GEW: Antisemitismus an Schulen nimmt zu – Lehrkräfte brauchen Hilfe

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Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) beklagt einen wachsenden Antisemitismus unter Schülerinnen und Schülern in Deutschland. «Der Antisemitismus an Schulen hat zugenommen. Er war zwar nie verschwunden, aber die Themen Holocaust und jüdisches Leben in Deutschland sind für die Jugend nicht mehr so präsent», sagte GEW-Vorstandsmitglied Ilka Hoffmann dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Das NRW-Schulminsterium lässt Ausmaß und Formen des Problems derzeit wissenschaftlich untersuchen.

„Du Jude“ ist heute wieder ein Schimpfwort in vielen Schulen. Foto: Shutterstock

Hinzu kämen, so Hoffmann, ethnische und religiöse Konflikte, die die Schulen überforderten. Sie forderte ein «behördliches, aber unbürokratisches und schnelles Hilfsangebot für die Bekämpfung von Antisemitismus an Schulen». Aktuell würden sich viele Lehrkräfte mit dem Problem des Antisemitismus alleingelassen fühlen, sagte die Bildungsgewerkschafterin.

Unterrichtsbeobachtungen sollen Ansatzpunkte liefern

Die NRW-Landesregierung lasst derzeit untersuchen, welches Ausmaß das Problem an den Schulen des Landes hat. Durch eine empirische Studie der Ruhr-Universität Bochum auf der Basis von Unterrichtsbeobachtungen sollen Erkenntnisse und Ansatzpunkte für neue Unterrichtsmaterialien gewonnen werden. Zudem sollen auch Konzepte für Lehrer-Fortbildungen entwickelt werden.

«Menschenverachtende Ideologien dürfen in unserer Gesellschaft und selbstverständlich auch in unseren Schulen keinen Platz haben. Dennoch wissen wir, dass antisemitische Diskriminierungen auch im Sozialraum Schule vorkommen, denn Schule ist ein Spiegel unserer Gesellschaft», sagt Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP). Beleidigungen wie «Du Jude» seien immer noch auf dem Schulhof zu hören. «Wir wollen, dass es gar nicht erst zu antisemitischen Vorfällen kommt», betont Gebauer. Die Demokratie brauche junge Menschen, die couragiert gegen jede Form von Rassismus, von Gewalt und Diskriminierung eintreten.

Die Forscher der Ruhr-Universität haben den Angaben zufolge von November 2020 bis Frühjahr 2021 an sechs Berufskollegs, Gesamtschulen und Gymnasien im städtischen und ländlichen Bereich den Schulunterricht beobachtet. Auch bereits vorhandene Unterrichtsmaterialien wollen die Forscher untersuchen. «Antisemitismus hat nichts mit realen Juden und Jüdinnen zu tun, Antisemitismus ist ein Phantasma über jüdische Menschen», erklärt der Leiter der Studie, Karim Fereidooni.

„Der Institution Schule kommt bei der Prävention eine wichtige Rolle zu“

Die Ergebnisse der Studie sowie Fortbildungsmaterialien für Lehrer sollen im Juli 2022 vorgestellt werden. Die Studie sei bundesweit die erste ihrer Art, erklärte die NRW-Antisemitismusbeauftragte Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Antisemitismus sei leider allgegenwärtig in der Gesellschaft und in allen Gesellschaftsschichten zu finden. «Der Institution Schule kommt deshalb bei der Präventionsarbeit eine sehr wichtige Rolle zu, damit sich antisemitische Überzeugungen erst gar nicht in den Köpfen unserer Kinder breitmachen können».

Unabhängig von der Studie gibt es bereits Projekte, mit denen Antisemitismus in Schulen bundesweit entgegengetreten wird. Eins davon heißt «Meet a Jew» («Triff einen Juden»). In diesem Projekt gehen jüdische Jugendliche und Erwachsene unter anderem an Schulen mit dem Ziel, «das oft abstrakte Bild von „den Juden“ in unserer Gesellschaft aufzubrechen», so die Homepage des Projekts. News4teachers / mit Material der dpa

Hier geht es zur Homepage von „Meet a Jew“.

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14 KOMMENTARE

  1. Tja, wer waren denn die Organisatoren der vielen Demonstrationen in den letzten Tagen, bei denen israelische Fahnen verbrannt wurden? Ich glaube, das waren keine Neonazis, sondern Tarnorganisationen von politischen Scharfmachern im Ausland, die durchaus menschenverachtende Ideologien vertreten und nach Deutschland bringen, aber unabhängig von Holocaust und der unrühmlichen deutschen Vergangenheit. Und laut Gerüchten ist in Berlin „du Jude“ ein Schimpfwort auf den Schulhöfen gerade derjenigen Schulen mit hohem Migrantenanteil. Davon spricht die GEW aber nicht.
    Herr Mansour ist doch DIE Autorität für solche Dinge. Unter
    https://www.zdf.de/nachrichten/politik/israel-palaestina-antisemitismus-mansour-100.html#xtor=CSS-62
    sagte er vor ein paar Tagen: „…, dass die Hälfte der Menschen mit Migrationshintergrund muslimischer Herkunft antisemitische Einstellungen haben. Dabei spiele jedoch nicht nur (!) die Religion eine Rolle, sondern auch die einseitige (!) Betrachtung des Nahost-Konflikts.“ Im Klartext: Es gibt eine Indoktrination der Menschen im Nahen Osten durch die schon genannten politischen Scharfmacher. Auch davon spricht die GEW nicht.

    • Was mich so enttäuscht ist, dass die Politik die konstruktiven Präventionsvorschläge Hr. Mansours einfach ignoriert. Seit Jahren engagiert er sich für z.B. eine Umgestaltung des Religionsunterrichtes, für eine Aufklärung über die Konflikte im Nahen Osten durch die Schulen und für Lehrerfortbildungen, die zu dieser Aufklärungsarbeit befähigen sollen usw.
      Und hatte er nicht kürzlich, bei M.Lanz, noch gesagt, die Minesterien würden z.T. seine Anschreiben nicht beantworten?
      Die politisch Verantwortlichen schaffen es auch bzgl. dieser Problematik sich zu entziehen.

      Wegen des Klimawandels mit all seinen Folgen( vermutlich auch eine Zunahme von Kriegen und anderer Verbrechen) werden wir ein Einwanderungsland bleiben und unsere Bildungseinrichtungen müssen die Fragen, die die Kinder der Geflohenen stellen, auch beantworten können.
      Die Kinder müssen sich ernstgenommen und wertgeschätzt fühlen, um sich mit den Werten des Einwanderungslandes zu identifizieren. Deshalb sollten sie auch in z.B. einem überarbeiteten Geschichtsunterricht etwas Positives über ihre Kultur vermittelt bekommen. Auf dem Gymmi haben die Jugendlichen, zumindest in HH, noch einen strukturierten Geschichtsunterricht.Eigentlich schön, aber ich frage mich, ob nicht einzelne Themen durch Neuzeitlichere ersetzt werden sollten, und ob z.B. beim Thema Mittelalter, nicht auch die geistigen und naturwissenschaftlichen Blütezeiten des Orients wertschätzend und ausführlich besprochen werden sollten.Einfach weil die Jugendliche mit Migrationsgeschichte so etwas Helles über ihr Herkumpfsland erfahren( nicht nur Krieg u. Verwüsstung) und für die Schüler, die ihre Heimat nicht verlassen mussten, erweitert das doch auch den Horizont.

      • Problem ist, dass man für die naturwissenschaftliche Blütezeit des Orients sehr weit in der Zeit zurückreisen muss. Für die Blütezeit Afrikas muss man noch weiter zurückreisen und sich auf den Norden beschränken. Aus Zentralafrika wurde nahezu nichts überliefert und das vorhandene wurde von den Kolonialherren konserviert.

        Noch viel besser wäre allerdings eine konsequente Forderung nach Eingliederung in die heimische Gesellschaft und ihre Normen, die natürlich auch durchgesetzt werden muss. Wer dazu nicht bereit ist, fühlt sich im Heimatland bestimmt besser aufgehoben.

        • Na ja, in Latein und Geschichte reisen die Lerngruppen meiner Kinder noch weiter zurüch. Geht doch auch.

          Ein etwas weltgeschichtlich erweiterter Geschichtsunterricht könnte sich doch, durch die Wertschätzung anderer Kulturen, auch positiv auf das Schulleben und die Identifikationsbereitschaft mit unserer heimischen Gesellschaft auswirken. Menschen identifizieren sich i.d.R.mit einer achtsamen Umgebung lieber als mit einer ignoranten. Jedes Kind hat das Recht Wesentliches über die Menschheitsgeschichte und über die Geschichte seines Landes zu erfahren…..

          Die „konsequente Forderung nach Eingliederung in die heimische Gesellschaft und ihre Normen“, ist selbstverständlich an jeden Jugendlichen zu stellen.

          • Wir haben ein wenig aneinander vorbei geschrieben:

            Natürlich sollen die Schüler wesentliche Inhalte der Weltgeschichte erfahren. Im Orient und Nordafrika gab es nach dem Altertum nicht mehr viel, was nicht mit (Mittel-) Europa zu tun hatte. Damals war aber Europa ein unentwickelter Urwald. In Zentral- und Südafrika gab es nicht viel oder zumindest nicht viel, was die Jahrtausende überdauert hat.

            Dass man sich im deutschen Geschichtsunterricht im Wesentlichen auf die deutsche Geschichte bzw. auf die Staaten beschränkt, die heute Deutschland sind, liegt in der Natur der Dinge. In Russland behandelt man die russische Geschichte, in Japan die japanische, in der Türkei die türkische, in den USA sogar ausschließlich die US-amerikanische usw..

            Ihren letzten Absatz unterstreiche ich doppelt. Insbesondere gilt das für eine säkulare Ausübung der Religion und mindestens Toleranz aller anderen Glaubensrichtungen, insbesondere wenn die andere Glaubensrichtung inkompatibel zur eigenen ist.

  2. Die Konzentration auf rechtsextremen Antisemitismus stellt sich ganz offensichtlich als nicht umfassend heraus, weil ethnisch-kulturelle Differenzen zumindest auch eine Rolle spielen können. Ich bin gespannt, ob die auch wirklich benannt und erforscht werden.

  3. Bis in die 70er Jahre war die Tagesschau und andere Medien israelfreundlich geprägt.
    Das änderte sich zur Zeit des Linksterrorismus.
    Das ganze linke Spektrum stellte sich immer mehr gegen Israel.
    Irgendwann waren die Nachrichten einseitig geprägt von israelfeindlicher und paleästinenserfreundlicher Berichterstattung. Es wurden nur Bilder von leidenden Palästinensern gezeigt, aber die Angriffe auf Israel kaum erwähnt.
    Nun seit leider zu wenigen Jahren wird versucht, ausgewogener zu berichten. Es kommen sowohl Palästinenser als auch Israelis zu Wort.

    Das trägt vielleicht dazu bei, den Antisemitismus unter Deutschen ohne Migrationshintergrund zu reduzieren.
    Für die Menschen mit Migrationshintergrund wird das nicht ausreichen.
    Für sie sind Sender in ihrer Muttersprache mit ausgewogenem Programm erforderlich. Also das Erste, Zweite, KIKA und die Privatsender auf türkisch und arabisch.

    Die Lehrkräfte werden es sonst nicht schaffen.

    • „Also das Erste, Zweite, KIKA und die Privatsender auf türkisch und arabisch.“

      ODER: Den Pressekodex mehr oder weniger abschaffen und immer emotionslos alle Fakten raushauen, die es gibt. Wenn linke Gruppen, rechte Gruppen, die arabisch-türkisch-afrikanischen Migranten, ethnisch-deutsche Männer oder wer weiß ich dann schlecht wegkommen oder Vorurteile als wahr bestätigt oder als falsch widerlegt werden, umso besser. Wer für sich gefühlt zu schlecht wegkommt, kann sich ändern und sich dafür einsetzen, dass die eigene Gruppe besser dasteht oder bei gewissen Dingen die Niederlage eingestehen.

      • @Georg
        Also sind jüdische Mitmenschen selbst Schuld und müssen sich ändern damit ihre Gruppe besser wegkommt?

        Missbrauchte Kinder sind auch selbst Schuld dass sie Opfer wurden?

        • In gewissen Grenzen schon, nämlich den Teil, der durch eigenes Handeln beeinflusst werden kann. Einer Frau wird doch auch davon abgeraten, nachts alleine durch dunkle Gassen zu gehen. Ebenso sollten Juden zumindest vorerst nicht mit einer Kippa auf dem Kopf durch einen vorwiegend muslimisch geprägten sozialen Brennpunkt laufen.

          Bei Missbrauch gilt das selbstverständlich nicht. Jedoch müssen die Trittbrettfahrer, die die Studie zu verantworten hatten, bei der „geschubst werden“ bereits als eine Stufe des Missbrauchs galt, lebenslang außer Dienst gestellt werden, weil sie den tatsächlichen Opfern eine Bärendienst erwiesen. Dasselbe gilt auch für die selbst ernannten Rassismus-, Sexismus-, X-phobieopfer usw..

  4. Herr Abdel-Samad schreibt in der ZEIT vom 20.5.2021 auf Seite 56:
    „In Deutschland droht uns ein fatales Szenario: Juden bangen um ihre Sicherheit, während Judenhasser sich frei bewegen. Die religiösen Mythen von Hamas und Muslimbrüdern erscheinen manchen jungen Muslimen attraktiver als die westliche Freiheit. Warum? Weil der deutsche Staat es aus falscher Toleranz zugelassen hat, dass Islamisten hier ihre Infrastrukturen aufbauen konnten.“ Auf Seite 10 in derselben Ausgabe der ZEIT wird erläutert, wieviele islamistische Tarnorganisationen eine finanzielle Zuwendung vom deutschen Steuerzahler bekommen.

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