Berufstätigkeit der Mutter hat keine Auswirkung auf das Sozialverhalten des Kindes

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KÖLN. Dass Mütter arbeiten, ist heutzutage längst der Normalfall. Doch noch immer ist umstritten, ob Kinder unter der Erwerbstätigkeit ihrer Mütter leiden; viele Eltern plagt ein schlechtes Gewissen. Möglicherweise zu Unrecht, wie jetzt Kölner Wissenschaftler ermittelt haben.

Immer mehr Mütter in Deutschland sind berufstätig - die Schulen bekommen das zu spüren. Foto: Shutterstock
Keine statistisch signifikanten Unterschiede zeigten sich hinsichtlich des Zusammenhangs von mütterlicher Erwerbstätigkeit und Verhaltensproblemen beim Blick auf den Bildungsgrad der Mütter. Foto: Shutterstock

Noch immer steigt die Erwerbsbeteiligung von Müttern in vielen europäischen Ländern stark an. Die Gesellschaften stehen dieser Entwicklung überwiegend positiv gegenüber. Auch in Deutschland stehen Frauen unter starkem sozialem Rechtfertigungsdruck, wenn sie länger als die ersten drei Lebensjahre ihrer Kinder „nur“ Hausfrau und Mutter sein wollen. Kinderbetreuungsangebote sind teilweise massiv ausgebaut worden, bis in den „U3-Bereich“. Dennoch empfinden viele Eltern den Schuleintritt ihrer Kinder in diesem Sinne als starke Entlastung der familiären Praxis. Um die möglichen Folgen für die Entwicklung der Kinder gibt es kontrovers geführte Debatten, in der breiten Öffentlichkeit, wie in der Wissenschaft. Vielfach wird argumentiert, arbeitende Mütter hätten weniger Zeit für ihre Kinder und könnten weder Beruf noch Erziehung gerecht werden.

In einer aktuellen Studie haben nun Marita Jacob und Michael Kühhirt vom Kölner Institut für Soziologie und Sozialpsychologie den Zusammenhang zwischen mütterlichen Erwerbsgeschichten in den ersten sechs Jahren nach der Geburt von Kindern und Verhaltensproblemen im Alter von etwa acht Jahren untersucht. Anhand von Längsschnittdaten von fast 2000 Kindern und deren Familien in Schottland konnten sie die gesamte Erwerbshistorie von der Geburt bis zum Alter des Kindes von sechs Jahren erfassen.

Im Ergebnis zeigte sich zunächst, dass Kinder von Müttern mit höherer Erwerbsbeteiligung im Durchschnitt sogar weniger Verhaltensprobleme aufwiesen. Auch wenn die Herausrechnung von Störfaktoren diesen Befund relativierte, bleibe festzuhalten, dass sich aus der mütterlichen Erwerbstätigkeit keine nachweisbaren negativen Effekte auf das Verhalten von Kindern im Alter von acht Jahren ergeben hätten.

Keine statistisch signifikanten Unterschiede zeigten sich hinsichtlich des Zusammenhangs von mütterlicher Erwerbstätigkeit und Verhaltensproblemen beim Blick auf den Bildungsgrad der Mütter. Lediglich bezogen auf die Merkmale Hyperaktivität und Unaufmerksamkeit zeigten die Kinder von Müttern mit höherer Bildung leicht höhere Werte.

Ein Befund mit Folgen, denn die fehlenden Unterschiede in den Raten der verhaltensauffälligen Kinder höher und weniger gebildeter Mütter ließen einige Zweifel an in früheren Untersuchungen aufgestellten Hypothesen aufkommen. Ökonomische Ressourcen, mütterliche Gesundheit oder Familienstruktur etwa seien keine entscheidenden Faktoren, die apostrophierte negative Effekte der mütterlichen Erwerbstätigkeit auf die Verhaltensprobleme der Kinder relativierten, so Jacob und Kühhirt.

Für die Politik ergäben sich gerade daraus einige Implikationen: Wenn etwa Kinder aus benachteiligten Haushalten durch die Erwerbstätigkeit ihrer Mütter kein größeres Risiko für Verhaltensauffälligkeiten trügen, seien Maßnahmen, die direkt auf die Erwerbsbeteiligung von Müttern abzielen, „möglicherweise keine wirksame Strategie“, so Jacob und Kühhirt, um die Benachteiligung von Kindern zu reduzieren und die soziale Mobilität zu fördern.

Als wirksamer könnten sich Maßnahmen erweisen, die darauf abzielen, ein positives Umfeld für die Kindererziehung zu schaffen und aufrechtzuerhalten. Die Bereitstellung einer qualitativ hochwertigen Kinderbetreuung, die Förderung des sozialen und kognitiven Lernens von Kindern oder das Aufwachsen in einer sicheren Nachbarschaft könnten erfolgreicher sein, um soziale Ungleichheiten in der Entwicklung von Kindern abzumildern. (zab, PM)

Hört auf, Familien zu Opfern zu erklären! Eltern brauchen jetzt Unterstützung – kein Wehklagen über geschlossene Schulen

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40 KOMMENTARE

  1. Liebe Redaktion, da hat sich ein Fehlerteufel eingeschlichen. „Kinder leiden unter der Erwerbsfähigkeit ihrer Kinder“ passt nicht wirklich.

  2. Ich hatte meine Bachelor Arbeit zum Thema „Einfluss von Fremdbetreuung auf Problemverhalten von Kindern“ geschrieben. Insgesamt gibt es viiiele Studien dazu, deren Ergebnisse unterschiedlich sind, die Tendenz geht dahin, dass hohe Fremdbetreuung eher mit mehr Problemverhalten einhergeht.
    Das Thema hier ist ein bisschen ein anderes…
    Interessant wäre hier, was alles für Kontrollfaktoren mit eingeflossen sind…

    Insgesamt, dass ist jetzt aber nur meine persönliche Meinung, sollte jede Familie für sich überlegen, wieviel gemeinsame Zeit sie zusammen verbringen möchte u wie u ob das finanziell möglich ist. Denn so stark wie die Fremdbetreuung immer weiter ausgebaut ist, bleibt immer weniger Zeit für die Familien selbst, was ich persönlich sehr schade finde.

    • Ich denke dass viele aus meiner Generation noch die Mutter zu Hause hatten. Das war nicht ungewöhnlich. 13 Uhr aus der Grundschule nach Hause kommen, Mama hatte gekocht, danach Hausaufgaben. Geschadet hat es uns wohl allen nicht…
      Heutzutage geht leider der Trend dahin dass man einer Familie quasi alles abnimmt. Schule, Hausaufgabenbetreuung, OGS, Abholen um 17 Uhr. Man sieht sein Kind nur abends. Dann Bett um 20 Uhr. Ein tolles Familienmodell? Wenn Kinder Erzieher und Lehrer öfter sehen als Eltern? Ich weiß ja nicht….
      Klar hört man oft, dass viele Familien aus sozial schwachen Gebieten dringend die Zeit weg von zu Hause brauchen, aber das kann ja wohl nicht die Lösung sein, dass Kinder quasi komplett ausgelagert werden. Wo bleibt die Verantwortung? Wofür hat man Kinder bekommen? Sind sie eine Abendbeschäftigung und höchstens mal was fürs Wochenende?

      • Marc- Mutti war fein zu Hause und hat sich um Alles gekümmert- dafür hat Mutti jetzt auch ne kleine Rente. Altersarmut bei Frauen?! Nur eine Konsequenz der traditionellen Einverdiener-Ehen…. und Ehegatten-Splitting. Ich bin nach wie vor angefressen über den Grundtenor, dass Kinderwunsch mit Aufgabe oder Einschränkungen der beruflichen Tätigkeit von vorwiegend Frauen einhergehen MUSS! Ansonsten kommt man mit der Moralkeule- „Sozialimkompetent durch Fremdbetreuung/Verhaltensauffäligkeit…“ Klar gibt es auch eine Menge Väter, die ihre berufliche Tätigkeit zwecks Kinderbetreuung hinten anstellen. Aber wie ist denn das mehrheitliche Bild in der Gesellschaft? Frauen verdienen weniger und bleiben daher auch eher zu Hause. Und wenn nicht, dann müssen sie sich auch noch dauernd rechtfertigen… Ist doch Nix Neues.

        • Ich gebe dir recht, meistens sind es Frauen, die dann weniger arbeiten.
          Mir persönlich ist es das ehrlich gesagt trotzdem wert, dafür mehr Zeit für meine Kinder zu haben.
          Selbst wenn ich später keine riesen Rente habe, werde ich wahrscheinlich nicht sagen „ach hätte ich nur mehr gearbeitet“
          Aber es wäre natürlich wünschenswert Väter zu mehr Teilzeit zu ermutigen, oder Familien die selbstbetreuen o teilzeit arbeiten zu unterstützen.

    • Wobei hier sich auch die Frage stellt: bedeutet Fremdbetreuung stetig wechselnde Bezugspersonen oder feste Bezugspersonen. M. E. Ist dieser Faktor der wechselnden Bezugspersonen höher einzuschätzen als die Fremdbetreuung an sich, um verstärkt zu Verhaltensauffälligkeiten zu führen.
      Feste Bezugspersonen haben dagegen eine eher stabilisierend Wirkung.

        • „In der Regel“ …. wenn nicht ( es gibt sehr viele Gründe dafür), sieht es aber gleich ganz anders aus, je nach Alter des Kindes und Dauer der Fremdbetreuung.

      • Haben Eltern sich entschieden, für ihr Kind die längstmögliche Betreuung in Anspruch zu nehmen, sollten sie sich realistischerweise klar machen, dass ihr Kind von hhäufigen Personalwechseln nicht verschont bleibt. Die Fachkräfte arbeiten weniger als 45 Stunden und wegen ausufernder und fragwürdiger Dokumentationspflichten, verlassen viele Fachkräfte immer wieder den Gruppenraum… Manche Praktikantin in der Krippe wird einem regelrechten „Blasentraining“ ausgesetzt… Und die Kleinen können ja nichts sagen.
        Schade, wie viele Eltern sich von idyllisch anmutenden, mit Glitzer bestäubten „Ich-Büchern“, „Lerngeschichten“ oder Bildungs-Dokus blenden lassen.

    • „…die Tendenz geht dahin, dass hohe Fremdbetreuung eher mit mehr Problemverhalten einhergeht.“

      Aus meiner persönlicher Beobachtung meiner Kinder und vielen anderen könnte ich das bestätigen.
      Den Kindern wurde sehr oft (zu oft) die Möglichkeit weggenommen sich vollstädig zu etfalten. Individualismus (besonderes von Kitas und Grundschulen) wurde nicht gefordert, sondern eher unterdrückt.

      • Monika BY- Es gibt immer Licht- und Schattenseiten. In der Krippe und Kita, aber auch in der familiären Erziehung. Da ich in der Erzieher*innen – Ausbildung als BBSlerin tätig bin gebe ich mal einen kleinen Gedankenanstoß: Zu Eltern wird man durch die Geburt des Kindes. Erzieher*in durch eine zum Teil, je nach Schulabschluss, mehrjährige Ausbildung. Ironie des Gedankens: Wer ist hier der Profi?? Kinder lernen auch durch Nachahmung und soziale Interaktion mit anderen Kindern…..und, und, und….Familien, egal in welchen Konstellationen müssen sich eben organisieren und ihren persönlichen Weg miteinder finden. Und am besten im Austausch mit den Fachkräften der „Fremdbetreuung“. Aber heutzutage sollte jeder „Stallgeruch“ der „angeborenen“ Mutterliebe“ der automatisch die Erziehungsprofessionalität der Mütter bzw. Eltern suggeriert vielleicht vermieden werden. Damit haben sich Frauen lang genug ins Abseits drängen lassen.

        • Ja, ErzieherInnen genießen eine Ausbildung. Dafür betreuen sie (bei uns zumindest) ca 18 Kinder gleichzeitig und können dabei sicherlich weniger auf der individuellen Bedürfnisse u Interessen eingehen als zb Eltern.
          Und – Eltern haben eine ganz andere emotionale Beziehungen zu ihren Kinder als ErzieherInnen (ist ja gut so)… Ich finde diese zwei Aspekte wichtig.
          U soziale Interaktion mit anderen Kindern geht ja auch ohne Kita!
          (Oder auch in 4h statt 8 o 9 h Kita)

        • „Eltern wird man durch Geburt eines Kindes“.
          Aus biologisch u. rechtlicher Perspektive stimmt das wohl.
          Wenn wir aber bedenken, dass soziale Bindung immer auch aus miteinander verbrachter Zeit erwächst, sollten wir die Möglichkeit ausreichend Zeit mit unseren Kindern verbringen zu können, nicht unterschätzen.
          Außerdem, so scheint es mir als Mutter, unterliegen pädagogische Theorien auch dem Zeitgeist und der jeweiligen politischen Agenda.
          Sprach man in den 1960ern einer engen Mutterkindbindung eine sehr hohe Bedeutung zu, war das sicherlich auch durch die wirtschaftspolitisch gewollte Familienkonstelation ( dem Mann muss, damit er dem Arbeitgeber uneingeschränkt zur Verfügung stehen kann, der „Rücken frei gehalten werden“) Heute, im Zeitalter des Turbokapitalismus, indem wir viel Geld verdienen sollen, damit wir auch viel konsumieren können, wird eine frühe Kitaunterbringung, offiziell wegen der Frühförderung, propagiert.
          Von daher ist die Frage “ Wer ist hier der Profi?“, ziemlich schwierig zu beantworten…
          Ich finde, Eltern, v. a. wir Frauen, sollten selbstbewusst ein tolerantes Nebeneinander von Kinderbetreuungsmöglichkeiten einfordern. Jede Familie, v. a. jedes Kind ist anders und wird daher von einer Kitabereuung profitieren oder eben auch nicht…

        • Sorry, aber hier kommt es mir eher so vor als würden die Mütter ins Abseits gedrängt werden. Stallgeruch, Professionalität, Schaffen, Schaffen, Rente, Kinder wegschaffen …boah … kommt das für mich doch niedrig temperiert rüber. Studiert, analysiert, funktionell, zum Erziehungsobjekt degradiert in der Gruppe … Puh! – Am besten mal einen Gang rausnehmen. Ist gesünder. 😉

          • Stallgeruch ist das Stichwort: Was würde wohl aus der Pferdezucht, wenn angeborene Mutterinstinkte, als Glutkern der Schutz und Erziehungsprofessionalität unser“ klugen Riesen “ einfach mal wegtheorisiert wird….?

          • Da habe ich mit passender Wortwahl „getriggert“…. Nö, immer Vollgas provokant voran. Als Mutter, 20 Jahre Vollzeit-Lehrkraft und Alleinerziehende…. Mit sowohl persönlich guten als auch weniger guten Erfahrungen in Krippen-, Kita und Hort-Erziehung…. Die mich beruflich durchaus motivieren meine Energien weiterhin in die Erzieher*innen-Ausbildung zu stecken. Und mich auch fortgesetzt dem Diskurs für die Optimierung der Vereinbarkeit von Familie und beruflicher Tätigkeit zu stellen. Gerne auch mit überspitzten Verbalisierungen. Die Gestaltung der familiären Lebensbiografie obliegt doch jedem selbst. Und früher war doch eh Alles besser….. Smile…

          • @ Die Elfe

            Früher war sicher nicht alles besser. Aber heute ist auch nicht alles gut.

            Sie implizieren hier ein Frauenbild – so empfinde ich es – einer Milchkuh, die ihr Kälbchen direkt nach der Geburt besser weggenommen bekommt, weil sie es als ihre ureigenste Bedürfnisbefriedigung empfindet, ihre Milch zu Geld zu machen statt sie ihrem Kälbchen zu schenken, zumal die „Profis der Fremdbetreuung“ die Aufzucht besser hinbekommen, weil sie es schließlich 4 Jahre lang gelernt haben. „Stallgeruch der „angeborenen“ Mutterliebe“ als eine Kampfansage gegen ein antiquitiertes Frauenbild? Für mich klingt die „Message“ verfehlt. Mit „Vollgas provokant voran“, ja, aber wohin?

            Für die Vereinbarkeit von Familie und beruflicher Tätigkeit gibt es verschiedene Lösungen. Die Welt ist bunt. Es ist ja sogar gar nicht so selten, dass Eltern abwechselnd in Elternzeit – sogar aus ureigenstem Bedürfnis – gehen. Und ich kenne auch „Hausmänner aus Überzeugung“. Die „Profis der Fremdbetreuung“ jedenfalls habe ich bisher noch nicht als elementaren Lebensbaustein betrachtet, lediglich als Zugewinn. Würde ich dem so viel Bedeutung beimessen, würde ich neben einer Ausbildung zwingend Vertrauen, Feingefühl und Respekt als Basis voraussetzen. Ein genereller Vertuschungsauftrag der angeborenen Mutterliebe und den darin suggerierten instinktiv korrekten erzieherischen Fähigkeiten passt da jedenfalls nicht so ganz rein ebensowenig eine von außen betrachtete Bewertung über eine Abseitsposition im Leben. Sooo würde uns beiden kein vertrauensvoller und wertschätzender Austausch als Elternteil mit der „Fachkraft“ gelingen. – Nur mal als „kleiner Gedankenanstoß“ , um Ihre Worte aufzugreifen.

  3. Ich habe mehrfach gelesen, dass sich besonders bei Söhnen das Fehlen eines Vaters bzw. einer männlichen Bezugsperson negativ auswirkt. Bei alleinerziehenden und berufstätigen Müttern kann es im Extremfall bis zur fünften Klasse dauern, bis sie mal ernsthaft mit erwachsenen Männern Kontakt haben, weil im Kindergarten, der Grundschule und in der Nachmittagsbetreuung überwiegend Frauen tätig sind.

    Die Studie hat wie so oft im Bildungsbereich einen stark sozialistischen Einschlag. Jeder erwachsene Mensch soll ggf. für wenig Geld arbeiten, die Kinder sollen in staatlicher Obhut betreut werden ohne das Risiko einer zu starken oder von irgendwelchen übergeordneten Zielen abweichenden elterlichen Erziehung.

  4. Echt jetzt? Das muss auch noch mit ner Studie überprüft werden? Ist der Zusammenhang im Bezug auf erwerbstätige Väter auch schon überprüft worden??? Oder generell für erwerbstätige Erziehungsberechtigte???

  5. Leider kann ich nicht einsehen, was die Autoren als Verhaltensprobleme definieren.

    Unabhängig davon finde ich es sehr schade, dass in immer mehr Familien beide Elternteile erwerbstätig sein müssen. Verhaltensprobleme hin oder her. Man lebt nur einmal und die Zeit in den ersten Jahren ist unglaublich wertvoll für die Beziehung zwischen Eltern und Kindern.
    Durch meine Zeit im Rettungsdienst weiß ich eines ganz sicher: nichts ist wertvoller als die Familie. Ich habe viele Menschen an der Schwelle zum Ableben begleitet. NIEMAND wollte etwas von der Arbeit, Geld, Karriere oder Besitz erzählen oder hören.

    Viele haben es bereut, zu wenig Zeit mit ihrer Familie verbracht zu haben, sich nicht versöhnt oder ihr Leben vorm Fernseher oder im Job verschwendet zu haben.

    Das ist zwar etwas off topic aber meiner Meinung nach ein Punkt der in der öffentlichen Debatte viel zu kurz kommt.

  6. War nicht hier auf n4t in der Vergangenheit immer das Gegenteil behauptet worden? Die geringere Berufstätigkeitsquote im alten Westdeutschland sei Grund für bessere Schulleistungen früher gewesen, weil Mütter quasi die Nachhilfe zuhause übernommen hätten? In der DDR wiederum sollen ja die Schulleistungen besser gewesen sein als im Westen und das trotz (oder wegen?) der hohen Berufstätigkeitsquote der Mütter mit bis zu 90%!?!

  7. Es muß ja nicht unbedingt die Mutter sein, die zugunsten der Kinder beruflich kürzer tritt. Von mir aus kann das auch der Vater sein. Das muß jedes Paar für sich selbst entscheiden.
    Aber grundsätzlich betrachte ich die Entwicklung hin zu immer mehr Fremdbetreuung von kleinst auf, mit großer Skepsis.
    Ich glaube, würde man ein – oder zweijährige Kinder fragen, ob sie lieber jeden Tag von morgens bis nachmittags in die Krippe möchten oder lieber zu Hause bei Mama/Papa blieben, würde die Antwort zugunsten Mama oder Papa ausfallen.
    Aber die fragt ja keiner.

  8. Erstaunlich, dass die Berufstätigkeit von Müttern heutzutage immer noch, odet wieder, diskutiert wird. Man könnte genauso auch über die Berufstätigkeit von Vätern nachdenken.

  9. Ich verstehe nicht, warum man daraus so eine riesige Debatte macht. Wenn die Mutter zuhause bleiben möchte, wenn die Kinder klein sind, bliebt die Mutter zuhause. Wenn der Vater möchte, bleibt er zuhause. Wenn beide nur teils zuhause bleiben möchten, bleiben beide nur teils zuhause. usw. Das muss doch jedes Paar/jede Familie für sich selbst entscheiden.
    Ein Problem, an dem aber weiter gearbeitet werden muss, ist die im europäischen Durchschnitt unterdurchschnittliche Qualifikation von deutschen ErzieherInnen. Nur wenn das Personal ausreichend qualifiziert ist, können Kinde gut betreut werden. Natürlich würde das etwas kosten, weil es dann eine höhere Bezahlung der ErzieherInnen rechtfertigen würde. Das Geld sollte es uns aber wert sein und zumindest ein Fachhochschulstudium auf Bachelorniveau einzufordern, wäre wünschenswert.

    • Es ist schon ein politisches Thema, weil gegenwärtig politisch sehr auf möglichst viel Fremdbetreuung geprägt wird.
      Hier im Osten werde ich irritiert angeschaut, wenn mein Kind mit 2 Jahren noch nicht in der Krippe ist…
      Familienfreundlichkeit bedeutet in unser Politik das die Ganztagesbetreuung immer weiter ausgebaut wird.
      Kann es familienfreundlich sein, wenn sich die Familie nur noch ab 18 Uhr sieht?
      Es gibt da auch ein gutes Buch: Mutter Vater Staat heisst es… https://g.co/kgs/MDnB5k

      Ist es fair, dass eine Mutter, die 5 Kinder großgezogen hat, die alle ins gegenwärtige Rentensystem einzahlen, selbst nur die Mindestrente erhält?

      Deswegen ist es meiner Meinung nach schon ein politisches Thema.

      • Danke für den Lesetipp.
        Was könnten, bzgl. der Kinderaufzucht denn die Konsequenzen aus der Coronapandemie sein? Vielleicht dass Eltern wieder mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen sollten, damit sich viele die häusliche Betreuung ihrer Kinder wieder zutrauen? Schon mal in Ausblick auf mögliche weitere Pandemien, die ja nach Aussagen einiger Wissenschaftler nicht unwahrscheinlich sind? Vermutlich wird aber, wegen der belasteten Staatskassen, auf hohe Steuereinnahmen, also auf doppelverdienende Eltern, was einen weiteren Ausbau der Ganztagsbetreuung bedeuten würde, gesetzt. Aber die Politik kann nur soweit handeln, wie wir Bürger es akzeptieren…

      • Sehe ich auch so. Wenn man sich bewusst dazu entscheidet, dann sollten Kindererziehungszeiten wie Erwerbszeit stärker berücksichtigt werden.

  10. Die Arbeit einer Erzieherin erfordert sicherlich eine gute fundierte Ausbildung.
    Ob dafür ein Studium nötig ist, sei dahingestellt.
    In erster Linie braucht es dafür Herz, Hirn, und Humor. Das sage ich nach 30 Jahren
    Arbeit im Kindergarten.
    Meine Ausbildung würde ich jedoch nicht als schlecht bezeichnen.
    Das meiste lernt man dann sowieso im Laufe der Zeit durch die praktische Tätigkeit.

  11. Letztlich ist es doch oft so, dass man nicht die Wahl hat. Ein Gehalt reicht i. d. R. nicht aus und ich persönlich wollte auch immer gern arbeiten. Ich konnte mir allerdings nicht aussuchen, wann ich das Kind in die Kita gebe, sondern musste dann den Platz nehmen, wenn ich ihn bekommen habe, sonst hätte ich womöglich weitere 1-2 Jahre waren müssen. Einmal in der Kita, muss man Zeiten buchen, die man auch einhalten muss und das Kind muss jeden Tag kommen (wenn ich zB nur Betreuung für 3 Tage benötige, bekomme ich aber keinen Platz für 3 Tage). In der Grundschule ist es hier so, dass das Kind entweder 11:30 fertig ist oder, wenn es im Hort ist, eine Mindestbuchungszeit besteht, bis 16, oft sogar bis 17 Uhr, auch wenn ich vielleicht schon um 14/15 Uhr abholen könnte.
    Jetzt an der weiterführenden Schule ist es so, wie ich es am besten finde: Das Kind geht nur an den 2 Tagen in den OGT, an dem ich auch länger arbeite. So lässt es sich am besten mit meinem Job und Dasein als Mutter (und für den Vater, der sich auch kümmert) vereinbaren, aber das war die ersten 10 Jahre so nicht möglich.

  12. Manchmal kommt es mir vor, als würden sich Hundebesitzer mehr mit den Bedürfnissen ihres Tieres beschäftigen als Eltern.
    Bei Hunden wird genau hingesehen, wann man sie frühestens von der Mutter trennen darf, bei Kindern liest keiner nach – obwohl man es könnte. Es wäre halt so, dass man heutzutage auch als Frau arbeiten muss… Ja, aber dann darf man sich halt kein Kind anschaffen. Genauso wie viele (Vernünftige) sich keinen Hund anschaffen, weil sie neun Stunden außer Haus sind.
    Kinder haben Bedürfnisse. Bindungsforscher erwähnen immer wieder, dass Kleinkinder bis zu einem Alter von ca. drei Jahren nicht zwischen sich selbst und der Mutter unterscheiden können. Sie sehen sich als Einheit. Vielleicht können wenige, empathische Menschen nachempfinden, was das dann mit einem Kind macht, wenn man es hier herausreißt.
    Sicher können sich diese Kinder an die Kita gewöhnen, hören auf, zu weinen (weil sie keiner hören möchte) und gehen nach einiger Zeit scheinbar gern dort hin (weil sie aufgegeben haben und feststellen mussten, dass ihren Gefühle keine Bedeutung zugemessen wird).
    Oft hinterlässt dieser Schritt jedoch gravierende Bindungsstörungen beim Kind zurück. Das werden dann später tolle Arbeitnehmer, denen es wichtiger ist, das derzeitige Projekt abzuschließen, als der Beerdigung der Eltern, dem Geburtstag des Kindes, etc. beizuwohnen. Emotional ganz arme Würstchen eben. Wollt ihr das für eure Kinder?

  13. @Katinka
    Ja, so ist das in den Kitas. Weil Sie eben nicht die einzige sind, die ihr Kind dort hinbringt. Kita bedeutet viele Wünsche und Bedürfnisse sowohl von Kindern als auch von Eltern unter einen Hut zu bringen. Um da einen einigermaßen geregelten Tagesablauf plus pädagogisch hochwertige Betreuung hinzukriegen, muß man Kompromisse machen. Wenn jeder sein Kind bringen und abholen könnte, wie’s ihm grade am besten passt, dann hätten wir Chaos in det Kita. Dann wäre es Aufbewahrung und keine qualitativ hochwertige Betreuung mehr.

  14. „Berufstätigkeit der Mutter hat keine Auswirkung auf das Sozialverhalten des Kindes?° Diese Überschrift – ich kann ihr nicht folgen!Mutter sein. Haushaltsführung, Kinderärztin Köchin sein (zu Dürfen) keine Berufstätigkeit? Sollte das nicht anerkannt werden? Oh ja, ich höre 2FRAU“ zurück an den Herd! Was bedeutet heute FAMILIE?
    Änderung unserer ertvorstellungen! Den Menchen in den Mittelpunkt der Politik stellen! Wirtschaft?

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