„Überschaubare Zahl von Schülern“: Distanzunterricht in Schulräumen gestartet

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DÜSSELDORF. An den Schulen in Nordrhein-Westfalen gibt es zum 1. Februar eine Neuerung: Schüler können zum Distanzunterricht in die Klassenzimmer kommen, wenn sie zuhause nicht lernen können.

Angebot für Schüler in schwierigen Lagen: NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer. Foto: MSB/ Susanne Klömpges

Distanzunterricht vor Ort – seit Montag geht das in den nordrhein-westfälischen Schulen. Schüler aller Klassen von Stufe 1 bis 13 können grundsätzlich auch in den Schulen am Distanzunterricht teilnehmen, wenn sie zu Hause nicht das Umfeld dafür haben. Wie viele Schüler am ersten Tag von dem Angebot Gebrauch machten, konnte das Schulministerium am Montag noch nicht sagen. «Die Schulen bieten diese Möglichkeit für eine überschaubare Zahl von Schülerinnen und Schülern an», antwortete Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP).

Die Neuregelung gebe allen, die es aus unterschiedlichen Gründen derzeit besonders schwer hätten, Lernerfolge zu erzielen, ein wichtiges Unterstützungsangebot. Sie hätten nunmehr die Möglichkeit, ihre Aufgaben aus dem Distanzunterricht unter pädagogischer Aufsicht in den Räumen der Schule konzentriert zu bearbeiten, unterstrich Gebauer. Präsenzunterricht wird allerdings nicht erteilt.

Auch der Landesvorsitzende des Lehrerverbands Bildung und Erziehung Stefan Behlau sprach von einer sinnvollen Erweiterung der Betreuungsregelung. «Es werden Angebote für Schüler gemacht, die zuhause das Distanzlernen nicht bewältigen können.» So könne Schülern und Schülerinnen in «schwierigen Lagen» geholfen werden, sagte er .

„Gleichwohl ist oftmals schon die Grenze dessen erreicht, was Schulen derzeit leisten können“

Grundsätzlich begrüßte auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) die neue Möglichkeit. «Gleichwohl ist oftmals schon die Grenze dessen erreicht, was Schulen derzeit leisten können, weil das Personal fehlt und die Arbeitsbelastung sehr hoch ist», sagte die Landesvorsitzende Maike Finnern. Schulen müssten die Möglichkeit erhalten, mit zusätzlichem Personal zu arbeiten. Zudem könnte es, je nach Ausstattung der jeweiligen Schule, laut GEW bei den technischen Voraussetzungen Engpässe geben – etwa, wenn Schüler keine Laptops hätten.

Zuvor hatten im Corona-Lockdown die Schulen nur für Notbetreuungen von Schülern der Klasse 1 bis 6 offen. Jetzt können sie zusätzlich Betreuung ab Klasse 7 anbieten. Die Teilnahme ist freiwillig. Das Angebot könne nicht von den Eltern selbst initiiert werden, heißt es in der Schulmail. Allgemein wird der Distanzunterricht in NRW mindestens bis 12. Februar fortgesetzt. In dieser Zeit sollten grundsätzlich keine Klassenarbeiten und Klausuren geschrieben werden. dpa

Monatelang haben Kultusminister arme Schüler zur Begründung für Präsenzunterricht benutzt – jetzt sind sie vergessen

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12 KOMMENTARE

  1. War ja mal wieder eine tolle Eingebung noch am Donnerstag: „Schüler aller Klassen von Stufe 1 bis 13 können grundsätzlich auch in den Schulen am Distanzunterricht teilnehmen“

    Die statistische Erhebung zu geöffneten Schulen mit Angebot für alle Klassen ab heute würde ich gerne sehen.

    Aber damit war ja nicht genug, denn „allgemein wird der Distanzunterricht in NRW mindestens bis 12. Februar fortgesetzt. In dieser Zeit sollten grundsätzlich keine Klassenarbeiten und Klausuren geschrieben werden.“

    „Dürfen“ statt „Sollen“
    wäre einzig konsequent gewesen. So nutzen die gewieften Schulleiter noch die zwei Wochen um schnell Klassenarbeiten nachschreiben zu lassen oder mündliche Prüfungen abzuhalten.
    Aber man kennt es eben nicht anders.

  2. In unserer GS sind ca. 10% in der Notbetreuung. Nochmal 10% kommen zusätzlich zum Lernen in die Schule. Bei vielen von denen haben die Eltern die SL so massiv mit Mails und Anrufen „bombardiert“, dass die irgendwann entnervt zugestimmt hat. Soviel zum Thema, Eltern könnten dies nicht selbst initiieren. Also, als „überschaubare Zahl“ würde ich das nicht bezeichnen, eher als „Öffnung durch die Hintertür“. Im übrigen müssen dadurch jetzt LK morgens die Lerngruppe beaufsichtigen und nachmittags ihre eigenen Klassen im DU betreuen. Vorbereitung findet dann abends und am Wochenende statt. Und dann beschweren sich die Eltern noch, dass in der Schule kein Zugang zum Internet möglich ist und die Kinder nicht auf die Lernplattform zugreifen können.

        • Klar sagen, dass Präsenz- und Distanzunterricht gleichzeitig nicht machbar sind. Folglich heißt das, dass KollegInnen, die vormittags in der Schule betreuen, weder Videokonferenzen in dieser Zeit halten können, noch Lernaufgaben erstellen oder Schülerleistungen rückmelden. Wenn man das nicht nur der Schulleitung mitteilt, sondern auch den Eltern klarmacht, deren Kinder nach wie vor zu Hause sind, sollte das unsoziale Gebahren der Familien, die auf Teufel komm raus ihre Kinder an die Schule abschieben wollen, doch deutlichen Gegenwind bekommen.
          Davon abgesehen sollten gerade diese beschwerdefreudigen Eltern doch bald einsehen, dass ihre Kinder an der Schule keinen Vorteil haben (und sie selbst auch nicht), wenn vor Ort aufgrund der fehlenden Internetverbindung keine Teilnahme am Distanzunterricht möglich ist und alle Aufgaben dann nachmittags doch zu Hause nachgeholt werden müssen.

  3. Was hat das noch mit Distanz und dem Schutz vor Übertragungen zu tun?
    NRW muss sich nicht wundern, wenn die Zahlen trotz des Lockdowns erst stagnieren und dann wieder hochgehen. Erst infizieren sich die Kinder, dann die Eltern und Großeltern.

    Ich habe nur noch tiefste Verachtung und Abscheu für Gebauer, Eisenmann, Hubig, Streeck, etc. übrig.

  4. So schwer es mir fällt, das zuzugeben, aber das war tatsächlich mal eine brauchbare Idee vom Kultusministerium NRW. Klar, an Brennpunktschulen und Hauptschulen wird der Anteil der Schüler, die so wieder in die Schule geholt werden, deutlich höher sein als an gut situierten Gymnasien, wo deren Zahl gegen 0 tendiert.
    Dennoch ist es doch der richtige Weg, den Lehrern endlich wieder die Kompetenz zurückzugeben, vor Ort entscheiden zu können, welche Unterstützung ihre Schüler brauchen und wie vorhandene Ressourcen am effektivsten eingesetzt werden können. So kommen wir einer Bildungsgerechtigkeit jedenfalls deutlich näher. Wenn, wie hier von anderen Kommentatoren beschrieben, einzelne Schulleiter unter dem Druck von Eltern nachgeben und dann die KollegInnen zwangsverpflichten, ist das natürlich höchst ärgerlich. Allerdings stellt sich mir dann die Frage, ob der Fehler wohl beim Ministerium liegt, oder bei den individuellen Schulleitungen, die sich eindeutig nicht an die Vorgaben halten. Im Übrigen erschließt sich mir nicht, warum dann die doppelt belasteten KollegInnen das offenbar so willfährig hinnehmen. Allein die klare Feststellung, dass ein adäquater Distanzunterricht parallel zu solcher Notbetreuung nicht geleistet werden kann und nicht geleistet wird, sollte doch relativ schnell bei so nachgiebigen Schulleitern und bei so aktiven Elternschaften die Einsicht herbeiführen, dass die Möglichkeit der Notbetreuung nur in sehr engen Grenzen genutzt werden sollte.

  5. Kann jemand mal den Kultusminister* innen Bescheid geben, den Mund ohne Rücksprache mit Schulen besser nicht mehr zu öffnen. Kommt ohnehin nur etwas dabei heraus, was Schule und Lehrer nicht stemmen können. Übrigens wäre ein funktionierendes WLAN an der Schule von Vorteil für diesen Vorschlag.
    Kultusminister und die Bezahler von Maßnahmen sollten sich mal an einen Tisch setzen, sonst wird es auf dem Rücken von Schülern, Lehren und Schulleitungen ausgetragen.

  6. Mich würde interessieren, womit das zusätzliche Personal angeworben werden soll.

    Survivaltraining – ohne Maske und doppelten Boden, aber mit keinem Abstand und vollen Räumen?

    Bringen Sie sich in Sicherheit: Kommen Sie in die Schule!
    Leisten Sie Freiwilligendienste, die kosten nur Ihr Leben.
    Sado sucht Maso
    Keine Arbeit, keine Perspektive? In Schulen und KiTas seid ihr richtig.
    Du suchst das Abenteuer, aber es geht kein Flieger? Deine KiTa/Schule vor Ort – ökologisch und nachhaltig erreichbar mit öffentlichen Verkehrsmitteln – wartet auf dich.

    Dafür würde zu lange gewartet. Viel zu lange.

  7. Ich arbeite in der notbetreuung einer Grundschule. Wir „betreuen“ am Vormittag den Distanzunterricht. Je länger der lockdown geht um so mehr Schüler kommen in die Schule zum Lernen. Täglich werden es mehr. Meist Kinder die Schwierigkeiten beim Lernen haben. Das heißt für uns : sehr viele Menschen auf engem Raum und Schüler die Unterstützung bei ihren Aufgaben brauchen. Dafür sind wir gar nicht ausgebildet!!! Das wir unter diesen Bedingungen arbeiten müssen sieht auch keiner. Auch Fr gebauer nicht. Mittlerweile gehören wir zu den am ehesten gefährdeten Berufen. Kein Mensch spricht davon. Nur „die arm Kinder“ und „Lehrpersonal muss geschützt werden“. Wir mussten schon kämpfen das wir mit FFP 2 Masken ausgestattet werden. Keiner fühlte sich zuständig. Armes Deutschland!!!

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