Plötzlich doch: Gebauer kann sich Wechselunterricht in NRW vorstellen

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DÜSSELDORF. Bis Mitte Februar müssen die Schüler in NRW zuhause lernen – darauf hat sich NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer nun festgelegt. Spannend wird, ob der Distanzunterricht auch danach weitergeht. Die FDP-Politikerin könnte sich jetzt doch auch etwas anderes vorstellen: Wechselunterricht – den  sie im November der Stadt Solingen noch verboten hatte.

Wende vollzogen: NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer sieht in Wechselunterricht jetzt doch eine Option. Foto: Land NRW

Angesichts der andauernden Corona-Pandemie hat sich Schulministerin Yvonne Gebauer erstmals offen auch für Wechselmodelle von Distanz- und Präsenzunterricht in Nordrhein-Westfalen gezeigt. «Natürlich denken wir über verschiedenste Modelle nach», sagte die FDP-Politikerin am Dienstag in Düsseldorf. Ihr Ziel sei zwar, so schnell wie möglich zum Präsenzunterricht zurückzukehren. Wenn das angesichts der Corona-Infektionszahlen aber nicht möglich sei und das Land auch nicht länger im Distanzunterricht verbleiben wolle, «dann bieten sich natürlich auch Wechselmodelle an».

Gebauer kündigt an: NRW setzt den jüngsten Bund-Länder-Beschluss zu Schulen konsequent um

Bis zum 12. Februar werde in NRW in allen Schulen und Schulformen coronabedingt aber weiter Distanzunterricht erteilt, bekräftigte Gebauer. NRW setze damit den jüngsten Bund-Länder-Beschluss konsequent um. Die Entscheidung sei nach Gesprächen mit allen Bildungsverbänden getroffen worden, sagte Gebauer. Die Ministerin sprach von einem «Schulterschluss». Zuvor hatte die Landesregierung offen gelassen, ob sie tatsächlich die Schulen bis Mitte Februar im Distanzunterricht halten werde.

Grundsätzlich bleibe Präsenzunterricht die erste Wahl, so Gebauer. Jetzt sei aber eine weitere «Zeit der Vorsicht» nötig. Zwar entwickelten sich die Infektionszahlen in NRW positiv, allerdings sei nicht abzuschätzen, wie schnell sich die Coronavirus-Mutationen ausbreiteten und wie gefährlich sie seien. Bund und Länder hatten den Corona-Lockdown mit weitreichenden Schließungen zunächst bis 14. Februar verlängert.

Einen Zeitpunkt oder Stichtag, ab wann es Wechselmodelle im Unterricht geben könnte, könne sie angesichts der unklaren Lage derzeit noch nicht nennen, sagte Gebauer. Wie es im zweiten Schulhalbjahr in NRW weitergehe, werde sie mit den Verbänden «im konstruktiven Prozess» erörtern.

Eine flächendeckende Teilung von Schulklassen als Baustein zur Pandemie-Bekämpfung war in NRW vor allem im Spätherbst politisch hoch umstritten. Die Devise der schwarz-gelben Koalition war seinerzeit, für den Präsenzunterricht zu kämpfen. Das Lernen im Wechsel je zur Hälfte daheim auf Online-Basis und im Klassenraum war der Kern des sogenannten «Solinger Modells», das die Landesregierung aber untersagt hatte. Wechselunterricht «wird den vielfältigen Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler nicht gerecht, vor allem nicht unter dem Gesichtspunkt der Bildungsgerechtigkeit», sagte die FDP-Politikerin seinerzeit.

Die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts, ab einem Inzidenzwert von 50 die Schulen in den Wechselunterricht zu nehmen, um die Abstandsregel in den Klassenräumen einführen zu können, sowie eine generelle Maskenpflicht im Unterricht einzuführen, wurden von Gebauer (wie von allen anderen Landesregierungen) abgelehnt. Noch am 16. November erklärte NRW-Familienminister und FDP-Landesparteichef Joachim Stamp im heute journal: «Sie können nicht einfach sagen, wir machen jetzt mal halbe Klassen. Sie brauchen dann im Grunde genommen fast das Doppelte an Lehrerinnen und Lehrern, die wir nicht haben.»

SPD fordert „Freischuss“ für Abiturienten – Gebauer lehnt das ab

Forderungen der SPD-Opposition nach einem «Freischuss» für Abiturprüfungen in diesem Jahr erteilte Gebauer eine klare Absage. Alle Bundesländer hätten sich in der vergangenen Woche darauf verständigt, Abschlüsse auch in diesem Corona-Jahr auf Basis von Prüfungen zu vergeben. «Wenn ein Land davon abweicht, könnte es die Abiturientinnen und Abiturienten in eine bedrohliche Lage bringen», warnte sie.

Es bestünde die Gefahr, dass das Abitur dann nicht bundesweit anerkannt werde «und der Ruf des NRW-Abiturs wäre auf Jahre beschädigt». Wer ständig von «Freischüssen» oder «Kurz-Schuljahren» spreche, befeuere Debatten über «minderwertige Abschlüsse», mahnte Gebauer. Ob Schüler in diesem Schuljahr sitzenbleiben können, werde noch mit den Verbänden besprochen.

Lehrerverbände begrüßten die Fortsetzung des Distanzunterrichts bis zunächst Mitte Februar. «Niemand würde von einer vorzeitigen Öffnung profitieren, wenn wenige Tage später die Schulen wieder schließen müssten», sagte der VBE-Landesvorsitzende Stefan Behlau. Auch Distanzunterricht sei Unterricht, das dürfe nicht vergessen werden.

Die Landesvorsitzende der Gewerkschaft GEW, Maike Finnern, sagte: «Wir müssen weiter auf Nummer sicher gehen, trotz aller Belastungen.» Nun komme es aber darauf an, wie es ab dem 15. Februar weitergehe. Die Schulen brauchten Regelungen, die bis zu den Osterferien gelten. Die einzelnen Schulen sollten vor Ort Freiheiten bekommen, für sie passende Modelle «auch wirklich umzusetzen». News4teachers / mit Material der dpa

Gebauer will Präsenzunterricht nach dem 31. Januar – teilweise jedenfalls. Wissenschaftler warnen: In Schulen finden Infektionen statt

 

 

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25 KOMMENTARE

  1. Es bestünde die Gefahr, dass das Abitur dann nicht bundesweit anerkannt werde «und der Ruf des NRW-Abiturs wäre auf Jahre beschädigt».

    Das macht jetzt auch keinen Unterschied mehr. Das NRW-Abitur gilt zusammen mit dem aus den Stadtstaaten und Thüringen seit Jahren als das einfachste schlechthin. Der Ruf kann eigentlich nicht noch mehr beschädigt werden.
    Die Idee des Wechselunterrichts als längerfristige Perspektive halte ich für sinnvoll. Bezüglich des Verbots in Solingen im Herbst ist jedoch zu ergänzen, dass Gebauer auch in Interviews immer wieder betont hat, dass sie es nicht der Sache wegen verboten hätte, sondern weil keine Genehmigung beim Schulministerium dafür eingeholt wurde. Inwiefern das jetzt eine stichhaltige Begründung ist, ist natürlich diskutabel.

  2. Mal schauen, wie lange Frau G sich daran hält, die Schulen bis Mitte Februar im Distanzunterricht zu lassen (wobei das ja auch nicht stimmt wegen der „Not“betreuung). Wenn noch ein paar weitere Länder vorpreschen, dann wird sie wohl „ich auch!“ rufen und spontan alles wieder kippen.

    Hoffen wir, dass Herr L mit seinen Kanzlerambitionen dafür sorgt, dass sie das nicht tut.

    • Das ist aber auch das einzige Gute daran, dass Laschet jetzt CDU-Vorsitzender ist und als Kanzler gewählt werden will. Wenigstens sieht man ihn in letzter Zeit nicht mehr zusammen mit Streeck – vermutlich will er das „Merkelchen“ nicht allzusehr verärgern.

      Übrigens müsste es im 1. Satz des Artikels eigentlich eher heißen “ Bis Mitte Februar DÜRFEN die Schüler in NRW zuhause lernen…“

      Ich hoffe nur noch, dass wenigstens die Präsenzpflicht ausgesetzt wird damit ich mich (und den Rest der Familie) zuhause schützen kann.

  3. Auf die Idee ihre Lehrkräfte sofort impfen zu lassen ist Frau Gebauer leider nicht gekommen.

    An Schulen gibt es kein Infektionsgeschehen —> Lehrkräfte können später geimpft werden —> Lockdown wird länger und länger oder wird spätestens nach Ostern wiederholt

  4. Habe gerade die Pressekonferenz mit Frau Gebauer aufmerksam verfolgt und muss nun echt mal loswerden, dass ich erneut zutiefst enttäuscht und verärgert darüber bin, dass bzgl der Notbetreuung in den Schulen wieder einmal nur die Lehrer erwähnt werden. Es sind in den meisten Grundschulen nicht die Lehrer oder Sonderpädagogen, die die Notbetreuung organisieren oder durchführen, sondern wir Erzieherinnen und Erzieher, wir „Basteltanten der OGS“, wir, die niemand auf dem Schirm hat, wir, die seit Jahren absolut unterbezahlt sind! Eine Coronaprämie habe ich natürlich auch nicht erhalten für meinen Einsatz! Nur das Coronavirus durfte ich mir gratis dazuverdienen! Wenn das so weiter geht, dann werfe ich das Handtuch!!

    • Die „Basteltanten“ sind doch auch seitens der Kommune über den Schulträger bzw. OGS-Trägereinrichtung beschäftigt und nicht vom Land NRW angestellt oder gestellt worden.

      Auch finde ich, dass man diese Berufsgruppe und deren Engagement bei der Notbetreuung als Ministerin durchaus auch löblich erwähnen dürfte. Dazu fällt mir die Wertschätzung ein.

  5. Eigentlich müsste sie total für den Distanzunterricht sein. Ihr Parteikumpel spricht doch auch nur noch von Digital first – Bedenken second. ….. und das ist nun mal bisher nur mit Distanzunterricht möglich.

    Wobei, wenn ich noch mal drüber nachdenke, dann Schulen auf! Da kann Lindner richtig punkten – so notwendig, wie es dann sein muss.

  6. ZDF Frontal 21 hat heute die Frage nach der Sinnhaftigkeit der Impfreihenfolge gestellt.

    Ist es nicht sinnvoller die Pandemie mit Impfungen einzudämmen und viele Menschenleben zu retten, statt einen geringen Teil der Senioren zuerst zu impfen um wenige Leben zu retten?

    • Nicht, wenn die Eindämmung der Pandemie so lange dauern würde, dass viele der alten Menschen vorher bereits wegsterben würden.

      Was wirklich sinnvoll gewesen wäre, wäre alles für den Schutz in Schulen und eine ordentliche Impfstoffbeschaffung. Dann wären die Schulen noch etwas länger offen geblieben oder hätten früher wieder geöffnet werden können, und dann hätten wir jetzt nicht gerade einmal 2-3 prozent geimpft, nur weil wir den Preis deutlich runtergehandeln wollten. Vollkommener Irrsinn. Israel bezahlt den dreifachen Preis und hat über 30 prozent der Bevölkerung geimpft. Dieses Vorgehen kostet uns am Ende vermutlich mehr.

      • Israel zählt für den Impfstoff aus Deitschland / USA den doppelten Kaufpreis der Deutschen. Außerdem stellt sich die Frage, warum wir mehr bezahlen sollen, nachdem hier unsere Steuergelder für die Forschung aufgewendet wurden. Weiterhin gilt in Isrsel, dass dort mit den Herstellernn vereinbart wurde, alle Daten zur Impfung weiterzugeben. Das wird wohl auch einen wesentlichen Teil zu Istaels Bevorzugung in Sachen Impfstofflieferung beigetragen haben.

        Trotzdem ist die Einkaufspolitik seitens Deutschlands (inbsondere Spahn) und der EU (Wenn 300 Millionen Impfdosen aus Deitschland kommen, dann müssen auch 300 Millionen aus Frankreich kommen und solche Spöße) zu verurteilen, wir hätten schon längst genug Impfstoff haben können.

        • „Weiterhin gilt in Isrsel, dass dort mit den Herstellernn vereinbart wurde, alle Daten zur Impfung weiterzugeben. “

          Das vor allem dürfte für die Impfstoff-Hersteller ein sehr entscheidender Punkt sein. Liefert für sie viele viele Daten, an der sie fortlaufend die Verträglichkeit des Impfstoffs weiter „prüfen“ können. Kombiniert mit den nach einiger Zeit abzuleitenden Daten zum Thema Impfschutz – welcher Impfstoff-Hersteller würde da nicht am liebsten sein Vakzine einliefern wollen?

      • Irrsinn ist auch ein paar schöne Bilder mit der Impfung von über 90-Jährigen zu produzieren, während Ärzte und Krankenpfleger von Coronapatienten auf eine Impfung warten müssen.

        Die über 70-Jährigen zu impfen dauert 3 Monate.
        Die Impfung von Lehrern, die nur 1 Woche dauert, dazwischen zu schieben, wäre eine sinnvolle Maßnahme um die Pandemie einzudämmen.

        • In NRW hieß es schon, beim derzeitigen Lieferstand würde die Impfung ü80 bis zu 14 (!) Wochen dauern, da haben wir dann Mai. Dann kommt ü70 und danach irgendwann die LK. Was für ein Trauerspiel!

          • @Marie
            Genau.
            Erst wird FAKE News in die Welt gesetzt, in Schulen gäbe es keine Infektionen, dann entscheiden Ethikrat und J.Spahn auf Grund der Fakenews Lehrkräfte später zu impfen.

            Und keiner will den Fehler korrigieren.
            Weil alle die Fakenews mit verbreitet haben.

  7. Was die Bildungsministerin längst hätte tun müssen: Den Unterricht in einigen Fächern ganz aussetzen!
    Sportunterricht war ohne schulischen Sportplatz völlig bescheuert und wird es auch in Zukunft sein.
    Wir behelfen uns mit Jogging-Tagebüchern, etwas Theorie in den älteren Jahrgängen und einer feinen youtube-Gymnastik-Film-Auswahl.
    Wenn hier die Notengebung ausgesetzt würde, könnte die Zeit für Einzelnachhilfe Bedürftiger verwendet werden.
    Ähnlich verhält es sich bei den Fächern Musik, Darstellen&Gestalten, Kochen, Technik, Kunst.

    • Komischerweise mögen die SuS selbst den Technikunterricht online, weil sie dort Mal was haptisches machen können. Vielleicht sind meine 60 Schüler auch was besonderes….

      Desweiteren sind die Fächer Technik, Hauswirtschaft und Darstellen und Gestalten an Gesamtschulen in NRW im Bereich der Wahlpflichtfächer Hauptfächer.

  8. Man, Mann Mann, das hat aber gedauert, bis Fr Gebauer endlich ein wenig Vernunft annimmt. Da geht es ja beinahe schnelle, nem viertel-pfund Kalbshirn aus der Metzgerkühltheke unregelmäßige englische Verben beizubringen.

  9. Ich hoffe, dass dieser parallel laufende Präsenz- und Distanzunterricht wie vor den Ferien nicht wieder kommt, weil der für Lehrer doppelte Arbeit ist und ein unlösbares Multilokationsproblem darstellt. Im Übrigen bin ich für volle Distanz so lange wie notwendig. Wie man dann aber die Sache mit den Klassenarbeiten und Klausuren, insbesondere dem Vorabitur lösen möchte, wenn sie denn stattfinden sollen, ist mir ein Rätsel. Von schulischer Seite aus wäre es kein Problem, der Schulweg selbst und das Verhalten der Schüler außerhalb des Unterrichts dagegen schon.

    • Bei uns werden die Woche bei den Fachkonferenzen entschieden, was wir wie bewerten werden. Auch, was die verschiedenen Inhalte bei den drei Szenarien inhaltlich machen.

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