Stiko-Mitglied rechnet mit Covid-19-Impfungen für Kinder erst 2022

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LANGEN/MAINZ. Wenn sich Kinder mit dem Coronavirus infizieren, sind schwere Verläufe selten. Dennoch werden auch für sie Impfstoffe entwickelt – um Erwachsene zu schützen. Das wirft Fragen auf.

Bisher werden die Ältesten gegen Covid-19 geimpft, aber bald soll es altersmäßig rückwärts gehen. Doch was ist mit den Kindern? Ein einziger Impfstoff ist ab 16 zugelassen, alle anderen nur für Erwachsene. Erst wenige Hersteller haben mit Studien an Minderjährigen begonnen. Denn das ist aufwendig: Je jünger Kinder werden, desto mehr.

Fred Zepp rechnet «frühestens Ende des Jahres, eher Anfang nächsten Jahres damit», dass Kinder in Deutschland geimpft werden könnten. «Der Prüfaufwand ist viel höher als bei Erwachsenen», sagt der Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin der Universität Mainz, der Mitglied der Ständigen Impfkommission (Stiko) ist. «Je jünger der Mensch ist, desto ausgeprägter kann er reagieren und desto stärker sind eventuell auch Nebenwirkungen.»

Hinsichtlich der COVID-19-Impfung von Kindern ist das meiste noch unklar. Foto: Jenay Randolph / Macdill AFB (p.d.)

«Vor der klinischen Prüfung an Kindern muss sichergestellt sein, dass in den Studien bei Erwachsenen keine schwerwiegenden Nebenwirkungen aufgetreten sind», heißt es beim Robert Koch-Institut (RKI). «Kinder sind schon allein aus ethischen Gründen nicht für frühe Tests vorgesehen.» Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) hat den Stand bei den Impfstoffherstellern zusammengetragen:

Die Bedingte Zulassung des Impfstoffs von Biontech/Pfizer umfasst bereits heute Jugendliche ab 16 Jahre. Im Herbst 2020 fügte das Duo laut vfa noch zwei Studienarme mit Teilnehmern von 12 bis unter 16 Jahren zur Studie hinzu: einen mit der echten Impfung und einen mit der Scheinimpfung. In der Planung ist es, auch Kinder zwischen 0 und 15 Jahren zu testen.

Moderna hat bereits im Dezember damit begonnen, minderjährige Probanden zu suchen. Teilnehmen sollen nach Unternehmensangaben 3000 Kinder zwischen 12 und 17 Jahren. Bisher sind nur US-Kliniken an der «TeenCove»-Studie beteiligt. Zwei Drittel der Teilnehmer bekommen den Impfstoff, der Rest ein Placebo. Die Jugendlichen werden im Abstand von einem Monat zwei Mal geimpft und werden danach 13 Monate lang begleitet. Mindestens sechs Mal müssen sie in die Klinik, dazu kommen Telefonate und Rückmeldungen per App. Erwarteter Abschluss der Studie: Mitte 2022.

Astrazeneca hat noch nicht mit pädiatrischen Studien begonnen. Man plane aber, «die Studien in einem neuen Protokoll für die Altersgruppe der 6- bis 18-Jährigen fortzusetzen», heißt es bei dem britisch-schwedischen Hersteller. «Diese sollen in den kommenden Monaten beginnen.» Details würden «zu gegebener Zeit» bekannt gegeben. Bei diesem Impfstoff, den das Unternehmen mit der britischen Universität Oxford entwickelt hat, einem aus Indien und mehreren chinesischen wurden laut vfa Minderjährige bereits frühzeitig in Studien einbezogen. Die Studien sind zum Teil aber nicht abgeschlossen und fast alle Produkte in Europa gar nicht zugelassen.

Studien mit Kindern unter 12 Jahren gehören laut vfa sowohl für Biontech/Pfizer als auch für Moderna zu den Auflagen der EMA, die an die Bedingte Zulassungen für Erwachsene geknüpft sind. Spätester Abgabetermin der Ergebnisse sei Juli beziehungsweise Dezember 2024.

«Es ist zu erwarten, dass Studien mit diesen Altersgruppen nicht beginnen, ehe es nicht gute Ergebnisse zur Wirksamkeit und Verträglichkeit einer Impfung von Jugendlichen gibt», heißt es in einem vfa-Papier. Üblicherweise arbeiten sich die Hersteller altersgruppenweise zu immer jüngeren Kindern vor. Jugendliche bekommen die gleiche Dosis wie Erwachsene. Bei jüngeren Kindern ist es möglich, dass die Dosis angepasst werden muss.

Das Paul-Ehrlich-Institut, das für die Sicherheit von Impfstoffen zuständig ist, betont: Impfstoffe werden nur für die Altersgruppen zugelassen, für die Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit aus klinischen Prüfungen vorliegen. Die Zulassung würde dann durch eine sogenannte Änderungsanzeige zur bestehenden Zulassung auf Jüngere ausgedehnt.

Aber selbst wenn Produkte verfügbar sind, heißt das noch nicht, dass sie eingesetzt werden. Auf die Frage «Wird es eine Impfempfehlung für Kinder gegen Covid-19 geben?», antwortete das Robert Koch-Institut Anfang Januar: «Das ist bisher noch nicht absehbar.»

Kinder gegen Covid-19 zu impfen, sei zunächst einmal «fremdnützig», sagt Kinderarzt Zepp. «Kinder erkranken dramatisch seltener schwerwiegend als Erwachsene. Wir würden Kinder also vor allem impfen, um Ältere zu schützen. Da müssen wir uns schon fragen, ob das abgesehen von Kindern mit besonderen Infektionsrisiken ethisch vertretbar ist.»

Und wenn man Kinder außen vor ließe: Wäre dann die angestrebte Herdenimmunität überhaupt zu erreichen? «Grundsätzlich ja», sagt Zepp. Sie trügen zur Durchseuchung der Bevölkerung auch auf andere Weise bei: indem sie sich infizieren. (Sandra Trauner, dpa)

Philologen sind genervt von irreführenden Studien, die belegen sollen, dass Kitas und Schulen ohne Corona-Schutz sicher sind

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16 KOMMENTARE

  1. Es gibt sehr viele Kinder mit einem hohen Risiko, durch ihre Vorerkrankung an COVID-19 zu versterben. Viele dieser Kinder führen sonst ein vollkommen normales Leben, müssen aber momentan seit März 2020 zu Hause bleiben. Oft ist die ganze Familie betroffen – eine selbstgefällige Quarantäne zum Schutz dieser Kinder. Diese Familien warten sehnlichst auf einen Kinderimpfstoff! Es stimmt außerdem nicht, dass Kinder nicht oder nur wenig an COVID-19 erkranken. Auch viele nicht vorerkrankte symptomlos erkrankte Kinder erkranken später wiederholt und leiden unter Long-Covid!

  2. Es ist schwer erträglich, dass noch immer die Falschbehauptung verbreitet wird, dass Kinder nicht schwer erkranken.

    Es ist ethisch nicht vertretbar, eine Impfempfehlung für Kinder auszusprechen, aber ethisch vertretbar, dass Kinder sich infizieren … bei so viel Gefühllosigkeit verschlägt es einem die Sprache.

    Dabei wird auch noch außer Acht gelassen, dass die Spätfolgen von COvid19 ALLE (!!) Altersgruppen treffen können.

    Aber auch das interessiert niemanden wirklich.

  3. Wenn Impfstoffe angeblich nur für Kinder zugelassen werden, wenn wissenschaftliche Daten zur Wirkungsweise vorliegen und Kinderprobanden unethisch sind, warum werden dann ab dem Säuglingsalter unsere Kinder geimpft? Wurden diese Impfstoffe dann an Babies getestet oder nicht?

  4. Das macht mir auch große Sorgen. Anfangs habe ich den Aussagen, dass Kinder kaum gefährdet seinen, noch Glauben schenken können (eher wollen). Mittlerweile glaube ich den Verantwortlichen gar nichts mehr. Das bereitet mir schlaflose Nächte, insbesondere bei dem Gedanken, dass die Kinder wieder in die Schulen geschickt werden. Ich würde meinen Kindern eine annähernd „normale “ Kindheit in dieser Zeit wünschen, aber ihre Gesundheit und Unversehrtheit wiegt höher. Die Politik hat das Vertrauen verspielt!! Wo sind denn ehrliche Bemühungen Kinder in der Schule zu schützen? Laut oben dargestellter Aussage, wird bei Kindern auf Durchseuchung gesetzt. Somit also dann zwangsweise durch Präsenzpflicht. Schämt euch!!
    Wer schon mal um das Leben des eigenen Kindes bangen musste, würde nicht so zynisch handeln!

    • Recht haben sie, Kinder und Lehrer werden verheizt, Hepatitis- Filter hat sich bisher nur die Stadt Münster geleistet, ansonsten waren ein paar Techniklehrer aktiv bezüglich der Verbauung von Abluftanlagen aus dem Baumarkt. Es war Zeit genug, die Schulen auszurüsten… aber Frau Gebauer und Herr Lashed und co. retten lieber die Lufthansa. Welch eine Schweinerei. L.G. Ira Heistermann ( Lehrerin in Herford ( NRW))

  5. Jetzt sollten – müssten Kinderschutzbund, Kinderärzte und Kinderärztinnnen, und Elterverbände doch auf die Barrikaden gehen. Unsere Kinder scheinen wohl nicht viel Wert zu sein. Dabei sollen sie doch irgendwann die Wirtschaft am Laufen halten. Wie das wohl gehen soll mit Pims und LongCovid? Wann kommen endlich Taten und nicht nur das BLABLA von Bildungsgerechtigkeit???

    • Kinderarzt Zepp, der bislang KMK-Präsidentin Hubig beraten hat, sagt es doch: Kinder sollen sich infizieren. Auf führende Kinderärzte ist kein Verlass in punkto Schutzmaßnahmen/Impfungen – warum diese so agieren, ist mir ein Rätsel.

  6. Damit es niemand übersieht:

    Schulschließungen (naja, also mehr oder weniger) seit ca. Mitte Dez. 2020. Dauer bis vermutlich mal Ende Feb. 2021. Das sind 2,5 Monate, in denen man Luftfilter oder Lüftungsanlagen hätte bestellen und bauen lassen können. – „Schulen haben oberste Priorität“ –
    Einfacher und billiger ist es über Impfungen für Schüler und Kinder zu philosophieren, die in der Zukunft vielleicht kommen könnten. Oder jetzt an Stufenplänen herumzudoktern, wo man die ausm Herbst nie akzeptieren wollte und wo nun die anvisierten Stufen wohl schon Makulatur sind durch infektiösere Mutanten etc. etc.

  7. Deswegen sollte man Lehrer und Erzieher sofort impfen.

    Bis 45 Jahre mit Astrazeneca
    Über 45 Jahre mit Moderna

    Das ginge innerhalb von 10 Tagen.

    Wenn man Kinder noch nicht impfen kann, sollte man die Eltern impfen. Nach Risiko gestaffelt.

    • Geht das schon wieder los… AstraZ nutzt weder den Lehrkräften richtig noch den Schülern, denen es absolut gar nichts bringt, wenn eine Person im Raum geimpft (und trotzdem nicht sicher) ist aber sie weiterhin von 25-30 anderen infiziert werden können.

      Ich (Risikomama, keine Lehrerin) bin absolut pro Impfung, warte sehnsüchtig darauf, dass ich hoffentl. im August/September endlich geschützt bin.

      Aber bei AstraZ nur zu 60 – 70 % geschützt zu sein und dann immer noch 30 – 40 % Infektionsrisiko haben zu müssen… und dann ist es mehr als fraglich, ob man in absehbarer Zeit irgendwann doch noch eine 95 % Impfung kriegt oder ob man sich dann wieder hinten anstellen und 1-2 Jahre warten muss bis man wieder an der Reihe ist…

      Ich denke nicht, dass ich das wollen würde und ich kann auch jeden Lehrer/-in verstehen, der/die das genauso sieht.

    • @Koogle

      @Koogle,
      bitte stellen Sie Ihre Astra Zeneca-Pro-Aktiv-Kampagne sofort ein:
      Die 6-Uhr-Nachrichten im ZDF-Morgenmagazin melden, dass Südafrika die geplante Astra Zeneca Impfkampagne stoppt wegen der viel zu geringen Wirksamkeit gegen die südfrikanische Covid-Mutante.

  8. Warum denkt eigentlich niemand daran, dass sich unter all den ungeimpften Kindern dann ganz wunderbar Mutationen entwickeln können, die eventuell durch den Erwachsenen-Impfstoff nicht mehr abgedeckt sind?
    Und wieso wird so wenig an Kinder mit Vorerkrankungen gedacht? Sollen die jetzt etwa bis 2024 zu Hause bleiben??? Das grenzt doch schon an Körperverletzung!!!

  9. -Zückerchen fürs Volk-
    „Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat nun einen für Kinder und Jugendliche geeignetes Vakzin gegen das Coronavirus für diesen Sommer in Aussicht gestellt. „Wir gehen davon aus, toi, toi, toi, wenn die Dinge gut laufen, dass wir im Sommer auch einen Impfstoff haben, der eben dann Kinder und Jugendliche schützen kann“, sagte er am Freitag bei der Jahresauftakt-Klausur der hessischen CDU.“ 06.02.2021 Zdf.de/nachrichten

    Dieses Wetteifern der Politiker ist für Betroffene mit Kindern, besonders die mit Vorerkrankung und wo ein Kind nicht einmal was für kann, ein unerträglicher, fast verachtender Umstand geworden. Ein mittlerweile widerliches Gehabe was Minister*in heute wohl draufhaben muss.

    Österreich hatte seit 17.11.2020 die Schulen bis heute zu und nun 7-Tages-Inzidenzen um 2.000 und unter 50 Todesfällen. Mehr Macher statt Schwätzer oder Poser braucht es auch mal in 16 deutschen Ländern (gilt für die Damen selbstredend auch).

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