an der Schnittstelle von Wissenschaft, schulischer Praxis und Politik angesiedelt. Die durch vier Professuren und rund 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gestalteten Forschungsbereiche des Instituts arbeiten zu aktuellen Themen im Bereich der Empirischen Bildungsforschung mit dem Ziel, schulische Lern- und Entwicklungsprozesse, Schulentwicklung und Bildungsergebnisse im Kontext ihrer individuellen, sozialen und institutionellen Bedingungen zu erfassen, zu erklären und zu optimieren. Das IFS trägt mit seiner Arbeit wesentlich den Profilbereich Bildung, Schule und Inklusion der TU Dortmund mit.

Der Kommentar zum TIMSS-Schock: Die Probleme sind zu einem guten Teil hausgemacht – die vermurkste Inklusion schlägt durch

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30 KOMMENTARE

  1. Sicher ist der Mathematikunterricht in der GS verbesserungswürdig. Doch ich frage mich, wie wir uns mit Japan, Taiwan etc. vergleichen sollen. Dort ist die Motivation auch Nachmittags etwas für die Schule zu tun bedeutend höher. In einigen dieser Länder sitzen die Kinder noch bis spät Abends an Aufgaben. Während ich jetzt bereits das dritte Jahr den Kindern das Einmaleins nahe bringen muss (auf vielfältige Weise) und das immer noch nicht sitzt. Wenn Grundlagen nicht geübt und eingeschliffen werden, kann ich zu keiner weiteren Erkenntnis gelangen. Statt die Grundlagen tatsächlich zu üben und zu festigen, sollen wir in der Grundschule schon Wahrscheinlichkeitsrechnung vermitteln. Ja, das geht und macht den Kindern auch Spaß, aber die Zeit für tägliches Kopfrechnen, Knobeln etc. reicht oft nicht. Dazu kommt, dass inzwischen unglaublich viele Zahlenlegasteniker (Dyskalkulie) dabei sind, die schon beim Rechnen bis 20 scheitern. Obwohl Material genutzt wird, verschiedene Strategien angewendet werden. Um hier Abhilfe zu schaffen, müsste das Schulsystem ingesamt umstrukturiert werden und ich bräuchte permanent einen zweiten Kollegen im Raum. Denn wenn die Kinder nach der Themeneinführung üben, tauchen Probleme auf. Ich würde gerne allen Kindern ihren individuellen Weg zeigen, doch es fehlt schlicht an Zeit. Außerdem fehlt es auch an guten Fortbildungen für mich.

    • Ich habe aber auch das Gefühl, dass die frühkindliche Förderung hierzulande deutlich schlechter ausfällt als beispielsweise in Frankreich. Sowohl was die Elternhäuser als auch die Kitas angeht. Da scheint auch oft einfach der Wille zu fehlen. Und dann gibt es einzelne Elternhäuser, die das Kind mit vier Jahren zum Chinesischkurs, zum Trompetenunterricht, zum Judo, zur Leichtathletik und zum Vokalunterricht schicken. Auf der anderen Seite Kinder, die von morgens bis abends am Handy sitzen, deren Eltern es ihnen schon in den Kinderwagen gereicht haben, damit sie sich nicht mit ihnen beschäftigen müssen.
      Bei diesen Voraussetzungen ist es kein Wunder, dass die TIMSS Leistungen sinken!

  2. Wie wäre es damit einfach etwas weniger zu Singen und zu Klatschen? Das brächte Freiräume für Mathematik, Lesen und Schreiben. Ein bisschen weniger draussen spazieren gehen, brächte auch was und ein paar Stunden mehr unterrichten, nicht um 11 Uhr Schulschluss…

    • Oh, nein, Andreas! Singen und Trommeln wurden zu Beginn dieses Jahrtausends als unabdingbar für mathematische Kenntnisse ausgemacht. Der Beweis dafür ist, dass die Anzahl der Nobelpreisträger, z.B. in Physik, in Ethnien, bei denen Singen und Trommeln einen wesentlich höheren Stellenwert hat als bei uns, signifikant höher ist!
      Aber auch das Rückwärts- Balancieren hilft extrem beim Rechnen !
      Bestimmt war Einstein auch einmal Seiltänzer! (Ironie off)

    • Wieder ein Nichtlehrer ohne Hintergrundwissen?

      Kinder von Software- und Spieleentwicklern im Silicon Valley lassen ihre eigenen Kinder ab 14 Jahre an Handy und PC-Spiele.

      Vorher Bildung in den „schönen Künsten“, Musik, Kunst, Bewegung. Linke und rechte Hirnhälfte arbeiten deutlich besser zusammen, bei Sport und Tanz, Singen, Rhythmus, Überkreuzbewegungen etc.

      Bei uns Handy ab 6, PC-Spiele noch früher. Zweijährige kreischen hysterisch, wenn ihnen der digitale Schnuller weggenommen wird.

      Sprachentwicklung schlecht, LRS-Diagnosen ohne Ende, Zahlenvorstellung tendiert gegen verschwindend gering, was soll da noch gemacht werden? Mein und dein reimt sich auf kein. Hören die Kinder kaum noch. Wahrnehmung im Hören und Sehen sinkt bedenklich.

      Vertretungs“unterricht“ in „schwierigen Klassen klappt seit 15 Jahren prima, wenn man mit ihnen in den PC-Raum geht und sie ihrem digitalen Babysitter übergibt. Ui, da können sie dich aber gut konzentrieren! Nein, das gesuchte Wort ist Konditionierung (Pavlov, Fressen, Klingel, Hund, Sabbern).

      Zur KoordinatIon gehört das Klettern auf Bäume, das Runterfallen – ja, tut weh -, Toben, körperliche Grenzen austesten… und noch viel mehr.

      Seien Sie dankbar, wenn Kollegen mit den Kindern rausgehen.

    • Wer ahnungslos ist, sollte sich zurückhalten. Singen ist essenziell und der Stellenwert von Musik ist verglichen mit anderen Ländern sowieso viel zu niedrig im dt. Bildungssystem. Exkursionen sind unabdingbarer Bestandteil eines kompetenzorierntierten und fachlich qualifizierten Sachunterrichts. 11 Uhr Schulschluss kommt höchstens in Zeiten des Lehrermangels zustande. Woher kommt der? Richtig: Unterbezahlung und mangelnde Wertschätzung – z.B. durch Personen wie Sie!

  3. @Andreas, wir singen außerhalb von Corona-Zeiten 1 Schulstunde wöchentlich. Wo sollen wir da kürzen?
    Übrigens ist das Gefühl für Rhythmen auch mathematisch förderlich.

  4. Vll. Ist es auch einfach ein Problem, dass es in Deutschland in jeder Hinsicht schwer fällt, leistung einfach mal anzuerkennen. Ein gut gemacht oder weiter so gibt es nicht, es muss immer mehr Leistung her. Wer sagt denn das Mittelmäßig schlecht ist? Wer hat denn entschieden, dass wir was besseres sind als andere und deshalb auch eine bessere Leistung erbringen müssen? Lieber durchschnittlich und glücklich als Bester und dann alle Depressionen und Burnout treiben.

    • Was passiert, wenn wir uns auf Mittelmäßigkeit ausruhen? Wir werden von allen Anderen überholt und abgehängt. Siehe unsere Automobilindustrie. Die anderen Spitzentechnologien machen wir durch unsere Gutmenschen selbst kaputt. Das läuft etwas anders als im heilen Mikrokosmos der sich Schule nennt. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft und das ist auch gut so. Wenn es mit der Wirtschaft berab geht, dann wirkt sich das auch auf die Schulen aus, wenn das Geld ausgeht. Das kapieren Lehrer sehr schwer, denn sie haben ja ein gesichertes Auskommen auch ohne Leistung. Ihr könnt dann ja auch gleich Eure Noten abschaffen, denn die haben auch etwas mit Leistung zu tun.
      „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit!“

  5. Jetzt mal im Ernst…. Ich habe mein Kind Mit Geburtsjahr von 2008 im Jahr 2014 eingeschult, und bade jetzt das Verhalten der Lehrerin aus. Mein Kind ist in der 7. Klasse aktuell. Ein IQ von 155 würde ihr diagnostiziert. Die Lehrerin war frisch von der „Schulbank“. 8hte erste Klasse. Mein Kind durfte machen was es wollte, durfte lernen was es wollte, durfte regeln brechen wann es wollte. Durfte auf den Schulhof wann es wollte. Ergebnis: ab der 4. Klasse unter der gleichen Lehrerin, war sie nicht mehr alltagstauglich und brauchte Therapie und Integrationshilfe. An der neuen Schule mit IHilfe stellt sich nach weiteren psychologischen Behandlungen raus, das Kind kennt Grenzen von Lehrern nicht. Entweder wir bescheinigen asperger autismus oder I Hilfe wird nicht weiter bewilligt….. HALLO??? Wo sind die Lehrer die Eier in der Hose haben, egalob männlich oder weiblich? Selbst in der gesamtschule 7. Klasse müsste sich mein Kind niemals einem Lehrer stellen und die Konsequenzen für ihr Handeln tragen. Wo sind die Lehrer die wissen vermitteln, mit Erfahrung ohne sonnemscheinpädagogik? Ich kenne mein Kind…. Ohne Struktur bricht alles zusammen. Dafür braucht man einen erfahrenen Lehrer mit Linie und keinen heiteiteilehrer

    • Ich will jetzt nicht meckern, aber kann es nicht vll. sein, dass ihr Kind wirklich asperger hat? Es handelt sich hier ja nicht um eineumstrittene ADHS sondern um asperger, ich denke nicht, dass dies anerzogen sein kann. Als Lehrer habe ich mittlerweile viele Kinder mit asperger unterrichtet, bei keinem von diesen würde ich sagen, kann diese Krankheit sozial anerzogen sein!

      Ich bin grosser Fan von klaren Grenzen und Regeln, aber gerade bei kranken Kindern bringe diese auch nicht immer den gewünschten Erfolg, dann geht es irgendwann darum, die anderen Kinder zu schützen, ich denke darum ging es hier auch, wenn ihre Tochter dem Unterricht fernbleiben durfte — Schutz und Recht auf Unterricht, für die anderen Kinder.

    • Zitat:
      „Ergebnis: ab der 4. Klasse unter der gleichen Lehrerin, war sie nicht mehr alltagstauglich und brauchte Therapie und Integrationshilfe.“
      Dürfen Sie als Eltern Ihrem Kind nicht beibringen, dass es Grenzen gibt?

    • Die meisten Lehrer würden gerne noch viel mehr Wissen vermitteln, aber dafür müssen die Voraussetzungen stimmen. In Klassen mit verhaltensauffälligen Kindern, deren Anzahl sich im zweistelligen Bereich bewegt und deren Verhaltensweisen abtrainiert werden müssen, nachdem die Eltern versagt haben, ist das eine Mammutaufgabe. Einige Eltern schieben viel zu viel auf Lehrkräfte ab und wundern sich nachher, warum ihr Kind schlechte Noten hat, keinen Ausbildungsplatz bekommt etc.

    • Und wo sind die Eltern, die die Erkrankung ihres Kindes anerkennen und nicht alle Schuld den Lehrern zus heben? Ihr Beri ht ist eigentlich hö hst peinlich für sie als Eltern! Merken Sie Das?????

  6. Kinder mit Asperger sind in unserem Regelsystem oft nicht gut aufgehoben. Die ideale Schule wird man für diese Kinder wohl selten finden. Eine enge Zusammenarbeit zwischen ATZ (Autismus-Therapie-Zentrum), Schule und Elternhaus ist hier unabdingbar, um Weichen zu stellen. Am besten schon zu Kita-Zeiten(!) sollte damit begonnen werden. Stichwort: Frühförderung. Wenn die Pubertät erst einmal beginnt, ist es meist schon recht spät um das Ruder herumzureißen. Eltern sollten hier den Kontakt zwischen den Institutionen fördern, einfordern, zulassen. Ein AO-SF kann hilfreich sein, um sonderpädagogische Unterstützung und Beratung einzufordern. Allein eine Einzelfallhilfe und „Aussondern“ aus der Klasse helfen hier nicht weiter. Die Hilfe muss auch gut eingearbeitet werden, Fortbildungen erhalten. Unser Regel-System macht es diesen Kindern, aber auch den Lehrern sehr schwer, Inklusion und Migration gut stemmen zu können. Es müssen Lehrpläne eingehalten, Tests und Klassenarbeiten geschrieben werden, dabei ist die Klasse voll von Schülern! Keine kleinen Lerngruppen! Und genau diese großen Gruppen sind für die Kinder ja oft auch schwierig… Und leise wird es in der Klasse auch nicht sein…
    Zum AO-SF: Leider lehnen Eltern diese Unterstützung oft lange ab, weil sie dem Kind keinen „Stempel“ aufdrücken wollen und die Situation, insbesondere langfristig, noch nicht ganz begreifen können. Wie auch!? Sie bringen ja keine Erfahrungen mit der Thematik mit und wollen nur das Beste für ihr Kind! Sie hoffen es wächst sich raus. Alles völlig verständlich!!! Aber so geht wertvolle Zeit verloren. Insgesamt eine schwierige Situation für alle Beteiligten! Ein so besonderes Kind kann mitunter für Überforderungen auch von „normalen“ Lehrpersonen führen, wenn sie als Einzel-Lehrkraft mit der Thematik alleine gelassen werden und nur wenig Erfahrungen haben und auch im Regelbetrieb nur sammeln konnten und zukünftig können. Inklusion einfordern ist eine Sache, Lehrpersonal fortbilden und unterstützen, diese „Aufgabe“ annehmen zu können, eine andere! Hier braucht es Fachleute! Und „den“ Autisten gibt es ja nicht!
    Kleine Lerngruppen und eine intensive schulische Förderung (zb durch 2 Sonderpädagogen in Doppelbesetzung) sind hier im Regelsystem nicht zu leisten, sodass diese „stringente Erziehung“ mitunter nicht zu leisten ist. Diese Kinder fallen durchs „Raster“. Einige Kinder mit Asperger werden an Schulen für körperliche und motorische Entwicklung beschult. Hier gibt es die kleinen Lerngruppen bis zu 14 Kindern bei häufiger Doppelbesetzung der Lehrkräfte, zuzüglich weiterer Helfer. Richtlinien Grundschule, Lernen und Geistige Entwicklung aber gibt es auch Hauptschule und Gymnasium. Letztlich bestimmt auch nicht für jedes Kind die beste Lösung! Hier muss einfach ganz besonders gut und vor allem individuell(!) mit richtigen Fachleuten (ATZ) geguckt werden, welche Möglichkeiten es auch vor Ort gibt.

    Schade, dass Sie so schlechte Erfahrungen machen mussten! Ich wünsche für die Zukunft alles Gute!

  7. In aller erster Linie fängt Erziehung zu Hause an. Die Lehrer haben einen Bildungsauftrag der schwierig einzuhalten ist, wenn Eltern auch noch denken, Erziehungsarbeit auf die Lehrer abzuwälzen. Wenn das verstanden wird, können sich die Lehrer und Lehrerinnen auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren, nämlich den Kinder was lehren.

  8. PS: Im Regelsystem sollen/dürfen die Schüler ja teilweise sehr „offen“ lernen! Vom Wochenplan bis hin zur Freien Arbeit im Unterricht. Das ist auch für viele Kinder toll und richtig so! 🙂 Aber eben nicht für alle. Manche brauchen mehr bis hin zu viel Struktur, manche Kinder mit besonderen Bedürfnissen brauchen sogar besonders viel Struktur, bis hin zu einem Verhaltensplan, der beim Durchsetzen der Einhaltung von Regeln und Grenzen unterstützt. Dies bedarf evtl zusätzliche personelle Unterstützung, um den Plan durchzusetzen. Die Lehrerin kann sich Zeit nehmen, aber hat auch noch… 25(?) andere Kinder in der Klasse, die teilweise Richtung Gymnasium gefördert und gefordert werden müssen! Alles hat also seine Grenzen. Bei dieser Offenheit des Unterrichts eine enge, gute Struktur für ein einzelnes Kind im Gegensatz zur Klasse zu finden, stelle ich mir auch nicht leicht vor… Kind und Schule / Schulform müssen zueinander passen oder wenn überhaupt möglich einander „passend gemacht“ werden – keine leichte Aufgabe! Nicht jede Schule ist für jedes Kind genau richtig. Manche Schulen arbeiten ja auch klassenübergreifend usw. Leider scheitert Inklusion letztlich doch oft… Aber es gibt auch Erfolge und es ist gut, dass Eltern grundsätzlich die Wahlmöglichkeiten haben…

  9. Hat das Elternhaus Struktur, musste sich das Kind, bzw. die Eltern sich dem Kind stellen oder muss Schule wieder mal alles retten?

  10. Liebe Simone,

    das ist leider ein echtes Problem. Wird jedoch in der Ausbildung – auch in anderen sozialen Bereivhen – konsequent gefordert – komplette Bedürfnisorientierung der Kinder.

    Dass die damit völlig überfordert und – orientierungslos – werden, ist klar. Verhalten muss korrigiert werden, Punkt. Ich persönlich finde diesen Ansatz verantwortungslos – wobei man hier natürlich immer Alter, Reife und Entwicklungsstand der Kinder im Auge haben muss. Einige würde ich manchmal sogar gerne zwingen, ihre sich an ihren Bedürfnissen zu orientieren und diese einzufordern, denn sie trauen sich nicht und leiden still und leise vor sich hin, bis sie verkümmern. Dafür gehen die anderen bedürfnisorientiert über Tisch und Bänke.

    Es ist kein Trost, doch die Kollegin wir sicher mit zunehmender Beruserfahrung ihre Ausbildung in Frage stellen und im Sinne der Schüler eingreifen.

    Kinder machen das, was zugelassen wird. Sie wären ja auch schön „blöd“, wenn sie das nicht täten. Sie sind die „Produkte, Ergebnisse“ ihrer Sozialisation. Und damit stehen wir alle, auch Nachbarn, Verkäufer, Fußgänger, Autofahrer, ….. , in der Verantwotung.

  11. Und kleine Lerngruppen gerade in der Grundschule ist ein erster, guter Ansatz, wenn wirklich etwas verändert werden soll.

  12. Regeln durchzusetzen kann bei diesen Kindern mitunter eine sehr kräftezehrende(!) und vor allem auch zeitlich(!) sehr aufwändige Arbeit sein! Da reden wir nicht von ein paar Minuten und 1-3x Konsequenzen durchsetzen, damit das dann läuft, sondern es kann auch schon mal mehrere Tage oder Wochen dauern, bis Regeln dann akzeptiert werden. Dazu dann vehementer(!) Protest, laut, raumgreifend. Das kann die Lehrerin gar nicht alleine übernehmen!!! Was ist mit dem Bildungsauftrag der anderen 24 Kinder? Sollen die dann alle abwarten, bis die Lehrerin wieder Zeit hat? Während sie sich dann um das Problem kümmert, können die anderen dann ja laut sein und über Tische und Bänke gehen… Und ganz wichtig: gemeinsame Konsequenzen fahren! Auch die Eltern sind in der Pflicht, Schule da zu unterstützen und die Lehrer damit nicht alleine zu lassen. Eltern sind auch Experten für ihr Kind. Niemand kennt es so gut wie sie. Auch die Lehrer nicht. Deshalb muss zusammengearbeitet werden und hier sind Eltern besonders in der Pflicht.
    Was hier schon erwähnt wurde und man wirklich auch betonen muss ist: die Kinder haben auch Leidensdruck! Es geht ihnen nicht gut! Die sind nicht böse und allein das Wort „unerzogen“ passt hier auch nicht wirklich. Es ist einfach Asperger mit im Spiel. Alles sehr komplex… und immer individuell zu betrachten. Die enge Zusammenarbeit aller ist und bleibt das wichtigste, dazu Unterstützung durch das ATZ. Das Asperger Kind schützen vor Überforderung und auch die anderen Kinder schützen und das Recht auf Unterricht gewährleisten. Ein ordentlicher Spagat.
    Hier scheint mir, wäre eine Förderschule evtl besser gewesen: kleine Lerngruppen und viel Personal, dass zumindest etwas mehr Erfahrung mit der Thematik mitbringt, da dort öfter Kinder mit Asperger beschult werden. Die haben dann auch kleine Lerngruppen, weniger Leistungsdruck da weniger Grundschüler dabei, und Zeit sowie Personal um Regeln durchzusetzen.
    Eltern fordern oft einfach Inklusion, ohne sich aber in klaren zu sein, dass die Regelschule nicht so arbeiten KANN wie die Förderschule. Eltern müssen hier Abstriche machen! Bei so unterschiedlichen Bedingungen an Regel- und Förderschulen KANN nicht dasselbe geleistet werden!!!

  13. Wie wäre es statt 3 Stunden Religion + 2 Stunden WG wöchentlich, Schah ab der ersten Klasse. Ebenso lesen am Unterricht, statt vorlessen von den Lehrer. Jeden Tag jedes Kind abwechselnd laut lesen, danach Sätze auf dem Tafel schreiben und besprechen, genauso wie Bücher selbst. Wo ist die Lektüre für 1.-4. Klasse. Meine Kinder nie davon etwas in der Grdunschule gehört.. Mein Gott, Religion gehört in der Kirche und Kinder sollen am Unterricht lesen ab 1. – 4. Klasse und zwar ja in der Gruppe, in der Klasse auch, nicht nur zu Hause. Mathe? Es fehlt ja mehr Zeit. Mahe soll man auch besprechen, Logik etwickeln nicht nur haufen von Blätter jeden Tag ausfüllen..Wie wäre es mit den echten Instrumenten zu spielen? Musik selber machen, aber richtig – hat sehr viel mit Mathematik zu tun. Dann würde vielleicht weniger Analphabeten geben und mathematische Fähigkeiten der Kinder würden doch steigen.

    • Genau in diese Richtung zu gehen, habe ich mir auch schon überlegt.
      Wenn zukünftige Azubis zum Vorstellungsgespräch sollen sie einfach ein paar Sätze flüssig vorlesen und wenn das klappt vielleicht noch ein paar Sätze ohne sehr viele Rechtschreibfehler ans Board schreiben.
      Es kommen Bewerber, die haben einen Realschulabschluss und können fast nicht lesen. Die sind nicht ausbildungsfähig. Die zugehörigen Lehrer loben solche Typen noch in den Himmel. Zum Glück haben wir Auswahl genug an fähigen Bewerbern. Ich frage mich nur, wie die eine Prüfung bestehen konnten oder ob die Lehrer einfach nur gekauft wurden. Ich kann es mir so langsam nicht anders vorstellen.

    • Drei Studnen Religion gibt es wohl auch nur in Bayern 😉 Vorlesen macht ergänzend zum selbstständigen Lesen durchaus Sinn. Es fördert die Lesemotivation der Kinder und sie lernen zuzuhören. Eigentlich etwas ganz Grundlegendes – bringen viele Kinder aber leider nicht von zuhause mit. Was mich aber wirklich erschrecken lässt, wenn Ihr Eindruck stimmen sollte: KEINE Ganzschrift von Klasse 1-4. Ich kenne es nur so, dass i.d.R. zwei pro Schuljahr, wenn nicht sogar drei, gelesen werden.

  14. Vielleicht sollten doch einige Dinge auswendig gelernt werden, wie z. B. das kleine 1×1. Wozu Englisch in der Grundschule, wenn die Kinder nicht lesen oder schreiben können?
    Die armen Grundschullehrer müssen jetzt das ausbaden, was ihnen die Lehrpläne versauen.

  15. Ja das stimmt, ich habe vergessen, Religion so viel nur im Bayern. Ja leider, keine Lektüre, nicht mal Empfehlungen für die Kinderbücher, welche die Kinder lesen sollen. Erst seit neulich (seit ca. 3 Jahren) eine Buchvrostellung in der 3. Klasse, und wieder ganz nach eigener Wahl. Danach wieder nichts mehr in der Grundschule.

    Vorlesen ist durchaus gut, aber das Lesen in der Klasse und zwar jeden Tag finde ich auch sehr wichtig, genau so wie Besprechungen über die Bücher, und zwar jeden Tag, ab und zu bringt wenig. Und 3. besonderes 4. Klasse lassen für nichts mehr Zeit außer für die Pauken von Probe zu Probe. Aufsätze schreiben sind für zu viele Kinder regelmäßig ein Albtraum. Sie wurden meist sehr oberflächlich in der Schule beigebracht. Aber wie gesagt, zu viel Stoff zu wenig Zeit.

    Wenn die Eltern das Kind der Grundschule überlassen, sollen sie sich mit der Hauptschule hochst mit der Realschule zufrieden stellen. Für ein Gymnasium ist das alles viel zu wenig. Zu viele Kinder sind für ein Gymnasium äußerst schlecht vorbereitet und dann kommt Stress, sie leiden, ELtern leiden, ganze Familien leiden darünter. Und das sollte nicht sein. Nirgendwo sonst in der Welt ist ganz selbsverstädlich ein Abi mit reichlichen Nachhilfen zu schaffen. Ebenso nirgendwo wurden beim Übertritt ins Gymnasium die starke Leistungsbruche der Kinder als etwas selbsverstäfliches angenommen und sogar erwartet. Es stimmt etwas nicht, aber wenige wollen es einsehen.

  16. Wo bleibt eigentlich mal der empirisch gemessene positive Effekt der im Laufe der letzten Jahre ganz wesentlich gestiegenen Zahl von Ganztagsschulen? In Berlin sind mittlerweile ALLE Grundschulen Ganztagsschulen, aber die Ergebnisse verbessern sich offenbar nicht. Stattdessen wird gepredigt, wie schön doch Ganztagsschulen sind. Aber worauf basiert das? Sind das „alternative Fakten“, also letztlich Wunschdenken? Oder stimmt das wirklich?

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