Gastbeitrag: Warum Distanzunterricht als Möglichkeit in die Schulgesetze gehört

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BOCHUM. Seit über 15 Jahren arbeitet Sarah Lichtenberger als Schulleiterin der einzigen Online-Schule Deutschlands und war somit bereits Expertin für Distanzunterricht, bevor hierzulande Digitalisierung von Schule überhaupt ein ernstzunehmendes Thema war. Als Pädagogin, die vorwiegend Kinder und Jugendliche betreut, die nicht in das Regelsystem passen, aber auch als Mutter zweier Kinder hat sie den Umgang mit Schulschließungen im Pandemie-Jahr genau beobachtet. Vieles ist für sie nicht nachvollziehbar. Was sich dringend ändern sollte, hat Sie im Gastbeitrag für News4teachers zusammengefasst.

Der Distanzunterricht wäre für manche kranke Kinder durchaus eine Option. Foto: Shutterstock

Die Pandemie hat uns Schwächen unseres Bildungssystems vor Augen geführt. Während der ersten Welle im Frühjahr 2020 erwischte es die meisten Schulen auf kaltem Fuß. Schüler saßen zuhause. Wegen mangelnder technischer Infrastruktur in den Schulen gab es häufig Materialverteilung aber keinen digital durchgeführten Unterricht. Viele Schüler und deren Eltern waren auf sich allein gestellt. In den Monaten bis zur zweiten Welle geschah dann wenig. Mit der Schulschließung zum Ende des Jahres traten wieder ähnliche Probleme wie im Frühjahr auf.

Auch meine Kinder litten und leiden unter dieser Situation. Der Spagat zwischen Kinderbetreuung und meinem Beruf gestaltet sich noch immer schwierig. Ich spüre die akuten Mängel bei der Durchführung des Distanzunterrichts und stehe dabei nicht alleine: Die meisten Eltern in meinem Umfeld klagen über Probleme im Zusammenhang mit der Durchführung des digitalen Unterrichtes.

Aus Elternsicht ist es zum Beispiel schwer nachzuvollziehen, wenn sich eine Schule auf den Datenschutz beruft, um Videokonferenzwerkzeuge nicht einzusetzen, während andere Schulen täglich so unterrichten.

„Starke Wissensungleichheiten basieren auf der Willkür der Schule und der Lehrkraft“

Vermehrt kündigten Schulen den Distanzunterricht an, jedoch blieb es jeder Einrichtung überlassen, was diese sich darunter vorstellt. Das Spektrum reicht von der Übergabe von Unterrichtsmaterial auf dem Schulhof bis hin zu Videokonferenzen nach Stundenplan. Selbst unter den Parallelklassen an einer Schule gibt es unterschiedliche Ansätze zur Gestaltung. Hier entscheidet die Fähigkeit der Lehrkraft, sich mit den digitalen Möglichkeiten auseinanderzusetzen, über den Umfang.

Die Leidenden sind die Schüler, denn es entstehen starke Wissensungleichheiten basierend auf der Willkür der Schule oder der Lehrkraft. Die fehlende Einheit bei den Schulen werfen nun einen Teil der Schüler unverschuldet zurück. Mit den längerfristigen Folgen werden wir als Gesellschaft in den nächsten Jahren zu kämpfen haben.

Auf die persönliche Entwicklung Heranwachsender hat dieses Jahr voller sozialer Einschränkungen einen großen Einfluss. Das kombiniert mit einem leistungsmäßigen Anschlussverlust an andere Gleichalterige bietet einen Nährboden für psychische Probleme bei den Betroffenen.

„Es fehlt ein einheitliches Konzept für alle Schulen in Deutschland.“

Entgegenwirken sollten wir durch klare Vorgaben der Bildungsministerien, wie der Fernunterricht an den Schulen abzulaufen hat. Bei vielen Entscheidung berufen sich Schulen auf Vorschriften durch die zuständige Regierungsstelle, nur im aktuell wichtigen Bereich der digitalen Beschulung fehlen diese oder sind nicht detailliert genug.

Es fehlt ein einheitliches Konzept für alle Schulen in Deutschland. Rahmenbedingungen und Grundlegendes zum Distanzunterricht sollten in Schulgesetze einfließen. Beispielsweise könnte die Mindestzeit der durchzuführenden Videokonferenzen pro Fach und Klassenstufe festgelegt werden. Als Pädagoge hat der Lehrer auch betreuende Aufgaben. Schüler benötigen eine erreichbare Bezugsperson und nicht nur einen Materialverteiler. Dieser soziale Aspekt ist wichtig für die Entwicklung der Schüler. Videokonferenzen ersetzen nicht den Klassenraum, aber zumindest hilft uns die Technik in Pandemiezeiten raus aus der Isolation und suggeriert ein wenig Normalität.

Grundschüler und Distanzunterricht sind eine spezielle Kombination, da bei den Kindern die Aufmerksamkeitsspanne häufig nicht ausreicht, um einen effektiven Unterricht per Video zu gestalten. Hier könnte sich durch kurze Sessions eine Gewöhnung an das Medium herausstellen.

Wie sieht die ideale technische Infrastruktur aus?

Der Austausch von Unterrichtsmaterialien durch Schüler und Lehrer, sowie die Überprüfung der Leistungsstände der Schüler ließen sich durch einheitlich aufgesetzte Systeme realisieren. Zentral durch das zuständige Bildungsministerium installierte und gepflegte Anwendungen stellen die Schulen vor Tatsachen und schließen Alleingänge aus.

Zusätzlich sollten ambitionierte Pläne zur Verbesserung der technischen Infrastruktur aufgestellt und umgesetzt werden. Wichtig wäre auch eine regelmäßige Kontrolle der eingesetzten Geräte und Software. Die Weiterentwicklung der technischen Infrastruktur muss berücksichtigt und die eingesetzten Geräte nach Ablauf einer festgesetzten Lebensdauer ausgetauscht werden. Durch den Einsatz von Leasingmodellen ließe sich gewährleisten, dass die eingesetzten Geräte dem Stand der Technik entsprechen.

Lehrkräfte werden zur Fortbildung im Distanzlernen verpflichtet. Die Umstellung für Lehrer, die anderes Arbeiten gewohnt sind, ist schwierig. Daher sollte es gerade zu Beginn einen engen Austausch zwischen Lehrer und Ausbilder geben.

Für Zeiten mit Homeschooling bedarf es einer schnellen und unbürokratischen Möglichkeit der Geräteausstattung von finanziell benachteiligten Familien. Jeder Schüler muss in der Lage sein, dem Fernunterricht ohne technische Einbußen folgen zu können.

Für all diese Maßnahmen steht bereits Budget zur Verfügung in Form des Digitalpaktes. Längerfristig wird dieses Geld nicht ausreichen, da eine regelmäßige Verbesserung Kosten verursacht. Das ist jedoch kein Nachteil: Investitionen in Bildung sind nachhaltig, verbessern das gesamtgesellschaftliche Niveau und halten uns international konkurrenzfähig.

„Das Wohl und Recht auf eine Grundbildung, nicht das Erfüllen der Schulpflicht durch Präsenz sollte an erster Stelle stehen“

Allgemein sinnvoll wäre die Erweiterung der gesetzlichen Verankerung auf kranke Schüler, für die aufgrund ihrer Situation kein Schulbesuch möglich ist. Denn in diesen Fällen findet auch außerhalb der Pandemie kein Präsenzunterricht statt. Grundsätzlich ist das gemeinsame soziale Lernen wichtig für die Entwicklung der Kinder. Leider gibt es aber auch Fälle, in denen gerade diese Situation die Schüler krank macht, beispielsweise bei Mobbingopfern oder Sozialphobien. Das Wohl und Recht auf eine Grundbildung des einzelnen Schülers sollte an erster Stelle stehen, nicht das Erfüllen der Schulpflicht durch Präsenz im Klassenzimmer. Die Landesregierung NRW hat das nun in ersten kleinen Schritten erkannt.

Beim Thema Distanzlernen schwingt häufig auch der Datenschutz mit. Viele Anbieter digitaler Werkzeuge operieren außerhalb der deutschen bzw. europäischer Grenzen. Daher werden die hier geltenden DSGVO-Vorgaben häufig nicht komplett erfüllt.

Datenschutz macht Sinn, gleichzeitig drosselt er unseren technischen Fortschritt und erhöht die Bürokratie. Dass der deutsche Markt scheinbar keine adäquaten Substitute bereitstellt, spricht für großflächige Versäumnisse bei der Digitalisierung in Deutschland, nicht nur im Bildungsbereich.

In einer Abwägung zwischen dem Recht auf Bildung und dem Datenschutz, sollte das Wohl des Kindes und seine Entwicklung die höchste Priorität haben. Kleine Verstöße bei genutzten Werkzeugen sollten nicht schwer ins Gewicht fallen, immerhin werden in sozialen Netzwerken viel sensiblere Informationen freiwillig ausgetauscht.

Die Digitalisierung an unseren Schulen hat begonnen – wenn auch langsam. Die Einrichtung von Distanzunterricht ist lediglich eine sinnvolle Erweiterung dieses Prozesses. Daher sollte Fernunterricht und dessen Durchführung als Alternative in Krisenzeiten konzeptionell im Schulgesetz verankert und definiert werden. Den Nutzen davon hätten Schulen, Lehrer, Eltern und vor allem die Schüler.

Über die Autorin
Sarah Lichtenberger
Foto: Stefan Schejok

Sarah Lichtenberger ist seit 2005 Leiterin der web-individualschule in Bochum. Die Fern-Schule bereitet Schülerinnen und Schüler, die aufgrund körperlicher oder psychischer Beeinträchtigungen vom Regelsystem befreit sind, ebenso wie junge Sportler und Jungstars auf staatlich anerkannte Schulabschlüsse vor. Berühmte Schulabsolventen sind die Zwillinge Bill und Tom Kaulitz von der Band Tokio Hotel.

Weitere Infos unter: www.webindividualschule.de

Was bleibt vom Distanzunterricht nach Corona? Viele gute Erfahrungen (wenn die Politik es zulässt)! Leser diskutieren

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21 KOMMENTARE

  1. https://wir-zaehlen.com

    Präsenz in Schulen und Kitas trotz hoher Inzidenzen? Ohne uns!

    Kinder, Jugendliche, Lehrer*innen, Erzieher*innen, Eltern und Familien sind bei hohen Corona-Inzidenzwerten einem großen Infektionsrisiko in Bildungs- und Betreuungseinrichtungen ausgesetzt.

    Überall im Land übernehmen sie selbst Verantwortung für den Infektionsschutz und verweigern die Präsenz.

    Da politische Entscheider Schulen und Kitas weiterhin geöffnet halten und in einigen Bundesländern sogar die Präsenzpflicht aufrecht erhalten, fühlen sich viele genötigt, ihre Kinder bzw. sich selbst krank zu melden.

    Wir machen die unsichtbare „Abstimmung mit den Füßen“ sichtbar.

    Denn:

    Die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zählt!

    Die Gesundheit von Lehrer*innen und Erzieher*innen zählt!

    Die Gesundheit von Eltern und Familien zählt!

    Wir zählen!

  2. „Wissensungleichheiten und fehlende Einheit bei den Schulen; mit den längerfristigen Folgen werden wir als Gesellschaft in den nächsten Jahren zu kämpfen haben“
    Auch das gilt nun schon als ganz schreckliche Folge von Covid-19. Aber hat es das nicht schon immer gegeben?

    • Es ist sicherlich deutlich gestiegen. Der Unterschied zwischen den gut behüteten Kindern, die an einer Schule mit entsprechender Ausstattung lernen und auch zu Hause immer ein Elternteil beim Homeschooling zur Unterstützung haben, und denen, die den Distanzunterricht mehr oder weniger allein gelassen mit dem Handy wuppen müssen, ist schon dramatisch, selbst wenn der Schultyp gleich ist.

  3. Diese Idee sollte keine Hürde für die Bildungsminister und deren Ministerien sein. Da jedes Kind individuell ist und nicht jedes Kind in eine Klasse mit 29 anderen Kindern, die es sich nicht selbst aussuchen kann, passt und trotzdem ganz toll ist, wäre eine Alternative wie diese genau das Richtige! So können dann in der Freizeit soziale Kontakte zu Freunden etc. gepflegt werden. Ich stehe voll und ganz hinter der Idee, das Wohl und Recht auf eine Grundbildung zu priorisieren und nicht das Erfüllen der Schulpflicht durch Präsenz in einem Schulgebäude zu erzwingen.
    Und dann kann auch gleich mal der Lehrplan ausgemistet werden. Die Köpfe der Kinder werden mit lauter Informationen „gefüllt“, ohne dass die Kinder gerade dazu Fragen haben. Ihre natürliche Neugier wird dadurch auch gebremst. Die Kinder brauchen neben einer Grundbildung auch die Möglichkeit, Zeit für eigene Ideen und Projekte zu haben. Auch sollte für das Spielen viel Zeit zur Verfügung stehen, denn Kinder lernen im und beim Spielen ganz natürlich und mit eigenem Antrieb.
    Einige Lehrer werden sicher anderer Meinung sein. Aber diese müssen sich mal mit dem Gedanken auseinander setzen, dass sie nie etwas anderes als Schule kennengelernt haben. Sie waren als Kind in der Schule, danach meist an einer Uni und dann gleich wieder an einer Schule (nur diesmal auf der anderen Seite des Raumes).
    Es gibt noch so viele andere Dinge im Leben. Und Bildung erfahren Kinder nicht ausschließlich in einer Schule. Das Leben ist viel mehr als die Präsenzpflicht. Wer hat heute noch Zeit allein zum Beobachten der Natur? A. v. Humboldt hätte wohl nie so viele Tier- und Pflanzenarten entdeckt, wenn er wie heute ein Thema nach dem anderen an einem Schultag/in einer Schulwoche etc. abarbeiten hätte müssen. Er hatte Geduld und den nötigen Willen und das Durchhaltevermögen, um all die Wunder der Natur zu entdecken und zu dokumentieren. Natürlich ist mir bekannt, dass A. v. Humboldt auch eine schulische Laufbahn (Privatlehrer) hinter sich gebracht hat, aber da gab es bestimmt auch Prioritäten auf bestimmte Fächer. Er hatte bestimmt auch viel Zeit, um seine Neugier im Leben, ausleben zu können. Und er hat nie aufgegeben. Wie viele Jugendliche wissen nach der 10-jährigeren Schulzeit nicht, was sie wirklich gut können und was sie mal machen wollen. Das Schulsystem heute ist nur auf Selektion aus und nicht auf Individualität ausgerichtet. Eine Gesellschaft, die nur noch „Kopf runter und arbeiten“ und nicht mehr auf das „Selber Denken“ ausgerichtet ist, wird wohl oder übel, irgendwann erkennen, dass es so wie vor mehreren Jahrzehnten, mit Beginn der Schulpflicht, nicht mehr weitergehen kann.
    Auch Albert Einstein ist während der Schulzeit verkannt worden und er selbst hat ja auch gesagt, dass ihm diese Zeit nicht zu dem gemacht hat, was er mal geworden ist und er empfand es als verschwendete Zeit.
    Ein Kind von 12 Jahren, dass täglich bis zu 8 Stunden in einem Schulgebäude verbringen muss, hat keine Zeit mehr für das wahre Leben. Denn Hausaufgaben, üben etc. müssen ja auch noch erledigt werden.

    • „Ein Kind von 12 Jahren, dass täglich bis zu 8 Stunden in einem Schulgebäude verbringen muss, hat keine Zeit mehr für das wahre Leben.“

      Und 8 Stunden vor dem Computer in einer Online-Schule sind besser?

      • Katinka, ich bezweifle, dass man 8hpro Tag am Computer sitzen muss, dass wäre natürlich nicht erstrebenswert.
        Ich habe z. T. im Fernstudium studiert, da sass ich auch nicht stundenlang am Computer, schätze also auch im Bereich Fernschule würde das funktionieren.
        Das genaue Unterrichtskonzept wäre natürlich spannend.
        Mir geht es vor allem darum, dass es Alternativen gibt! Es gibt ja in viiielen anderen Ländern Bildungspflicht aber keine Präsenzpflicht, sowas wünsche ich mir für Deutschland.

      • Da steht auch was von Lehrplan entrümpeln.Zudem lernt es sich allein ohne Störung zb durch rumalberne Kameraden oft viel effizienter,da braucht es dann keine acht Stunden online.

  4. Ich frage mich, ob in dieser Online-Schule die Lehrer auch alle ihre privaten Geräte nutzen und ihre eigenen Kinder daheim haben und ob die Schüler zu Hause auch zT nur mit Smartphones, schlechten Geräten und Internetverbindungen versuchen, dem Distanzunterricht zu folgen. Es liegt eben NICHT nur an der „Fähigkeit“ der Lehrer. Ich habe noch ganz andere Beobachtungen gemacht als die Frau Lichtenberger, nämlich auch die, dass man sich dem Distanzunterricht entzieht, in Konferenzen nebenbei ganz andere Dinge macht, Aufträge und Material einfach nicht runterlädt bzw. abzugebende Aufgaben einfach nicht abgibt. Mich nervt, dass beim teilweise schlecht funktionierende Distanzunterricht immer nur die Eltern klagen und immer nur die Schulen/Lehrer Schuld sein sollen.

    • Dann wäre es auch ganz wichtig, dass die Schulpflicht komplett abgeschafft wird und die Bildungspflicht eingeführt wird. So, wie es auch in vielen europäischen Ländern der Fall ist.
      Na klar entdecken die Kinder auch, dass sie etwas anderes machen können, während des Distanzunterrichts. Aber, das liegt auch an einigen langweiligen Methoden, die eben nicht alle Kinder da abholt, wo sie gerade stehen, wie viele Schulkonzepte „versprechen“. Genau so langweilig wäre es den Kindern auch im Präsenzunterricht. Nur, dass sie da eben unter besserer „Beobachtung“ stehen.
      Und das liegt sicher auch an den Themen. Wären es Themen, für die die Kinder sich „brennend“ selbst interessieren würden, so wären diese auch mit Eifer im Distanzunterricht dabei. Selbstgemachte Probleme. Denn wie schrieb eine Lehrerin vor Kurzem an alle Eltern der Klasse meines Kindes… was wissen die Kinder denn von dem Lernstoff der jetztigen Klasse in einem oder zwei Jahren? Kaum etwas. Und daran erkennt man doch, dass es nichts mit langfristiger Ausbildung sondern um Beschäftigung geht und die eigenen Interessen sollen zurück gestellt werden. Gleichmacherei ist „Gift“ für die Individualität.

      • Sile, sie haben vollkommen Recht. Ich schlage vor, dass wir zukünftig so „brennend“ uninteressante Fächer wie Mathematik, Physik, Chemie, Informatik (ich meine richtige Informatik und nicht spielen) und bestimmt noch ein paar andere Fächer (Sportunterricht mit Ausdauerlauf und Geräteturnen geht auch absolut gar nicht) einfach einmal komplett streichen… Wir wollen die lieben Kleinen ja nicht überfordern… Zum Glück werden die Kleinen schnell groß und können von den Qualzeiten der Schule in die pinke Zaubertraumwelt der Erwachsenen entfliehen.

  5. Ja, so eine Alternative wäre toll u zwar nicht nur für kranke Kinder oder Stars. Wenn dieses Konzept einem Kind und seiner Familie zusagt, warum nicht?
    Es gibt sicher einige Kinder, die lieber selbstbestimmter lernen wollen o besser lernen, wenn nicht immer 28 andere Kinder um sie rum sind… Dazu sollte es nicht erst nötig sein, Ihnen eine Krankheit zu diagnostizieren…
    Es gibt ja auch einige Erwachsene, die lieber alleine o in kleinen Gruppen arbeiten anstatt im Grossraumbüro, die haben ja nicht alle eine soziale Phobie 😉

  6. Die Online-Schule ist eine Ergänzungsschule, die sich komplett selbst finanzieren muss und die Schüler auf externe Prüfungen vorbereitet. Dabei ist sie vermutlich auf Kinder angewiesen, bei denen das Jugendamt das Schulgeld bezahlt. Laut Homepage haben die Lehrer flexible Arbeitszeiten, was man positiv und negativ sehen kann, wie nah das Gehalt am TVL liegt, weiß ich nicht, ich hoffe aber zumindest nicht zu weit drunter. Das Kollegium sieht laut den Fotos sehr jung aus, hoffentlich kein Zeichen hoher Fluktuation und fehlender fertiger Lehrerausbildung.

    Vor einigen Monaten erschien hier ein Artikel, in dem die Schulleiterin die Anerkennung von Online-Unterricht forderte. Die Online-Schule möchte mit anderen Worten überwiegend in die staatliche Refinanzierung.

  7. „Das Wohl und Recht auf eine Grundbildung des einzelnen Schülers sollte an erster Stelle stehen, nicht das Erfüllen der Schulpflicht durch Präsenz im Klassenzimmer. Die Landesregierung NRW hat das nun in ersten kleinen Schritten erkannt.“

    Liebe Frau Lichtenberger, der zweite Satz löst Fragezeichen in mir aus. Wo sehen Sie diese ersten kleinen Schritte in NRW?

    Bei uns hätte man rein theoretisch das Recht, die Testung zu verweigern – ABER (zumindest war es bei uns so) – dafür bekommt man dann ein hammerhartes Erpresserschreiben mit unzähligen Paragraphen, der Androhung eines Bußgeldes, Fehltagen und schlechten Noten für das Kind und der Verweigerung von Unterrichtsmaterialien.

    Solange auch Risikofamilien (und damit meine ich nicht nur todkranke Kinder, die bereits auf der Intensivstation liegen) in die Schulen gezwungen werden, sehe ich leider in NRW null Besserung. Ganz im Gegenteil, Frau Gebauer zementiert immer weiter ihr Unwissen, ihre Wissenschaftsfeindlichkeit und ihre Verachtung gegenüber Kindern und Eltern.

  8. Ich finde, dass wir die Erfahrungen, die wir z.T. zwangsweise in der Corona-Pandemie machen mussten – nämlich unsere SuS auf Distanz zu unterrichten als echte Horizonterweiterung wahrnehmen sollten.
    Meine Frau und ich (beide StR an einem Gymnasium) haben diesen Gedanken bereits weiter ausgesponnen. In unser Schulprogramm würden wir uns einen zeitlich festgeschrieben Block Distanzuntrerricht wünschen, in dem die erworbenen Kompetenzen, Methoden, Techniken erhalten resp. sogar erweitert werden können – als weiterer Baustein zum „kompetenzorientierten Curriculum“, dem wir alle genervt seit einigen Jahren ausgesetzt sind.
    Es ist interessant, dass die KM die Möglichkeit zum Distanzunterricht als Rettungsanker gerne angenommen haben – den Präsenzunterricht aber – bei allen Gefahren, die dabei z.Z. ausgehen – aber immer noch als absolut setzen. Das macht einen erheblichen Leidensdruck für uns KuK aus – und dazu kommen die Gefährdungen für die SuS und ihre Familien zuhause.
    Warum entwickeln wir nicht aus der Not eine Tugend und führen in den Schulen DistanzUnterrichts- (LaD)-Phasen ein, in denen wir die Möglichkeiten dieser Art des Unterrichtens kultivieren, ihn selbstverständlich in den Köpfen der Menschen machen und unsere Kompetenzen dabei erhöhen?
    Den Ansatz (auch im Gedanken), dass es ausreichend SuS gibt, die mit der Präsenzunterrichtvariante gar nicht so gut fahren, die mit dem LaD (Lernen auf Distanz) gut zurecht kommen, die es auch mal schön fänden, während der Schulzeit nicht auf ein sauberes Klo, auf eine gemütlich-räumliche Lernatmosphäre verzichten zu müssen – dieser Gedanke sollte uns eigentlich antreiben, etwas „Konzeptionelles“ daraus zu entwickeln. Ich habe z.B. eine S* , die aufgrund eines Todesfalles in der Familie in die Türkei reisen musste…am Unterricht hat sie aber dennoch teilgenommen…eine S, die ein Auslandsjahr in den USA absolvierte hat sich in eine Unterrichtsstunde eingeloggt, um von ihren Erfahrungen im Gastland zu berichten…Experten könnten auf diesem Weg in unterrichtliches Geschehen einbezogen werden, was im Rahmen von Präsemzunterricht mitnichten möglich wäre.
    Wir sollten die Potentiale, die sich uns bieten nutzen und nicht gleich wieder auf den „alten Reflex“ zurückverfallen, Unterricht kann nur durch eine Lehrkraft* vor einer Tafel, einem White- oder Smartboard stehend durchgeführt werden.

    • Wird dieser gute Gedanke LaD vertieft besteht die Gefahr, dass dann erst recht keine Investitionen (Mobiliar, Luftfilter – Grins..) mehr in Schulen getätigt werden und irgendwann ein ganz Schlauer als Facility Manager des Schulträgers berechnet, dass durch LaD einige Schulgebäude durch geschickte Umverteilungen letztlich aufgegeben werden können, Stichwort „Flächenoptimierung und Auslastung“.

      • Ich kenne Schulgebäude, bei denen es das Beste für alle Beteiligten wäre, wenn sie aussortiert und für den Schulunterricht als unbrauchbar quotiert würden…an die Investitionen im Bereich Luftfilter usw glaube ich btw nicht mehr…was sehr sehr schade ist. 😉

  9. Andre Hog- Haben wir bei uns im Team auch schon diskutiert. Bin dabei über etwas gestolpert: In Nds sollen wohl 10-15% des Unterrichts im BBS- Bereich (neues Schuljahr) in Distanz durchgeführt werden….Mal sehen, ob’s bleibt?!

  10. Und schon wieder diese unsinnigen Behauptungen, die Qualität des Distanzunterrichts hinge vom Datenschutz ab. „Kleine Verstöße bei genutzten Werkzeugen sollten nicht schwer ins Gewicht fallen…“

    Was soll ständig dieser Quatsch, es gibt durchaus auch DSGVO konforme Software von europäischen Anbietern, die sinnvoll und ohne unnötig gespeicherte Daten auch Videokonferenzen super können. Einige wenige sogar ohne jegliche Installation einer zusätzlichen Software auf den Rechnern der SuS.

    Auch der ständige Hinweis, man teile ja (angeblich) viel mehr Daten auf sozialen Medien geht mir auf die Nerven.

    Selbst wenn man auf sozialen Medien seine Daten teilt, so tut man dies FREIWILLIG, bei der Verarbeitung von Daten der SuS besteht aber ein ZWANG mitzumachen.

    Wie so oft soll mal wieder mit dem Hinweis auf übertriebenen Datenschutz schlicht Arbeit und Geld eingespart werden, da man dann einfach irgendwelchen billigen oder kostenlosen Müll nutzen kann.

    Gerade eine Schulleiterin einer Fernschule, welche Unterricht per Internet anbietet, sollte sich in diesem Thema besser auskennen, als es hier im Artikel rüberkommt. Für mich ist das nur wieder ein Armutszeugnis, wie hier mit Rechten von Menschen umgegangen wird, die noch nicht selbst für ihre Rechte einstehen (können), nämlich schutzbefohlenen SuS!!

  11. übertriebenen Datenschutz – „Kleine Verstöße bei genutzten Werkzeugen sollten nicht schwer ins Gewicht fallen…“

    Wenn man sich immer vor Augen hält, dass keiner etwas zu verschenken hat, wird man vielleicht, aber auch nur vielleicht erkennen, dass gerade „kostenlose“ Software immer ein gewisses Risiko beinhaltet. Und da ist für mich der mögliche Datenschutz besonders wichtig.

    Moderner Distanzunterricht (LaD-Phasen) sollte es generell in Zukunft anteilig geben und muss (ein „soll“ reicht da nicht) für SuS einen gewissen Mindeststandard auch an Datenschutz und Sicherheit beinhalten. In meinen Augen in einem Land mit Wirtschaftsmacht sowieso Jahre, eher Jahrzehnte zu spät.

    Die Basics dazu können LuL und eine SL auch in Zukunft so mal nebenbei einfach nicht leisten. Dafür gibt es ja auf dem freien Markt IT-Fachleute. Und die KOSTEN der IT von Bund und Land getragen werden, denn die Schulbildung wird doch auch nicht von Aushilfsjobbern zum Mindestlohn ermöglicht, sondern über studierte Pädagogen mit entsprechendem Gehalt, eher Besoldung.

    Google wird fast auf jedem PC-System irgendwann einmal genutzt. Wer hat sich denn mit seinen geklickten Einwilligungen wirklich mal ernsthaft mit Datenschutz auseinandergesetzt?

    Die interessanten Berichte, Schlagzeilen, Angebote, Beiträge, Bilder bei der nächsten Google-Nutzung sind wie von Zauberhand auf den Bildschirm gekommen?
    Diagnosedaten, Analysetools und Tracking !

    Bei Microsoft (Office) 365 sind es die noch recht unbekannten Analyse-Tools von Microsoft Office „MyAnalytics“ und „Workplace Analytics“, Teamwork- oder Mitarbeiteranalyse. Mit Windows 10 kombiniert dann schon einige Risikostufen höher angesiedelt.

    Allerdings ohne Quellcode einer (Gratis-)software ist es unmöglich die potentielle Datenkrake als DAU (dümmster anzunehmender User) einzuschätzen und festzustellen, ob und wenn überhaupt, welche Daten an Dritte abfließen. Lizenzierte Software wäre etwas sicherer, da durch die Lizenz die Nutzungsbedingungen teils bis ins Detail geregelt werden. Treffen diverse Lizenprogramme verschiedener Hersteller zusammen wird es auch schon wieder heikel.

    Einwilligungen und Zustimmungen der SuS und Eltern zum Datenschutz oder Nutzungsvereinbarungen an Schulen sind überwiegend unvollständig, fehlerhaft und somit unbrauchbar und eher Makulatur nach dem Motto gut gemeint doch schlecht gemacht, da wohl nicht mal zuvor ein Rechtsberater drüber geschaut hat. Bestes Beispiel sind diverse selbstanzupassende Vordrucke eines Medienberater in der Funktion als Datenschutzbeauftragten eines Kreises im Netz aufzufinden.

    Welche SL hat schon mal etwas von Schrems II (Bedeutung für Datentransfers in Drittländer) gehört? SL ist nicht nur A16, ein OStD Titel oder die bekleidete Vorgesetztenposition, sondern in der Verantwortung nach außen (DS-GVO; Verarbeitungsauftrag) ein nicht zu unterschätzender möglicher Schleudersitz.
    Nur weil Datenschutzverstösse an Schulen durch den/die Landesdatenschutzbeauftragten nicht mit Bußgeldern belegt werden bedeutet dies keinesfalls auch einen aut. Ausschluss von Schadenersatz gegenüber Dritten.

    Nur weil fast alle Schulen es so machen ist dies kein Garant. An vielen Schulen reicht es nicht einmal für dienstliche Endgeräte. Also bleibt für viele Schulen ohne Budget das altbewährte Prinzip Hoffnung, es wird schon gutgehen.

  12. Ich finde es sehr traurig das wir in Deutschland die Schulpflicht haben und nicht eine Bildungspflicht. Das Veraltete, seit Jahren immer gleiche Thema im Unterricht, sollte ein Ende haben. Kinder lernen gern und freiwillig wenn sie gefördert und gefördert werden. Ich finde die Schule in Bochum hat tolle Ansätze und ist ein Beispiel dafür das es möglich ist mit reinen Online Unterricht zu lernen. Leider ist es tatsächlich nur besser gestellten Menschen möglich ihr Kind dort anzumelden oder eben Kinder die Krankheiten haben. Ein gesundes Kind mit wenig Einkommen der Eltern, hat null Chance und das ist traurig für ein Land wie Deutschland. Wo doch alle die Gleichen Chancen haben sollten. Ich hoffe das diese Pandemie der Bildungspolitik zeigt das sich etwas ändern muß. Und ich hoffe das Kinder die gesund sind, aber lieber nur Homeschooling hätten ihren Weg gesund durch das Schulsystem finden.

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