Ab nächster Woche öffnen die Kitas in Nordrhein-Westfalen wieder weit

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DÜSSELDORF. Ab dem 22. Februar können alle Kinder in Nordrhein-Westfalen wieder in die Kitas und die Tagespflege kommen. Das kündigte NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP) am Dienstag in Düsseldorf an. Allerdings bleibt es zunächst bei einem landesweit pauschal um zehn Wochenstunden gekürzten Betreuungsangebot und bei festen Gruppen.

Erwägt ein Kopftuchverbot für minderjährige Mädchen: Joachim Stamp (FDP), Minister für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Norrhein-Westfalen. Bild: FDP-NRW - FDP-Bundesgeschäftsstelle (R. Kowalke) / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)
Macht die Türen auf: Joachim Stamp (FDP), Minister für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Norrhein-Westfalen. Bild: FDP-NRW – FDP-Bundesgeschäftsstelle (R. Kowalke) / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Angesichts sinkender Corona-Neuinfektionszahlen verlässt NRW damit in Kürze den Weg der bisherigen Appelle an die Eltern, ihre Kinder möglichst zu Hause zu betreuen, obwohl die Kitas landesweit geöffnet waren für alle, die das aus beruflichen oder privaten Gründen nicht leisten konnten. Diese Woche gelte dieser Appell weiter, betonte Stamp. Es werde auch keinen Automatismus für einen Regelbetrieb geben, falls die landesweite Quote der Neuinfektionen noch in dieser Woche unter 50 gerechnet auf 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen sinken sollte. Seine Pläne erläuterte Stamp auch in Schreiben an Eltern und Beschäftigte in der Kindertagespflege.

LOKALE ENTSCHEIDUNGEN: Wenn die Neuinfektionszahlen weiter sinken, dürfen Kita-Leitungen und Träger voraussichtlich ab dem 8. März selbst entscheiden, ob sie die Kinder wieder im vollen Umfang betreuen. Wo das für den Infektionsschutz vor Ort weiter nötig sei, dürften Einrichtungen den Betreuungsumfang dann weiterhin um maximal zehn Wochenstunden kürzen, erläuterte Stamp.

Pauschal gelte diese Kürzung dann aber nicht mehr in NRW. Die Regelung soll zunächst bis Ostern gelten. Bevor diese Stufe in Kraft trete, werde zunächst gemeinsam mit Kita-Trägern, Elternverbänden und Gewerkschaften die Infektionsentwicklung in NRW betrachtet, erklärte Stamp.

REGELBETRIEB: Normalen Regelbetrieb könne es erst wieder geben, wenn ausreichend Corona-Selbsttests für jedermann zur Verfügung stünden, die Beschäftigten geimpft oder die Neuinfektionszahlen ganz niedrig seien, erklärte Stamp.

CORONA-NOTBREMSE: «Sollte es wider Erwarten zu einem sprunghaften Anstieg kommen, werden wir Kitas auch regional oder landesweit komplett schließen», erklärte Stamp. «In einem solchen Notfall würde es dann tatsächlich auch nur eine ganz eng begrenzte Notbetreuung geben.» Wenn es sich dabei nur um eine regionale Entwicklung handle, könne darauf auch regional reagiert werden.

KRANKE KINDER: Eindringlich appellierte der Minister an die Eltern, kranke Kinder nicht in die Kitas zu schicken. «Wenn die Kita-Leitungen sagen, das Kind kann in dem Zustand nicht in die Kita, dann muss es dabei bleiben», unterstrich er. «Wer einen Erkältungsschnupfen hat, gehört in diesen Tagen nicht in die Kita.»

KINDERBETREUUNGSTAGE: NRW hat ein Landesprogramm aufgelegt, damit auch selbstständig oder freiberuflich tätige Eltern einen Anspruch auf die neuen zusätzlichen Kinderbetreuungstage erhalten. Das Anmeldeportal werde gerade entwickelt, sagte Stamp. Sobald es stehe, werde darüber informiert. Es gehe aber kein Tag verloren, da der Anspruch rückwirkend ab dem 5. Januar geltend gemacht werden könne, versicherte Stamp.

SELBSTTESTS: Die Landesregierung hat laut Stamp eine europaweite Ausschreibung für Millionen von Corona-Selbsttests für die Kita-Beschäftigten auf den Weg gebracht. Wenn die Zulassung dann da sei, solle die Bestellung sofort aufgegeben werden. Bis die zertifizierten Selbsttests in ausreichender Menge zu Verfügung stehen, können Kita-Beschäftigte zweimal pro Woche einen kostenlosen Schnelltest machen.

IMPFUNGEN: Nach Worten Stamps wäre es «ein Befreiungsschlag für die gesamte Gesellschaft», wenn Lehrkräfte und Erzieher früher geimpft werden könnten. Dies sei wichtig für die Stabilität der Entwicklung der Kinder. Kinderärzte warnten vor Schäden bei einem fortdauernden Lockdown. Die Ständige Impfkommission (Stiko) sieht bislang keinen Grund, die Impfreihenfolge zu ändern. Die Politik könnte aber von den Stiko-Empfehlungen abweichen. Nach der aktuellen Impfverordnung sind Erzieher und Lehrkräfte bislang in der dritten Impf-Gruppe. Bund und Länder hatten sich darauf verständigt, eine Höherstufung zu prüfen.

KITA-BEITRÄGE: Vorerst bleibt es bei der Erhebung von Elternbeiträgen für die Kita. Die Landesregierung prüfe aber eine rückwirkende Erstattung, sagte Stamp. Im Vordergrund stehe derzeit aber die Stabilisierung des Betreuungssystems mit Bezahlung der Corona-Tests, Hygienemittel und der Alltagshelfer in den Einrichtungen.

REAKTIONEN: Der Fachgewerkschaft für Beschäftigte der Kommunen, der Länder sowie der privatisierten Dienstleistungsunternehmen, Komba, kommt der NRW-Öffnungsplan für die Kitas zu schnell. Auch der Verband Bildung und Erziehung betonte, Infektionsschutz müsse im Mittelpunkt stehen. Es dürfe «keine Hürden geben, die Stundenanzahl, wenn nötig, zu reduzieren».

Die SPD-Opposition im Düsseldorfer Landtag sieht in Stamps Modell keine Vorteile für die Eltern. «Die Rücknahme des Minister-Appells, Kinder nicht in die Kita zu bringen, bedeutet für Eltern in erster Linie: Sie können ab dem Zeitpunkt nicht mehr auf die zusätzlichen Kinderkrankentage zurückgreifen, wenn sie aufgrund der Pandemie ihre Kinder noch nicht wieder in die Kita geben wollen», stellte der familienpolitische Sprecher Fraktion, Dennis Maelzer, fest. Diese Eltern müssten jetzt wieder auf ihren eigenen Erholungsurlaub zurückgreifen und gleichzeitig Kita-Beiträge zahlen. dpa

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3 KOMMENTARE

  1. Maelzer hat Recht. Und hey wir Lehrer können garkeinen Urlaub nehmen. Also haben wir das gesamte Schulrisiko plus Kitarisiko. Wir sind hier 2 Sek1-Lehrer, 1 Grubdschulkind, 2 Kitakinder. Könnte mal jemand unser Risiko ausrechnen? Zur Risikogruppe gehöre ich auch noch und durch früher geimpfte Erzieher und GrundschulLehrer ohne Risikogruppenzugehörigkeit müssen ich und andere Risikogruppen länger auf eine Impfung warten.

  2. Auch „Yvonnche“ war schon fleißig:
    NRW-Schulen: Corona-Regeln für Lehrer ändern sich am 22. Februar

    So müssen Lehrer und andere beruflich an Schulen tätige Personen vor Ort (drinnen und draußen) eine medizinische Maske tragen. Dazu gehören etwa die grünen sogenannten OP-Masken oder FFP2-Masken (oder mit ähnlichem Standard wie KN95/N95). Die Regelung orientiert sich an jener, die in NRW bereits neuerdings auch im öffentlichen Nahverkehr oder in Geschäften gilt.
    Aber: Die Maske dürfen Lehrer wieder abnehmen, wenn sie im Unterrichtsraum außerhalb des Sitzbereichs der Schüler einen Mindestabstand von 1,5 Metern zu den anderen Personen im Raum einhalten. Das durften Lehrer auch schon vor den aktuellen Änderungen.
    Neu ist nun, dass zum Abnehmen der Maske maximal nur eine Person je zehn Quadratmeter im Raum sein darf. De facto würde diese Regel bedeuten, dass Lehrer bei normalem Präsenzunterricht die Maske durchgehen tragen müssten.
    Bereits seit dem 11. Januar 2021 durften sich alle an der Schule Tätigen bis zu den Osterferien insgesamt sechs Mal bei niedergelassenen Ärzten kostenfrei und anlasslos auf das Coronavirus testen lassen. Dieses Angebot wurde nun erweitert.
    Bis zu den Osterferien, die in NRW am 29. März beginnen, dürfen sich Lehrer nun zwei Mal pro Woche ohne Pflicht auf Corona testen lassen, aber die Antigen-Tests finden bei niedergelassenen Ärzten statt – in der FREIZEIT der Lehrer.
    Lehrer, die zu Risikogruppen gehören, sind auf Nachweis von der Pflicht zum Präsenzunterricht befreit. Schwangere Lehrerinnen dürfen grundsätzlich keinen Dienst mehr vor Ort in der Schule leisten
    https://www.ruhr24.de/nrw/corona-nrw-schulen-news-lehrer-maske-pflicht-unterricht-tests-ffp2-regeln-yvonne-gebauer-neu-zr-90207154.html

    Warum nur zehn Quadratmeter, wenn für Gesamtflächen im Handel über 800 Quadratmetern doch die „1 Person auf 20 Quadratmeter-Regelung“, allerdings mit Maske gilt.

  3. Jetzt fühle ich mich total sicher. FFP2 Maske tragen von 7:30 bis 15:00…
    In Kombination mit dem täglichen Klassenraum-Marathon ein Träumchen.

    Wie hoch war noch mal die Aerosolbelastung im vollen Klassenzimmer nach 4 Std.?

    Achso, stimmt, das Lüften vergessen. Bei schnuffeligen 10 Grad draussen kein Problem.

    Schüler dürfen ihre alten Lappen beibehalten. Aber is eh egal, da 70% meiner SuS sowieso dran vorbeiatmen… mit diversen bekannten Trick.

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