Homeschooling-Scouts – Lehramtsstudierende unterstützen Schüler beim Distanzlernen

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DRESDEN. Die Schulschließungen und der Wechselunterricht sind weiterhin eine hohe Belastung. Das gilt nicht nur für Kinder, Eltern und Lehrkräfte, sondern auch für Studierende im Lehramt. An der TU Dresden signalisierten viele von ihnen Unterstützungsbedarf, weil sie ihre Schulpraktika nicht regulär antreten konnten und fürchten, ihren Abschluss nicht in der Regelstudienzeit erwerben zu können. Dafür gibt es inzwischen eine Lösung: Der Lehrstuhl für Erziehungswissenschaft mit Schwerpunkt Inklusive Bildung und die Gruppe der Gleichstellungsbeauftragten haben mit dem Projekt „Homeschooling-Scouts“ ein Angebot für die zukünftigen Lehrkräfte und für die Mitarbeiter:innen der TU Dresden geschaffen, von dem alle Seiten profitieren. Ein Gastbeitrag von Maria Völzer.

Homeschooling, Distanzunterricht, Corona, Homeschooling-Scouts. Foto: shutterstock/Ulza
Vom Projekt Homeschooling Scouts profitieren alle Seiten: Schülerinnen und Schüler werden beim Distanzlernen unterstützt, Eltern entlastet und Studierende können ihr Pflichtpraktikum in dieser alternativen Form absolvieren. Foto: shutterstock/Ulza

Anfang März 2021 stand für zahlreiche Studierende der Lehramtsfächer eigentlich der Beginn des Blockpraktikums im Studienplan. Doch durch die anhaltenden Schulschließungen in den Oberschulen und die sehr unterschiedlichen Gegebenheiten für den Fernunterricht konnten viele Studentinnen und Studenten der TU Dresden in diesem Semester nicht loslegen.

Anke Langner, Professorin für Erziehungswissenschaft mit Schwerpunkt Inklusive Bildung, reagierte schnell auf die Sorgen der angehenden Lehrkräfte. Auch um den Mitarbeiter:innen im Bereich Geistes- und Sozialwissenschaften (GSW) Unterstützung im Pandemiealltag anzubieten, wurde gemeinsam mit den Gleichstellungsbeauftragten das Projekt Homeschooling-Scouts ins Leben gerufen.

Hier können Studierende ihr Praktikum seit dem 8. März unabhängig von einer Schule virtuell direkt mit Schülerinnen und Schülern absolvieren. Für die Studierenden ermöglicht das Projekt Praxiserfahrungen auch unter den aktuellen Bedingungen – und vor allem innerhalb der Regelstudienzeit. Für die Kinder und Jugendlichen wiederum ist es ein wertvolles Unterstützungsangebot für das Lernen zuhause.

Unterstützungsangebot für Mitarbeiter:innen im Corona-Alltag

Durch den Lehrstuhl und den Bereich GSW wurden zunächst die Bedarfe der Praktikant:innen erhoben und die Mitarbeiter:innen zur Teilnahme am Projekt eingeladen. Etwa 70 zukünftige Lehrerinnen und Lehrer mit vielfältigen Fächerkombinationen für die Grund- und Oberschule bekundeten Interesse. Von der Hochschule meldeten die Eltern von circa 100 Schülerinnen und Schülern Unterstützungsbedarf beim Distanzlernen zurück. „Es haben sich Kolleg:innen aus allen Bereichen der Hochschule zurückgemeldet: Lehre, Forschung und Verwaltung,“ freut sich Anke Langner über das große Interesse. Bei einem virtuellen Informationselternabend konnte sie mit den Eltern bereits die Möglichkeiten und Erwartungen an das Projekt Homeschooling-Scouts abstimmen.

Die gemeldeten Bedarfe der Schulkinder für verschiedene Klassenstufen und Fächer sind nun die Grundlage für die Angebote der Studierenden. Besonders gefragt sind Mathe, Englisch, Deutsch und Physik in den Klassenstufen 5, 6, 7 und 9. Anfang März startete dann das in der Kooperation von TU Dresden und Universitätsschule Dresden das virtuelle Lernen mit den Homeschooling-Scouts, zum Beispiel im Fach Deutsch mit den Kursen „Fehlerschwerpunkte in Orthographie und Grammatik“ „Gute Texte schreiben – Strategien und Tipps“ und „Produktiver Umgang mit Lyrik: DIY Spottverse und Schmähgedichte – kreatives Dissen leicht gemacht.“ Darüber hinaus wird Unterstützung bei den Homeschooling-Aufgaben der Schulen und bei individuellen Übungsschwerpunkten gegeben.

Lernmanagement-Software der Universitätsschule Dresden kommt zum Einsatz

Für den datenschutzkonformen und sicheren Online-Kontakt kommt die Lern- und Schulmanagementsoftware zum Einsatz, die an der Universitätsschule Dresden seit der Gründung im August 2019 angewendet und stets weiterentwickelt wird – allerdings in einer eigens eingerichtete Minimalversion. Die Homeschooling-Scouts können hier ihre Kursangebote einstellen und per Nachricht direkt mit den Kindern kommunizieren. Die Schüler:innen buchen sich in die Kurse ein, erhalten einen Stundenplan und verwenden das Schulportal neben der Nachrichtenfunktion auch als Schnittstelle zu Online-Konferenztools. Die Bereitstellung der notwendigen Lizenzen erfolgte hier durch die Bereichsverwaltung Geistes- und Sozialwissenschaften der TU Dresden. Für den Einsatz der Software sind das für den Schulversuch Universitätsschule Dresden vom Dresdner Institut für Datenschutz erstellte Datenschutzkonzept und die reichen Erfahrungen mit der Lehr-Lernmanagementsoftware eine wichtige Voraussetzung.

Als Praktikumsleistung erbringen die Studierenden nun Begleitung in Videokonferenzen, den Austausch von Lernmaterialien und Kommunikation im Portal sowie die selbständige Vor- und Nachbereitung der Stunden und das Verfassen einer Reflexion in einem Praktikumsbericht. Doch nicht nur die Frage, ob ein Praktikum möglich ist, treibt die Studierenden um: „Ich spiele mit dem Gedanken, mein Blockpraktikum zu verschieben. Ich habe mein Lehramtsstudium mit der Vorstellung begonnen, vor einer Klasse zu stehen, und genau das möchte ich am liebsten in dieser Praktikumsphase ausprobieren. Aber wenn viele jetzt verschieben, sind vielleicht nächstes Jahr an den Schulen gar nicht genug Plätze für alle vorhanden? Ich weiß noch nicht, wie ich mich entscheide,“ zweifelt die zukünftige Geschichtslehrerin Anne.

Corona-Praktikum, die Zweite!

Klar ist, nicht nur die Lehramtsstudis an der TU Dresden benötigen einen Ersatz für das Schulpraktikum. Eine Ausweitung des Unterstützungsangebots fürs Lernen zu Hause auch für Eltern und Kinder, die keinen Bezug zur TU Dresden haben, und Studierenden anderer Hochschulen wäre denkbar und wünschenswert. Dafür fehlen jedoch aktuell Personalressourcen. Organisiert und gestemmt wird das Projekt vom Lehrstuhl für Erziehungswissenschaft mit Schwerpunkt Inklusive Bildung – neben der regulären Lehr- und Forschungstätigkeit und der sehr intensiven Begleitung der Schulentwicklung an der Universitätsschule Dresden – und den GSW-Gleichstellungsbeauftragten. Auch der Datenschutz und die digitale Infrastruktur sind für die Skalierung für eine größere Zielgruppe nicht sofort und unproblematisch verfügbar.

Bereits im März 2020 standen Studierende und Eltern vor ähnlichen Problemen. Damals entstand nach dem bundesweiten Hackathon #WIRvsVIRUS des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) die von Studierenden betriebene Praktikumsbörse Corona-School. Hier werden online Studierende und Schüler:innen für die ehrenamtliche 1-zu-1-Betreuung im Distanzlernen vermittelt und unterstützen sich dabei gegenseitig.

Das Projekt Homeschooling-Scouts an der TU Dresden ermöglicht darüber hinaus die Arbeit in Kleingruppen und bietet für die Studierenden neben der Praxiserfahrung die wissenschaftliche Betreuung und Anerkennung als Studienleistung.
Zugleich ist das Projekt Homeschooling-Scouts natürlich ein Angebot in Zeiten geringer Planungssicherheit. Am 4. März wurde die Öffnung aller sächsischen Schulen, auch der Oberschulen, im Wechselmodell bekannt gegeben. Die Kurse der Homeschooling-Scouts wurden zunächst für die Woche ab dem 8. März geplant und durchgeführt. Nach den Osterferien werden alle Beteiligten möglichst flexibel auf die tagesaktuellen Entwicklungen reagieren.

Die Universitätsschule Dresden
Die Universitätsschule Dresden ist ein gemeinsames Projekt der Landeshauptstadt Dresden und der Technischen Universität. Sie ist eine öffentliche und kostenfreie Grund- und Oberschule in städtischer Trägerschaft, an der unter wissenschaftlicher Begleitung innovative Formen des Lehrens und Lernens erprobt werden. Darüber hinaus wird sie Aus- und Weiterbildungsschule der TU Dresden für zukünftige und derzeitige Lehrkräfte sein.

Informationen zum Forschungsprojekt an der TU Dresden: https://tu-dresden.de/gsw/unischule

Informationen zur Universitätsschule Dresden: http://universitaetsschule.org

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1 KOMMENTAR

  1. Je kleiner die Kinder, desto mehr Unterstützung benötigen sie. Wir haben als studierte Lerntherapeuten schon in den Fächern LRS und Deutsch und Daz sowie Mathe und Dyskalkulie unsere Unterstützung zugesagt, online oder präsent.
    Angefordert hat uns bislang keines der Schulämter. Ich denke, es ist ausreichend Geld vorhanden. Wohl doch nicht.

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