„Da machen Leute einfach Fotos von den Lehrern“: Tücken des Video-Unterrichts

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MÜNCHEN. So manche Lehrkraft hat derzeit mehr Video-Konferenzen als eine Top-Managerin. Doch der Distanzunterricht per Schalte wird mal von externen Störern gesprengt, mal filmen Schüler die Stunde ab. Häufig ist der Datenschutz nicht klar geregelt. Doch es gibt Unumstößliches.

Wer ist am anderen Ende der Leitung? Foto: Shutterstock

Zack! Mitten im Video-Unterricht ertönt plötzlich Musik, in der Präsentation kritzelt ein virtueller Stift alles voll, und die vortragende Schülerin wird stummgeschaltet: Gestörter Distanzunterricht ist an Deutschlands Schulen derzeit alles andere als ein Einzelfall. Manchmal bleibt es nicht bei einer ärgerlichen Unterbrechung, sondern wird kriminell – wenn die Täter etwa pornografische Bilder oder Videos einspielen. Die Sicherheit, aber auch der Umgang mit Video-Tools im Distanzunterricht ist deshalb ein wichtiges Thema an den Schulen, bei Datenschützern und der Polizei.

«Bei uns haben mal Freunde aus meiner Klasse Leute zur Konferenz eingeladen, und die sind dann dazugekommen, haben komische Geräusche und Musik gemacht und so», schildert die 13-jährige Elouisa aus Oberbayern. Auch Klassenkameraden schalteten zuweilen anonym den Redner stumm, würfen die Lehrkraft hinaus oder teilten unvermittelt ihren Bildschirm, um den Unterricht zu stören.

„Die Rechte und Pflichten von Schülern und Lehrern unterscheiden sich im digitalen Raum nicht gravierend vom analogen Raum“

Die Lehrkräfte könnten dies durch entsprechende Einstellungen zwar verhindern. Doch dann könnten Elouisa und die anderen Achtklässler ausschließlich zuhören, sich aber nicht anderweitig am Unterricht beteiligen – aus pädagogischer Sicht ein Schmarrn.

Die 16-jährige Emily aus München hat ebenfalls negative Erfahrungen im Video-Unterricht gemacht. «Da machen Leute einfach Fotos mit ihren Handys von den Lehrern und auch von anderen Kindern, wie sie gerade blöd schauen, und schicken das dann ihren Freunden oder posten das auf Instagram.» In den sozialen Medien gibt es zahlreiche Beispiele solcher Bilder oder abgefilmter Distanzunterrichtseinheiten.

«Das ist natürlich völlig unzulässig» betont die Datenschutzbeauftragte des Saarlands, Monika Grethel, die derzeit den Vorsitz der Datenschutzkonferenz innehat. «Ich kann nicht personenbezogene Daten – also auch ein Bild – an andere übermitteln, ohne dass derjenige sein Einverständnis gegeben hat – was ich mache, wenn ich es in Facebook stelle.»

Generell herrsche derzeit bundesweit ein Flickenteppich an Regelungen, was den Datenschutz im Distanzunterricht anbelange – eine Folge des föderalistischen Systems im Bildungswesen. Lehrerverbände fordern daher seit Monaten vehement, dass es endlich klare und verbindliche Vorgaben geben müsse – sowohl für die Schüler als auch für die Lehrkräfte.

Grundsätzlich gilt: «Die Rechte und Pflichten von Schülern und Lehrern unterscheiden sich im digitalen Raum nicht gravierend vom analogen Raum», erläutert Grethel. «Das heißt, für jede Datenverarbeitung brauchen wir eine Rechtsgrundlage, das kann entweder eine gesetzliche Rechtsgrundlage sein oder eine Einwilligung.»

So lange es diese nicht gibt, sind die Schüler – und letztlich auch die Lehrer – nicht verpflichtet, sich in Bild und Ton im Video-Unterricht zu zeigen. Das hat Folgen: «Ich schaue in 30 schwarze Kacheln rein, die haben alle ihre Kamera und ihr Mikro aus, haben teils keine Klarnamen, und ich habe keine Ahnung, wer da sitzt», berichtet Benedikt Karl, Gymnasiallehrer aus Vilsbiburg.

Auch die immer wieder empfohlenen technischen Vorsorgemaßnahmen wie ein Warteraum sind laut Karl nur ein begrenzter Schutz gegen Datenmissbrauch. «Nur weil ich den Schülernamen in meine Konferenz lasse, heißt das lange nicht, dass es wirklich der Schüler ist, der da kommt, und auch nicht, dass nur der Schüler kommt. Sitzt da noch das Geschwisterkind dabei, die Eltern, die Oma, die Nachbarn, oder streamt der Schüler den Unterricht gerade in alle Welt?»

Die Polizei bestätigt, dass gesprengte Video-Konferenzen aktuell durchaus ein Thema sind. Stand im ersten Lockdown das namensgebende «Zoom-Bombing» von privaten oder beruflichen Video-Konferenzen im Vordergrund, sei es nun im zweiten Lockdown der Distanzunterricht. Allerdings werde diese «Computersabotage» nur höchst selten angezeigt und sei oftmals ja auch nur ein schlechter Schüler-Scherz, der mit schulischen Sanktionen geahndet werde.

„So gering sind die Erfolgschancen im Cybercrime nicht, etwa ein Drittel aller Straftaten wird aufgeklärt“

Die richtig krassen, auch strafrechtlich relevanten Fälle mit extremistischen Inhalten, sexueller Beleidigung oder Pornografie wie jüngst in Berlin, Hessen oder Bayern scheinen aber zum Glück noch Ausnahmefälle zu sein. Das bayerische Landeskriminalamt etwa registrierte seit dem Frühjahr 2020 nur sieben Anzeigen, drei davon aus dem Schulbereich.

Dennoch nehmen die Ermittler die Vorfälle sehr ernst. Die Täter sollten sich deshalb in der Anonymität des Netzes nicht zu sehr in Sicherheit wiegen, betont LKA-Sprecher Ludwig Waldinger. «So gering sind die Erfolgschancen im Cybercrime nicht, etwa ein Drittel aller Straftaten wird aufgeklärt». Sei das Tatmittel das Internet, wie bei gesprengten Video-Konferenzen, betrage die Aufklärungsquote gar rund 50 Prozent. Von Elke Richter, dpa

Online-Unterricht gestört und Bilder davon veröffentlicht? Polizei hat Verdächtigen

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34 KOMMENTARE

  1. Ist so eine Video- oder Tonaufzeichbubg einmal im Netz, bleibt sie in der Regel auch im Netz. Insofern müsste das Strafmaß deutlich nach oben, auch um eine wirklich abschreckende Wirkung zu haben. Kommt dann noch die geringe Aufklärungsquote bei lächerlichen Strafen hinzu, kommt einem das vor wie ein El Dorado für Verletzungen meiner Rechte am Bild und Ton.

    Nur mal so: Würde man strikt auf Deutsche Lösungen setzten, die Teilnahme von Videokonferenzen an eine eigene Schul-E-Mail-Konten koppeln und wäre das Internet hier endkich Leistungsfähig genug, wir hätten wesentlich weniger Probleme. Die Zuordbung zu illegalen Aufzeichnungen würde auch relativ einfach fallen, wenn jeder Teilnehmer dann ein anderes Wasserzeichen auf den Videos hätte. Dann sind Indizien wesentlich stärker und eine Verfolgung wesentlich einfacher. Man müsste nur wollen.

    • @Gümnasiallehrer a.D.

      „Dann sind Indizien wesentlich stärker und eine Verfolgung wesentlich einfacher. Man müsste nur wollen.“

      Ich habe letztens gelesen: Machen ist wie wollen, nur krasser.

      Es mag wohl keiner „krass“.

    • Unsere Schule ist absolut vorbildlich, was den Datenschutz und die Sicherheit der Videokonferenzen angeht. Alles läuft auf unserem schuleigenen Server, der im Haus steht. Die Videokonferenzen können nur mit Schul-E-Mail und Passwort über die schulische Lernplattform betreten werden. Und doch haben Schüler andere Mitschüler und Lehrer gefilmt und fotografiert und die Aufnahmen in Klassengruppen und sozialen Medien geteilt. Ein Schüler flog von der Schule, weil er auch strafrechtlich Relevantes mit den Aufnahmen angestellt hatte. Andere Inhalte waren nicht zuzuordnen. Ein Wasserzeichen oder ähnliches können Sie vergessen, die Schüler sind einfallsreicher als sie denken. Sie wissen, wie man Fotos und Videos anonymisiert.

      In der jetzigen Situation hilft nur rigeroses Vorgehen, auch zivil- und strafrechtlich.

  2. Wir machen auf Moodle mit Big Blue Button bisher gute Erfahrungen. Da kann der Moderator (teacher) festlegen, was möglich ist und was nicht. Mit Teams und Zoom gab es Störungen. Technische Probleme tauchen allerdings auch bei der Anwendung von BBB auf. Da ist noch etwas zu verbessern. Und was den Manager-Vergleich angeht, stimmt! 8 Konferenzen pro Woche wollen vorbereitet und auch nachbereitet werden, das dauert im Moment im Schnitt doppelt so lang wie die Vorbereitung für den Präsenzunterricht (Oberstufe). Da gilt es mit der Schulleitung über Ausgleich zu verhandeln. Die Flip-Side: keine Bahnfahrt zur Schule, keine volle Klasse und Stoßlüften bei Minustemperaturen!

    • … und wenn bei uns in BBB von Moodle mehr als 8 Teilnehmer online sein müssen (ich kann nur für meine Schule in Ba-Wü sprechen), geht das nur ohne Kameras und mit ausgeschalteten Mikrophonen.
      Es macht Spaß, schwarze stumme Kacheln zu unterrichten, wo ich bei manchen annehmen darf, dass deren Besitzer irgendetwas anderes tun-außer dem Unterricht zu folgen! Auch ein Ansprechen der Kachel bringt nicht viel, es ist ohne Bild viel zu leicht, sich zu entziehen.

  3. Ich sehe da kein Problem. Ich habe vorher klare Regeln bestimmt. Da wir Teams haben ist das mit dem Zugang zum Unterricht gut geregelt. Wenn jemand Blödsinn macht (und ich sehe nicht wer es war) bekommt die ganze Klasse die Quittung. Die erste Audienz beim Chef samt Brief an die Eltern wirkt Wunder. Ich versuche nich den Unterricht nahe dem analogen zu halten und lass mich dann von Kids verarschen. Das sollen sie mit dem Kumpel außerhalb der Schule machen.

    • „Wenn jemand Blödsinn macht (und ich sehe nicht wer es war) bekommt die ganze Klasse die Quittung. Die erste Audienz beim Chef samt Brief an die Eltern wirkt Wunder.“ Die gesamt Klasse in Kollektivhaftung zu nehmen erscheint mit eher etwas unprofessionell als problemlösend. Die übergroße Mehrheit kann doch gar nichts dafür, dass einzelne sich nicht an die Regeln halten. Ändern Sie ihre Perspektive und erfreuen Sie sich an den Schülern, die toll mitmachen.
      Als ob eine Audienz (wie findet die Momentan überhaupt statt?) oder ein Brief etwas ändert. Hartgesottene sehen das doch eher als eine Herausforderung. Sie stellen ihnen damit die nächste Hürde hin, die, weil sie noch ein Stück höher ist, wiederum anregt genommen zu werden. Das war doch schon der Reiz beim ersten Mal. Jugendliche benehmen sich eben wie Jugendliche. Mich hätte es damals auf jeden Fall gereizt.
      Machen Sie sich nichts vor, die Macht im „Klassenraum“ haben die Schüler und nicht wir Lehrer. Entweder muss man gewisse Formen des Onlineunterrichts dann zumindest zeitweise aussetzen oder man versucht es erneut und versucht auf der Beziehungsebene eine Veränderung des Verhaltens hervorzurufen.
      „Ich versuche nich den Unterricht nahe dem analogen zu halten und lass mich dann von Kids verarschen.“ Ein kleiner Ratschlag von mir dazu ist, nicht alles persönlich zu nehmen, was die Schüler machen, denn ein Regelbrechen ist doch eher selten persönlich gemeint (Falls es doch häufiger ist, sollte man sich und sein Handeln zunächst einmal selbst hinterfragen). Tuen Sie es doch, dann ist das ihrem Gemüt nicht zuträglich und regt an, emotional zu reagieren. Beised macht Sie auf Dauer zu einem schlechteren Lehrer.
      Nehmen Sie diesen Post nicht persönlich, sondern schauen einfach mal, ob Sie etwas daraus für sich mitnehmen können oder wollen.

      • @The Teacher:
        Ich möchte den Post von Lehrer Azubi inhaltlich gar nicht kommentieren.
        Ihre Antwort stößt mir aber auf. Es ist immer wieder bemerkenswert, wenn LuL ihren eigenen KuK reflexartig unterstellen, diese würden etwas „persönlich“ nehmen, wenn sie offen zugeben, dass sie sich über etwas ärgern (Schüler, Kollegen, Eltern etc). Solche Plattitüden braucht ein erwachsener Lehrer nicht – völlig unabhängig vom eigenen Unterrichtsstil.
        Es ist viel einfacher, „Ratschläge“ zu erteilen, wenn man gerade selbst nicht in der jeweiligen Situation steckt. Und man kommt sich selbst auch viel professioneller vor.

        • @S.S.
          1.) Wie kommen Sie darauf, dass ich das „immer wieder“ täte?
          2.) „… und lass mich dann von Kids verarschen.“ Das entspricht doch mehr etwas persönlich nehmen, als sich nur zu ärgern.
          3.) Zudem ist mein Hinweise keine Platitüde, denn ich erkläre ja im Anschluss den Sinn dahinter. „Tuen Sie es doch, dann ist das ihrem Gemüt nicht zuträglich und regt an, emotional zu reagieren. Beised macht Sie auf Dauer zu einem schlechteren Lehrer.“ Das ist ein gut gemeinter Rat, den ich einigen meiner Referendar schon gegeben haben und diese mir im Nachhinein dafür sehr dankbar waren.
          4.) „ein erwachsener Lehrer“? Gibt es auch „unerwachsene“? Sie versuchen hier persönlich zu werden, aber man sucht sich ja aus, von wem man sich beleidigen lässt. Sie gehören bei mir nicht dazu :).
          5.) Es geht hier nicht um den „Unterrichtsstil“, sondern die pädagogische Maßnahmen auf das Fehlverhalten einzelner Schüler.
          6.) Setzten Sie sich hier nicht auf das hohe Ross und unterstellen Sie mir nicht, diese Situation nicht zu kennen. An meinem Post ein angebliche „Unterstellung“ kritisieren und dann selbst unterstellen. Läuft bei Ihnen.
          7.) Bei mir war es übrigens die gemeinsame Bearbeitung im Bereich „Gemeinsame Notizen“ bei BBB in Moodle. Und wissen Sie was? Ich habe es genauso gemacht, wie ich vorgeschlagen habe. Ohne Kollektivstrafen, ohne die Schulleitung oder irgendwelche Briefe. Jetzt läuft es wieder.
          8.) Beim Post von „Lehrer Azubi“ stößt mir die Hochnäsigkeit auf, angeblich kein Problem zu haben, da er ja doch so klare Regeln vorgibt. Das erinnert mich an die LehrerInnen, die ja alles im Griff haben und es so toll mit den Schülern läuft, bis man sie vor der Tür heulen sieht. Das ist schon ok, ist ja ein Lernprozess, drum kann es aber nicht schaden, denn ein oder anderen Tipp zu hören und sich zu entscheiden, welchen man annehmen mag. Das habe ich in meinem Post getan, nicht nur „draufgehauen“.

        • Den Punkt mit „erwachsen“ nehme ich zurück. Den hatte ich falsch verstanden und auf mich bezogen. Ich bitte das zu entschuldigen.

      • Liebe(r) The Teacher,

        teile Ihre Meinung überhaupt nicht!!!

        Ich lebte immer „menschenfreundliche Zugewandheit“, „Anstand“ und „Vertrauen“ in der Schule: „Wie ich in den Wald reinruf‘, so kommt’s wieder raus“.

        Doch ich forderte die Einhaltung klarer Regeln unmissverständlich ein!

        Bei Regelverletzung, d.h. Vertrauensbruch: Sanktion, ohne Wenn und Aber! Bekannt und berechenbar.

        Wie im Sport! Fair Play!
        Nicht zuletzt aus Selbstachtung!!!
        Da gab’s nix zu diskutieren oder zu verhandeln. Punktum!

        Regelbrüche zu tolerieren, sprengt den Unterricht – und zudem das soziale Miteinander. Beides ein absolutes No-Go!

        Und da geht’s überhaupt nicht um persönliche „Überempfindlichkeiten“ oder „mangelndes Verständnis für die Jugend – und ihre Eskapaden“.

        Ohne die Erfüllung gewisser Grundprämissen geht alles überhaupt nicht!

        Entscheidende Grundvoraussetzungen für jegliche fruchtbare, effektive Wissensvermittlung und gute, vertrauensvolle und zielführende Zusammenarbeit müssen einfach gegeben sein!

        Nicht „für die Schule, für das Leben lernen wir.“ Eine Binsenweisheit.

        Mit dem LehrerInnen-SchülerInnenverhältnis steht und fällt aller Unterricht!!!

        Kollektivstrafen gehen natürlich – im Normalfall – gar nicht.

        Sonderfall:
        Jedoch (pädagogische) Selbstregulierung intern durch die Gruppenmitglieder (soziale Selbstkontrolle durch gruppendynamische Prozesse) ging bis vor einigen Jahren (am Gymnasium) durchaus.

        Habe dies über Jahrzehnte in meinem Unterricht so gelebt.

        Und ich bin nicht die „perfekte Superlehrerin mit pädagogischen Wunderfähigkeiten“ gewesen.
        War sehr gern in den Klassen und hab mit Herzblut und Leidenschaft unterrichtet.

        Aber wo keinerlei Selbstachtung, kein ausgeprägtes Selbstwertgefühl bei der Lehrkraft, da kann auch keine Achtung und Respekt vor den Mitmenschen (hier SchülerInnen) entstehen und gedeihen!

        Aber das war damals in reinem Präsenzunterricht.

        In der „Anonymität“ des Netzes und des doch etwas unpersönlicheren Distanzunterrichts oder Homeschoolings, selbst, wenn die Lerngruppe durch eine Gruppen-Cloud „geeint“ ist, mag das jetzt anders sein.

        Unmittelbarer persönlicher Kontakt, von Angesicht zu Angesicht, verhinderte zumindest noch vor einigen Jahren die Verrohung des Umgangs und der Sitten.
        Aber Rückgrat braucht’s schon! Hinstehen!

        Es kommt natürlich auch auf das SchülerInnenklientel an.

        An sog. Brennpunktschulen mag das nicht mehr funktionieren, da hier zu viele auch außerschulische Probleme geballt in die Schulen hineingetragen werden und dort kumulativ aufeinandertreffen.

        Zusätzliche Herausforderungen an die Unterrichtssituation, die u.a. der Sozialarbeit bedürfen, die LuL oft einfach schlichtweg überfordern müssen.

        • @Gabriele
          Wo schreibe ich denn, dass ich Regeln nicht einfordern oder Regelbrüche tolerieren würde? Bitte lesen Sie meinen Post noch einmal sorgfältig, denn ich kann zwischen ihrem und meinem Kommentar keine Verbindung erkennen, außer dass sie sich für Kollektivstrafen in einem mir nicht verständlichen Fall aussprechen.
          Meine Kommentar dazu ist: Kollektivstrafen gehen niemals! Niemals!!!

        • Ich hoffe Sie haben in Ihrer aktiven Dienstzeit nicht auch ständig geschrien. Das inflationäre Benutzen des Ausrufezeichens hat auf mich genau diese Wirkung. Und laute Lehrer gibt es genug.

  4. „auch die Lehrer – nicht verpflichtet, sich in Bild und Ton im Video-Unterricht zu zeigen“ – Bestimmt sehr „konferenzig“ so eine ViKo, wenn sich der L. ohne Bild und Ton „zeigt“ :o)

  5. Um auch einmal etwas positives aus Berlin zu berichten: im Lernraum Berlin kann ich BBB Videokonferenzen starten, an denen nur meine Schüler*innen mit Klarnamen teilnehmen können. Ich habe die volle Kontrolle, Kameras und Mikros kann ich jederzeit deaktivieren, lediglich Screenshots kann ich nicht verhindern.

  6. Setzt man die Microsoft-Lösung in der Schule ein, kann man jedem Schüler seinen speziellen Zugang zur (Mictosoft-)Schul-Cloud geben.
    Teams kann man so administrieren, dass ausschließlich eingeloggte Mitglieder der Schul-Cloud („Organisation“ genannt) an den Konferenzen teilnehmen können. Außerdem kann man die Rechte der Teilnehmer begrenzen (aber auch temporär erweitern).
    Seitdem wir diese Einstellungen vorgenommen haben, gibt es keine Probleme mehr.

    • Das ist nichts Besonderes.
      Auch BBB oder Jitsi lassen sich gezielt so administrieren, dass nur passwortgeschützt User oder Räume verwendet werden.
      Screenshots und Missbrauch der Videomaterial lassen sich damit auch nicht verhindern.

      Gruß Christoph Günschmann,
      Moodle Admin

      • Genau so ist es!
        Wenn BBB als Moodle-Aktivität verwendet wird, können ausschließlich die eingeschriebenen Kursteilnehmer an der Videokonferenz teilnehmen.

  7. Ich beobachte zunehmend und mit großer Sorge, wie news4teachers zum Anti Unterricht Portal wird. Schulen sollen zu bleiben und Distanzunterricht ist in jeder Hinsicht zu unterlassen.
    „Die Lehrkräfte könnten dies durch entsprechende Einstellungen zwar verhindern. Doch dann könnten Elouisa und die anderen Achtklässler ausschließlich zuhören, sich aber nicht anderweitig am Unterricht beteiligen“ das ist technisch „Schmarrn“. Man muss einfach mal Zugangsbeschränkungen einsetzen und Rechte verteilen, dann ist das – wie viele Kolleg:innen hier auch berichten – alles kein Problem.
    Corona ist eine riesige Herausforderung, aber für uns Lehrer noch am wenigsten ein Problem. Wir alle können froh sein, zur Zeit Lehrer zu sein und nicht Kulturschaffende oder Pflegekräfte und wir sollten einfach jetzt für die Kids unser Bestes geben – und nicht immer nur klagen.

    • Sehr geehrter Piet,

      wir sind schon als vieles tituliert worden – als „Anti-Unterrichts-Portal“ ist neu. Seit wann ist es „anti“, über Probleme zu berichten? Mag ein Theaterkritiker kein Theater? Wollen kritische Politikmagazine die Politik abschaffen? Hat ein Sportreporter, der ein langweiliges Fußballspiel als langweilig beschreibt, etwas gegen Fußball?

      Das Gegenteil ist richtig: Nur die offene Diskussion von Problemen erlaubt es, Probleme überhaupt erst einmal zu erfassen und dann auch zu lösen. Deshalb gibt es Pressefreiheit, und das ist der Sinn freier Medien.

      Herzliche Grüße
      Die Redaktion

  8. Guten Tag,
    Meine Erfahrungen sind bisher eher positiv. Wir nutzen Teams und nur zugelassene Schüler unserer Schule können überhaupt an den Videokonferenzen teilnehmen. Eine Störung von außen hatte ich bisher noch gar nicht (das halte ich auch für schwer möglich).
    Lediglich das Abfotografieren und/oder streamen über Software „von außen“ kann ein Problem darstellen. Aber das tut es im analogen Unterricht ebenso. Hier müssen die Schüler eben sensibilisiert werden: gerade weil zB das Streamen von Unterricht schon vorgekommen ist, sollte man als Lehrer darauf hinweisen, dass es sich um einen Straftatbestand handelt, dann weicht bei den meisten Schülern der „Scherzcharakter“ einem Bewusstsein dafür. Verstößt dann immer noch jemand dagegen, müsseb wir eben genauso vorgehen, wie rechtlich bei einer Verletzung vom Recht an Bild und Ton sonst auch: Strafrechtlich.

    Von den viele Problemen, die es insbesondere in Bezug auf technische Ausstattung, digitale Infrastruktur etc gibt, will ich gar nicht sprechen. Keine Frage, dass es die gibt.

    Aber es ist nicht alles schlecht. Wichtig finde ich, dass wir alle (Lehrer, Eltern, Schüler und Gesellschaft) dafür einsetzen, dass aus der Pandemie die positiven Dinge für die Zukunft genutzt werden und wir nicht danach völlig unreflektiert alles wieder so machen wie vorher.

  9. Laut Schreiben unserer Ministerin entspricht unsere Plattform den Datenschutzrichtlinien. Die Steuerung der ViKo liegt angeblich ausschließlich in unserer Hand.

    Sollte das so sein, verbleiben trotzdem zwei große Probleme:
    1) Das Abfilmen mit dem Handy.
    (Im Präsenzunterricht einer Kollegin selbst erlebt. Schüler weigerte sich anschließend, das Handy abzugeben. Mehr möchte ich dazu hier nicht schreiben.)
    Unsere Ministerin schreibt uns, das Abfilmen sei selbstverständlich verboten. Aha.
    2) Die Anwesenheit weiterer Personen.
    Es geht hier auch um Persönlichkeitsrechte von Kindern. In einigen Stunden sind ganz klar auch andere Personen anwesend, natürlich leugnen die Eltern das. Was passiert, wenn Eltern im Detail mitbekommen, welche Leistungen fremde Kinder im Unterricht erbringen und das dann im Anschluss auch noch an andere Eltern weitergeben?

    • @S.S.: „Was passiert, wenn Eltern im Detail mitbekommen, welche Leistungen fremde Kinder im Unterricht erbringen und das dann im Anschluss auch noch an andere Eltern weitergeben?“ – Naja, wenn das rauskommt und die anderen Eltern sich beschweren, wird halt wieder per Email unterrichtet werden müssen – eine entsprechende Anweisung von oben ist dann nahezu unausweichlich. DAS tut mir dann bestimmt nicht mehr so Leid für die Kinder wie die Situation im ersten Lockdown und ich würde auch nicht wieder ständig an meiner persönlichen Belastungsobergrenze kratzen, um Abhilfe zu schaffen…

  10. Wenn es schon um Schutz des Lehrers geht, habe ich einen Vorschlag zur Reduktion beim Mithören durch unerwünschte „Lauscher“, das ist, wenn man nur ein Bild sieht und nichts hört, schon die halbe Miete:
    Man kann die Schüler verpflichten, mit Kopfhörer zu arbeiten. Dann ist im Normalfall Ruhe im Zimmer und nur der Schüler selbst hört zu (klar gäbe es einfache Wege zur Umgehung, aber da ist nicht jeder darauf erpicht …). Der Lehrer kann sehen, ob das Ding genutzt wird, zumindest wenn die Videoverbindung funktioniert.
    Notfalls muss die Schule eben Kopfhörermikros mit Kopfbügel (wie zum Diktieren/ Tippen/ Telefonieren fürs Sekretariat) als Lehrmittel beschaffen, die sind ja nicht teuer.

  11. Hallo liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bin Lehrer in einer deutschen Auslandsschule in Argentinien. Wir haben das komplette letzte Schuljahr online durchgeführt. Die Probleme, die hier angesprochen werden, hatten wir auch und haben sie Stück für Stück technisch und pädagogisch gelöst. Ich habe fast ein bisschen Angst vor dem Präsenzunterricht, der ist viel unplanbarer 🙂
    Was nach 8 Monaten allerdings wirklich ein Problem wird, ist die Motivation aller Beteiligten.
    Ich kann für euch nur hoffen, dass es in Deutschland bis Ostern wieder normal wird.
    Haltet durch und nutzt auch die coolen Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Gemeinsam mit Parallelklassen padlets erstellen oder Kurzfilme gegenseitig austauschen oder Stop-Motion Filme gemeinsam vertonen (klappt auch stufenübergreifend). Viel Spaß und bleibt gesund!

  12. Hi,
    bin nur Mutter.
    Meine drei Kids verwenden BBB.
    Die Kleine, 1.Klasse, jeweils mit halber Klasse, mit Ton und Bild für alle, durchgehend für die täglichen 30 Minuten.
    Da 1. Klasse, ist es klar, dass zumindest ein Elternteil dabei ist. Die Lehrerin macht das super und der Unterricht (auch Spiele) ist total süß. Ich bin aber nur dabei, bzw. mach nebenbei Wäsche (da es eine leise Tätigkeit ist), da die Lehrerin etwas zu den täglichen Aufgaben erklärt und die Kleinen natürlich Hilfe brauchen, falls z.B. die Bilddarstellung nur auf die Lehrerin geändert werden muss, weil sie was in die Kamera hält, das gelesen werden muss und anschließend muss dann wieder auf alle Kids die Darstellung geändert werden, da nun ein Spiel gespielt wird und man z. B. drauf eingehen muss, was die anderen Kids hochhalten. Wie gesagt, super süß, von der Lehrkraft super gemacht. Aber dabei bin ich nur, weil es sein muss, ansonsten hätte ich schon was besser zu tun (Haushalt, eigener Job, Geschwisterkindern helfen). Es sitzen bei den anderen oft Geschwisterkinder (meist die noch kleineren) dabei, meine andere Tochter saß auch schon dabei, das duldet die Lehrerin, solange diese nicht stören. Der Lehrerin ist klar, dass Erwachsene mithören, da manchmal auch kurz was von den Eltern gesagt wird (z. B. am Anfang) bzw. die Lehrerin auch manchmal kurz einen Erwachsenen anspricht, weil der Ton vom Kind nicht mehr ankommt, oder das Kind nicht mehr zu sehen ist. Natürlich muss da Vertrauen da sein, denn natürlich bekommen andere Eltern mit, wenn mein Kind sich z. B. grad nicht so super beteiligt.
    Meine anderen beiden Kids, 5. und 10. Klasse sollen Bild und Ton aus haben und nur den Ton einschalten, wenn sie aufgerufen werden.
    Für den Lehrer ist es bestimmt ein blödes Gefühl, wenn man nicht weiß, wer noch zuschaut oder mithört, oder evtl. eine Aufnahme gemacht wird. Da braucht man bestimmt wahnsinnig viel Selbstbewusstsein.
    Ich denke, dass es grad bei abgeschalteter Kameras der Kids, es für die Lehrkraft so ähnlich ist, wie wenn man ein Lehr-Video für Youtube erstellt, bloß, dass man nicht mehr korrigieren kann, wenn es raus ist, ist es raus.
    Dass nicht alle Videokonferenzen mit Bild und Ton von allen Beteiligten läuft, ist vielleicht für die hin und her fließenende Datenmenge auch nicht ganz verkehrt.
    Zu Hause, habe ich zwei Notebooks und drei Smartphones zu Verfügung. Aber nur die beiden neuesten Geräte mit dem Zugriff auf die höhere Leistung des Internets schaffen die Videokonferenz mit der Grundschule, wo Bild und Ton von allen Teilnehmern fließen. Was für eine Datenmenge gleichzeitig!
    Beim älteren Notebook stottert es dann, Ton und Bild passen nicht zusammen. Das muss man auch sehen.
    Auch sehr gut: Die Englisch-Lehrerin meiner 5. Klässlerin spricht viele Unterrichtseinheiten auf „Band“, ohne Bild. So kann man sich das auch öfter anhören (ist ja alles auf Englisch). Das weiß ich aber nur, weil meine Tochter in Englisch nicht klar kommt und ich ihr helfe. Hier sind die Inhalte auf mebis etwas unklar von der Lehrerin eingestellt, da muss ich selbst immer ganz schön suchen. Aber die vielen Möglichkeiten, die sie zur Verfügung stellt, sind super, drum will ich nicht meckern. In anderen Fächern ist es aber wesentlich übersichtlicher umgesetzt worden. Ansonsten schau ich nicht zu oder höre mit, schon gar nicht bei Live-Videoübertragungen der Lehrkräfte. Hier sitzen die beiden „Großen“ in ihrem Zimmer, da sind sie ungestört, sie sollen ja so viel wie möglich aus der Unterrichtseinheiten mitnehmen. Jede zusätzliche Person im Raum stört ja und ich habe auch was besseres zu tun!
    Zu den gestrichen Faschingsferien (Bayern). Die Kids, genauso wie ihr Lehrer, brauchen unbedingt Urlaub. Ich auch! Ich sehne mich jetzt schon wieder nach dem Wochenende,mir graust es vor der Woche! Purer Stress! Wenn die Schulsachen erledigt sind, kann ich meinem Job ausüben. Haushalt und Kochen muss dann auch irgendwie gemacht werden. Zum Glück spielen meine Kids recht schön miteinander, auch der Große und zum Glück haben wir einen Garten und leben sowieso auf dem Dorf.

    • @Maria: Danke für diesen Einblick in den „Elternalltag“; diesen Beitrag fand ich durchaus interessant zu lesen. Die Probleme ergeben sich natürlich nicht, wenn Eltern dem Unterricht zuhören und dabei alle Beteiligten das sinnvollerweise mittragen und den gesunden Menschenverstand eingeschaltet lassen. Die Probleme ergeben sich ganz schnell in den prozentual sehr wenigen Fällen, wenn einzelne Beteiligte den gesunden Menschenverstand ausschalten und sich z.B. bei Schulleitung oder Landesdatenschutzbeauftragter/ -beauftragtem beschweren – dann gilt sehr schnell: Datenschutz vor vernünftigem Unterricht – und das Problem kriegen Sie kaum noch in den Griff.

    • @Maria

      Liebe Maria,
      dass war ein toller Kommentar.
      Sehr reflektiert und absolut druckreif formuliert.
      … Von wegen „bin nur Mutter.“ 😉 Das „nur“ streichen Sie bitte.
      Ihre Kids können sich glücklich schätzen und ich hoffe die kleinen Racker tun das auch.
      (Falls nicht, lassen Sie sie meinen kleinen Kommentar hier lesen.)
      Ihre Schilderungen waren sehr vielseitig und interessant.

      Durchhalten und gesund bleiben … 🙂

  13. Liebe Maria,

    „nur Mutter“? – Stellen Sie Ihr Licht bitte niemals (wieder) unter den Scheffel!!!
    Sie können sehr stolz sein auf das, was Sie leisten!!! Unersetzliches!!! Überaus Wertvolles!!!

    Danke für Ihre sehr aufschlussreichen Ausführungen!

    PS:
    Dies sage ich Ihnen aus voller Überzeugung als Lehrerin und Mutter – und auch als frauenbewegte Frau.
    War als Mutter zweier Söhne einige Jahre auch „nur“ (sic!) „Vollzeitmutter“, dann in Teilzeit, am Schluss vor meiner Pensionierung viele Jahre wieder in Vollzeit Lehrerin am Gymnasium, auch mit Fachschaftsleitung u.a.

    Ich weiß, was wir als Mütter leisten.

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