Zeit für Umstellung auf die Notbremse? Lorz und Bouffier stiften Verwirrung

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WIESBADEN. Montag ist der erste Unterrichtstag an Hessens Schulen, an dem Vorgaben der Bundes-Notbremse gelten. In Frankfurt soll es nach längerem Hin und Her nun doch keine Übergangsregelung geben. Zuvor hatten der Ministerpräsident und der Kultusminister angekündigt, dass sich die Schulen Zeit bei der Umsetzung der neuen Regelungen nehmen könnten.

Was gilt denn nun? Hessens Kultusminister Alexander Lorz. Foto: HKM/ Patrick Liste

In der kommenden Woche ändern sich aufgrund der neuen Bundes-Notbremse im Kampf gegen Corona auch die Regeln für Hessens Schulen. Übersteigt die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen in einer kreisfreien Stadt oder einem Kreis an drei aufeinander folgenden Tagen den Wert von 165, werden die Schulen ab dem übernächsten Tag geschlossen, alle Schülerinnen und Schüler haben dann Distanzunterricht. Eine Ausnahme gibt es für die Abschlussklassen und die Förderschulen, die weiterhin im Wechselbetrieb bleiben. Es soll dann eine Notbetreuung für die Klassen 1. bis 6. eingerichtet werden.

«Eltern brauchen Zeit, um sich auf die neue Situation einstellen zu können»

Obwohl die Regeln formal bereits am Montag greifen, hatten Ministerpräsident Volker Bouffier und Kultusminister Alexander Lorz (CDU) angekündigt, den Schulen Zeit für die nötigen Umstellungen zu geben. Es reiche, wenn die neuen Regeln im Laufe der Woche eingeführt werden.

Auch in Frankfurt sollen die Schüler von Montag an in den Distanzunterricht gehen, nachdem es zunächst viel Unklarheit gegeben hatte. Noch am Samstag hatte die Stadt eine Übergangsregelung in der kommenden Woche für Schulen und Kitas angekündigt. Am Sonntagvormittag ruderte das Schulamt dann zurück. So soll es nun allenfalls eine Notbetreuung geben.

«Eltern brauchen Zeit, um sich auf die neue Situation einstellen zu können», hatte Frankfurts Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) noch am Samstagabend erklärt. Beim Kultusministerium in Wiesbaden kam das nicht gut an. Dort hieß es auf Anfrage: «Die Schulgemeinde braucht in dieser für alle herausfordernden Zeit nicht Verunsicherung, sondern Klarheit – und das selbstverständlich auch auf Grundlage der neu beschlossenen Regelungen. Dafür sollten sich alle weiterhin nach Kräften einsetzen.»

Abitur ohne Maskenpflicht? «Überall sonst entbindet ein negativer Schnelltest nicht vom Einhalten der AHA-L-Regeln»

Das Abitur soll planmäßig stattfinden. Jedoch hat die Aufhebung der Maskenpflicht während der Abiturprüfungen für zuvor auf Corona getestete Schüler für Unverständnis gesorgt. «Überall sonst entbindet ein negativer Schnelltest nicht vom Einhalten der AHA-L-Regeln. Es gibt keinen sinnvollen Grund, das im Abitur anders zu halten», kritisierte die Vorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW Frankfurt, Laura Preusker.

Die weiteren Regeln besagen, dass Schulen wieder im Wechselmodell arbeiten können, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz an fünf aufeinanderfolgenden Werktagen unter 165 bleibt.

Für die Betreuung in den Kitas gilt bis zu einer Inzidenz von 165 wie bisher der Appell an die Eltern, ihre Kinder – wenn möglich – zu Hause zu betreuen. Ab diesem Wert wird es nur noch eine Notbetreuung geben. Wenn die zuständigen Kita-Träger sich entschließen, Kinder regelmäßig vor dem Kita-Besuch zu testen, übernimmt das Land die Hälfte der Kosten für die Schnelltests. Die landesweite Inzidenz lag am Sonntag (Stand 3.09 Uhr) in Hessen dem Robert Koch-Institut zufolge bei 177,1, in Frankfurt bei 174,5. dpa

Die GEW kämpft jetzt für Schulöffnungen. Kultusminister gibt nach – und kündigt trotz steigender Inzidenzen Präsenzunterricht an

 

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9 KOMMENTARE

  1. Sorry aber macht doch einfach mal 4- 6 Wochen Distanzunterricht.
    Wir dürfen uns nur mit einer weiteren Person aus einem anderen Hausstand treffen aber unsere Kinder sitzen mit mehreren Kindern da.
    Demonstrieren darf man auch aber unsere Kinder schütz man nicht.

    • „Sorry aber macht doch einfach mal 4- 6 Wochen Distanzunterricht.“

      Noch besser: Ein klares Inzidenzziel rausgeben und dann wirklich sehr stark bremsen, also erstmals einen wirklichen Lockdown machen und nicht alle Abstufungen von Lockdown light durchprobieren. Den dann durchhalten, bis das Ziel erreicht ist und nicht wieder vorher mit Öffnungsorgien anfangen.

      Wenn man das klar kommuniziert und jedem klar ist, dass das kumulierte Verhalten aller einen Einfluss auf die Dauer des Lockdowns hat, dann wird das auch gehen.

      Als Ziel würde ich irgendwas zwischen 10 und 20 anstreben… nicht 100, nicht 165 und auch nicht 200.

      Danach kann man dann auch wieder sicheren Präsenzunterricht anbieten und muss sich keine haarsträubenden Ausreden mehr einfallen lassen, um den Gesundheitsschutz auszuhebeln.

  2. Nachdem die noch am Samstag von der Stadt Frankfurt verkündete Übergangsregelung zurückgenommen werden musste, da diese nicht den gesetzlichen Vorgaben entsprochen hätte, kündigte Bildungsdezernentin Weber heute Abend an, dass dafür die Notbetreuung in der kommenden Woche für alle offen stehen soll. Bleibt es dabei, werden wir in Frankfurt also an vielen Schulen vorerst mehr Schüler*innen in den Klassenräumen sitzen haben als vorher im Wechselunterricht. Also, erst nochmal eine Woche beschleunigen bevor dann irgendwann vielleicht doch die Notbremse gezogen wird.

  3. BUNDES-Notbremse (light) …..

    „Das Abitur soll planmäßig stattfinden. Jedoch hat die Aufhebung der Maskenpflicht während der Abiturprüfungen für zuvor auf Corona getestete Schüler für Unverständnis gesorgt.“

    Da geht es den hessischen Abiturienten ’noch gut'(?), ….

    * Niedersachsen – Vorgaben für die aktuell laufenden Abiturprüfungen 2021:
    – vor den Abiturprüfungen in Präsenz gibt es offiziell
    K EI N E . S E L B S T TE S T – P F L I C H T !
    – am Sitzplatz . E N T F Ä L L T während der Abiturprüfung
    die . M AS K EN P F L I C H T !

    BUNDESEINHEITLICH ist da nix, alles wieder in der Entscheidungsgewalt des Landesfürsten und seines Adjudanten aus dem KM.

    Unsere Inzidenz in der Region:
    Region gesamt: 141
    Region Alter 5-14 204
    Region Alter 15-34 195

  4. Jetzt haben wir die einheitliche Linie in ganz Deutschland und ich finde sie gut, aber sie führt gar nicht zu Einheitlichkeit, denn in jeder „Gegend“ kann etwas anderes gelten, je nachdem wie hoch dort die Inzidenz ist. Es bleibt also dabei, dass im eigenen Kreis vielleicht die Schulen zu sind, aber im Kreis nebenan offen. Genauso ist es mit den Geschäften und allem anderen. Und das kann sich quasi wöchentlich wieder ändern. Nebenan auch zu. Bei mir selbst wieder offen. Eine Woche später wieder zu. Ich nehme an, dass ist gar nicht die Einheitlichkeit, die alle wollten? (fast alle) Bestimmt werden sich bald viele nach dem „Bundesländervorgehen“ sehnen.

    Ich finde die neue „uneinheitliche Einheitlichkeit“ ok. Man muss nun aber immer wissen, wie ist die Inzidenz in meinem Kreis und ab wann gelten welche Einschränkungen.

  5. Nachdem noch angekündigt wurde, dass nächste Woche bei Inzidenzen unter 165 ALLE Jahrgänge wieder zum Wechselunterricht kommen sollen, sollte man sich mal verdeutlichen, was das heisst. Für ein paar SuS heißt es ääätsch! Inzidenz zu hoch, leider falsche Hoffnungen geweckt. Für andere Kreise heisst es, dass die Inzidenz doppelt so hoch sein kann wie vor den Osterferien dafür aber dreimal so viele SuS anwesend sein dürfen. Vielleicht bin ich ja auch nur zu dumm für das Ganze, aber ca. 150 SuS anwesend in Klasse 5 und 6 bei Werten um die 70 vor Ostern und ca. 500 SuS bei Inzidenzen um die 140 bis 160 bei 5 zügigen Gymmis mit ca. 30 SuS pro Klasse ohne Abschlussjahrgang ab nächster Woche? Wo ist da denn die Notbremse? Vielleicht kann mir das jemand mal kurz erklären? Oder braucht man dazu extrem tolle Matheformeln, um daraus eine „Bremswirkung“ zu errechnen?

  6. Wäre es zum Lachen, wäre es lächerlich. Im Saarland sollten in der Planung sogar positiv Getestete in parallelen Räumen schreiben dürfen. Auf die Idee muss man erstmal kommen! Als das kurz vor Prüfungsbeginn doch noch verworfen wurde, wurden Tests einfach als freiwillig deklariert und so sitzen nahezu alle ungetestetet in der Abiprüfung. Essen und Trinken ohne Masken, nur Kauen unter der Maske. Aha, muss die Aufsicht wohl dem Prüfungs-Volk aufs Maul schauen, um der Regel zur Durchsetzung zu verhelfen. Nicht ärgern, nur wundern, auch wenns schwerfällt.

  7. Wer kann mir erklären, warum die ohnehin schon abenteuerlich hohe Zahl von 165 nicht für Förderschulen gilt, in denen Abstand und Maskeanziehen für viele Kinder nicht machbar sind? Dazu kommt, dass wir (immerhin einige Kolleg_innen schon einmal, aber erst ab Juli mit vollem Impfschutz) unsere Schüler füttern, wickeln, beim Aus- und Anziehen helfen und mehr helfen müssen, da kann man keinen Abstand einhalten. Ich habe Angst, ich bin verzweifelt, ich habe keine Kraft mehr!

    • Geh zum Arzt und lass dich krank schreiben. Das ist leider alles, was du tun kannst.
      Wenn niemand an dich denkt, musst du es selbst tun.
      Alles gute für dich.

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